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2009 (B)

Homilie am 24. So.B2009 zu den Texten des Sonntags in der Vorabendmesse und im Pfarrgottesdienst in st. Michael Neunkirchen am Brand gehalten

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Für wen haltet ihr mich?

 1 Außenwirkung

Viele Menschen werden umgetrieben von der Frage: Wie wirke ich auf andere? Wie sehen sie mich? Was halten sie von mir? Unsere Außenwirkung, so meinen wir, sei von größter Wichtigkeit für unser Selbstbild und Selbstwertgefühl. Denn schließlich hängen beruflicher Erfolg und gesellschaftliche Anerkennung wesentlich von unserer Außenwirkung ab.

Solches Denken und Verhalten birgt aber die Gefahr in sich, nicht selbstbestimmt, sondern fremdbestimmt zu leben. Erst wenn ich bei mir selber bin, mich mit meinen Licht- und Schattenseiten annehme, also in mir und bei mir zuhause bin, werde ich fragen, wie sieht Gott mein Schöpfer und Erlöser mich? Welche Aufgabe hat er mir zugedacht? Was ist sein Wille für mich?

Der Apostel Paulus mahnt die Christen in der Weltstadt Rom, sich nicht dieser Welt anzugleichen. Sie sollen sich vielmehr von innen her wandeln und auf die Erneuerung ihres Denkens bedacht sein, "damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist."[1] Es stellt sich also die Frage,


2 Wie komme ich zu einem dem Willen Gottes entsprechendem Selbstbild?

Im Kern seiner Person wird verwandelt wer sich regelmäßig vom Wort Gottes ansprechen lässt. Ein solcher Mensch hat gegenüber dem Denken der Welt ein fortwirkendes Korrektiv. Er beginnt »an Wesen und Gestalt des Sohnes Gottes teilzuhaben."[2]

2.1 In der ersten Lesung spricht der Knecht Gottes von sich und seiner Lebenseinstellung:

"Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet".[3] Er erkennt also, Gott ist es, der mir mein Ohr und damit mein Inneres für sich geöffnet hat. So wird er zum Sprachrohr Gottes. Das bringt ihm Feindschaft und Verfolgung und schließlich den Tod ein. Er weiß es und nimmt es in Kauf. "Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück." [4] Gewaltloser Widerstand! 

Wir wissen nicht, wen Jesaja mit dem Knecht Gottes meint. Doch wir spüren: in Jesus ist diese Haltung des Gottesknechtes ganz wahr geworden. Er ist nicht irgendeiner, den man in die Reihe der großen religiösen Gestalten stellen kann, wie Elija, Johannes der Täufer, Buddha oder Mohammed.

Er fragt die, welche mit ihm Umgang haben, also seine Jünger und damit uns: "Für wen haltet ihr mich?" [5] Jesus geht es dabei nicht um seine Wirkung auf die Menschen. Er weiß, wer er ist und wofür er gesandt ist. Nicht auf seine Wirkung auf andere kommt es ihm an, sondern auf die Treue zur göttlichen Sendung. Das muss für die Jünger der Grund ihres Glaubens an Jesus sein.

2.2 Petrus bekennt: »Du bist der Messias«.

Petrus macht sich damit zum Sprecher aller.[6] Er bekennt, Jesus ist der von Gott gesandte und gesalbte Retter und Befreier.

 Doch Petrus verbindet mit dem Messiastitel den starken Mann, den Sieger, den politischen Befreier. Ein leidender Messias – unvorstellbar! Er denkt wie alle denken, nach Menschenart. Er hat noch nicht verstanden.

Wer aber den Weg Jesu mitgehen will, muss mit einer »Karriere nach unten rechnen. Am Ende des Wegs - so ist es uns verheißen - steht nicht das Verlieren sondern das Gewinnen, ewiges  heiles volles Leben - nicht weniger!

Wie fatal ein politisches Messias Verständnis ist, haben uns die Messiasse des 20. Jahrhunderts gezeigt. Sie hießen Lenin, Stalin, Hitler, Mao, Idi Amin und Pol Pot. Sie haben eine gewaltige Blutspur hinter sich hergezogen.

Wir Menschen sind immer in Gefahr, vor allem wenn es uns schlecht geht, nach einem Messias, einem Heilbringer Ausschau zu halten, der mit Gewalt das Steuer herumreißt. Das war zu allen Zeiten so.
Darum fragen wir:

2.3 Wie zeigt sich das wahre Wesen des göttlichen Messias?

In seiner Antwort auf das Bekenntnis des Petrus zeigt uns Jesus in einer Selbstoffenbarung sein wahres messianisches dem Willen Gottes entsprechendes Wesen. Jesus zerschlägt in dieser Selbstoffenbarung die Bilder, die sich die Zeitgenossen und auch die Jünger von ihm gemacht haben und machen.

Aus ist es mit der Vision des Petrus von einem strahlenden Reich in Glanz und Gloria. "Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden." Hinter diesem göttlichen "muss" steht also der Wille Gottes. Leuchtet aber auch die Verheißung der Auferweckung von den Toten auf.

 Jesu wahres Wesen und die Art seiner Sendung werden erkennbar. Nicht Ich- und Selbstbehauptung, nicht das Ausspielen der eigenen Überlegenheit kennzeichnen sein Leben und Wirken, sondern Aushalten, Leiden für die Wahrheit Gottes, Kreuz und Tod.

 Für Petrus ist dies unvorstellbar. Bestürzt nimmt er Jesus beiseite und macht ihm Vorhaltungen. Es trifft ihn die harte Zurechtweisung Jesu: "Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen. Du hast nicht das im Sinn was Gott will sondern was die Menschen wollen."

 Was aber wollen die Menschen? Vor Jahren klagte der Spiegel: Nichts sei geblieben in unserer Gesellschaft als der "Tanz um das goldene Selbst". Selbstverwirklichung, Selbstbehauptung sind heute das Lebensziel vieler. Diese sind zunächst positive Werte, solange ich mich nicht auf Kosten anderer verwirkliche und Rücksicht nehme auf Mitmenschen und Mitwelt.

2.4   Jesus lebt uns den richtigen Weg vor.

Jesus lebt nicht auf Kosten anderer, geht nicht über die Leichen anderer. Er verändert die Welt nicht durch Gewalt. Er verwandelt die Welt durch sein gewaltloses Opfer. Sein Evangelium hält uns zum Umdenken und Umlernen an.

Der Tanz um »das goldene Selbst« ist die große Gefahr für den Frieden. Der auf sich fixierte Mensch will nicht teilen. Er verliert die Fähigkeit zum Kompromiss und wird schnell gewalttätig. Wer geil und gierig ist, zerstört sich und die Existenz seiner Mitmenschen und Mitgeschöpfe. Die Finanz- und Immobilienkrise hat uns das drastisch vor Augen geführt. Zum Glück hat unsere Regierung schnell und umsichtig gehandelt - und so hoffen wir - den totalen Zusammenbruch abgewendet.

 
3 Wir feiern jetzt Eucharistie.
3.1 Die Eucharistie zu feiern ist nicht zuerst eine berauschende Sache, sondern eine todernste. In dieser von Jesus gestifteten  Feier wird sein wahres Wesen in irdischen Zeichen mitten unter uns gegenwärtig: Seine Hingabe bis in den Tod, Seine Bereitschaft, das Böse auszuhalten ohne selber böse zu werden; sein Tod als Leben; seine Niederlage als Sieg; seine Gewaltlosigkeit als Durchbruch zur Herrschaft Gottes. Das ist das Selbstbild, das Gott durch Jesus in uns zur Wirklichkeit reifen lassen will.

3.2 In der Eucharistie erfahren wir, wie Brot teilt er sich unter uns auf. Wie Wein - bis zum letzten Tropfen - verströmt er sich an die Vielen. Das ist sein wahres Wesen. So verkündet es nur die Kirche.
 Von Paulus wollen wir lernen: "Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen."[7] Je näher wir dieser Lebenshaltung kommen, desto mehr werden wir erfahren: unser Leben ist endgültig bei Gott gerettet und aufgehoben.
  Daher darf sich der Glaube nicht – wie die 2. Lesung aus dem Jakobusbrief zeigt - auf Lippenbekenntnisse beschränken. Er muss zur Tat werden. Erst dann rettet er. Echter, engagierter Glaube »ist das Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht«[8]. Dieses Ergriffensein zeigt sich im Tun.

3.3 Es bedarf der Anstrengung vieler, besonders von uns Christen, um den Frieden nach innen wie nach außen zu sichern.
Manchmal ist dieser Dienst für den Frieden lebensgefährlich wie z.B. der unserer Soldaten in Afghanistan. Im Auftrag der Vereinten Nationen sollen sie ein friedliches Gemeinwesen mit aufbauen. Sie sollen die Menschen und auch sich selber schützen vor den Angriffen der Taliban.
Das ständige Morden der Taliban scheint bei manchen Wahlkämpfern nicht wahrgenommen zu werden, auch nicht die von den zwei geraubten und voll beladenen Tanklastwagen ausgehende Gefahr in der Hand der Taliban für Bevölkerung und Soldaten.
In solchen Gefahren handeln zu müssen, ist für die Betroffenen ungeheuer schwer. Es ist die Wahl zwischen zwei Übeln, einem größeren und einem kleineren. Wir sollten daher die Last, die Politiker und Soldaten zu tragen haben, in das Opfer Christi mit hinein nehmen.

3.4 »Der Tanz um das goldene Selbst«, das Fixiertsein auf das eigene Ich und die persönlichen Bedürfnisse ist der schlimmste Feind des Friedens. Wer auf Kosten anderer lebt, ohne Rücksicht auf Verluste sich durchsetzt, zum Geilsein und zur Gier aufstachelt, die Gebote Gottes lächerlich macht, Gottlosigkeit propagiert, den Sternen mehr vertraut als Gottes weiser und guter Führung, der gefährdet den Frieden. Er verliert seine Seele an geschaffene Dinge und Dämonen.
Es wäre gut zu beherzigen, was Kardinal Carlo Maria Martini langjähriger Bischof in Mailand heute in Jerusalem lebend in einem Interview sagte: "Der Friede kann nur werden, wenn wir nicht mehr siegen wollen."
  •  Jesus Christus fragt auch uns, seine Jünger/Innen heute: „Für wen haltet ihr mich?“ Was werden wir antworten? Durch das Wort Gottes erleuchtet dürfen wir bekennen: „Du bist der wahre Gott gehorsame Messias, der durch sein Lebensopfer am Kreuz die Sünde und den Tod besiegt hat. Du bist unser Friede.“


[1] Röm 12,2
[2] Röm 8,29
[3] Jes 50,5
[4] ebd.
[5] Mk 8,29
[6] ebd.
[7] Phil 3,10
[8] Paul Tillich

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