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Predigten

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2009

Homilie am 33.Sonntag in St. Michael Neunkirchen in der Sonntagvorabendmesse


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Leitwort: Der Einzelne zählt - egal wo!

1 Heilsame Erfahrung der Diaspora

  • Im Januar 1968 bewarb ich mich um die frei gewordene Diaspora Pfarrei Heilige Familie in Münchberg. Im März wurde mir mitgeteilt, ich sei ab 1 Mai 1968 dort Pfarrer. Im Lehrerzimmer des Gymnasiums in Kronach fragte man mich „müssen sie dort hinauf?“ Als ich sagte, ich hätte mich um die Pfarrei beworben, wollte man mir nicht glauben.
  • Aus der rein katholischen Pfarrei Schlüsselfeld kommend, nach vier Kaplansjahren in dem katholischen Forchheim und nach drei Jahren im überwiegend katholischen Kronach, war die Seelsorge in der oberfränkischen Diaspora eine neue und zunächst eine mit Anfechtungen verbundene Erfahrung.
  • Es war im Unterschied zu den vorausgehenden Pfarreien die kleine Zahl der Katholiken, die sowohl an Werktagen wie an Sonntagen zum Gottesdienst kamen. Dafür aber war die Mitfeier der Gläubigen intensiv und der Zusammenhalt groß. Ich lernte, nicht die große Zahl darf der Maßstab meines priesterlichen Bemühens sein. Jeder Einzelne ist wichtig, weil von Gott angesehen und geliebt.
  • Ich lernte mich von der „Zählpastoral“ zu verabschieden. Jesus selber verheißt der kleinen Schar seiner Jünger: "Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben."[1]
  • Ich machte es mir zum Grundsatz, ohne auf die Zahl zu starren, jeden Gottesdienst und jede Predigt intensiv vorzubereiten, ganz gleich wie viele kommen und da sind. Jeder ist wichtig. Das Leitwort des heutigen Diaspora-Sonntags legt uns ans Herz:

2. Der Einzelne zählt - egal wo!

Die biblischen Texte der heutigen Messe wollen uns in dieser Haltung bestärken.Gott will das Heil, ganz gleich, wo und in welcher Situation sich der Einzelne befindet.

Der Prophet Daniel verheißt in der ersten Lesung dem geschundenen und in der Verbannung lebenden Volk,

2.1 Jeder im Buch Gottes Verzeichnete wird gerettet

  • Das Buch, in dem jeder verzeichnet ist, steht für die Liebe Gottes. Jeder ist in ihr unauslöschlich geborgen und für immer aufbewahrt. Auch wenn er fern von der Heimat in der Verbannung lebt.
  • Bei ihm sind wir mit Namen bekannt, jeder Einzelne zählt! In der Taufe wurde jedem von uns zugesagt: Du gehörst dem dreieinigen und dreifaltigen Gott. Du bist von Gott angenommen. Jeder zählt bei ihm.
  • Heute am Volkstrauertag gedenken wir der Opfer der Kriege und der Gewalt. Ich denke heute auch an die zwei Brüder meiner Mutter. Der eine ist seit 1942 vor Moskau vermisst, der andere fiel 1944 im November bei Riga. Ihre Gräber sind unbekannt.
  • Aber Gott kennt sie. Beide sind und bleiben im Buch seiner Liebe verzeichnet und ich gedenke ihrer immer wieder am Altar. In und durch Christus bleiben wir ihnen und sie uns nahe. Die Kirche vergisst die Verstorbenen und Gefallenen nicht. In jeder Messe gedenkt sie der Verstorbenen vor Gott im Hochgebet.
In der zweiten Lesung aus dem Hebräerbrief sagt uns der Verfasser,

2.2 Bei Christus sind die an ihn Glaubenden gut aufgehoben.

  • Ganz dem Willen Gottes für die Sünden der Menschheit am Kreuz sich hingebend hat Jesus Christus uns die Chance eröffnet uns von Gott heiligen zu lassen. Diese Heiligung geschah ein für allemal in der Taufe. Damit sie anhält, erinnern wir uns immer wieder Gott dankbar feiernd daran, was er uns in der Taufe ein für allemal geschenkt hat.
  • Die Messfeier am Sonntag bringt uns mit Jesus Christus in Berührung damit seine gehorsame liebende Hingabe bis zum Tod am Kreuz uns mehr und mehr durchdringe. Im Brief an die Christen in Philippi lässt uns Paulus an seiner inneren existentiellen Ausrichtung teilhaben. „Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen.“[2]
  • Bei der Feier der heiligen Messe lassen wir uns in seine Lebenshingabe und seine Auferstehung mit hineinziehen. In ihr leuchtet die von Gott unsere geschenkte Zukunft auf. Wir sind im Leben und im Sterben in der Hand Gottes für immer geborgen. Im Antwortpsalm bekennt der Sänger "Du Herr gibst mir das Erbe... du hälst mein Los in deinen Händen."[3]
Im Gott preisenden Hallelujaruf und im Evangelium zeigt uns Jesus was in allen persönlichen bis hin zu kosmischen Erschütterungen letztlich trägt,

2.3 Wachet und betet, damit ihr vor den Menschensohn hintreten könnt.

  • Die größtmögliche Katastrophe war für Adressaten des Evangeliums der Untergang Jerusalems und das Ende des Tempels. Unser Volk hat im 20. Jht. durch die beiden Weltkriege zwei furchtbare Untergänge durchlitten. Jeden von uns kann heute oder morgen eine schmerzvolle todbringende Krankheit befallen. Wir alle sind dem Vergehen preisgegeben. Wir alle sind Todeskandidaten.
  • Wir stecken davor den Kopf nicht in den Sand. Angesichts drohender Erschütterungen werden wir auf Jesus ausgerichtet und ihn erwartend leben. Nur wer wachsam die gegenwärtige Zeit mit all ihren Überraschungen und Bedrohungen als Zeit des Wachsens und Reifens betend begreift, kann ohne Angst vor dem in großer Macht und Herrlichkeit kommenden Herrn hintreten.
  • Im Antwortpsalm zeigt der Beter wie das geht. "Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten ich wanke nicht." [4]
  • Ja, der Beter geht seinem irdischen Vergehen sogar mit Freude entgegen; denn er weiß sich als ganzer Mensch bei Gott geborgen. "Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele; auch mein Leib wird wohnen in Sicherheit;"
  • Tod und Grab müssen ihn nicht schrecken. Darum spricht hoffnungsfroh zu Gott: "Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis; du lässt deinen Frommen das Grab nicht schauen.[5]"

  •  Unser irdisches Vergehen, unser Sterben ist keine Katastrophe, sondern Christus darin nachfolgend führt uns Gott durch die Kraft seines Geistes zur ewigen Vollendung. Der Hebräerbrief lenkt angesichts des Todes unseren Blick daher auf Christus: „Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden.“[6] Zu unserem Glück ist das so.

3. Ein Sprichwort sagt: "Jeder ist seines Glückes Schmied."

  • Freilich mit der Begabung zum Glücksschmied scheint es bei uns nicht weit her zu sein. Keiner kann sein Glück machen. Ohne Feuer kann keiner das Eisen schmieden. Wir brauchen zum Glücklichsein das Feuer der Liebe Gottes. Diese wurde in der Taufe durch den heiligen Geistes in unsere Herzen ausgegossen.[7] Spätestens jetzt verstehen wir, warum der Beter des Psalms bekennt: "Ich sage zum Herrn Du bist mein Herr. Mein ganzes Glück bist du allein.“ [8] Ja, das ist unser Glück: Jeder einzelne zählt vor Gott, egal wo!



[1] Lk 12.32
[2] Phil 3,10
[3] Ps 16,5
[4] Ps 16,8
[5] Ps
[6] Hebr 5,8f.
[7] vgl Röm 5,5
[8] Ps 16,2

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