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2008 (B)

Ansprache am Fests der Heiligen Familie in Rödlas

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Die Heilige Familie - Stola, Benediktinerinnen in Orselina, Schweiz
Die Heilige Familie - Stola, Benediktinerinnen in Orselina, Schweiz
Familie – Ort, wo wir das Leben Lernen
Wo ist Familie?

  • 2002 behauptete die damalige Bundesregierung: Familie sei da, wo Kinder erzogen werden, - reicht das zur Bestimmung von Familie? Sicher kommt diese Beschreibung nur einem Teil von Familienleben nahe. Was ist mit den Familien, in denen die Eltern alt geworden sind und die erwachsenen Kinder gewollt oder ungewollt keine eigenen Kinder haben?
  • Was ist mit Gemeinschaftsformen, die sich in einem übertragenen Sinn "Familie" nennen - Klosterfamilien, Pfarrfamilien, Kolpingsfamilie?
  • Was ist mit den Leuten, die von sich sagen: "Wir sind eine Familie", bei denen jedoch niemand mit einem anderen Mitglied dieser Familie blutsverwandt ist, deren "Familiesein" nun kein vorübergehendes Gefühl, sondern eine verlässliche Größe ist - Kinderdorffamilien etwa? Sind Alleinerziehende - Frauen oder Männer – Familie? Familie hat nicht selten auch etwas Bruchstückhaftes an sich.

Unser Bild von Familie

  • Das Bild von Familie, das viele Menschen als ihr Idealbild haben, die Form der Familie, nach der sie sich sehnen, ist oft nicht - mehr - die Realität, der sie sich stellen müssen. Viele junge Menschen fragen , welche Form von Familie können und wollen wir leben?
  • Heißt die Antwort etwa: Lebt so wie die heilige Familie von Nazareth? Das wäre eine sehr oberflächliche Antwort. Denn einmal sind die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse ganz anders als damals. Heute spielt sich Beruftätigkeit weitgehend außer Hause ab. Man teilt höchstens den Abend, das Wochenende und den Sonntag noch  miteinander. Aber auch da gibt es viele Angebote und Aktivitäten, die oft zur Belastung für das Familienleben werden.

Wie das Fest der heiligen Familie feiern?

  • Wenn wir heute das Fest der heiligen Familie feiern, stehen dann nicht viele Menschen und vielleicht sogar wir selber hilflos zwischen dieser Realität und dem Rahmen, den dieses Fest vorgibt? Wenn wir heute "Familie" liturgisch feiern, ist der erste Schritt der des genauen Hinschauens ohne Angst und ohne Vorurteile.
  • Wie leben Menschen das, was sie als Familie verstehen? Wie füllen sie die Muster aus, die sie gelernt haben? Wie formen sie die in der eigenen Familie gemachten Erfahrungen um, oder lehnen sich dagegen auf? Und nicht zuletzt die Frage an jede und jeden von uns: Wie leben Sie, wie lebe ich Familie? Was tun Sie, was tue ich, damit Familienleben gelingt? Denn eingebunden in eine Familie - gleich welcher Ausprägung - waren Sie und ich, sind viele von uns.
  • Wenn wir "Familie" liturgisch feiern, stellen wir uns kein Wunschbild vor Augen, das wir wie ein Goldenes Kalb auf den Sockel heben. Wir feiern vor Gott die Realität des Lebens. Dazu gehört auch, dass uns im Hören auf das Wort der Heiligen Schrift die reale Situation der heiligen Familie deutlich wird.
  • Die Bibel erzählt von den Schwierigkeiten, die sich ihr stellten von ihrer Gründung an bis zu ihrem teilweisen Übergang in die neue Familie Jesu - die Gemeinde der ersten Christinnen und Christen. Das war von Anfang an keine ideale Familie: Eine unverheiratete Mutter, blutjung, ein Vater, der sich zu dem zu erwartenden Kind erst durchringen musste, ein Sohn, der seinen Eltern früh und dann dauerhaft ihre Grenzen deutlich macht. Kein ideales Verhältnis zwischen den Generationen, immer wieder die schmerzhafte Zurückweisung familiärer Ansprüche, das Herausfallen aus dem in der damaligen Gesellschaft üblichen Verhaltens, der Verbrechertod Jesu, die neue Gemeinde.

Familie ist der erste Ort, wo wir gelungenes oder misslungenes Leben erfahren.

Martin Gutl, beschreibt in seinem Buch: Ich begann zu suchen. Texte der Hoffnung, Familie so: Familie -
Ort der Gespräche -Ort des Schweigens
Ort der Konflikte - Ort der Versöhnung
Ort des Kampfes - Ort des Friedens
Ort des Misstrauens - Ort des Vertrauens
Ort des Missverstehens - Ort des Verstehens
Ort der Verkümmerung - Ort der Entfaltung
Ort der Lüge -  Ort der Wahrheit
Ort der Trennung -  Ort der Vereinigung
Ort des Hasses - Ort der Liebe
Ort der Erstarrung - Ort der Veränderung
Ort des Scheins - Ort des Seins
Ort Gottes - Ort der Menschen.


Familie ist der Ort, wo Gott zum Leben führt.

  • Ganz gleich um welche Form von Familie es sich handelt. Dabei ist und bleibt hoffentlich der Normalfall, dass sich jene Menschen um ihre Kinder kümmern, die sie gezeugt und geboren haben; Sie mit dem Reichtum ihrer Liebe beschenkend zu selbständigen, guten Menschen und wachen Christen erziehen. Dabei ist es hilfreich auf Maria und Josef zu schauen.
  • Gott bleibt bei diesen Menschen, die sich um seinen Sohn kümmern als Vater und Mutter. Er fordert sie bis zum Äußersten. Sie haben keinen weltlichen Vorteil davon, dass ihnen sein Wort als im Fleisch Geborener anvertraut ist. Ihr Familiesein ist nicht säuerlich-süßlich. Es ist nicht Idealbild, sondern Vor-Bild in dem Sinn des So-kann-es-gehen-wenn-Gott-Familie-mitlebt. Er ist ja der Gott des Lebens, der Leben schenkt, hütet, kräftigt, trägt und heiligt.
  • An Weihnachten erlebten wir die Geburt Jesu. Heute seine Darstellung im Tempel. Der Erstgeborene wird Gott geweiht. Gläubige in der Tradition Israels stehende Eltern drücken dadurch aus, dass Israel seine Existenz als Geschenk Gottes versteht. So lehrt es die Abrahamsgeschichte. Das kinderlos gebliebene Ehepaar erhält durch die Zusage Gottes noch in hohem Alter ein Kind, dessen Nachkommen zahlreich wie Sterne am Himmel sein werden. Nicht menschliche Sexualität an sich schon garantiert das Fortleben eines Volkes, sondern das von Gott gesegnete unter seiner Verheißung stehende.
  • Dieses Leben mit Gott vollzieht sich in kleinen Schritten und in großen Sprüngen. Es geht durch Berg und Tal, durch helle und dunkle Tage und Nächte. Es kann zerbrechen und zerstört werden. Aber es kann auch wieder auferstehen. Denn eingeschrieben in die Geschichte der Familie Jesu ist nicht nur sein Tod, sondern auch seine Auferstehung. An diesem Familienleben nehmen wir Maß.
  • In diesem Sinn ist die Heilige Familie Bild jeder Familie, die Leben schenkt und fördert, es annimmt und ihr Leben in Gott verankert weiß. Sie weiß sich aus seinem schöpferischen Odem geworden und versucht miteinander durch Höhen und Tiefen, in Freud und Leid, bei Licht und Dunkel, auf das Ziel zuzugehen, das GOTT ist, die Fülle des Lebens und der Liebe.

 

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