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2009 (B) Weihnachtszeit

Homilie am 2. Sonntag nach Weihnachten 4.1.2009 in Rödlas »Regina Pacis - Maria - Königin des Friedens«

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Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab ...
Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab ...
Das ewige Wort des Vaters kommt in der Stille

 
Mitten im Schweigen

An Silvester haben wir es wieder erlebt, wenn die Welt Ihre Feste feiert, geht es meist sehr laut zu. Sie lässt es krachen. Die großen geheimnisvollen Dinge aber geschehen in der Stille. Entsteht ein neuer Mensch im Leib einer Frau, wird dies ja zunächst nicht einmal von ihr selber und schon gar nicht von ihrer Umgebung wahrgenommen. Weibliches Ei und männliche Samenzelle vereinigen sich lautlos. Ein neuer Mensch fängt in aller Stille an zu werden.

Der eigentliche Inhalt des Weihnachtstages wird am „Zweiten Sonntag nach Weihnachten“ in einzelnen Zügen noch einmal von innen her als geheimnisvolles Geschehen betrachtet und entfaltet. Es beginnt gleich mit den Worten des Eingangsverses aus dem Buch der Weisheit, einer Spätschrift des AT.

 
Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab ...„mitten in das dem Verderben geweihte Land.“[1]
  • Aus allen Richtungen der Windrose prasseln täglich und stündlich Wörter und Worte auf uns nieder wie ein nicht enden wollender Graupelschauer. In diesem Wust von Worten und im Dickicht der Meinungen das richtige uns Heil und Leben schenkende Wort wahrzunehmen, ist eine schwer zu lernende Kunst.
  • Das Wort des Lebens und der Wahrheit kommt in die Welt und zu uns Menschen, „als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war.“
  • Ich hoffe, wir alle hatten schon einmal ein solches Erlebnis in der Natur, etwa wenn die Nacht anhebt und es immer stiller wird. Immer wenn ich vor einer Krippe stehe - und sei sie noch so einfach - spüre ich diese Stille. Auch die Armut, das Anspruchslose des Stalles und der Krippe atmet dieses Schweigen der Stille.
So war es, als das Ewige Wort des Schöpfers in die Welt kam. Wie sollen wir das verstehen?

 
Diese Stille ist das Zeichen von Gottes Hoheit.

  • Schon im Leben der Menschen ist es so: je mehr ein Mensch wirkliche Würde und Hoheit hat, desto weniger braucht er sie durch äußere Zeichen und Formen hervorzuheben, zu stützen. Es gibt eine Würde, die auch ein Bettlergewand nicht verdecken kann.
  • - Wie hätte Gott sonst kommen können? Etwa mit dem Aufgebot alles dessen, was wir uns an Macht und Prachtentfaltung denken können - aber sagen Sie selbst: wäre das Gott würdiger? Sollte er gleichsam in Wettbewerb treten mit menschlicher Prachtentfaltung?
  • Viel königlicher, hoheitsvoller ist die Stille Christi, mit der er außerhalb aller menschlichen Maßstäbe ins Leben tritt, in königlicher Souveränität zur Seite schiebt, was sonst die Menschen sich unter Größe und Macht denken.
Wichtiger aber ist noch etwas anderes:
  • Er kommt als Kind, der Zärtlichkeit und Liebe bedürfend. Und er wird als bis zu letzten Atemzug Liebender seinen Lebensweg gehen. So als ob er niemanden erschrecken wollte.

 Josef Weigel hat es zutreffend beschrieben:

„Wie ein Reicher zum armen Freund kommt, er lässt alles daheim, was auf den Reichtum zeigen könnte. So wie ein Freund ins Haus des Freundes kommt, ohne Lärmen, ohne Aufsehen, .. wie einer, der schon immer da war, so ist Christus in der Welt erschienen.“
  • Nichts Besonderes geschah, als Maria und Joseph wie alle anderen sich aufmachten - und hätte der Engel den Hirten nicht die Botschaft gebracht: „Siehe ich verkünde euch eine große Freude, heute ist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr“ die Welt hätte nicht geahnt, dass der Herr gekommen war, seine Schöpfung heimzusuchen. Still und unbemerkt war er da, als ob es so sein müsste, als sei er schon immer da gewesen. So sagt es ja der Name Gottes Jahwe, „Ich bin der ICH-BIN-DA.“
  • Und doch ist diese Stunde wichtiger für das Wohl und Wehe der Menschheit als alles, was gleichzeitig - ja alles, was vorher und nachher geschah. Dem entspricht es auch, wenn unsere ganze Zeitrechnung sich danach richtet, ob man nun den Namen Christi dabei nennen oder ihn abschaffen will.
  • Wenn wir das recht bedenken, werden wir kritisch werden: nicht das Lauteste ist auch das Wichtigste. Was laut und sichtbar geschieht, ist meist die letzte Auswirkung von etwas, was in der Stille geschehen ist.
  • Erst fallen die Entscheidungen in den Herzen der Menschen, in der Verborgenheit werden die großen Entschlüsse gefasst, und lange dauert es, bis sie sichtbar werden. Wie viele Beispiele könnten wir da nennen in der Natur und in der Geschichte: das Samenkorn, den Hausbau usw. Und wenn das schon für die Weltgeschichte gilt, um wie viel mehr in der Geschichte des Reiches Gottes. Daher interessiert uns  Jünger und die Jüngerinnen Jesu besonders

Stille Menschen

Beachten wir also: Die Botschaft geht an die Hirten, und dann begegnen uns die Weisen aus dem Morgenland, und schließlich noch Simeon und Hanna im Tempel:
• alles  stille Menschen, nach außen unscheinbar, eine Stille in sich tragend und ausströmend.
Wäre das anders möglich gewesen - etwa die Engelsbotschaft im Königspalast zu Jerusalem oder auf dem Marktplatz oder in der Gelehrtenschule? Die Stille gibt uns das rechte Maß, die rechte Offenheit.  In der Stille will Gott zu uns sprechen. In der Stille gewinnen wir die rechte Unterscheidung. In der Stille finden wir die rechte Tiefe.
Und noch eins: Seien wir aufmerksam für den Zusammenhang zwischen der Stille Christi und der Botschaft des Friedens.
• Wo keine Stille ist, da ist auch kein Frieden.
Natürlich muss es die Stille Christi sein, der ganz in der Gegenwart Gottes des Vaters ruht - es gibt auch ein Schweigen aus Trägheit, aus Bosheit, es gibt auch die Stille vor dem Sturm!

Sich durch heilsames Erinnern der Menschwerdung Gottes beschenken lassen
Sich durch heilsames Erinnern der Menschwerdung Gottes beschenken lassen  

 Tut es uns vielleicht deshalb so gut, vor der Krippe zu knien? Weil wir hier Stille und Frieden einatmen? Atmen wir  in diesen Tagen diese Stille und diesen Frieden tief ein!

Aber nicht nur an diesem Tag: Die in Gott ruhende Stille ist ein Kennzeichen Christi in allem, was er tut. Und wie sein Leben in der Stille der Weihnacht begonnen hat, so wird es beschlossen in der Stille des Karfreitags.

Es setzt sich fort in der Stille der Eucharistie - denn was gibt es Stilleres und zugleich das Leben Nährenderes als das tägliche Brot? In der Stille vor dem Tabernakel weilend, wird uns die heilsame Nähe Christi zuteil. Also gerade die stille Anwesenheit im Brot nimmt Christus zum Zeichen seiner Gegenwart!

Hektik und Aktionismus verderben die Liturgie, vor allem die Eucharistie. Alle Worte und Gesänge sollten aus der Stille kommend die Gegenwart Jesu Christi bezeugen, so dass die Seele still werden und Frieden finden kann. Mit dem Psalm 131 werden wir dann sprechen:
„Ich ließ meine Seele ruhig werden und still; wie ein kleines Kind bei der Mutter ist meine Seele still in mir.“[2]
 
 
Das Große geschieht in der Stille.
Ein kleines Gedicht über den ICH-BIN-DA, über Gott sagt es in stillen warmen Bildern:

Ich bin da
wie die Sonne, die Dich wärmt,
wie die Blume, die Dein Herz erfreut
wie ein Licht auf Deinem Weg
wie eine Wolke, die Dich umhüllt
wie ein Auge, das Dich voll Liebe anstrahlt
wie eine Hand, die schützend nach der Deinen greift
wie ein Herz, das für Dich schlägt.

  • Wir leben in einer Zeit, die zu wenig Stille kennt. Lärm macht krank. Das weiß inzwischen fast jeder. Manche sind schon seelisch so krank, dass sie die Stille nicht mehr aushalten.
  • Heute am Sonntag, dem Tag des Herrn, haben wir uns versammelt um die Menschwerdung Gottes in Jesus, aber auch seine Liebe bis zum letzten Atemzug, also seinen Tod und seine ebenfalls in Stille geschehene Auferstehung zu feiern.
  • Wir dürfen etwas von der heilenden und heilsamen Stille Christi in uns aufnehmen. Wir empfangen seinen Frieden, weil wir uns durch Jesus Christus im Heiligen Geist von der gegenwärtigen Liebe Gottes umhüllt und getragen wissen.


[1]  Weisheit 18, 14-15
[2]  Psalm 131,2

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