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Hochzeit 2009

Ansprache bei der Trauung von Susanne Schmidtlein und Andreas Eichinger in »Unsere liebe Frau vom Rosenkranz« in Honings Pfarrei St. Michael Neunkirchen am Brand

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Immer wieder Ja

Liebe - wunderbar und oft missbraucht

  • Viel besungen und gerühmt wird die Liebe. Nicht nur in Gedichten und Schlagern, auch in der Bibel kommt das Wort »Liebe – lieben - geliebt« 406 mal vor. Von ungeheurer Spannbreite ist dieses Wort. Es kann die Hingabe des Lebens für den geliebten Menschen bedeuten, aber auch nur rein egoistischen Sex.
  • Es ist ein wunderbares Wort, das die Herzen höher schlagen läßt. Es kann aber auch mißbraucht werden für rein ichhaftes Begehren. Ein Mann sagte: Eines der schönsten Worte für Liebe ist für mich, wenn meine Frau zu mir sagt: „Gott sei Dank, dass du da bist.“ Paulus zeigt der Gemeinde in Korinth einen "Weg, der alles übersteigt".[1]

Die Liebe hört niemals auf!

  • In seinem Hohen Lied der Liebe zeigt er den Korinthern, was letztlich vor Gott zählt: die Liebe. Paulus schreibt in griechischer Sprache. Diese hat zwei Worte für Liebe: ἔρος und ἀγάπη.
  • Eros meint das natürliche zu einander Hingezogenwerden, das Aufeinander-Fliegen, hat also sehr viel mit unserer Triebhaftigkeit, unseren Hormonen, mit Sexualität zu tun. Auch diese Liebe ist Gottes Schöpfung. Damit sie aber menschlich wird und ist, braucht sie jene höchste Gnadengabe Gottes von der Paulus im 13. Kapitel seines ersten Briefes an die Korinther spricht. In der Taufe wurde uns dieses Geschenk, diese Gandengabe zuteil: "Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist."[2] Deshalb habe ich Euch am Beginn Eueres Hochzeitsgottesdienstes mit dem geweihten Wasser an Euere Taufe erinnert.
  • Diese Liebe liebt den Partner um seiner selbst willen, weil er von Gott angesehen und geliebt ist, Gottes Sohn, Gottes Tochter, Gottes geliebtes Kind ist, das seine Würde und Einmaligkeit von Gott empfangen hat.
  • Es wichtig, daß du, Susanne, deinen Mann, und du, Andreas, deine Frau so siehst: Von Ewigkeit her bist du von Gott geliebt. Seit deiner Taufe wohnt sein Heiliger Geist in dir. Bis in Ewigkeit bist du in seiner Liebe geborgen. Diese Liebe wird nicht aufhören, auch dann nicht, wenn die »erste Tollheit«[3], die Libidophase sich abschwächt.
  • Auch die natürliche Liebe ist ein Geschöpf Gottes, etwas sehr kostbares. Aber sie ist auch immer durch die Sünde, durch den Mangel an Liebe, durch den Egoismus und durch die Verselbständigung des Triebhaften gefährdet.
  • Der Eros, die natürliche Liebe braucht die Agape, die geistliche Liebe, um im Lot zu bleiben und die Würde des Partners zu achten. Diese Liebe allein hat einen langen Mut, handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil.[4]
  • Diese Liebe ist also zuerst ein Geschenk, eine Gabe Gottes. Dass ich so lieben kann, verdanke ich ihm. Gott für diese Liebe dankend bekommt Euere Liebe Tiefe und Weite.
  • Wenn ich mich ihm ganz öffne, durchglüht er mich mit seiner Liebe. Deshalb ist für Eheleute die persönliche, wie die gemeinsame Beziehung zu Gott, die wichtigste Voraussetzung für den Bestand und das Wachstum der Liebe.
  • Das meint Augustinus, der große Sucher nach der göttlichen Wahrheit und Liebe, wenn er in seiner Autobiografie, den Confessiones schreibt: „Gott, du hast uns auf dich hin geschaffen und unruhig ist unser Herz bis es ruht in dir.“
  • In diese Richtung scheint auch der von ihnen gewählte Hochzeitsspruch zu weisen: „Das große Glück in der Liebe besteht darin, Ruhe in einem anderen Herzen zu finden.“[5]
  • Sind wir dazu fähig, dem Geliebten, der Geliebten Ruhe in unserem Herzen zu schenken? Das geht nur, wenn wir in uns selber ruhen. In mir selber ruhen kann ich nur, wenn ich im Ursprung und Ziel meines Lebens in Gott ruhe. Darum singt der Beter des Psalms 62: „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe von ihm kommt mir Hilfe.“[6]
  • Damit der Weg zu Gott dem Geheimnis unseres Daseins leichter fällt, hat uns Gott in Jesus sein menschliches Antlitz, sein wahres Wesen, sein Herz gezeigt. Bis zum letzten Atemzug liebt Jesus. Sein Leben gibt er für uns hin.
  • Darum lädt Jesus uns unruhige oft wankelmütige Menschen ein, von ihm zu lernen, gütig und sanft zu werden; denn »so werden wir Ruhe finden für unsere Seele«.“[7]
  • Darum wird jeder von euch die Freundschaft mit Jesus, die Beziehung zu ihm pflegen, um wie er demütig d.h. dem Glück des Partners dienend und sanft zu werden. So und nur so wird es mehr und mehr gelingen, dass jeder im Herzen in der Personmitte des anderen zeitweise Ruhe und Geborgenheit findet. 

Die Beziehung pflegen

  • Liebe, das sind Worte und Taten. Die Zärtlichkeit der Worte und der Taten ist die Würze einer Ehe, festigt sie, gibt ihr Bestand. Dann ist Treue mehr, als keinen Seitensprung machen. Treue zeigt sich im füreinander Lebendigsein.
  • Treue heißt, die Beziehung pflegen, sich auf den anderen zubewegen, ihm gut sein, ihn behüten, ihm Gutes zutrauen. Wenn Gott von Anfang an der Verbundenheit von Frau und Mann das Wort redet, dann um den Blick hinzulenken auf das, was beide verbindet, was beider tragfähiger Grund ihres Lebens ist: der lebendige schöpferisch liebende Gott.
  • Dag Hammarskjöld war Generalsekretär der UNO von 1953 - 1961. Bei einem Flugzeugabsturz in Afrika kam er im September 1961 ums Leben. In seinem geistlichen Tagebuch "Zeichen am Weg" gibt er uns den Rat "wage das Ja und du erlebst Sinn. Wiederhole das Ja, und alles bekommt Sinn; wenn alles Sinn hat, wie kannst du anders leben, als ein Ja."
  • Treue ist eine wichtige Tugend im Christentum. Jesus fordert immer wieder zu ihr auf. Die Bibel Israels, auf der wir Christen stehen, ist voll von Aufrufen zur Treue. Jesus selbst lebt die Treue zu seiner Sendung bis zum Tod am Kreuz. Ohne Treue gibt es kein sinnvolles Leben: Weder als Mensch noch als Christ, weder in der Ehe noch im Priestertum, weder im Ordensleben noch im Beruf. Jeden Tag muss das "Ja" neu gesprochen werden.[8]
  • Das ist nicht immer leicht. Wir werden durch vielerlei und vieles darin verunsichert und davon abgehalten. Aber nur wer das "Ja wagt" in der alltäglichen Treue, der erlebt Sinn. Nur wer dass Ja immer wieder erneuert, für den bekommt alles Sinn ein Leben lang.
  • Was aber wenn Verlustängste uns befallen? Wir wissen, unsere Jugend, unser Erwachsensein und unsere Lebenszeit dauert nur eine begrenzte Zeit. Die Angst vor dem Verlust des Partners sitzt auf dem Grund unserer Seele. Wir sehnen uns nach dem Du das bleibt.

Ein Du, das bleibt?

  • Der berühmte jüdische Religionsphilosoph Martin Biber fragt deshalb: „Gibt es ein Du, das mir bleibt? Kann ich ihm begegnen? Man findet Gott nicht, wenn man in der Welt bleibt, man findet Gott nicht, wenn man aus der Welt geht.“[9]
  • Unsere menschliche Existenz ist ausgespannt zwischen Gott und Welt, Diesseits und Jenseits, zwischen Erde und Himmel. Das hängt mit dem »doppelten Ursprung des Menschen«[10] zusammen, wie der Titel eines der Bücher des berühmten Psychotherapeuten Graf Dürkheim es beschreibt. „Von früh bis spät ruft uns die Welt nach außen. Das Wesen ruft uns fortgesetzt von innen nach innen.“[11]
  • Realistisch Liebende werden daher auf das ewige Du ihr Leben und ihre Liebesbeziehung gründen. Hat jeder von euch im göttlichen ewigen Du seinen inneren Ansprechpartner werdet ihr die Angst besiegen einander zu verlieren. In ihm seid und bleibt ihr immer und überall miteinander verbunden.
  • Dennoch ist und bleibt der geliebte Mensch als eigenständige Person ein Geheimnis, das letztlich nur Gott ganz kennt. Daher kann und darf keiner von euch Besitz des anderen sein. Ihr gehört einander an, aber jeder von euch und ihr beide zusammen gehört nur einem, dem Urgrund allen Seins, Gott, der sich als der Gegenwärtige, der Ich-Bin-Da offenbart.
  • Martin Buber meint: „Wenn du das Leben der Dinge und der Bedingtheit ergründest, kommst du an das Unauflösbare; wenn du das Leben der Dinge und der Bedingtheit bestreitest, gerätst du vor das Nichts; wenn du das Leben heiligst, begegnest du dem lebendigen Gott.“
  • Euere Bedingtheit zeigt sich so: Jeder von euch hat seinen eigenen menschlichen Ursprung, ist geprägt durch Erziehung, durch Einflüsse seiner Mitwelt. Jeder ist aber auch ein einmaliges aus der Liebe Gottes und euerer Eltern hervorgegangenes Geschöpf.
  • Eines jeden Menschen Würde besteht darin, Du sagen zu dürfen zu Gott seinem Schöpfer und Erlöser und zu dem geliebten Menschen.
  • Und jeder von euch heiligt sein Leben, wenn jeder den Namen Gottes lebt: Ich bin für dich da, Du geliebter Mensch. Ich bin für dich da, Du, mein Gott.
  •   Diesem ewigen bleibenden Du, das in Jesus ein menschliches Antlitz hat, dürft ihr in der Mitte euerer Person gehören. Das befreit dich von der Täuschung, der geliebte Mensch mit seinen Grenzen und Defiziten könnte dein Alles sein.
  • Dieses dem ewigen Du Gehören befähigt, Euch in euren Grenzen gegenseitig anzunehmen und miteinander auf den Weg zu machen, um in und durch die Liebe Gottes in der Liebe zu wachsen und immer vollkommener zu werden.
  • Solche Liebe auf dem Weg könnte sich dann so ausdrücken: „Gott sei Dank, dass du da bist.“ Und die Antwort könnte heißen: „Gott segne dich!“ An Paulus angelehnt dürfen wir sagen: Die im ewigen Du Gottes gründende Liebe hört niemals auf.


[1] 1 Kor 12,31
[2] Röm 5,5
[3] Typisch Fränkisch
[4] 1 Kor 13,4 f.
[5] Jeanne Julie de Lespinasse (* 10. November 1732 in Lyon; † 22. Mai 1776 in Paris) war eine französische Salonière.
[6] Ps 62,2
[7]
[8] Erzbischof Ludwig Schick
[9] Aus: "Martin Buber im Gespräch mit Gott und den Menschen", hg. Eleonore Beck und Gabriele Miller
(St. Benno Verlag, 2003).
[10] Karlfried Graf Dürckheim, Vom doppelten Ursprung des Menschen  - Zwischen Wesen und Welt,  HTB 480
[11] ebd. S.25

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