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2009 (B)

Homilie am 23. So.B2009  zu Jes 35,4 im Pfarrgottesdienst in St. Michael Neunkirchen

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Es kommt die Vergeltung Gottes

1 Die Frage des Rabbi

In einem Gespräch über Naziterror und Judenverfolgung fragte ein Teilnehmer einen jüdischen Rabbi: "Wie können sie nach dem, was an den Juden geschehen ist, noch an Gott glauben?"
Der weise, in der Spruchweisheit des Alten Testaments und in der chassidischen Mystik aufgewachsene Rabbi stellte eine Gegenfrage: "Wie können Sie nicht an Gott glauben, nach dem, was geschehen ist?"

2 Brennende Fragen bleiben:

  • Was ist mit all den Menschen, die in den Unrechtssystemen der Nationalsozialisten und Kommunisten hingemordet und liquidiert worden sind? Wie viel Ungerechtigkeit gibt es jeden Tag auf der ganzen Welt und mitten unter uns? Wie viel Gewalttätigkeit, der unschuldige Menschen zum Opfer fallen.
Wie viele Menschen nehmen, die an ihnen geschehenen Ungerechtigkeiten und Verbrechen mit ins Grab? Wie viel Schuld bleibt ungesühnt!
  • Sicher die Älteren unter uns haben 1945 nach 12 Jahren den Zusammenbruch der Naziherrschaft miterlebt. Wir selber wurden vor 20 Jahren Zeugen der gewaltlosen Auflösung der über 70 Jahre währenden kommunistischen Diktatur. Aber was hilft das den Opfern? Was hilft es den Millionen von Menschen, die in den Konzentrations- und Gefangenenlagern, in den Gulags oder in den vom System herbeigeführten Hungersnöten ums Leben kamen?
  • Wir fragen weiter: Was ist mit den von der Natur benachteiligten Menschen, den zu kurz gekommen, den Taubstummen, Blinden, den im Mutterleib getöteten Kindern, die ihr Leben nie leben konnten? Was ist mit den durch Kriege, Gewaltverbrechen und Verkehrsunfällen Verstümmelten und Behinderten?
  • Unterschiedlich reagieren wir auf solche Fragen: die einen mit Wut und Rachegefühlen, andere mit ohnmächtiger Resignation, wieder andere klagen Gott an oder sagen sich von ihm los, weil er nicht eingreift.
Und wir, wie reagieren wir auf all das Unrecht, das wie eine riesige Müllhalde über der Geschichte der Menschheit liegt?

3 Die Antwort des Propheten Jesaja lautet:

"Sagt den Versagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch retten."[1]

Rache? Vergeltung? Das ist doch unchristlich!
  • Sowohl das Alten Testament und noch deutlicher das Neue verkünden den Ausgleich, den Gott herbei führt; von Lohn und Strafe, ja von ewiger Seligkeit und im schlimmsten Fall von ewiger Verdammnis.
  • Aber das Neue Testament zeigt uns am Beispiel Jesu: Es ist nicht unsere Sache Rache und Vergeltung zu üben. Darum mahnt der heilige Paulus im Römerbrief:
"Rächt euch nicht selber, sondern lasst Raum für den Zorn Gottes; denn in der Schrift steht: Meine ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr."[2]
  • Denn wer von uns vermöchte über Epochen und Menschen gerecht zu urteilen. Zu sehr sind wir oft selber in Unrecht verstrickt, aktiv oder durch unserer Schweigen, durch unsere Gleichgültigkeit.

4 Er selbst wird kommen und euch retten

  • In Jesus ist das wahr geworden. In Ihm hat Gott rettend eingegriffen. Er nimmt sich der Unterdrückten, aber auch der Unterdrücker an. Er heilt den Taubstummen. Jesus heilt viele. Aber er befreit nicht alle Unterdrückten und Kranken seiner Zeit.
  • Als der Gottgesandte zeigt er, daß Gott sein Heil bereit hält, ja den Ausgleich bei manchen sogleich herbeiführt, wie es uns das heutige Evangelium zeigt.
  • So ist es auch unsere Aufgabe, unermüdlich dort wo es möglich ist, das Unrecht zu überwinden; den Unterdrückten und den zu kurz Gekommenen zu ihrem Recht zu verhelfen; zu heilen die leiblich oder seelisch Verwundeten; aufzurichten die Niedergedrückten, die Kranken. Der Glaube an Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit mahnt uns ohne Ansehen der Person zu helfen, wo Hilfe nötig ist.[3] Trotzdem bleiben viele Fragen unbeantwortet.
  • Die Auferstehung Jesu ist die Garantie für die ausgleichende Gerechtigkeit die Gott herbeiführen wird. Es wird eine endgültige Heilung und Rettung geben. Jeder muss sich für sein Tun und Lassen verantworten. Wir aber werden nicht rachelüstern Hölle und Verdammnis denen wünschen, die offensichtlich Unrecht getan haben. Denn wie leicht könnten wir selber zu ihnen gezählt werden. Darum mahnt uns der Herr: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“[4]
  • In der Auferweckung Jesu gibt uns der gütige und gerechte Gott das Zeichen, dass es auch für das, was in diesem irdischen Leben nicht aufgeht, einen Ausgleich gibt. Es werden diejenigen, die Unrecht erlitten haben, ganz bei ihm geborgen und glücklich sein, wie der arme Lazarus in Abrahams Schoß.


[1] Jes 35,4
[2] Röm 12,19
[3] Jak 2,1
[4] Mt 7,1; Lk 6,37

 

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