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2009 (B) Jahreskreis

Homilie am 16.So.B2009 in der Filialkirche Rosenbach Pfarrei St. Michael Neunkirchen am Brand

===>> Biblische Texte des 16.Sonntags B
===>> Gottesdienstvorlage mit Meditation »Die Lüge: Keine Zeit!«
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Der Herr ist mein Hirte[1]

Viele Menschen sind wie Schafe ohne Hirten

  • Wenn Sie heute durch die Straßen Neunkirchens gehen, werden ihnen viele, viele Menschen begegnen. Mancher hat damit Probleme. Die vielen Menschen strengen an, machen müde. Was bringt so viele Menschen auf die Beine? Was treibt sie in solchen Massen zusammen? Ist es Neugier, die Lust zu schauen, zu genießen? Was suchen die Menschen beim Bürger- und Heimatfest?
  • Es wird viel geboten. Gruppen und Vereine haben sich angestrengt. Jeder möchte, daß die Menschen bei ihm Halt machen; denn schließlich soll sich der Einsatz auch lohnen. Was bringt so viele Menschen zusammen? Ist es der Herdentrieb?        
  • Gott bezeichnet beim Propheten Jeremia sein Volk als seine Herde. Er wirft den Hirten, das sind die Verantwortlichen des Volkes vor, sie hätten seine Schafe zerstreut und versprengt, sich nicht um sie gekümmert. Sie haben aufs falsche Pferd gesetzt. Sie haben sich auf Bündnisse verlassen und nicht auf Jahwe. Sie haben ihr Volk ins Unglück gestürzt. Jerusalem ist zerstört. Das Volk lebt ohne Hoffnung in der Verbannung.         
  • Wovon erwarten wir heute das Heil? Von der Politik etwa, von der Wirtschaft? Vom Vergnügen und Konsumieren?
  • Heute herrschen Namen, die wie große Verheißungen uns täglich durch die Medien eingehämmert werden. Im persönlichen Bereich sind es Konsum Genuss Lust Spaß Ekstase und Wellnes. Im gesellschaftlichen Bereich: Aktien, Konto, Politik, Wirtschaft, Gewinne. Gegenläufig dazu stellt die Medizin fest: Wir werden krank durch Hektik, Ruhelosigkeit, Lärm, Überreizung unserer Sinne.        

Jeremia weist auf den kommenden Spross Davids

  • Gott verheißt ihnen durch den Propheten Jeremia: Er selber werde sein Volk sammeln und ihnen neue Hirten geben, die sie weiden. Und er weist hin auf den Spross Davids, der für Recht und Gerechtigkeit sorgen wird. Die junge Kirche hat ihn in Jesus Christus und seiner Botschaft erkannt.         Dort wo er herrscht, schenkt ein anderer Name Zukunft und Leben: "Der Herr ist unsere Gerechtigkeit."[2] Wo der Spross Davids als König herrscht, werden Recht und Gerechtigkeit wachsen, können die Menschen in Sicherheit wohnen.
  •  Werkzeuge des göttlichen Heils sollen die im Dienst der Leitung der Kirche Stehenden sein. Aber auch jeder getaufte und gefirmte Christ soll an seinem Lebensplatz, in seinem Beruf, ein guter Hirt, eine gute Hirtin für die anvertrauten Menschen sein. Das wird Wirklichkeit werden, wenn wir uns täglich dem Herrn öffnen und auf ihn hörend handeln.
  • Zum Wohl der Menschen und der Völker sollen die Verantwortlichen in Politik Wirtschaft Gewerkschaften Ämtern Banken und Versicherungen wirken. Das wird nur dann gelingen, wenn sie ihre Aufgabe, ihr Planen und Handeln in Verantwortung vor Gott umsichtig und menschenfreundlich ausführen.
  • Die Krise unserer westlichen Zivilisationen ist nicht zuerst eine Wirtschaftskrise, sondern eine Sinnkrise. Viele wissen nicht mehr um ihr Woher und Wohin, um ihr Wozu und Wofür. Ruhelos treiben wir dahin. Rennen von einer Aktivität und Zerstreuung in die andere.
  • Selbst viele Getaufte verlieren sich mehr und mehr im Oberflächlichen. Verschütten die Tiefen ihrer Seele, in der Gott seit ihrer Taufe einwohnt durch seinen Geist. Wo das Habenwollen, die Gier nach Geld, nach Ansehen Menschen beherrscht, wird die Stimme des Gewissens unterdrückt bis es schließlich ganz schweigt. Nichts müssen wir mehr fürchten als gewissen- und verantwortungslose Menschen.

       Jesus zeigt uns heute im Evangelium den Weg

  • Seine Jünger kommen von einer Missionsreise zurück. Zu Zweien hatte er sie ausgesandt. Es war der erste Probelauf zur späteren weltweiten Mission. Das Unternehmen war anstrengend. Sie fanden kaum Zeit zum Essen. Jesus lädt sie ein: "Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“[3]
  • Allein sein mit dem Meister. Ein wenig ausruhen. Das schenkt neue Kraft. Freilich nur während der Fahrt auf dem See sind sie allein mit dem Meister. Bei der Ankunft werden sie schon wieder von einer Menge von Menschen erwartet. Nur eine kurze Verschnaufpause war ihnen vergönnt.
  • Jeder braucht Zeit, um aus der Hast und Unruhe zur Tiefe vorzudringen, um die Mitte zu finden. Es sind nicht nur die anderen Menschen, die uns nicht zur Ruhe kommen lassen. Oft sind wir es selber. Wir stehen uns mit unserer eigenen Unruhe im Wege. Wir meinen, es zähle nur, wenn wir etwas machen und schaffen. Nicht unsere Zeit ist hektisch, sondern wir Menschen. "Die Zeit," so las ich vor kurzem, "ist still und friedfertig und liebt die Ruhe."        
  • Es gibt mancherorts die Einrichtung "Kloster auf Zeit". Gehetzte Menschen gehen für ein paar Wochen aus Lärm und Gehetztsein in die Stille, ins Schweigen um zu sich selber zu finden und Gott neu zu begegnen. Die Ordnung des Klosters, mit seinen Zeiten der Stille und des Gebets wirkt wie eine Medizin. Suchen wir doch wieder mehr im Alltag Orte der Ruhe und der Sammlung. Unsere Kirche mit der Sakraments- und Marienkapelle und die Augustinuskapelle sind tagsüber immer offen.                          
  • Bei einer Kirchenführung sagte mir eine junge Lehrerin aus Erlangen, die auf dem Heimweg von ihrer Schule durch Neunkirchen fährt: "Wenn ich oft fertig und ausgelaugt aus der Schule nach Hause fahre, halte ich in Neukirchen an, und gehe in ihre wunderbare Kirche St. Michael oder in die Augustinuskapelle. Dort finde ich vor dem Herrn wieder zu mir selber und fahre gelöst nach Hause."        

Suchen wir die Orte der Ruhe und Sammlung.

  • Schenken wir Gott, der die Zeit in Händen hat[4] und uns die ganze Lebenszeit schenkt, immer wieder Zeiträume. Lassen wir in der Stille unsere Pläne und Sorgen los. Werfen wir sie auf den Herrn. Er sorgt für uns. Lassen wir Gott zu Wort kommen.
  •  Beginnen wir den Tag ohne Radio, ohne Zeitung mit 10 Minuten für uns, für Gott. Wir werden die Erfahrung machen, daß wir anders in den Tag gehen, gelassener.
  • Wer es am Morgen nicht schafft versuche es am Abend vor dem Schlafengehen. Der Tag wird nicht nur anders, er wird besser gelingen als sonst. Der heilige Franz von Sales, Bischof von Genf bestätigt dies: "Täglich eine halbe Stunde auf Gott zu horchen ist wichtig, außer wenn man viel zu tun hat; dann ist eine ganze Stunde nötig.“        

Die Erfahrung der Stille

  • Zu einem einsamen Mönch kamen eines Tages Menschen. Sie fragten ihn: "Was für einen Sinn siehst du in deinem Leben der Stille." Der Mönch schöpfte eben Wasser aus einer Zisterne. Er sprach zu den Besuchern: "Schaut in die Zisterne! Was seht ihr da?“ Die Leute blickten in die Zisterne. "Wir sehen nichts!"
  • Nach einer kurzen Weile forderte der Einsiedler die Leute wieder auf: "Schaut in die Zisterne, was seht ihr?" Die Leute blickten wieder hinunter: "Ja, jetzt sehen wir uns selber!" Da sprach der Mönch: "Seht, als sich vorhin das Wasser schöpfte, war das Wasser unruhig. Jetzt ist das Wasser ruhig. Das ist die Erfahrung der Stille. Man sieht sich selber."                    
  • Sich selber wieder sehen, sich selber wieder wahrnehmen, bei sich sein. Das ist das Geschenk der Stille. Nicht ein narzisstisches in sich selber verliebt, auf sich selber fixiert sein ist damit gemeint, sondern jenes gelassene bei sich selber sein.
  • Nur wenn ich bei mir selber bin, werde ich erfahren, daß Gott mich liebend und erbarmend ansieht. Nur so wird für mich wahr, was im Psalm 23 steht. "Der Herr ist mein Hirt nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser."

                  

[1] L 1 Jer 23,1–6; L 2  Eph 2,13–18; Ev Mk 6,30–34
[2] Jer 23,6
[3] Mk 6,31
[4] GL 157/1

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