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2010 (C)

Homilie am Dreifaltigkeitsfest in der Sonntagabendmesse in St. Michael Neunkirchen

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Dreifaltigkeitsikone in der Dorfkirche von Matala (Kreta)
Dreifaltigkeitsikone in der Dorfkirche von Matala (Kreta)
Er wird euch in die ganze Wahrheit führen

Gott als dreifaltige Dreieinigkeit – ein Mysterium

    • Viele Menschen in unserem Kulturkreis können mit der Lehre, dass Gott dreifaltig und dreieinig sei nichts anfangen. Für Juden und Muslime ist diese Glaubensaussage eine Provokation, eine Verwässerung des Glaubens an den einen Gott.
    • Die Trinität fasst der Koran auf als Dreiheit von Gott, Jesus und Maria. Maria sei demnach Teil der Trinität und werde von den Christen als Gott verehrt. Es könnte sich bei Mohammed um eine missverstandene christliche Marienverehrung handeln. Wahrscheinlicher ist die Erklärung, dass das semitische Wort für „Geist“ ruach weiblich ist. Daraus könnte sich die falsche Vorstellung entwickelt haben, dass es sich um Gott Vater, Gott Mutter und Gott Sohn handele.
  • Nicht nur viele unserer Zeitgenossen haben mit der Aussage »Gott ist dreifaltig« ihre Probleme, auch Kirchenprofis. So erzählt z.B C.G. Jung, Pfarrerssohn und großer Psychologe, aus seiner Jugendzeit: "Ich erinnere mich noch wohl an meinen Konfirmationsunterricht, den ich von meinem eigenen Vater empfing. Der Katechismus langweilte mich unaussprechlich.“
  • Weiter berichtet er: „Ich blätterte einmal in dem kleinen Büchlein um irgend etwas Interessantes zu finden, und mein Blick fiel auf den Paragraphen über die Dreieinigkeit. Das interessierte mich, und ich erwartete mit Ungeduld, bis der Unterricht zu jenem Abschnitt vorrückte. Als nun die ersehnte Stunde kam, sagte mein Vater: 'Diesen Abschnitt wollen wir überschlagen, ich begreife selber nichts davon.' Damit war meine letzte Hoffnung begraben." Sollen wir etwa vor diesem großen Geheimnis des Glaubens kapitulieren?
  • Das Tagesgebet spricht vom »Geheimnis des göttlichen Lebens«, das Gott durch sein in die Welt gesandtes Wort und durch seinen Geist uns offenbaren will. „Geheimnis aber ist etwas anderes als Unsinn“, sagt Romano Guardini,

„Es ist Übermaß an Wahrheit.“

Vor diesem Übermaß an Wahrheit können wir staunen oder erschrecken. Die Theologie spricht daher von Gott als »Mysterium tremendum et fascinosum«, dem Geheimnis das erzittern lässt und fasziniert zugleich.

Jörg Zink drückt das faszinierte Staunen in einem Gedicht[1] so aus:

Aber Gott ist mir nicht nur nah, sondern sehr fern zugleich.
Er ist einem Meer ähnlich, das mich mit unendlicher Stille umschließt
Oder mich hin und her wirft wie eine Nussschale.
Dass ich ihn suche, ist das Wunder eines Glaubens,
Den er selbst schaffen muss in mir.

Man kann sich aber auch mit abschirmender Angst diesem Geheimnis Gottes nähern. Julien Green beschreibt dies in seinen Tagebüchern[2] so:

Wer dem Überirdischen Einlass gewährt in sein Leben,                 
Wer den Damm bricht, der uns vor dem Ozean, vor Gott bewahrt,
Verstrickt sich in eine namenlose Tragödie.
Und wirklich ist unsere ganze heutige Erziehung darauf angelegt,
Uns gegen den Heiligen Geist zu wappnen.

Dreifaltige Einheit

  • Was ist damit gemeint? Von der Begegnung mit Jesus geprägt haben sich von Anfang an die Christen damit auseinandergesetzt. Paulus und das Johannesevangelium sagen uns, in Jesus ist Gott »Fleisch«= Mensch geworden. Gott hat uns in der Person Jesu das Beispiel gegeben, wie ein Mensch sein Leben im Einssein mit Gott gestaltet. „Durch ihn haben wir Zugang zur Gnade erhalten.“[3]
  • Durch ihn ist uns Gott mit seiner Liebe nahe gekommen. Und in dieser Liebe Gottes stehend dürfen wir voller Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes zugehen, die Fülle des Lebens und ewiges Glück ist. Ja, wir dürfen uns dieser Hoffnung rühmen.[4]
  • Wir sind mit hineingenommen in den dreifaltigen und dreieinigen innergöttlichen Strom des Lebens und der Liebe „durch den Heiligen Geist, der in unsere Herzen ausgegossen ist.“[5] Der Geist der Wahrheit wird uns immer tiefer in die ganze innergöttliche Wirklichkeit hineinführen.[6]
  • So wird die Kirche, die Gemeinschaft der Jünger und Jüngerinnen Jesu, immer mehr von der göttlichen Weisheit erfüllt, „deren Freude es ist bei den Menschen zu sein.“[7]
Zugleich hält die Kirche aber am Grundbekenntnis der Religion Israels fest

"Höre Israel, der Herr unser Gott, der Herr ist Einer!"

  • Mit diesem Ruf auf den Lippen gingen viele Juden in den Tod. Ihm darf die Kirche nicht widersprechen. Mögen Heiden an viele Götter glauben, der Christ bekennt, wie auch Jude und Moslem streng Gottes Einheit.
  • Und doch spricht Jesus vom Heiligen Geist den er vom Vater senden wird, „Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.“[8] Und dann: „Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: „Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.“[9] Was dem Vater und Jesus gemeinsam ist wird uns durch den Heiligen Geist zuteil.

Unser Gott ist einer und doch lebendige Beziehung zwischen Vater und Sohn.

  • An dieser lebendigen Einheit und Beziehung haben wir Anteil durch den Heiligen Geist. Dieser eine Gott tritt durch Jesus in die Geschichte und in das Menschsein ein. Er durchlebt und durchleidet in ihm beides. Nimmt beides in der Auferweckung von den Toten mit hinauf zu Gott seinem Vater. Und bleibt bei uns im Heiligen Geist bis zum Ende der Geschichte.
  • Wie kann das sein? Wie ist der eine Gott in drei göttlichen Personen zu denken? Als reine, "in sich stehende Beziehung", antwortet der heilige Thomas von Aquin. Was heißt das?
  • Verschiedenerlei Zwei kennen wir: Nebeneinander und Zueinander. Zwei Äpfel liegen nebeneinander. Solche Vielheit ist in Gott unmöglich; denn Gott ist die Fülle und der Herr allen Seins.
  • Was mein dieses Zueinander von Vater und Sohn? Denken wir uns in elektronischer Zukunft ein Liebespaar derart miteinander hirnverkabelt, das jeder auch die Erlebnisse des andern innerlich kennt: Dann hätten beide schließlich ein und dasselbe Bewusstsein. Trotzdem könnten sie weiter ich, du und wir sagen.
  • So können wir von fern ahnen, wie diese Grundspannung in Jesu Bewusstsein jene unendlich tiefe Beziehung vermenschlicht, die sich im göttlichen Leben ewig vollzieht „Ich und der Vater sind eins“. [10] So geht uns auf

Jesus Christus ist der Weg zur ganzen Wahrheit

  • Nun könnte jemand sagen (und viele tun das): Mich geht es doch nichts an, ob irgendwo im Himmel eine einzige Person lebt oder mehrere. Das ist ein fataler Irrtum. Denn Gott ist nicht anderswo, sondern er ist das Prinzip, Ursprung und Ziel allen Seins; in ihrem Innersten trägt die Schöpfung die Wasserzeichen des Schöpfers. Einen ungeheuren Unterschied macht es, ob die göttliche Wirklichkeit im Grunde eine Art Klotz ist oder aber lebendige Liebesbeziehung zweier Pole.
  • Greifen wir aus diesem unerschöpflichen Thema eine einzige Fragestellung heraus: Was folgt aus dem Glauben an den dreifaltigen und dreieinigen Gott für das Verhältnis der Menschen zur Wahrheit und Wirklichkeit? Denn Gott will uns ja durch seinen heiligen Geist „in die ganze Wahrheit einführen.“[11]
  • Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich vom dreieinigen und dreifaltigen Gott auf Schöpfung Geschichte und den Menschen schaue, ob ich die Wirklichkeit der Welt nur materialistisch sehe und deute, oder ob ich mit den Religionen des Ostens die gesamte Wirklichkeit als das All-Göttliche also pantheistisch verstehe.
  • „Du ewige Wahrheit, wahre Liebe, geliebte Ewigkeit! Du bist mein Gott, nach Dir verlange ich Tag und Nacht“ spricht der heilige Augustinus in seinen Bekenntnissen vor Gott. Lange und auf Irrwegen suchte er nach Gott. ER bekennt: Aber ich fand dich nicht, bis ich „den Menschen Jesus Christus“ in die Arme schloss, „den Mittler zwischen Gott und den Menschen“. Jesus Christus ist für uns der Schlüssel zum Geheimnis des dreifaltigen und dreieinigen Gottes. Er sagt von sich: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“[12]
Michael Zilonka spricht in schönen Wortspielen vom

Dreifaltigen Zueinander und dreieinigen Ineinander Gottes

Dreifaltigkeit als der Weg                                                              
vom Ich über das Du zum Wir,
Weil Gott in sich Beziehung ist.

Dreifaltigkeit auch spielerisch,                                                        
Wie das Kleeblatt, das drei Blätter hat
Und doch ein einziges Blatt ist.

Dreifaltigkeit als der Raum,
der Länge, Breite und Höhe hat
Und doch ein einziger Raum ist.

Dreifaltigkeit, so wie die Zeit sich teilt
in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft,
Dreifaltigkeit, so wie der Tag sich teilt
in Morgen, Mittag und Abend.

Dreifaltigkeit auch ich selbst, -                                                         
als Kind, Mann und Greis                                                                 
ein und dieselbe Person.

 

  • Wunderbare irdische Bilder und Vergleiche für den einen Gott in drei Personen, und dennoch nur schwache Abbilder der göttlichen beziehungsreichen Wirklichkeit. Vor ihr können wir nur staunen und anbeten.
  • Ehrfürchtig und liebend uns diesem Mysterium nähernd dürfen wir aus dem Munde des vom Leben und Schicksal gebeutelten Tobit das verheißungsvolle Gebet vernehmen „Wohl denen die dich lieben; sie werden sich freuen über den Frieden, den du schenkst.“[13]


[1] Jörg Zink aus: Am Ufer der Stille, Kreuz Verlag, Stuttgart 1983, S. 35
 
[2] Julien Green Tagebücher 1943-1954, Paul List Verlag, München
[3] Röm 5,2a
[4] Röm 5,2b
[5] Röm 5,5
[6] Joh 16,13
[7] Spr 8,31
[8] Joh 16,14
[9] Joh 16,15
[10] Joh 10,30; vgl. Joh 8,16
[11] Joh 16,13
[12] Joh 14,6
[13] Tob 13,17

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