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Predigten

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2009 (B) Osterzeit

Homilie am 6. Ostersonntag (B) im Pfarrgottesdienst in St. Michael in Neunkirchen am Brand

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Interreligiöses Treffen in Nazareth am 14. Mai 2009 in NAZARETH
Interreligiöses Treffen in Nazareth am 14. Mai 2009 in NAZARETH
Die Unwissenheit, Argwohn, Angst und Hass überwindende Liebe

Vielleicht konnten sie in dieser Woche im Fernsehen, auf Radio Vatikan, Radio Horeb oder im Internet den Papstbesuch im Heiligen Land miterleben. Für mich war es ein großes geistliches Erlebnis. Die heutigen sonntäglichen Bibeltexte können uns helfen, die Pilgerreise des Papstes noch tiefer und geistlicher zu verstehen.

1. Lesung macht uns darauf aufmerksam
Wer von Gott bewohnt und geleitet ist, begegnet seinen Mitmenschen ehrfürchtig.

Das gilt für einen gottesfürchtigen Menschen erst recht, kommt ein vom Herrn gesandter Mensch. Aber wir werden uns von jedem Personenkult freihalten. Der heilige Petrus, vom Herrn zum Felsen für die Kirche gemacht, um seine Feigheit, seinen Verrat und seine Sündhaftigkeit wissend verwehrt dem Heiden Kornelius jede Überhöhung seiner Person: "Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch."
  • Die Demut des Petrus verbindet sich mit der wichtigen geistlichen Erkenntnis: "Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dass Gott nicht auf die Person sieht, sondern dass ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist." [1]
  • Vor Gott gibt es weder völkische noch rassische noch religiöse Überlegenheit. Solche Wahnvorstellungen bringen immer grauenvolle Unmenschlichkeit hervor. Die Verbrechen des Nazis und der atheistischen Systeme der Kommunisten haben nicht nur einen widerlichen Personenkult gepflegt, sondern auch die Menschenwürde mit Füßen getreten.
  • Die von Ehrfurcht und Demut getragene Begegnung des Juden Petrus mit dem Heiden Kornelius und die von Petrus verkündete Botschaft von der gottgeschenkten Würde des Menschen schenken den Heiligen Geist allen, »die das Wort hörten«. Wo aber der Heilige Geist wirkt, fallen die uns voneinander trennenden Mauern der Überheblichkeit, erkennen sich die Menschen als die Söhne und Töchter des einen Gottes, als Kinder des einen himmlischen Vaters, als Schwestern und Brüder.
  • In seinen Predigten im Heiligen Land hat Papst Benedikt alle Konflikt Parteien Juden, Palästinenser, Moslems und Christen eindringlich zur Zusammenarbeit aufgerufen. In Nazareth dem Heimatort Jesu schwelt seit Jahren ein Konflikt zwischen Muslimen und Christen.
  • Die Muslime, den Beschluss des Gemeinderates missachtend, wollten auf dem Platz vor der Verkündigungs-kirche eine große Moschee bauen. Auf Bitten des Staates Israel hat der Vatikan sich bemüht, dies zu verhindern.
  • Der Papst sagte: „Ich ersuche die Menschen guten Willens in beiden Gemeinden dringend, den bereits angerichteten Schaden wieder gutzumachen und in der Treue im Glauben an den einen Gott, den Vater der Menschheitsfamilie, Brücken zu bauen und den Weg zu einem friedlichen Zusammenleben zu finden. Mögen wir alle der zerstörerischen Macht von Hass und Vorurteil, die zuerst die Seelen der Menschen und dann ihre Körper tötet, eine klare Absage erteilen!“

Die 2. Lesung lehrt uns

Es ist der Auftrag Jesu an seine Jünger das Evangelium von der Liebe Gottes den Menschen aller Völker zu verkünden.

Wenn die Menschen ihren Ursprung und ihr Ziel in dem Gott erkennen, der Liebe ist, werden sie Kraft zur Liebe aufbringen. Es geht um Lieben nicht nur mit der Zunge, also nicht nur durch Worte, sondern in Tat und Wahrheit.[2]
Emblem des Caritas Baby Hospital in Bethlehem
Emblem des Caritas Baby Hospital in Bethlehem
Liebe aber heißt sich herzuschenken, um anderen zum Leben zu verhelfen. Benedikt XVI besuchte am Mittwochnachmittag das Caritas Baby Hospital in Bethlehem. Die 1978 von dem Schweizer Pater Ernst Schnydrig ins Leben gerufene Spezialklinik versorgt jährlich rund 30.000 Kinder unabhängig von Staats- oder Religionszugehörigkeit. Vor allem die deutschen und Schweizer Bistümer finanzieren diese einzige Kinderklinik in den Palästinensergebieten.
 
 
 
  • Der Papst sagte bei seinem Besuch: „Gott hat mir diese Gelegenheit geschenkt, der Leitung, den Ärzten, den Krankenschwestern und Mitarbeitern des Caritas Baby Hospital meine Anerkennung für den unschätzbaren Dienst auszudrücken, den sie für die Kinder in der Gegend von Bethlehem und in ganz Palästina seit über fünfzig Jahren geleistet haben – und weiter leisten. Dank der Hingabe der Kinderhilfe Bethlehem blieb diese Einrichtung eine Oase des Friedens für die Schutzlosesten und hat als Leitstern der Hoffnung gezeigt, dass Liebe über Hass und Friede über Gewalt siegen kann."
  • In einer Welt voller Argwohn und Hass wird in Bethlehem die alle Grenzen überwindende in Jesus Christus Mensch gewordene Liebe in Tat und Wahrheit gelebt.

Das Evangelium nennt die sein Gebot der Liebe Lebenden nicht mehr Knechte, sondern Freunde.

  • Das Bewusstsein, dass Jesus uns mit der vom Vater im Himmel empfangenen Liebe liebt, ist die immer sprudelnde Quelle der Kraft und der Freude eines Lebens das bleibende Frucht bringt für Gott.
  • Die Welt hängt oft an Äußerlichkeiten und die Medien wollen das Spektakuläre. Die Kritik der Medien über den Papstbesuch im Heiligen Land zeigt dies wieder deutlich. Der Papst ist das Gegenteil von dem, was viele Medien erwarten: ein sehr leiser mit bescheidenen Gesten arbeitender Mensch.
Abi Primor ehem. Botschafter Israels in Deutschland
Abi Primor ehem. Botschafter Israels in Deutschland von 1993 bis 1999
Abi Primor[3] langjähriger Botschafter Israels in der BRD sagte nach dem Besuch des Papstes in der Grabeskirche am Freitag in der Fernsehrunde. "Gerade weil er so zurückhaltend, ein Intellektueller ist, kann der Papst sehr beeindrucken." Er sagte weiter: "Die Medien in Israel bereuen inzwischen, dass sie den Papst so kritisiert haben. Die Botschaft ist durchgekommen, eine Botschaft von Freundschaft und Unterstützung des Staates Israel wie auch der Palästinenser gleichzeitig, wie auch eine Unterstützung des Friedensprozesses; aber das wollen auch die meisten Menschen hier. Selbst wenn sie nicht immer dran glauben, weil sie Angst haben." 
  • Die Aufgabe wird sein die Liebe und die Versöhnung vor allem durch die Erziehung voranzutreiben. Abi Primor sagte: "Was jetzt getan werden muss, ist Erziehung. Das Problem zwischen Christen und Juden, aber auch den Muslimen ist, dass wir uns gegenseitig nicht kennen. In unseren Schulen lehrt man nichts über das Christentum, nicht das Neue Testament. Und ich glaube bei den Christen lernt man nicht viel über das Judentum.“
  • Abi Primor betonte:  „Wenn man jemand nicht kennt, wenn er mysteriös ist, das schürt den Argwohn, der Argwohn schürt die Angst, und die Angst schürt den Hass. Das war die 2000jährige Geschichte von Juden und Christen. Viel, sehr viel wurde jetzt vor allem durch den Besuch des Papstes erreicht. Jetzt müssen wir den Weg weiter gehen vor allem durch Erziehung."[4]
  • In Nazareth betonte der Papst vor den Religionsführen genau dies: „Wenn wir die Herzen der jungen Menschen formen, formen wir die Zukunft der Menschheit selbst. Christen verbinden sich bereitwillig mit Juden, Muslimen, Drusen und Menschen anderer Religionen im Wunsch Kinder vor Fanatismus und Gewalt zu schützen, wenn sie diese zu Gestaltern einer besseren Welt erziehen.“
Welches sind die wichtigen Einsichten für uns, die der Besuch des Papstes im Heiligen Land in uns bewirken will?
  • Auch in unserem Land gibt es  Juden und Moslems, sowie Christen verschiedener Konfessionen. Unkenntnis und Argwohn gegenüber anderen Religionen und Konfessionen schüren Angst und Hass. Aber denken wir immer daran, wir werden von anderen Religionen und Konfessionen nur dann als Gesprächspartner ernst genommen, wenn wir in der eigenen Religion oder Konfession ganz zuhause sind und uns darin auskennen.
  • Bedenken wir weiter: Allein die Liebe, die gesprächsbereit und die Würde des Anderen achtend den Dialog wagt, die das Gemeinsame zu entdecken wagt, kann Argwohn, Angst und Hass überwinden.
  •  Der so Liebende wird aber auch unablässig im Namen Jesu den Vater bitten: Unser Bemühen um Verständigung und Versöhnung möge bleibende Frucht bringen.
Der Herr ermutigt uns mit der Verheißung: "Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet." [5]


[1] Apg 10,34f.
[2] 1 Joh 3,18
[3 und 4] (BR Fernsehen Übertragung vom Besuch des Papstes in der Grabeskirche, Kommentatorenrunde aus Jerusalem 15. Mai 2009)
[5] Joh 15,16

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