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Predigten

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2009 (B)

Homilie am 29.So.B2009 in der Sonntagvorabendmesse in St. Michael Neunkirchen und in der Sonntagsmesse in Rödlas

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Verantwortung aus dem Glauben[1]

1 Dienst und Verantwortung im Beruf

Der Flugzeugführer hat einen schweren Beruf. er trägt große Verantwortung:
  • Die Menschen, die im Flugzeug sitzenden Menschen sind ihm anvertraut. Er ist verantwortlich für das Leben der Passagiere, aber auch für die transportierten Güter und für ein viele Millionen teueres Flugzeug.
  • Aber nicht nur er allein ‑ auch der Kopilot, die Flugleitstellen und nicht zuletzt das Wartungspersonal tragen große Verantwortung. Je pflichtbewusster alle ihren Dienst versehen und je lebendiger sie sich ihrer Verantwortung bewusst sind, desto besser füllen sie ihren Beruf aus, desto sicherer sind die Passagiere.
  •  Lässt aber diese Dienstbereitschaft nach, schwindet das Verantwortungsbewusstsein, sind Abstürze und Katastrophen die schrecklichen Folgen.
  • Dienstbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein sind auch in allen anderen Berufen unverzichtbar: in jedem Werk, in jedem Betrieb, bei jeder Veranstaltung, in jeder Gemeinschaft. Geht etwas schief, so fragen wir nach den Verantwortlichen. Sie werden zur Rede gestellt. Bei schweren Vergehen werden sie sogar aus ihrem Beruf entfernt und es wird ihnen der Prozess gemacht.
  • Umgekehrt werden Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Dienstbereitschaft gelobt und ausgezeichnet. Solche Menschen werden mit Recht geehrt und ausgezeichnet. Zuerst denken wir nach über

2 Dienst und Verantwortung in der Pfarrgemeinde

Auch die Kirche lebt vom Dienst und der Verantwortung ihrer Glieder. Ich sage bewusst Glieder und nicht Mitglieder. Denn wir sind als Getaufte und Gefirmte Glieder am Leib des auferstandenen Christus. Paulus schreibt im Römerbrief. „So sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören.“[2] Zugleich betont er, dass nicht alle Glieder denselben Dienst leisten.[3]
Wenn ich Sie frage: Wer hat in der Pfarrgemeinde die Verantwortung, dann kommt die Antwort wie aus einem Munde:

2.1 der Pfarrer.
  • Dazu hat ihn der Bischof gesandt. Im kirchlichen Rechtsbuch heißt es: Der Pfarrer ist der Hirte der ihm übertragenen Pfarrei; er nimmt die Seelsorge für die ihm anvertraute Gemeinschaft unter der Autorität des Diözesanbischofs wahr, zu dessen Teilhabe am Amt Christi er berufen ist, um für diese Gemeinschaft die Dienste des Lehrens, des Heiligens und des Leitens auszuüben, wobei andere Priester oder Diakone sowie Laien nach Maßgabe des Rechts mitwirken. Can.519
  • Der Pfarrer ist also verantwortlich für das religiöse Leben der Gläubigen: Zuständig für den Gottesdienst, die Spendung der Sakramente, beauftragt zu Predigt und Katechese. Er hat dem Heil der Gemeinde verantwortlich zu dienen.
  • Darauf wird er beim Empfang der Ernennungsurkunde vereidigt. Dazu gehört auch die Verantwortung für das kirchliche Vermögen und die kirchlichen Gebäude.

 

2.2 Aber nicht der Pfarrer allein!
Die Pfarrei ist eine geistliche Gemeinschaft.
  • In der natürlichen Familie liegt auch nicht die Verantwortung beim Vater oder bei der Mutter allein. Jeder muss seinen Teil Verantwortung übernehmen, auch die Kinder, vor allem wenn sie größer geworden sind. Nur so kann es einer Familie wirklich gut gehen. Die Familie entsteht durch das gemeinsame Blut, durch das Einswerden von Mann und Frau.
  • Die Pfarrgemeinde entsteht durch die gemeinsame Taufe und wird durch den Glauben an Jesus Christus zusammengehalten. Deshalb soll die Taufe nach dem Willen der Kirche am Sonntag und in der Pfarrkirche gespendet werden. Taufe ist keine Privatsache, sondern Eingliederung in Christus und in die Gemeinschaft der Kirche. Und die Pfarrkirche ist die Mitte der Ortskirche, der Pfarrei.
  • Keiner darf sagen: "Geht mich nichts an. Dafür ist der Pfarrer da." Oder "Dafür haben wir doch einen Pfarrgemeinderat gewählt." Oder: "Das fällt doch gar nicht auf, ob ich an der öffentlichen Anbetung Gottes, an der Eucharistie am Sonntag teilnehme oder nicht." Leider sind sich auch in unserer Pfarrgemeinde viele Getaufte  ihrer Verantwortung nicht bewusst.
  • Gott sei Dank! gibt es aber auch viele, die mit großem Eifer am Leben der Gemeinde teilnehmen und in vielen Diensten verantwortlich mitwirken. Ich glaube, wir alle würden beglückt staunen, wenn wir einmal auflisten würden, wie viele ehrenamtliche, neben- und hauptamtliche Dienste in unserer Gemeinde wahrgenommen werden. Ohne sie wäre jeder Pfarrer ein ohnmächtiger Einzelkämpfer. Orientierung wird uns zuteil, indem wir auf die Anfänge schauen, auf

 

2.3 Dienen und Verantwortung im Urchristentum
  • Wenn wir in das Neue Testament hineinhorchen, vor allem in die Apostelgeschichte,  dann erfahren wir, mit welchem Einsatz die Christen des Anfangs ihr Christsein gelebt haben. Wer getauft war, fühlte sich verantwortlich, den Glauben weiterzugeben, andere für Christus zu gewinnen. Dabei entwickelte sich schon in der Urgemeinde eine Arbeitsteilung. Man erkannte schnell, dass die Apostel nicht alles allein tun konnten, sollten sie das Gebet und die Verkündigung des Evangeliums nicht vernachlässigen.
  • Der Dienst des Diakons wurde geschaffen. Die Gemeindeglieder kümmerten sich umeinander, stützten die Schwachen und gewannen andere für den Glauben.
Was sagt uns die Heilige Schrift über

 

3 Dienst und Verantwortung der Jünger und Jüngerinnen
  • Die Gemeinde ist nicht das Geschäft oder der Betrieb des Pfarrers oder "der Bamberger". Der Inhaber unserer Pfarrei ist der große Gott, der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus. Christus ist das Haupt der Kirche und unserer Gemeinde. Er hat uns als Kapital den Heiligen Geist gegeben.
  • Wir alle sind hier, um einen Dienst zu tun. Es geht nicht darum, wie Jesus im heutigen Evangelium klarmacht, Ehren‑ oder Machtpositionen einzunehmen. Wir alle können in den Augen Gottes den ersten Platz einnehmen, wenn wir dienen. Darum schärft Jesus seinen sich um die ersten Platze rangelnden Jüngern ein:
"Wer bei euch der erste sein will, der soll der Sklave aller sein."
Worum geht es also in der Kirche Jesu Christi, in unserer Gemeinde, in unserer Pfarrei?

 

3.1 So wie unser  Herr zu sein
d.h. sich nicht bedienen zu lassen, sondern zu dienen. Was heißt das? Daß wir zunächst unsere Einstellung zur Gemeinde, zur Kirche vom Zeitgeist des Konsumentendenkens frei machen. Solches Denken ist beherrscht vom Anspruch:
  • Was bietet man mir? Werde ich genügend beachtet? Kümmert man sich um mich? Passen mir die Mitfeiernden? Entspricht alles meinem Geschmack?

Wer in die Nachfolge Christi getreten ist ‑ und jeder Christ ist dazu berufen ‑ der fragt anders:

  • Was kann ich dazu beisteuern, dass Gott Heiligkeit, sein Erbarmen und die Liebe Christi bei uns aufleuchten? Wie kann ich dazu beitragen, daß unsere Gemeinde eine lebendige und liebende ist? Was sind meine besonderen von Gott geschenkten Begabungen, meine Charismen, meine Gnadengaben, die ich zur Verfügung stellen kann? Wie kann ich mithelfen, dass in unserem Gottesdienst spürbar wird, hier geht es um die Anbetung und Verherrlichung Gottes?
Es geht in der Kirche Jesu Christi darum wie unser Herr den Menschen und ihrem Heil zu dienen. Worum geht es noch in der Gemeinde?

 

3.2 "Sein Leben hinzugeben"
als Lösegeld für die Vielen. Das hat Jesus für uns alle getan. Wir sollen sein erlösendes und befreiendes Sich Hingeben für uns alle in der Menschheits‑ und Kirchengeschichte fortsetzten und erfahrbar machen. Das heißt nicht nur, daß wir uns im äußersten Fall eher umbringen lassen, als daß wir Christus verleugnen, sondern im Normalfall heißt das:
Dass ich mein Leben, was ich bin, kann und habe, einsetze für den Herrn und das Heil meiner Mitmenschen, und zwar für das irdische Wohl und das ewige Heil.
Die Kirche fasst dies zusammen unter dem Stichwort:

 

3.3 Die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit

3.3.1 Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind:
Hungrige speisen ‑ Durstige tranken
Nackte bekleiden ‑ Fremde beherbergen
Gefangene erlosen ‑ Kranke besuchen ‑ Tote begraben

 

3.3.2 Die geistigen Werke der Barmherzigkeit sind:
Sünder zurechtweisen ‑ Unwissende lehren
Zweifelnden recht raten ‑ Betrübte trösten
Lästige geduldig ertragen - denen, die uns beleidigen gerne verzeihen -
für Lebende und Tote beten.

Es geht also bei den leiblichen und geistigen Werken der Barmherzigkeit darum, hellhörig und hellsichtig zu werden für die vielfachen Nöte in meinem familiären und beruflichen Umfeld, in unserer Pfarrgemeinde und über ihre Grenzen hinaus. (Missio am kommenden Sonntag). Das ist mitunter sehr anstrengend, ja es kann ein Stück Leben kosten, wenn wir uns darauf einlassen.

 

3.4 Wenn wir diesen Knechtsdienst Jesu auf uns nehmen,

werden wir wie er, vieles zu ertragen haben. Wir werden wie er den Kelch der Leiden trinken. Wir werden manche Schläge bekommen, wie jeder der sich einsetzt und Verantwortung übernimmt. Wir werden auch unsere schwache Liebe wahrnehmen und manchmal versucht sein, alles hin zuwerfen. Jesus Christus kennt unsere Schwachheit, sagt der Hebräerbrief. Er kann mit uns mitfühlen. Wenn wir uns an ihm festhalten, werden wir auf dem Weg des Dienens bleiben.

4 Verantwortung übernehmen als Erkennungszeichen

Jesus zeigt uns im Evangelium, woran man den wahren Jünger Jesu erkennt, ob er Pfarrer oder Laie ist: dass er Verantwortung übernimmt und bereit ist zum Dienen.
  • Wir haben die Liebe erkannt, mit der uns Gott von Ewigkeit her entgegen kommt und die uns in Jesus Christus menschlich und göttlich zugleich begegnet. Auf diese Liebe antworten wir, indem wir uns einsetzen für Gott, dass sein Name bei uns geheiligt, gelebt wird; sein Reich komme und sein Wille geschehe, wie wir im Vater unser beten. Das heißt verantwortlich aus dem Glauben leben.
  • Es gibt sogar Dienste, die gar nicht viel kosten, weder Geld noch große Anstrengung z.B.
Ein frohes Gesicht zu machen, weil Gott seine ewige Freude für uns bereit halt.
Mit anderen freundlich umzugehen, weil auch sie von Gott geliebt sind und sich Christus für sie hingegeben hat.
Zeit für jemand haben, der niemand hat, der ihm zuhört.
Wohlwollend die Arbeit derer zu begleiten, die sich für unsere Gemeinde und Pfarrei mit aller Kraft mühen.
Ein Sprichwort sagt: "Der hat sein Leben am besten verbracht, der andere Menschen hat fröhlich gemacht."


[1] 1. Lesung: Jes 53,10-11 2.Lesung: Hebr 4,14-16 Evang: Mk 10,35-45
[2] Röm 12,5
[3] Röm 12,4

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