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2010 (C)

Homilie bei Wort-Gottes-Feier und Trauung von Julia und Bernd Hofmann in St. Johannes d.T. Großenbuch

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GELIEBT UND ERWÄHLT.1

1 Ihr spendet Euch das Sakrament der Ehe in dieser Wort-Gottes-Feier.

 
Osterkerze und Evangelium in St. Johannes der Täufer in Großenbuch, (von Heinrich Schreiber, Kronach 1986)
Osterkerze und Evangelium in St. Johannes der Täufer in Großenbuch, (von Heinrich Schreiber, Kronach 1986)
    Als Jesus von einem Schriftgelehrten nach dem wichtigsten Gebot gefragt wurde, zitiert er die Tora des Ersten Testamentes: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr.“2
     Was ermöglicht die Begegnung zwischen Gott und Mensch? Das Hören auf Gott als dem einzigen Herrn der Welt und des Lebens.
     Das Hören auf Jesu Wort und die daraus wachsende, sich vertiefende Beziehung eröffnet uns den Zugang zum ewigen Leben über dieses irdische Leben hinaus, zur Fülle des Lebens, das nur Gott schenken kann sogar.
  •      Mit dem gewichtigen »Amen, amen, ich sage euch« gibt uns Jesus die Zusage: "Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben; er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod ins Leben hinübergegangen."3
  •      Schon durch den Propheten Jesaja schenkt Gott denen, die sich ihm zuneigen, die Verheißung: "Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies."4
     Das Hören auf Gott ist für uns lebenswichtig. Das für unsere Beziehung mit Gott so lebenswichtige Hören ist auch für jede menschliche Beziehung unverzichtbar, und erst recht für die Lebendigkeit einer Ehe. Denn nur wo Ehepartner sich einander hörend zuneigen, wird ihre Beziehung lebendig bleiben, wird die Liebe bleiben.
     Im menschlichen Wort der Heiligen Schrift will Gott zu uns sprechen. Will er die Beziehung zu ihm und zueinander mit Leben erfüllen. Als erstes fragen wir:

2 Warum heiraten zwei Menschen?

  •      Warum sagt ihr heute ja zu einander vor Gott und den Menschen? Warum wagt ihr es, euch für das Leben aneinander zu binden? Kann man so etwas, darf man das überhaupt? Manche bezweifeln, dass dies möglich sei, gelingen könne. Sie sprechen nicht mehr von Lebenspartner, sondern lieber von Lebensabschnittspartner, von Ehe auf Zeit.
  •      Ein ehemaliger Bundeskanzler, der bereits in der vierten Ehe lebt, antwortete auf die Frage, wie lange er denn meine, dass seine vierte Ehe halte: „Solange die Liebe bleibt.“ Vielleicht hätte er besser gesagt: „Solange die Libido bleibt“, also jenes natürliche Zueinander Hingezogensein, das man in Franken gern die »erste Tollheit« nennt. Eine solche Liebe ist ganz gewiss nicht weit her. Sie ist zum Scheitern verurteilt.
  •      Früher pflegte man zu sagen: Die Ehen würden im Himmel gestiftet. Ob da etwas dran ist? Jedenfalls glauben wir als Christen, dass Gott die Liebe ist und wir aus seiner Liebe heraus existieren.
     Paulus spricht die Christen in Kolossä an

3 Als von Gott Geheiligte und Geliebte

  •      Darin besteht die Würde eines Menschen – und dies wurde uns in der Taufe zugesagt – dass er von Gott liebend angesehen ist. Welche Wonne ist es, wenn Liebende den oder die Geliebte liebend ansehen. Welche Gefühle des Glück und der Hingabe steigen da in dem geliebten Menschen auf!
  •      Es ist für das Gelingen des Lebens entscheidend, dass ich mich geliebt und angenommen weiß. Weil Gott dich liebt, hat er dich erwählt, zu seinem Sohn, zu seiner Tochter gemacht. Erwählt und geliebt ist jeder von euch. Das befähigt zur Annahme meiner selbst. Dies ist die Voraussetzung, dass wir den Partner annehmen können.
  •      So wachsen in uns Kraft und Durchhaltevermögen auch in schweren Zeiten. Noch mehr! Wir sind von Gott geheiligt. Sein Name ist Jahwe, der Ich-Bin-Da! Gott ist für jeden von euch ganz da, immer, an jedem Ort, zu jeder Zeit. Weil er Euch liebt, erwählt hat, für euch da ist, könnt ihr für ihn ganz offen sein, in seiner Gegenwart leben, Euere Liebe als Geschenk seiner Liebe begreifen.
  •      Die von Gott geschenkte Würde und Einmaligkeit des Partners zu erkennen und anzuerkennen, macht den geliebten Menschen zu einer Kostbarkeit, die aus der Ewigkeit kommt und in die Ewigkeit führt. Dies ist eine Grundlage für die menschliche Beziehung, die über die Tagesform, über das, was der andere für mich bringt, hinausreicht.
  •      Wir sind also von Gott erwählt, angenommen und geliebt, obwohl wir begrenzte und fehlbare Menschen sind. Gott begegnet uns mit Güte und Demut. Er schenkt uns seine Liebe auch dann, wenn unsere Liebesantwort nicht so toll ist. Er dient unserem Leben und Heil. Er kommt uns mit Geduld und Milde entgegen, wenn wir nicht alles schaffen oder versagt haben. So geht Gott mit dir und deinem Partner um.
  •      Wenn zwei Ehepartner sich so von Gott her sehen und schätzen, dann fängt das an, was Saint Exupery sagt: „Einander lieben heißt, miteinander in die gleiche Richtung gehen.“
  •      Ihr habt euch gefunden und der gemeinsame Glaube an den Gott, der für uns da ist, der Liebe ist, verbindet euch über das natürliche voneinander Angezogensein hinaus. Es ist wichtig, dass man zueinander passt, sich angezogen fühlt. Auch die Libido hat ihre Bedeutung ganz gewiss für den Anfang der Beziehung, aber nicht nur dann. Auch sie ist ein Geschenk des Schöpfers an uns, das wir kultivieren müssen soll es nicht in Enttäuschung enden. Davor werden wir bewahrt, wenn Seele und unser Geist entdecken, dass unser Partner aus der schöpferischen Liebe Gottes kommt.
  •      Bemüht euch in euerer Ehe immer wieder, die von Gott geschenkte Würde des Partners zu entdecken. »Du mein geliebter Mann, meine geliebte Frau bist von Gott liebend angesehen und angenommen.» Das muss immer wieder verinnerlicht werden.
  •      Zugleich ist jedem von Euch die Aufgabe gestellt, an sich zu arbeiten, damit ihr füreinander anziehend und begehrenswert bleibt. Karl Rahner, einer der größten Theologen des 20.Jahrhunderts hat gesagt: „Das Fleisch wird erst begehrenswert durch den Geist.“ Die geistige und geistliche Ausstrahlung eines Menschen macht ihn bis ins hohe Alter anziehend und begehrenswert.
  •      So gesehen ist schon was dran, wenn die Alten sagten, dass die Ehen im Himmel geschlossen werden. D.h. sie haben nur Bestand, wenn beide sich gegenseitig in ihrer von Gott geschenkten Einmaligkeit und Würde erkennen und anerkennen, einander in Respekt und Ehrfurcht begegnen und geisterfüllte Menschen sind.
     Das Evangelium ermutigt euch,

4 In der Freundschaft mit Jesus Nachahmer der Liebe Gottes werden

  •      Diese Liebe Gottes zu uns hat in Jesus von Nazareth ihr menschliches Antlitz. Er kann wirklich sagen: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Euere gemeinsame Freundschaft mit Jesus wird euch dazu befähigen, mit seiner Liebe einander zu lieben.
  •      Er sagt, dass er uns zu seinen Freunden erwählt hat. Ihr habt auch einander erwählt, weil ihr euch liebt. Ihr spürt euere Liebe zueinander. Sie kommt aus der Erwählung und Liebe, die Gott in Jesus schenkt. Deshalb ist die sonntägliche Feier seiner Hingabe an uns, die im Wort und in der Eucharistie sakramental und zeichenhaft für uns erfahrbar wird, für euere Beziehung so wichtig.
  •      Es ist gut, wenn wir unser so vielfach gefährdetes Leben und die Angst vor dem Getrennt werden vor Gott um Schutz und Geleit bittend aussprechen und unsere menschliche Liebe in der ewigen Liebe Gottes bergen. Von schweren Verlusten und Schicksalsschlägen heimgesuchte Menschen müssten verzweifeln, wenn sie nicht an das Geborgensein in der Liebe Gottes glauben könnten.
  •      Erst wenn wir Nachahmer der Liebe Gottes werden, wie sie in Jesus für uns sichtbar und erfahrbar wird, wenn wir in seiner Liebe bleiben, dann wird auch unsere Liebe bleiben.
  •      Dazu hat Jesus Christus uns als seine Jüngerinnen und Jünger erwählt, dass wir in der Liebe Frucht bringen. Und die einzige Frucht unseres Lebens die bleibt, ist das was wir aus Liebe getan und an Liebe geschenkt haben.

  5   Was macht das Glück und die Freude vollkommen?

  • Zu erfahren, dass wir geliebt sind von Ewigkeit zu Ewigkeit. Gott befähigt uns zu lieben. Wer nachhaltig lieben will, wird sich auf Gott, der Liebe ist, stützen.
  •      Der Herr will nicht, dass wir uns gegenseitig das Leben schwer machen oder gar vermiesen, wie es leider auch in mancher Ehe geschieht. Er will vielmehr dass seine Freude in uns ist und unsere Freude und unser Glück vollkommen werden. Denn Gott ist ein Freund des Lebens. Er will, dass euer Leben gelingt, damit ihr ihm danken könnt. Freilich dürfen wir das Danken auch nicht vergessen.
  •      Ehe ist ein wichtiger Lebensort, wo täglich die Möglichkeit besteht, Gottes Liebe, Gottes Geduld, Gottes Demut, Gottes Erbarmen einzuüben.
  •      Sich in dieser Liebe Gottes geborgen wissen, Gottes Geduld  mit unserer menschlichen Schwäche erfahren, seine Vergebung suchen und empfangen, befähigen, dem Partner Geborgenheit zu schenken, Geduld mit ihm als schwachen, nicht alles vermögenden, fehlbaren Menschen zu haben, ihm Verzeihung zu gewähren, wenn er darum bittet.
  •      Gott dient euch in Jesus Christus, damit ihr den Willen habt dem Ehepartner und eueren Kindern zu dienen. Gott hat Geduld mit euch, damit ihr seine Geduld einander schenkt.
  •      Ich wünsche euch, dass ihr in diese Richtung miteinander eueren Lebensweg gehen könnt und dürft. Von ihm her miteinander auf ihn zugehen, der Fülle der Liebe, des Lebens und der Beziehung ist, dreifaltig und dreieinig.
  •      Dass jeder das Anderssein des Partners zulässt, aber zugleich das Einssein sucht. Nur so kann das Einswerden zum Beschenktsein werden. Können immer neuer Lebensmut und Lebensfreude wachsen.
     Der heilige Augustinus, dessen Gedenktag wir heute feiern und der neben dem Erzengel Michael unser Pfarrpatron ist, hat das geflügelte Wort geprägt, ein Wort das der Liebe Flügel verleiht:

„Liebe und tue, was du willst.“ d.h. wenn du liebst, wirst du das Richtige wollen und tun.


1 Kol 3,12-17
2 Mk 12,29
3 Joh 5,24
4 Jes 55,3

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