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2009 (B) Weihnachtsszeit

Homilie zu Mk 3,7-11 am Fest Taufe Jesu in der Filialkirche »Maria - Königin des Friedens in Rödlas Pfarrei St. Michael / St. Augustinus Neunkirchen am Brand

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Gott offenbart sich in Jesus Christus

1 Uns allen ist das Wort Offenbarung geläufig.

Wenn uns plötzlich der Sinn eines Ereignisses aufgeht, dann sagen wir: es war wie eine Offenbarung für mich. Mit einem Schlag war alles klar.
  • Jesus steigt mit den Sündern in den Jordan. Er empfängt die Bußtaufe des Johannes. Er, der ohne Sünde ist, stellt sich damit auf die Seite der sündigen Menschen. Er steht auf der Seite derer, die ihre Sünden bekennen und umkehrbereit sind.
In diesem Augenblick offenbart sich Gott. Mit der Taufe Jesu im Jordan fängt etwas Unerhörtes an:

2 der Himmel öffnet sich.
2.1 Er öffnet sich über Jesus von Nazareth

Mit ihm, in ihm und durch ihn offenbart sich Gott.
  • Der Geist kommt nicht mit tausend Tauben überall hin, er kommt nicht allgemein und diffus, er kommt nicht kommunal und medial, sondern er kommt personal, direkt und exakt auf diesen Jesus von Nazareth. Ihn weist die Gottes Stimme aus: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“[1]
  • Über Jesus ist also der Himmel offen. Durch Jesus ist er auch offen für jeden, der an ihn glaubt offen.

Der Himmel öffnet sich - Gott öffnet sich. Das besagt: Er kommt auf uns zu - er zuerst.

  • Weil er durch Jesus auf uns zugekommen ist, können wir auf ihn zukommen. Der Anfang wird immer von Gott gemacht. Weil er uns geschaffen hat, sind wir. Seine Liebe kommt uns zuvor. Ich habe dich zuerst geliebt.[2] Mit ewiger Liebe liebe ich dich.[3]
  • Das ist die Grundlinie des Christlichen: „Alles ist Gnade“, oder „Alles Gute kommt von oben.“ Gott teilt sich uns mit in Jesus Christus. Mehr an Zuwendung, an Hingabe, an Offenbarung, an Ausströmen, an Verschenken ist nicht möglich. Gott kommt in einem Menschen uns menschlich fassbar und liebend nahe. Das meint zuvorkommende Gnade.

2.2 Bleibt uns Heutigen der Himmel verschlossen?

  • Die Erde ginge ohne Verbindung zum Himmel als Ursprung zugrunde. Sich selbst überlassen würde auf ihr nur das Recht des Stärkeren gelten. Die Welt, ja gerade die Welt des Menschen, wäre auf sich allein gestellt ohne Ziel und Sinn. Das spüren wir gerade am Beginn des 21.Jhts. mit schmerzlicher Wucht.
  • Die elektronischen Medien ermöglichen uns eine schnelle Information über alle möglichen Ereignisse in der Welt. Sie schaffen eine schnelle Kommunikation der Menschen untereinander. Der wahllose Gebrauch macht träge und schadet uns an Leib und Seele. Das Böse in jeder Form schleicht sich in den innersten Bereich unseres Lebens, verdirbt das Denken und Fühlen der Kinder und Jugendlichen, aber auch vieler Erwachsener. Die Medien sind heute die einflussreichste Macht in unserer Gesellschaft. Kritischer und verantwortungsvoller Gebrauch sind unverzichtbar.
  •  2005 erschien ein Buch mit dem Titel „Jenseits der Gier – vom Luxus des Teilens.“ Gertrud Höhler zeigt darin, „weil die Wächter der Werte schliefen, liefen die Wohlstandskinder in die Falle der Gier.“ Die Gier zerstört Ehen und Beziehungen. Die Gier nach dem schnellen Geld hat uns eine globale Finanz-, Immobilien- und Wirtschaftskrise beschert. Geil ist nichts anderes als Gier.
  • Neuerdings erheben bekennende Atheisten frech ihr Haupt. Sie werben öffentlich sogar auf Bussen für die Gottlosigkeit. Wir halten ihnen entgegen, die atheistischen Systeme des vergangenen Jahrhunderts Nationalsozialismus und Kommunismus waren es, die Krieg und Unfreiheit, Zerstörung der Schöpfung und Entwürdigung des Menschen brachten. Mit der Leugnung der Verantwortung vor Gott, ist der Mensch zu jeder Untat fähig. Auch über uns gekommene globale Wirtschaftskrise ist die Folge von Gier und Verantwortungslosigkeit. Ohne Umkehr zu Gott und seinen Weisungen ist uns nicht zu helfen.

2.3 Gott hat durch Jesus den Himmel für uns geöffnet

  • Die das menschliche Zusammenleben ordnenden Gebote Gottes, rufen den an Gott Glaubenden und von ihm Befreiten zu: „Du wirst nicht begehren...“ Leider musste Gertrud Höhler 2005[4] feststellen: „Die Gier als Dauerzustand wird zum anerkannten Verhaltensmerkmal... Die Gier räumt ab. Gier macht süchtig.“
  • Die gelebten Kardinaltugenden, Dreh- und Angelpunkt menschlichen Zusammenlebens, könnten die Gefährdung des Menschen durch den Menschen verhindern. Am Grabmal des Papstes Clemens II im Bamberger Dom sind sie ablesbar. „Iustitia – Gerechtigkeit, Fortitudo – Tapferkeit, Sapientia – Weisheit, Temperantia (Mäßigung). Gertrud Höhler: „alle wissen von ihr (der Gier) und benennen die Bataillone, die vor ihr schützen – Umsicht und Vorsicht, Rücksicht, Nachsicht und Einsicht.“ Diese Art des Umgangs miteinander legen uns Gott und Jesus in der Bibel ständig ans Herz.
Gott zeigt uns durch die Art und Weise wie er sich zu uns hin öffnet, wo Hilfe zu finden ist:

3 Jesus sieht den Geist wie eine Taube auf sich herabkommen.

3.1 ein für uns gar nicht zu fremdes Bild.

  • Denken wir nur an die Friedenstaube in der Kunst. Freilich für orientalische Zuhörer war dieses Bild noch viel sprechender. Ein  Symbol, die Zusammenfassung einer Wahrheit, die durch dieses Bild griffig und begreifbar ausgesagt wurde.
  • Wie eine Taube kommt Gottes Geist auf Jesus herab, d.h. er kommt still und leise, ohne Geschrei und Gekrächze. Gottes Heiliger Geist überfällt uns nicht, er zwingt nicht. Bei Gott gibt es keinen geistigen und geistlichen Terror, wie er heute in manchen Sekten und auch bei den militanten Atheisten zu finden ist. Dieser Versuchung haben in der Vergangenheit leider auch manche Vertreter der Kirche nachgegeben.
Die Taube will uns noch etwas anderes sagen:

3.2 Sie ist Sinnbild der Schlichtheit, der Güte, der Liebe, des Friedens.

Das ist der Geist, der von jetzt an durch Jesus in die Welt strömt. Jesus will uns solchen „Taubengeist“ bringen.
  • Mir fällt dabei die Bergpredigt Jesu ein. Er preist nicht nur die Friedensstifter selig. Er fordert seine Jünger auf „einfältig wie die Tauben zu sein“, d.h. Menschen ohne Falsch, denen jede Brutalität fremd ist. Menschen, die mit sich selber im Reinen sind, deren Absicht lauter ist.
  • Darum bekennt der Titusbrief, daß uns in Jesus „die Menschenfreundlichkeit und Güte unseres Gottes“ erschienen ist. Dieser Geist kommt nicht aus der Welt selber. Er kommt von oben, vom Himmel her aus dem dreieinigen Gott. Paulus nennt im Galaterbrief als Früchte des Geistes „Liebe und Freude, Friede und Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung“.[5]
Halten wir dagegen

3.3 den Geist, der von unten kommt, den Geist der Welt

  • Und der Menschen, dann spüren wir den Unterschied: Neid und Hass, Verleumdung und Untreue, Mord und Totschlag. Bleiben wir beim Tierbild. Hier der stille, gute Taubengeist; dort der gierige Wolfsgeist. Wir könnten auch ein Bild aus der Technik nehmen: Hier das ruhig und fast lautlos dahinschwebende, sich vom Aufwind tragen lassende Segelflugzeug. Dort der unter Ohren betäubendem Lärm dahindonnernde, Unmengen von Energie verbrauchende,  mit tödlichen Geschoßen ausgerüstete Kampfbomber.
  • Es besteht wohl kein Zweifel, dass es auf unserer Erde anders zuginge, wenn der Taubengeist die Politik, das Wirtschaftsleben, das Zusammenleben der Menschen und das Leben eines jeden Einzelnen prägen würde. Johannes der Täufer drückt mit prophetischem Wort aus, wozu Jesus gekommen ist.

3.4  Jesus tauft mit Geist und Feuer

  • In der Taufe mit Geist und Feuer findet die Taufe mit Wasser erst ihren Sinn. Wir wurden bei unserer Taufe eingegliedert in den Leib Christi, in die Heilsgemeinschaft der Erlösten, in der Firmung wurden wir gestärkt mit der Gabe des Heiligen Geistes, gesandt, Zeugen Christi in der Welt zu werden. Der Himmel ist also offen über uns. Aber haben wir die Taufe mit Feuer und Geist schon empfangen?
  • Mit feurigem Geist getauft zeigen sich die Heiligen der Kirche. Weil das Wort Geisttaufe durch die Praxis der Wiedertäufer belastet ist, sagen wir besser mit dem 2.Vatikanum und den deutschen Bischöfen „Erneuerung aus dem Geist Gottes“. Erneuerung aus dem Heiligen Geist aber ist kein einmaliges Ereignis. Martin Luther sagt treffend:
  • „Wehe dem, der schon ganz erneuert ist, das ist: der sich einbildet, er sei schon erneuert. Solcher hat ohne Zweifel noch nicht angefangen, erneuert zu werden, und noch niemals geschmeckt, was das sei, ein Christ zu sein. Denn wer da angefangen hat, ein Christ zu sein, der hält sich nicht dafür, daß er ein Christ sei, sondern er verlangt sehr, einer zu werden.“
Paulus sagt es in einem Satz: „Nicht daß ich es schon ergriffen hätte, aber ich jage ihm nach.“ [6]


[1] Mk 9,7
[2] 1 Joh 4,19
[3] Jer 31,3
[4] Gertrud Höhler, Jenseits der Gier – vom Luxus des Teilens, Econ, Berlin 2005
[5] Gal 5,22
[6] Phil 3,12f.

 

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