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2009 (B)

Homilie zur 2. Lesung des 19.So.B2009 - Eph 4,30 - 5,2 - in St. Johannes der Täufer in Großenbuch, Pfarrei St. Michael Neunkirchen am Brand

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Von Gott besiegelt (Offb 7,4) mod. Holzschnitt.jpg
Von Gott besiegelt (Offb 7,4) mod. Holzschnitt.jpg
Besiegelt durch den Geist tun, was dem Geist entspricht

1 Durch den Geist besiegelt

»Darauf bekommen Sie Brief und Siegel«, so werden heute Waren angeboten, die von hoher Qualität sind. Parkettböden werden versiegelt, um sie vor Verschmutzung oder Beschädigung zu bewahren. Verträge werden mit Unterschrift und Siegel versehen, damit sie gültig sind. Besiegeln bedeutet also etwas für richtig, für gültig erklären, end-gültig machen.

Mit Heiligem Geist ist der Christ, bin ich am Tag der Taufe gesiegelt worden. Besiegelung hat die Funktion des Eigenschutzes. Religionsgeschichtlich ist durch das Siegel das Verhältnis Gott- Mensch gekennzeichnet. Wer das Siegel eines Gottes trug, wies sich als Eigentum dieses Gottes aus. In Äthiopien ließen sich früher die Christinnen ein Kreuz auf die Stirn einbrennen, um arabischen Sklavenhändlern zu entgehen und nicht als Sklaven im Harem eines arabischen Scheichs zu landen.
  • Paulus greift in 2 Kor diesen Gedanken auf: »Gott hat uns für sich versiegelt und uns das Unterpfand des Geistes in unsere Herzen gegeben«.[1] Gott macht also die Glaubenden in der Taufe zu seinem unantastbaren Eigentum. Das ist nicht etwa nur ein einmaliges, in der Vergangenheit geschehenes Ereignis, sondern ein fortwirkendes in die Zukunft, ja in die Ewigkeit hineingerichtetes Wirken des heiligen Geistes Gottes.
  • Diese Besiegelung durch den Heiligen Geist hat mit der Aussage vom »Tag der Erlösung« zu tun. Dieser Tag wird vom Propheten Jesaja durch den Knecht Gottes heraufgeführt »der sein Leben als Sühnopfer hingab«. Von Gott errettet, gelingt durch ihn der (Heils)plan Gottes. Er macht die Vielen gerecht, trug die Sünden der Vielen, trat für die Schuldigen ein.[2]
  • In Jesus Christus erkennt und verkündet die Urkirche diesen Knecht Gottes. Der Hebräerbrief verkündet: »so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen; beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen, sondern um die zu retten, die ihn erwarten."[3]
  • Im Hören des Wortes der Wahrheit des Evangeliums von unserer Rettung und dem daraus wachsenden Glauben kommt das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes zur Wirkung. Im 2. Tim heißt es sogar, »Das feste Fundament, das Gott gelegt hat, kann nicht erschüttert werden. Es trägt als Siegel die Inschrift: Der Herr kennt die Seinen, und: Wer den Namen des Herrn nennt, meide das Unrecht«.[4] Wir sollen also

2 Meiden, was den Geist betrübt

  • Jegliches Fehlverhalten des Gläubigen betrübt den Geist Gottes. Im Anschluss an die 2. Lesung werden fünf den mitmenschlichen Bereich betreffenden Laster aufgezählt. Dabei stehen in den damaligen Weltstädten wie Ephesus offenkundige auch heute überall anzutreffende unchristliche Verhaltensweisen im Vordergrund. Ich zitiere nur eine: »Von Unzucht aber und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein." Solche Menschen werden Götzendiener genannt, die kein Erbteil erhalten im Reich Christi und Gottes.[5]
  • Echtes Sozialverhalten kann nur in Gemeinschaft mit dem wahren Gott gelebt werden. Bitterkeit als falsche Grundeinstellung zum Mitmenschen steigert sich zu Wut Zorn und Geschrei, und kann schließlich sogar in der Beschimpfung Gottes gipfeln.
  • Gotteshass und Menschenhass sind die Folgen. „Dem Menschen, der sich im Zorn verhärtet, ist die Existenz eines vollkommenen Gutes, das seine Bitterkeit übersteigt, unerträglich, und ebenso unerträglich sind ihm diejenigen, die an das Göttliche glauben, so daß er das Göttliche selbst, dessen Verehrung und die Hingabe an das Göttliche schmäht.“[6] Darin hat jede Christenverfolgung ihren Ursprung. Der Epheserbrief zeigt uns,

 3 Was dem Geist entspricht

  • Die positiven sozialen Verhaltensweisen des Christen sollen spezifisch christlich sein. »Milde« soll unter Christen herrschen[7], weil die Herrschaft Gottes ein mildes Joch ist.[8] Barmherzig haben sie gegeneinander zu sein[9], weil die Barmherzigkeit Christi sie erlöst hat. Milde und Barmherzigkeit erweisen sich im »gegenseitigen Verzeihen«. Das »Wie« christlichen Verhaltens begründet sich aus dem Christusgeschehen. Gott hat uns im Heilshandeln Christi verziehen. Daher soll ich als Christ

3.1 Das Verhalten Gottes gegenüber den Menschen nachahmen.

  • Gott aber wohnt in unzugänglichem Licht. Wie aber geht das, den unsichtbaren Gott nachahmen.
  • Gott wird in Christus sichtbar, wobei Christus auch als Mensch das »Abbild« des unsichtbaren Gottes ist. Freilich uns kommt eine seinshafte Abbildlichkeit Gottes nicht zu. Gott hat Mann und Frau als sein Abbild geschaffen.
  • Aber dieses Abbild ist durch die Absonderung des Menschen von Gott und seinem Willen, also durch die Sünde verdunkelt und entstellt. Es ist die unter der Macht der Sünde stehende Zwiespältigkeit des Menschen, jene innere Zerrissenheit wie sie Paulus im Römerbrief an sich selber feststellt. "Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde."[10]
  •  Es ist doch so, dass wir immer wieder in die gleichen Sünden und Unvollkommenheiten hineinschlittern. Früher als die katholischen Christen noch öfters zur Beichte, zum Sakrament der Versöhnung kamen, klagten manche, es seien ja immer die selben Sünden, die sie zu beichten hätten. Damit wir nicht resignieren, hat Gott uns ja in Jesu sein menschliches Antlitz gezeigt, auf dem uns die Liebe und das Erbarmen Gottes aufleuchten. "Jesus Christus ist", wie Paulus, ein urchristliches Lied zitierend, verkündet, "das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung."[11]
  • Er ist der neue Mensch an den sich die ganze Schöpfung ausrichten soll. Christus konnte aufgrund seiner Göttlichkeit ein einzigartiges Heilswerk vollbringen, das die vollkommene Nachahmung durch Menschen ausschließt. Die Nachahmung Christi durch den Christen besteht im Gehorsam gegenüber der Botschaft Jesu besonders in der Erfüllung des Gebotes der Gottes- , der Selbst- und der Nächstenliebe.[12] Christsein bedeutet

3.2 Wandeln in der Liebe als grundsätzliche Anweisung Gottes

  • Auf sie sind alle anderen Weisungen zurückzuführen. Die Liebe Gottes wird für uns sichtbar in der Liebe Christi. Durch ihn wird für uns erfahrbar, dass wir Gottes geliebte Kinder sind.[13]
  • Wie sieht die Verwirklichung dieses göttlichen Gebotes der Liebe aus? Einmal, dass wir mit unserem ganzen Sein Gott lieben, ihm gehorchen und ihn anbeten.
  • Zum zweiten werden wir uns selber annehmen als von Gott angesehene und geliebte Söhne und Töchter auch mit unseren Grenzen, Unvollkommenheiten, ja auch mit unserem Versagen, weil wir der Barmherzigkeit und Liebe Gottes trauen.
  • Und drittens so in der Liebe und unter dem Erbarmen Gottes lebend werden wir unseren Mitmenschen mit Milde und Barmherzigkeit begegnen, werden wir ihnen verzeihen, "weil auch uns Gott durch Christus vergeben hat."[14] Wer selber die Vergebung Gottes sucht und sich schenken lässt, spürt, dass er Gottes Milde und Erbarmen gegenüber seinen Mitmenschen nachahmen muss, will er Gottes geliebtes Kind sein und bleiben.[15]
  • Der Epheserbrief folgert daraus: "Liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt."[16] Als »Gabe und Opfer hat er sich für uns hingegeben, Gott zum Wohlgeruch«. So wird im NT die Tat Jesu als Erfüllung der Hoffnungen des AT hervorgehoben.
  • »Gabe und Opfer« stellen die kultische gottesdienstliche Gemeinschaft mit Gott her. Wird deren Darbringung unterlassen, so ist die Gemeinschaft mit Gott unterbrochen, und Gott wendet sein Erbarmen von Israel ab.[17] Jesus aber ist immerwährende »Gabe und Opfer«[18], so dass er durch seinen »Wohlgeruch«[19] das immerwährende Erbarmen Gottes und die ewig dauernde Liebe Gottes auf uns lenkt.

4 Die Feier des Opfers Christi ist höchste Berufung des Christen

  • Als Katholische Christen am Sonntag feiern wir nicht nur das Wort des Herrn und sein Abendmahl sondern auch sein Opfer. In seiner Hingabe an den Willen des Vaters bis zum Tod am Kreuz, in seiner Liebe zu den Seinen und auch gegenüber seinen Feinden bis zum letzen Atemzug, ist er zur vollendeten Gabe, zum Gott wohlgefälligen Opfer geworden.
  • Durch das im Auftrag und unter der Vollmacht Jesu geschehende Tun des geweihten und an der Stelle Jesu handelnden Priesters wird dieses vollkommene Opfer in der Feier der Eucharistie durch das Wirken des Heiligen Geistes in unserer Mitte gegenwärtig. Wir dürfen es mit dem uns anführenden Priester durch Christus, mit ihm und in ihm in der Einheit mit dem Heiligen Geist Gott darbringen. Wer den Sonntag so begeht, für den wird er zum in unseren Alltag hineinstrahlenden Tag des Heils und der Erlösung.


[1] 2 Kor 1,22
[2] vgl Jes 53,10-12
[3] Hebr 9,28
[4] 2 Tim 2,19
[5] (vgl. Eph 5,3-5)
[6] (Dormeyer in: Kahlefed / Knoch, Die Episteln und Evangelien der Sonnt- und Festtage (1973) Nr. 23 Die Episteln XIII S.792)
[7] (vgl. 2 Kor 6,6; Kol 3,12)
[8] (vgl. Mt1 ,30; Röm 2,4).
[9] (vgl. 1 Petr 3,8)
[10] Röm 7,18-21
[11] Kol 1,15
[12] (vgl. Mt 22,37f).
[13] Eph 4,1
[14] Eph 4,32
[15] Eph 5,1
[16] Eph 4,2
[17] vgl Dan 3,38f.
[18] vgl. Hebr 10,1 ff.
[19] vgl. Gen 8,21

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