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2009 (B) Ostern

Osterpredigt in der Feier der heiligen Osternacht und im Pfarrgottesdienst am Osternsonntag in St. Laurentius Hetzles

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Ostern - Unglaube an den Tod und Glaube an das Leben[1]

1 Angst vor dem Tod

  • "Die Angst vor dem Tod ist die Mutter aller Theologie", behaupteten die Philosophen Griechenlands schon vor 2000 Jahren. Ist etwa der Glaube an die Auferstehung doch nur ein Produkt unserer Angst vor dem Tod, vor dem völligen Ausgelöscht-Werden? Jüdisch-christliches Denken ist der Tatsache des Todes nie ausgewichen. Schon am Anfang der Bibel steht, was in der Begräbnisliturgie in persönlicher Anrede dem oder der Verstorbenen gesagt wird: "Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück."
  • Am Aschermittwoch hat uns die Kirche das Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet und gesprochen:"Bedenke, o Mensch, daß du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“
  • Auch Maria von Magdala und die anderen Frauen gehen am Ostermorgen noch vor Sonnenaufgang zum Grab Jesu um einen Toten zu salben. Und Johannes und Petrus rennen am Ostermorgen dorthin. Sie können nicht glauben, dass das Grab leer ist.
Dennoch begegnet schon bei den jüdischen Weisen des AT

2 Der Keim des Auferstehungsglaubens

  • Anders als die griechischen Philosophen, welche die Angst vor dem Tod als die Mutter, die Hervorbringerin aller Theologie bezeichnen, sagen die Weisen des ersten Gottesvolkes:

"Der Unglaube an den Tod als Schlusspunkt ist der Vater aller echten Lebensbejahung."

  • Von Abraham, Isaak und Ijob bekennt die Schrift, daß sie lebenssatt starben. Noch heute nennen gläubige Juden den Friedhof hoffnungsvoll "der gute Ort" oder "das Haus des Lebens."
  • Getreu dieser Tradition nennen wir den Ort, wo wir unsere Verstorbenen begraben »Gottesacker« oder »Friedhof«. Als Christen glauben wir an die Erlösung des ganzen Menschen mit Leib und Seele. Darum ist für uns menschliches Leben vom ersten Augenblick an bis zum Tod und darüber hinaus als von Gott geschenkt heilig und unantastbar.
  • Wir ehren den toten Leib mit Weihrauch, besprengen ihn an die Taufe erinnernd mit geweihten Wasser und schmücken die Gräber unserer Lieben mit Blumen; denn wir glauben nicht an den Tod als Endpunkt, sondern wir glauben an das Leben, das in Jesus Christus ganzheitlich offenbar wurde. Die Jünger erleben den Auferstandenen - an seinen verklärten Wunden ablesbar - als den Gekreuzigten und Getöteten.
  • Auf Jesus Christus getauft sind wir mit seinem erlösenden Tod und seine seligmachende Auferstehung zutiefst verbunden. Unser Leben mit Gott lebend und ihm wie Jesus gehorsam werdend bis zum Tod dürfen wir mit Paulus im Römerbrief sprechen: „ Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.“[2]
Von der Auferstehung der Toten sprechend bekennen wir mit Paulus:
„Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich.
Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib.“[3]
  • Letzten Endes überwindet die messianische Hoffnung, der Glaube an den Messias, im Alten wie im Neuen Testament auch die Angst vor dem Tod.
Als Zeugnis mag jene Inschrift im Warschauer Ghetto dienen, die angesichts der Ausrottungspolitik der Nazis ein unbekannter Jude auf eine Wand kritzelte:
"Ich glaub, ich glaub, ich glaube,
unerschütterlich und fromm,
daß der Messias komm.
An den Messias glaub ich,
auch wenn er auf sich warten lässt,
glaub ich darum nicht weniger fest.
Selbst wenn er länger zögert noch,
an den Messias glaub ich doch.
Ich glaub, ich glaub, ich glaube."


 3 Mit dem Messias kommt die Auferstehung

  • Frauen, Jüngerinnen, die Jesus während seines öffentlichen Wirkens begleiteten und ihn unterstützen, sind die ersten die sich nach der Sabbatruhe in aller Frühe aufmachen, wohlriechende Öle kaufen und zum Grab eilen, um den Leichnam zu salben, damit der Geruch des Todes ihn nicht befalle. Sie entdecken als erste, dass das Grab leer ist. Dort begegnet ihnen ein Bote Gottes, der ihnen das leere Grab deutet:"Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hat."[4]
  • Die Liebe Jesu, die Johannes, der Jünger, "den Jesus liebte", durch ihn erfuhr, löst in ihm angesichts des leeres Grabes und der zusammengelegten Leichentücher den Glauben an die Auferweckung Jesu aus: "Er sah und glaubte."[5]
  • Die Liebe und das Erbarmen, das Maria von Magdala durch Jesus zuteil wurde, bringt sie dazu, dass sie unaufhörlich nach dem Verschwundenen sucht. Sie darf als erste der Jünger und Jüngerinnen erfahren, dass er auferstanden ist. Als Jesus sie beim Namen ruft, erkennt sie ihn.
  • Sie alle hatten das messianische Heil mit Augen gesehen und wie Johannes in seinem ersten Brief bekennt "mit Händen berührt".[6]
  •  Der Tod Jesu am Karfreitag war alles andere als ein böser Traum. Er war handgreifliche Wirklichkeit. Sie hatten diese Wirklichkeit mit den Händen begriffen, als sie seinen durch die Lanze des Soldaten aufgerissenen und verbluteten Leichnam ins Grab legten. Aber

4 Der Glaube an den Messias erwachte

  • mit dem Morgen des ersten Tages der Woche angesichts des leeren Grabes neu. Der Messias kommt von Gott, der den ganzen Kosmos und die Erde geschaffen hat und die Toten lebendig macht. Dieser Glaube macht sie empfänglich für die Osterbotschaft.
  •  Anton Rotzetter hat dazu im »Christ in der Gegenwart« geschrieben. "Das Auge sieht zu wenig weit und immer nur Ausschnitte. Das Ohr dagegen hört Dinge, die das Auge von sich aus nicht sieht. Erst das Ohr gewährt uns Zugang zur umfassenden Wirklichkeit. Darum ist es unsere Aufgabe, hörende Wesen zu werden und über das bloße Sehen hinauszukommen."
  • Es ist das Unglück unserer Tage, dass wir alle Augenmenschen geworden sind, überfüttert mit tausend Bildern, die andere für uns ausgewählt haben.
  • Es ist das Unglück vor allem für unsere jungen Menschen, dass ohrenbetäubende Musik ihr Gehör zerstörend nur noch ihren Bauch als Sitz des Triebhaften erreicht. So verlieren sie die Fähigkeit mit dem Herzen und mit wachem Verstand hören können. Darum kommt die Botschaft von der Auferstehung heute vielen so unwirklich vor.
  • O könnte doch unser Herz wieder hören auf die leise Stimme Gottes. Der Knecht Gottes, wie ihn der Prophet Jesaja uns vor Augen stellt und der in Jesus Gestalt angenommen hat, lebt uns vor, worauf es ankommt. Er sagt von Seinem Gott:"Jeden Morgen weckt er mein Ohr,damit ich auf ihn höre wie ein Jünger."[7]
  • Auf wen hören wir am frühen Morgen? Am Ostermorgen? Vielleicht aufs Radio, die neuesten Nachrichten, den Wetterbericht, oder einfach auf Ohren betäubende Musik? Es ist schwer und bedarf eines starken Charakters sich aus der von Medien und Apparaten vorgegebenen oberflächlichen Lebensart zu lösen. Und Gott und seinem auferstandenen Christus den ersten Platz am Beginn des neuen Tages einzuräumen.
  • Gott will jeden Morgen mein Ohr wecken, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Der Bote Gottes sagt am frühen Ostermorgen zu den zum Grab Jesu geeilten Jüngerinnen: "Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier."
  • Ja, wenn wir doch wie sie die Stimme des Boten Gottes, schon am frühen Morgen hören wollten. Wir könnten erfahren, daß der Herr seinen Jüngern und Jüngerinnen vorausgeht nicht nur nach Galiläa, sondern auf unserem Lebensweg, auf dem Weg in die Schule, zum Arbeitsplatz; auf dem Weg in den Urlaub, auf dem Weg zur Kirche. Überall könnte uns der Auferstandene begegnen. Er allein gibt unserem Leben eine Perspektive, die über alles Vergängliche hinausweist.
  • Mancher wird heute zum Friedhof gehen. Die Augen sehen Gräber voller Blumen. Und wir erinnern uns, was der Priester jedes mal spricht, wenn er dreimal Erde in das Grab wirft, auf den Sarg, in dem die Gestalt eines Menschen liegt, der lebte, atmete, liebte, glaubte:"Von der Erde bist du genommen und zur Erde kehrst du zurück." Ja, das sehe ich. Und was höre ich? "Der Herr aber wird dich auferwecken."
Ja, auf den Gräbern blühen die Blumen. Nicht nur sie. Auch die Hoffnung, daß Gott auch uns durch den Tod hindurch die Fülle des Lebens und die vollkommene Freude schenkt in seinem Reich.


[1] Mk 16,1-7; Joh 20,1-10
[2] Röm 6,5
[3] 1 Kor 15,42-44
[4] Mk 16,6
[5] Joh 20,8
[6] 1 Joh 1,1ff.
[7] Jes 50,4

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