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Predigten

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2009 (B) Osterzeit

Predigt am Fest Christi Himmelfahrt bei der Zeltmese in Gleisenhof Pfarrei Neunkirchen a, Br.

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 Himmelfahrt - Nicht Rückzug, sondern göttliches Gegenwärtigsein

Endgültig weggegangen?

Für viele Christen scheint das Fest Christi Himmelfahrt wie ein endgültiges Weggehen Jesu. Sie meinen Christus habe sich nun, nachdem er 33 Jahre auf Erden lebte und wirkte, von uns und unserer Erde zurückgezogen. Er wird am Ende der Tage wiederkommen in Herrlichkeit. Er hat seine irdische Sendung erfüllt. Er hat für uns gelitten, er ist gestorben, er ist von den Toten auferstanden, er ist nun wieder beim Vater und damit scheinbar von uns entrückt. Er hat sich von dieser Erde verabschiedet. Viele fragen sich: Wo ist denn Gott an meiner Seite, wo ist denn Gott in unserem Leben?

Der biblische und urchristliche Glaube

Der sich in den Texten von Christi Himmelfahrt spiegelt, spricht eine ganz andere Sprache.

Im Evangelium wird das Geheimnis dieses Tages deutlich.
  • Da sagt der Herr zu den Jüngern: "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" [1] Es folgen Worte über Glaube und Taufe. Am Schluss heißt es "nachdem Jesus der Herr dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes." Und was machen die Jünger? "Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ." [2]

 Das apostolische in der Urkirche formulierte Glaubensbekenntnis,

  • das bei der Taufe, in der Sonntagsmesse, am Beginn des Rosenkranzes gebetet wird, bekennt auf Jesus Christus blickend, »Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; Von dort wird er kommen, zurichten die Lebenden und die Toten.«
Heute feiern wir Gott preisend, »dass Christus aufgefahren ist in den Himmel« Dort sitzt er nun

Zur Rechten des Vaters

Dies ist eine Bildsprache. Wir kennen dies aus den Evangelien - wo die rechte Seite und die linke Seite gegeneinander gestellt werden. Die rechte Seite ist eben die Seite des Guten, der Liebe, die linke des Bösen, des Satans.
  • Leider hat sich die Politik dieses Bildes bemächtigt. Wir sprechen von rechten und linken Gruppierungen und Parteien. Nationalsozialismus oder der Kommunismus haben uns im 20. Jahrhundert auf grausame Weise gelehrt, jedes Extrem, ob rechts oder links, produziert Gewalt, raubt die Freiheit und tritt die Würde des Menschen mit Füßen. Diese beiden Systeme waren atheistisch, gottlos, und damit verantwortungslos.
  • Hinter der Sprache der Bibel steckt eine andere, eine orientalische Gepflogenheit. Die rechte Seite ist die Ehrenseite. Bei Festmählern sitzt rechts vom Gastgeber der Ehrengast. Genau auf diesen Ehrenplatz wird Christus gesetzt. An diesem Platz ist jetzt der Auferstandene, der mit dem Gastgeber, dem Vater, so eng wie kein anderer zusammen ist. Nach der Erfüllung seines so schweren irdischen Auftrags erlebt, genießt, und erfährt Jesus mit seinem himmlischen Vater die Herrlichkeit des Reiches Gottes, das unter dem Bild eines großen Festmahls uns vor Augen geführt wird.

Aber wer ist der jetzt zur Rechten des Vaters?

Es ist der Christus, der obwohl Pilatus keine Schuld an ihm fand, zum Sklaventod verurteilt wurde. Es ist der Christus, der für uns gelitten hat, der für uns gestorben ist, der begraben wurde.
Es ist der Christus, der als Mensch unser Leben und Schicksal auf sich nehmend unser Bruder geworden ist, damit wir begreifen, dass Gott uns nie allein lässt.
Es ist der Christus, der bis zum Tode durchgehalten hat.
  • So bringt er uns die Wahrheit, die Wirklichkeit Gottes nahe, macht sie erfahrbar und erlebbar. Diese wahre Wirklichkeit heißt, Gott lässt dich nie im Stich. Er ist immer in jeder Lebenssituation, sei sie noch so schrecklich, bei Dir. Dafür stehen die Wundmale, die auch noch der auferstandene und in den Himmel auffahrende Herr an sich trägt. Durch sie sagt uns der Herr, ich bin bei dir auch wenn ungerechte tödliche Verletzung dir zugefügt wird.
Auf diesem Weg wurde Jesus auch angefochten und versucht. Aber er hat auch


Die letzte Versuchung bestanden

  • Am Kreuz hängend riefen seine Mörder und Peiniger ihm zu: "Wenn du Gottes Sohn bist, dann steig herab vom Kreuz." Natürlich hätte Christus vom Kreuz herbsteigen können. Er hätte bei der Gefangennahme den Vater um ein Heer von Engeln bitten können.[3] Aber wenn er das getan hätte, dann wäre er nicht bis zum letzten Atemzug, bis zum letzten Leid, bis zum letzten Blutstropfen bei uns geblieben.
  • So aber hat er uns keinen Augenblick seines Lebens in Stich gelassen, sich der Gemeinschaft mit uns unter keinen Umständen entzogen. Durch dieses Mitgehen mit uns bis in die tiefste Erniedrigung hat er uns gezeigt, dass Gott die unendliche Liebe ist. Ich lass dich Mensch nie allein. Nicht im Leid, nicht in Enttäuschung, nicht in Krankheit, nicht in Verzweiflung, nicht in Schuld, und nicht in Sünde. Ich, Christus, gehe bis zum Letzten mit.
  • So können wir auch im tiefsten Leid mit Gott versöhnt leben, weil wir auch in der tiefsten Erniedrigung Gottes geliebte Söhne und Töchter sind und bleiben. In der zweiten Strophe des Himmelfahrtsliedes können wir daher froh und dankbar singen: "Sein Werk auf Erden ist vollbracht, zerstört hat er des Todes Macht. Er hat die Welt mit Gott versöhnt und Gott hat ihn mit Ehr gekrönt." [4] Damit nicht genug.

Gott ist auch ganz unten

  • Christus hat Tod und Grab den Schrecken, die Aussichtslosigkeit genommen, denn er ist »hinabgestiegen in das Reich des Todes«, das Reich der Hölle. Das scheint wie ein Gegensatz zu Himmelfahrt zu sein. Ist es aber nicht. Gott ist auch ganz unten. Es mag geschehen, was will, mag mir passieren, was will, Gott ist und bleibt bei mir.
  • Die Frohe Botschaft der Auferstehung und der Himmelfahrt Jesu Christi heißt, dieser im Heiligen Geist bei uns bleibende Christus ist nun an der Rechten Seite des Vaters. Gott preisend singt der Priester in der Präfation von den Engeln, dass sie Christus schauen als »den Mittler zwischen Gott und den Menschen«, als »den Richter der Welt, den Herrn der ganzen Schöpfung«. Und den Vater im Himmel anredend dürfen wir mit dem Priester bekennen: »Er (Christus) kehrt zu Dir heim, nicht um uns Menschen zu verlassen.« Die große Freude ist für uns

Jesu neues göttliches Gegenwärtigsein

  • Er ist auf eine neue göttliche Weise bei seinen Jüngerinnen und Jüngern, bei uns. Denn der Gott und Vater Jesu Christi hat dem ersten Gottesvolk und durch dieses uns dem neuen Volk Gottes seinen Namen geoffenbart: Jahwe - ICH-BIN-DER-ICH-BIN-DA. Jesus ist jetzt am rechten am richtigen Platz. Er ist dort, wo er wie Gott für die Menschen da sein kann. Nicht dass er dort untätig herumsitzt, sondern er wirkt - wie wir in einer Osterpräfation Gott preisend bekennen - »als unser Anwalt beim Vater«. Er hat teil an der Allgegenwart Gottes in seiner Schöpfung und bei uns Menschen.
  • Durch seine göttliche Gegenwart in der Schöpfung und bei seinen Jüngern und Jüngerinnen steht uns durch ihn der Himmel offen. Er ist die Tür zum Vater. Zu Philippus, der Jesus bittet, "Zeig uns den Vater", sagt er: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ [5] Durch seine neue göttliche Gegenwart in unserer Mitte, ist er mitten unter uns, wenn wir uns in seinem Namen Gottesdienst feiernd versammeln. Erfüllt er uns, indem wir auf sein Wort hören, mit seinem Geist. So geschieht es mit dem Heiden Kornelius und seinem Haus, als sie das Wort des Petrus hören.[6]

Der Vater und Jesus wohnen bei uns

  • Die Heimkehr zum Vater ist also alles andere als ein Verlassen der Welt und der Jüngerinnen und Jüngern. Sie schenkt uns seine göttliche Allgegenwart. Seine neue allgegenwärtige Seinsweise öffnet uns an jedem Ort und in jeder Situation des Lebens den Himmel.
  • Darum versinken wir als Kinder der Erde und des Weltalls am Ende unseres irdischen Lebens nicht in der Erde, nicht im Grab, nicht in der Materie, sondern als Kinder Gottes und als seine Schwestern und Brüder, »gibt er den Gliedern seines Leibes die Hoffnung, ihm dorthin zu folgen, wo er als erster vorausging.«
  • Welch ein Wunder der Liebe Gottes! Jesu Christi Gegenwart ist nicht mehr an Raum und Zeit gebunden, nicht eingeschränkt auf das kleine Land Palästina, das wir Heiliges Land nennen. Er gewährt seine den Himmel offen haltende Gegenwart an jedem Ort und in jeder Lage durch seinen Geist, der seit der Taufe in uns wohnt. Darum kann das Johannesevangelium den auferstandenen und beim Vater erhöhten Christus sprechen lassen. »Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.«[7]

Der Himmel ist schon in uns

  • Die Einwohnung Gottes in uns meint: Der Himmel ist nicht nur offen über uns, sondern der Himmel ist schon in uns. Nicht dass wir deswegen schon den Himmel auf Erden hätten. Es kann sein, dass einer glücklich wie im Himmel ist ohne an Gott zu glauben oder an ihn zu denken. Dies ist ein vergänglicher Himmel.
  • Der wirkliche Himmel, unvergänglich und unverlierbar ist da, wo Gott ist. Diesen Himmel gibt es in Elend, in Verlusten, im Leid, ja sogar angesichts des Todes. In diesen Himmel nimmt uns der Mensch gewordene, gekreuzigte, getötete, begrabene, in das Reich des Todes hinab gestiegene und beim Vater erhöhte Jesus Christus mit.
  • Unter seiner Verheißung, die wir heute vor dem Kommunionempfang hören, dürfen wir unseren Lebensweg gehen, dass er alle Tage bei uns ist bis zum Ende der Welt. Diese gemeinsame Hoffnung hat uns heute am Himmelfahrtstag zur Heiligen Messe hier in Gleisenhof in luftiger Höhe zusammengeführt.
  • Auf Bergeshöhen wähnen sich die Menschen dem Himmel näher. Aber welchem Himmel? Den Himmel Gottes, den unsere irdischen Augen noch nicht wahrnehmen können, den aber das gläubige Herz erahnt. Jenen Himmel Gottes, den uns Jesus verheißt als Fülle des Lebens und der Freude. 
  • Er ist durch die Einwohnung Gottes seit der Taufe schon in uns gegenwärtig. Darum bitten wir im Gabengebet, Gott möge uns in dieser heiligen Feier die Gnade schenken, also mit seiner Liebe uns so nahe kommen, »dass wir uns über das Irdische erheben und suchen, was droben ist«, was göttlich ist.
  • Der Himmel Gottes kommt nicht mit Gewalt. Als auf dieser vergänglichen Erde Lebende werden wir, wie das Schlussgebet es uns nahelegt, die seit 2000 Jahren von der Kirche verkündeten göttlichen Geheimnisse in uns einlassen. Und wir brauchen die ganzheitliche Ausrichtung mit Seele, Geist und Leib auf Christus hin, der als erster der Menschen beim Vater ist, damit unser Sinnen und Verlangen zum Himmel geht, der dort ist, wo Gott ist.


[1] Mk 16,15
[2] Mk 16,19f.
[3] vgl Mt 26,53; Lk 2,13
[4] Gl 229/2
[5] Joh 14,6
[6] Lesung vom 6. Osterso.B2009 Apg 10,47
[7] Joh 14,23

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