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Lesejahr A 2016/12 bis 2017/11

Predigt - Homilie an Christkönig in Rosenbach und in der Sonntagabendmesse in St. Michael NK

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Das Königtum des Lammes
1 Heilsames Erinnern
an die Feier des Christkönigsfestes in  meiner Kindheit und Jugend. Mitten in der Nazidiktatur Hitlers und nach deren Zusammenbruch 1945 sangen wir begeistert, das 1934 von Karl Kienle geschaffene Lied »Zum ewigen Hohenpriester« mit dem Kehrvers: "Christus, du allein, du sollst König sein, für alle Welt und Zeit, für alle Ewigkeit."[1]
Nach dem 2.Weltkrieg zog die katholische Jugend  jedes Jahr zum Christkönigsfest mit vielen Bannern und einer großen Schar zum Dom in Bamberg,  um Christus als ihrem König zu huldigen. Denn alle hatten erlebt, wie schrecklich es ist, von Menschen regiert zu werden, die nur sich selber Gesetz sind und denen die Verantwortung vor Gott fehlt.
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland haben aus dieser schlimmen Erfahrung lernend dieses Gesetz im ersten Satz so begonnen: "Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben."
Wir dürfen gespannt sein, wer bei der Vereidigung der neuen Bundesregierung sich auf diese Verantwortung vor Gott einlässt.
2 Das Lamm Gottes ist würdig, Macht zu empfangen
Im heutigen Eingangsvers aus der Offenbarung des Johannes heißt es: "Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, Macht zu empfangen".[2]  Johannes der Täufer hatte auf Jesus deutend gesagt: "Seht das Lamm Gottes".[3]
Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene ist in den Augen Gottes würdig Macht  zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft und Ehre.
2.1 Das Lamm-Sein Gottes in Jesus
Das Lamm-Sein Gottes in Jesus gilt es heute am Christkönigsfest zu verinnerlichen. Was bewirkt dieses Lamm-Sein Gottes in Jesus?
Angesichts des Lammes Gottes erkennt sich der Sünder Augustinus "als unglückliches Lamm, das von der Herde abirrend durch hässliche Räude entstellt ward." [4]
Der  Kapuzinertheologe Anton Rotzetter sagt: Biblisch verstanden meint Lamm Entschuldung, Entlastung. Für ihn bedeutet das:  "In der Begegnung mit Jesus habe ich aufgehört, vollkommen sein zu müssen."
Über solch persönliche Erfahrung hinaus hat das Lamm-Sein Gottes in Jesus eine ungemein politische Bedeutung. Papst Benedikt verwies in seiner Einführungspredigt auf die Praxis des alten Orients, "dass die Könige sich als Hirten ihrer Völker bezeichneten. Dies war ein Bild ihrer Macht, ein zynisches Bild: Die Völker waren wie Schafe für sie, über die der Hirte verfügt.“
Auf Jahwe, den Gott und Vater Jesu verweisend fuhr der Papst fort: „Der wahre Hirte aller Menschen, der lebendige Gott, ist selbst zum Lamm geworden, er hat sich auf die Seite der Lämmer, der Getretenen und Geschlachteten gestellt. Gerade so zeigt er sich als der wirkliche Hirt. 'Ich bin der wahre Hirte... Ich gebe mein Leben für die Schafe', sagt Jesus von sich (Joh 10, 14f)."
Daraus folgert Benedikt XVI: "Nicht die Gewalt erlöst, sondern die Liebe."
2.2 Jesus verkörpert die Liebe Gottes
Die in der Lesung aus dem Propheten Ezechiel  sich aussprechende persönliche Sorge Gottes um uns Menschen wird in Jesus menschliche Person. In ihm wird Gottes Lamm-Sein Mensch, Mitmensch, Liebe.
In Offb 5,6 hören wir den Seher Johannes sprechen: "Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet."
Dass Jesus als geschlachtetes Paschalamm, dessen Blut eschatologische Heilswirkung hat, "steht", verweist auf die Auferweckung und Erhöhung des von Ewigkeit her in Gott existierenden Jesus.
Jesus als das geschlachtete Lamm lässt uns auf seinen Kreuzestod schauen. Er solidarisiert sich mit den geschunden und geschlachteten Menschen bis zum Äußersten. Die Heilswirkung des Todes Jesu besteht nach der Apokalypse vor allem darin, dass durch das geschlachtete Lamm inmitten einer Welt des Bösen das neue Gottesvolk ersteht,[5] und vor seinen ihm nnach de ebentrachtenden Feinern geschützt wird.[6]
Die 2. Lesung aus dem 1. Korintherbrief  verkündet: "Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen." Und wer zu ihm gehört, der wird auch mit Christus lebendig gemacht. Dieses zu Ihm gehören wird sich beim letzten Gericht darin erweisen, dass wir sein Lamm-Sein gelebt haben, indem wir in den Geringsten Christus erkennen und ihnen beistehen.
Das Evangelium zeigt deutlich, dass alle Menschen und Völker einmal dem beim Vater erhöhten und die Sorge Gottes um seine Menschen verkörpernden Christus antworten müssen, ob und wie sie mit den Geringsten, die Jesus seine Brüder und Schwestern nennt, umgegangen sind.
Damit sind wir beim 3. Abschnitt der Predigt: Wir alle sind
3 Dem Lamm verantwortlich
Das im Evangelium stehende schwere Wort von der
3.1 Scheidung der Menschen und Völker
will uns nicht niederschmettern. Es macht uns vielmehr hellhörig und hellsichtig für das Lamm-Sein Gottes in Jesus dem Messias Gottes, dem Christus. Wie er sich den Geringsten zuwendet, mit ihnen umgeht, das ist der Maßstab für uns. Und es darf und muss uns beunruhigen, wenn wir dem nicht entsprechen.
Dass Jesus von der Scheidung der Völker spricht, macht deutlich, wir sind nicht nur als einzelne für unser Tun und Lassen verantwortlich. Als Glieder unseres Volkes und der Kirche von Bamberg sind wir für diese Körperschaften, für ihr Werden und Sein, für ihre Entwicklung zum Guten wie zum Bösen mitverantwortlich. Wir dürfen in Kirche und Welt nicht einfach alles laufen lassen oder uns mit einem "ohne mich" aus der Verantwortung verabschieden.
Paulus sagt den großen und den kleinen Machthabern,
3.2 "Der Auferstandene wird jede Macht, Gewalt und Kraft vernichten und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergeben."
Vernichtet wird also jede menschliche Macht, die nur sich selber und nicht den dem Wohl der Menschen und der Schöpfung dient; die sich gar zu Gott macht. Vernichtet wird jede Macht, die ausbeutet und die Würde des Menschen und der Schöpfung Gottes mit Füßen tritt; die gegen das Reich Gottes sich auflehnt und verhindert, dass Gottes Liebe regiert.
 Im Blick auf Jesus, in dem das Lamm-Sein Gottes Mensch geworden ist, wird jede sich selbst vergötzende Macht demaskiert und mit dem Siegel des Untergangs versehen. Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot waren solche Menschen verachtende und verschlingende Machtgötzen.
3.3 Mit Jesus das Lamm-Sein leben, um mit ihm verherrlicht zu werden
Das Bekenntnis zu Christus dem König ist erst dann echt, wenn wir mit Jesus das Lamm-Sein Gottes leben. Nachfolge Jesu, Jüngerschaft,  heißt darum, das in Jesus Mensch gewordene Lamm-Sein Gottes in unserem eigenen Leben, in unseren Begegnungen zu verwirklichen.
Am Jordan sich der Bußtaufe des Johannes unterziehend stellt sich Jesus auf die Seite der Sünder. Sünder, Kranke und Arme sind es, denen er seine heilende und Mut machende Nähe schenkt. Zwischen zwei Raubmörder stirbt er am Kreuz, dem einen verheißend, dass er noch heute mit ihm im Paradies Gottes sein werde. Sündern, Armen und Kranken werden wir daher unsere besondere Zuwendung, Liebe und Hilfe schenken. Für sie werden wir also Augen, Herz und Hände öffnen.
Die Notwendigkeit von uns Priestern in der Kirche besteht einmal darin Jesus Christus präsent zu machen, aber auch in der Unentbehrlichkeit eines stabilen, gesellschaftlich greifbaren Dienstes, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi.[7]
Den Menschen und ihrem Heil dienend, macht Jesus sein Wort wahr:
3.4 "Der größte von Euch soll Euer Diener sein."[8]
 Damit er sich dessen bewusst bleibt, nennt sich der Papst »servus servorum Dei« "Diener der Diener Gottes." Deshalb spricht auch das 2. Vatikanum nicht vom Amt, sondern vom Dienst der Priester, vom Dienst am Wort Gottes und den Sakramenten, vom Petrusdienst des  Papstes.
Es ist ein gutes Zukunftszeichen, wenn führende Politker versichern: „Ich will dem Land und seinen Menschen dienen.“
König in den Augen Gottes ist nur der, der dem Leben und Heil anderer dient. In diesem Sinn ist Jesus der Größte, der König der Könige. Denn er baut ein Reich auf, das Gottes, seines Lamm-Seins, würdig ist: "das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens."
Königin ist daher auch die heilige Elisabeth. In ihrem kurzen 24 Jahre dauernden Leben schenkte sie ihre letzten Jahre ganz den Kranken und Armen. Für sie gab sie ihre gesicherte Existenz auf der Wartburg auf. Sie stieg im wirklichen und geistlichen Sinn hinunter zu den ärmsten und geringsten der Brüder und Schwestern Jesu.
Da sie ganz das Lamm-sein lebte, darf sie mit vielen die Stimme des in seiner Herrlichkeit kommenden Menschensohnes vernehmen: »Was du einem dieser Geringsten getan hast, das hast du mir getan. Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist«.

[1] NGL 812
[2] Offb 5,12
[3] Joh 1,36
[4] Confessiones III Kap 2
[5] Offb 5,9f
[6] vgl ebd 14,15
[7] Eph 4,12
[8] Mt 23,11
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