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2009 (B) Jahreskreis

Homilie am 20.Sonntag B 2009 in der Sonntagabendmesse in St. Michael Neunkirchen am Brand

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Mein Primizkelch mit Patene: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben«. Goldschmied Amberg in Würzburg
Mein Primizkelch mit Patene: »Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben«. Goldschmied Amberg in Würzburg
"Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben."

Es geht also um die Person Jesus.
Es geht im christlichen Glauben darum ihn sich einzuverleiben; das meint ja essen. Dabei geht es um den ganzen Jesus,
- um Jesus der im Wort des Evangeliums zu uns spricht, uns anspricht;
- um Jesus, der sich den Menschen zuwendet, sie heilt, ihnen ihre Sünden vergibt, ihnen hilft in ihren existentiellen Nöten;
- Es geht um Jesus der das Kreuz auf sich nimmt und die Bosheit und Blindheit seiner Gegner fortliebt;
- um Jesus, den der Vater von den Toten auferweckt und zu seiner Rechten erhöht, den er zum Haupt des Leibes macht, der die Kirche ist, also wir sind.
All das ist gemeint, wenn Jesus sich als das vom Himmel gekommene Brot bezeichnet von dem wir essen sollen damit wir in Ewigkeit leben.

Es gibt zwei Möglichkeiten der Kommunion:
Die erste Möglichkeit.

  • Du isst ein kleines Stückchen Brot. Schon beim Kauen fängt die Verdauung an. Es gibt dir ein klein wenig Energie. Der verdaute Rest wird ausgeschieden. Landet im Klärwerk. Dann hat sich die Kommunion nicht gelohnt. Im Gegenteil von einem solchen Menschen sagt Paulus in 1 Kor "Denn wer davon isst und trinkt ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt."[1]

Die zweite Möglichkeit.

  • Du isst dieses Stückchen Brot als Speise, in der sich der Mensch gewordene gekreuzigte und auferstandene Herr Dir als Person schenkt. Er wird eins mit dir und du mit ihm. Mit seiner Liebe und der Fülle seines Lebens erfüllt er deinen Leib und deine Seele, deinen Geist und deine Vitalität. Dieses in ihm sein schenkt dir jetzt schon Anteil am ewigen Leben und verheißt Dir dass er Dich auferwecken wird am letzten Tag.
  • Einem schwer an Krebs erkrankten Mitbruder eröffnete der Arzt die Aussichtslosigkeit weiterer Behandlungen und die Schwere der Nebenwirkungen. Er fragte den Priester wie lange er denn noch leben möchte: Darauf antwortete der dieser: »Ich möchte nur ewig leben«.

Die Eucharistie das intensivste Zeichen des Ineinanderseins.

  • Wie die Nahrung einverleibt und vollständig im Essenden aufgenommen wird so innig und nahe geschieht die Verbindung des Glaubenden mit Christus. Die Wirklichkeit des Heiligen gibt sich in der Form einer verdaubaren Speise, und so entsteht eine unüberbietbare Kommunikation. Die Eucharistie ist zugleich das stärkste Zeichen des Füreinanderseins. Es steht für die Fruchtbarkeit, in der die Tischgenossen einander nahrhaft sind, indem sie sich selbst geben und einsetzen für den anderen.[2]
  • Deshalb ist das Brot neben dem Kreuz das größte Symbol des christlichen Glaubens. Das ist nicht verwunderlich: Es gibt im Deutschen das Wort "Kumpan" für einen Menschen, der mir verbunden ist, der die gleichen Erfahrungen macht, die gleiche schwere Arbeit zu leisten hat. Das Wort kommt vom Lateinischen conpanis bedeutet ein Mensch der mit mir durch das tägliche Brot verbunden ist oder, Er ist Mit-Brot, er ist mir Brot, ich bin ihm Brot. In der Kommunion werden wir ja durch die innige Vereinigung mit Christus, auch eins untereinander. Die Kommunion beseitigt also alle von Menschen errichteten Schranken zwischen den Kommunizierenden.
  •       Durch unsere modernen Essgewohnheiten verdorben, im hastigem Verschlingen der Mahlzeiten wird nicht mehr erfahren, welch eine Kostbarkeit ein Stück Brot sein kann, wenn wir es lange kauend genießen.
  •       Aufschlussreich ist, dass im griechischen Urtext zweimal im Zusammenhang mit der Kommunion das Wort Kauen gebraucht wird - Kauen ist der wichtigste und gesündeste Vorgang des Essen. Selbst den Wein müsse man kauen, sagte mein Vater immer, nur dann kann man genießen, was er enthält.
  •  Wer so mit wachem Geist und Glauben die heilige Speise verkostet, der hat das ewige Leben und der Herr wird ihn auferwecken am letzten Tage. So wird die heilige Kommunion zur Speise der Unsterblichkeit. Und solchem Verkosten und Genießen der Heiligen Speise verheißt dem Gespeisten die innigste Einheit und Verbundenheit mit dem auferstandenen Herrn: "der bleibt in mir und ich bleibe in ihm."[3]

 

  • Der heilige Pfarrer von Ars Johannes Maria Vianney, wusste anscheinend, wie schwer es ist, den Menschen dieses göttliche Geheimnis zu vermitteln. Es sagte einmal: „Gott als Brot. Wenn wir eine Gnade von unserem Herrn zu erbitten gehabt hätten, wir wären nie darauf gekommen, ihn um diese zu bitten.“

„Ich in Christus“ und „Christus in mir“

  • Diese Formel beinhaltet eine Dichte und Tiefe, die nicht auszuloten ist. Was das heißt, können wir nur erahnen. Wir sollten uns nur immer wieder nach innen horchend einreden, was der orthodoxe Mystiker Nikolaos Kabasilas ausspricht: "Er ist uns Einwohner und Haus. Wie selig sind wir ob dieses Hauses, dass wir einem solchen Bewohner zur Wohnung geworden sind."
  • Die Mahnung des Epheserbriefes ist dabei besonders hilfreich: "Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt.." Der Christ muss in dieser Welt »auf sich achten«. Die Finsternis des Neuheidentums ist eine ständige Bedrohung. Der Aufenthalt im Licht aber ist noch nicht endgültig gesichert sondern muss gegen die Macht der »bösen Tage«,[4] verteidigt werden. Wie böse diese Tage sind, springt uns beim Aufschlagen der Zeitung oder in Sendungen des Fernsehens oder auch in Beiträgen im Internet in die Augen. Für eine kritische Beobachtung braucht es den ganzen Verstand und das Feststehen im Evangelium Jesu.
  • Nur ein Beispiel aus den letzten Wochen: Sarema Sajdulajewa, die Leiterin der Hilfsorganisation "Rettet die Generationen" in der russischen Teilrepublik Tschetschnien, und ihr Ehemann Alik Dschabrailow sind erschossen worden.
  • Augenzeugen hatten am Montag beobachtet, wie mehrere bewaffnete Männer das Ehepaar aus dem Büro der Hilfsorganisation in Grosnyj geholt hatten und mit ihnen in einem Auto davonfuhren. Die Leichen der beiden wurden am Dienstagmorgen im Kofferraum eines Autos entdeckt.
  • Im Juli war die zumindest in Russland weit über Tschetschenien hinaus bekannte Mitarbeiterin der Menschenrechtsorganisation Memorial Natalja Estemirowa verschleppt und ermordet worden. Es ist deutlich geworden, dass die Gewalt gegen Aktivisten der Menschenrechte ungerührt fortgesetzt wird.
  • Die Morde an Natalja Estemirowa und Sarema Sajdulajewa zeigen: In der russischen Teilrepublik wird ermordet, wer seine Stimme die Unmenschlichkeit auch nur leise erhebt und Betroffenen hilft.
  • Nur der Präsident von Moskaus Gnaden Kadyrow kann in Tschetschenien ungestraft seine Meinung sagen und scheinheilig sein Bedauern aussprechen.[5] Putin und Medwedjew stehen hinter ihm. "Die Tage sind böse". Das war nicht nur z. Z. des Epheserbriefes vor 2000 Jahren so, das ist auch heute in vielen Teilen der Welt spürbar, wenn die unbeschränkte Macht die Würde der Menschen mit Füßen tritt.

Oft ist es aber nur der Alltag mit seinen Forderungen,

  • der den Weg des Lebens zudiktiert. Wer achtet schon immer darauf, wie er sein Leben führt. Ein Tag nach dem anderen geht unter in der Besorgung der alltäglichen Dinge. Die Anforderungen und Eigengesetzlichkeiten der Aufgaben, die wir einmal frei gewählt und im Gefühl der Freiheit übernommen haben sind so stark geworden dass sie zum Herrn des Lebens werden. So aber wird das Leben leer, quälend, einengend und unbefriedigend wie eine Tretmühle.
  • Dann ist es höchste Zeit, sich erinnern: Durch das Einwohnen Jesu in uns geben wir dem Wirken des Heiligen Geistes Raum. Kehren Sinn und Freude wieder. Nur wer mitten im Alltag ein geistliches Leben führt wird den Anforderungen des Lebens und dem Druck des Zeitgeistes standhalten.
  • Der Christ schlägt seine Zeit nicht tot. Er lebt auch nicht in den Tag hinein, noch ersäuft er seine Probleme und Frustrationen im Alkohol. Das macht nur zügellos und labil in jeder Hinsicht. Der Christ nützt vielmehr die Zeit als den Beginn der Endzeit in und mit Jesus. Also wird jeder von uns seine Sorgen auf den Herrn werfen,[6] der in unserem Lebenshaus wohnt und bei dem wir wohnen. Er kümmert sich um uns. „Er hält dich aufrecht! Er lässt den Gerechten niemals wanken.“[7]

Das heißt, ich lebe als Christ meine Zeit in und mit Jesus.

  • Ich frage vor meinem Tun und Lassen, was ist der Wille Gottes? Was würde Jesus dazu sagen? Ich werde mich also an Jesus, an seinem Leben und Handeln, an seinem Wort und Beispiel ausrichten. Ich werde fragen, wie muss ich handeln, um im Gericht Gottes bestehen zu können?
  • Im gemeinsamen Singen und Beten im Hören und Stillsein, im anbetenden Loben und Danken im Namen Jesu, wächst das Gespür für den Willen Gottes. "Darum," so sagt der große russische Dichter Dostojewski, "geht der Gläubige in die Kirche, um andere Welten zu berühren."


[1] 1 Kor 11,29
[2] (Gottfried Bachl, Aus: Essen und Trinken als sakramentales Handeln. In: Theologisch-praktische Quartalschrift Linz 155 (2007), Pustet Verlag Regensburg Seiten 30-38)
[3]Joh 6,54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Joh 6,56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.
[4] Eph 5,16
[5] (vgl. FAZ 12.8.2009 Nr.185)
[6] 1 Petr 5,7 Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch. Ps 55,23
[7] Ps 55,23

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