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2000 (B) Fronleichnam

Die Ansprache wurde im Jahr 2000 in der Eucharistie des Fronleichnamsfestes in St. Michael Neunkirchen gehalten

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Die Liebe Gottes bis in die letzten Winkel unseres Lebens hineintragen

Fremdartig mutet es uns an, wenn wir im Fernsehen Berichte über die Mayas in Guatemala erleben wie dort das Blut von Hühnern oder Speisen der Gottheit als Opfer dargebracht werden.

Die Gunst Gottes erwerben

  • In den Lesungen haben wir heute gehört, wie früher Menschen versuchten, durch Opfer die Gunst Gottes oder der Götter zu erwerben. In unseren Ohren klingen diese Berichte ganz fremdartig. Die Vorstellung, dass man sich Gott oder das Schicksal durch Opfer gnädig stimmen kann, hat in unserer heutigen Theologie kaum noch Platz. Auch der Versuch des Hebräerbriefes, den Kreuzestod Christi in die alte Opfertheologie hineinzupressen, wirkt auf uns etwas krampfhaft.
  • Und doch fängt mit Jesus etwas Neues an. Jesus Christus bringt sich selber Gott für die Menschen dar. Im 10 Kapitel des Hebr. heißt es: "Darum spricht Christus bei seinem Eintritt in die Welt: Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert, doch einen Leib hast du mir geschaffen; an Brand- und Sündopfern hast du kein Gefallen. Da sagte ich: Ja, ich komme, um deinen Willen, Gott, zu tun."[1]

Die Gunst der Menschen erwerben

  • Im Evangelium haben wir vom Abschiedsmahl gehört das Jesus mit seinen Jüngern am Abend vor seiner Hinrichtung gehalten hat. In dieses Mahl hat er die Deutung seines ganzen Lebens hineingelegt. Als Testament hat er seinen Jüngern eine Zeichenhandlung hinterlassen, die darstellt, wie er sein Leben und seinen Tod verstanden wissen will.
  • Dabei drehte er den alten und vertrauten Opfergedanken radikal um. In der alten Tradition haben Menschen Gott immer wieder Opfer dargebracht, um ihn gnädig zu stimmen und seine Gunst zu erwerben. In der Fortführung der Predigt der Propheten vertritt Jesus die Ansicht, dass Gott an unseren Opfern kein Interesse hat: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer!
  • Seinen bevorstehenden Tod deutet er nicht als Opfer, das er Gott darbringt. Er sagt: Nehmt, das ist mein Leib für euch; das ist mein Blut, das für euch und für die vielen vergossen wird...“ Jesus tut alles, tut das Letzte, das er tun kann, um die Gunst der Menschen zu erringen. Er weicht vor denen nicht zurück, die ihre Macht ausspielen. Sein Lebensopfer soll uns Menschen die Augen öffnen, wie sehr er uns, und wie sehr Gott uns liebt. Er und der Vater unternehmen alle Anstrengung, um uns nahe zu sein.

Die Liebe Gottes demonstrieren

  • Einen tiefen Ausdruck hat diese Glaubensüberzeugung im Brauch der Fronleichnamsprozession und ähnlich auch bei der Flurprozession gefunden. Wir Katholiken zeigen allen Bewohnern unserer Dörfer und Städte, wie nahe Gott uns ist und sein will. Wir tragen seine Liebe in alle Winkel ihrer Lebenswelt hinaus.
  • Es genügt jedoch nicht, dass wir mit der Monstranz durch die Strassen ziehen. Die besondere Herausforderung des Fronleichnamsfestes besteht darin, dass wir die Liebe Gottes zu uns Menschen auch in unserer Lebensgestaltung zum Ausdruck bringen. Wie Jesus in seinem Leben und durch seinen Tod die Liebe Gottes demonstriert hat, sollen auch wir die Liebe Gottes sichtbar und spürbar machen. An unserem Leben soll man sehen können, dass mit Jesus ein neues Zeitalter angebrochen ist: Das Zeitalter der Herzlichkeit hat das Zeitalter der Opfer abgelöst.

Ein Zeitalter der Herzlichkeit

  • Wir spüren, wie weit wir davon noch entfernt sind. Wir stellen fest, wie leicht wir in das alte Opfersystem zurückfallen. Gott Geschenke und Gelübde zu machen ist viel leichter als Jesus auf dem Weg radikaler Liebe und Hingabe nachzufolgen. Wahrscheinlich hängt dies damit zusammen, dass wir selbst uns gerne bestechen lassen und dass weite Bereiche unseres Lebens auf Tauschhandel, heute nennt man das "Marktwirtschaft", angelegt sind.
  • Wenn wir aber das, was Jesus gelebt und getan hat, was er durch sein Testament beim Abschiedsmahl uns hinterlassen hat, ernst nehmen, gibt es kein zurück. Sein Beispiel ist uns Auftrag, die Liebe und Zuwendung Gottes zu uns Menschen bis in die letzten Winkel unseres Lebens hineinzutragen.
  • Monstranz heißt auf Deutsch: Gerät zum Zeigen. Wenn wir in einer kostbaren Monstranz den Leib des Herrn durch unseren Ort tragen, dann bedeutet dies: Das Kostbarste, was wir den Menschen zu bringen haben, ist die Liebe und Zuwendung Gottes, wie sie sich in Jesus von Nazareth geoffenbart hat. Jeder von uns sollte eine solche Monstranz sein, die den Menschen die Liebe und Zuwendung Gottes zeigt und erfahrbar macht.

 

[1] Hebr 10,5-7

 

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