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Lesejahr B 2017/12 bis 2018/11

Predigtthema - 
Der Glaube an den gekreuzigten und erhöhten Herrn 4.Fastenso.

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Inhaltsverzeichnis
Der Glaube an den gekreuzigten und erhöhten Herrn
1 Tabuthema Glaube
2 Gott in Jesus nahe zu kommen
2.1 Gott ist in Jesus herab- und hinaufgestiegen
2.1.1 Es geht dabei um das Herbsteigen Gottes in unsere Welt, in unser menschliches Leben
2.1.2 wie schwer von Begriff die Menschen schon bei irdischen Dingen sind
2.2 Der Austausch zwischen Himmel und Erde ist Erbarmen und Liebe
2.3 Vorfreude auf Ostern
3 Das Thema Glaube durchzieht das ganze Evangelium
3.1 Es ist der Glaube an den gekreuzigten und im Himmel erhöhten Menschensohn
3.2 Nach der Vorstellung des Johannesevangeliums vollzieht sich das Gericht schon in der Gegenwart
3.3 Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm

Der Glaube an den gekreuzigten und erhöhten Herrn
1 Tabuthema Glaube
Trauen Sie sich in der Öffentlichkeit über Glaube und Religion zu sprechen? Im Pausenhof, am Stammtisch, im Verein, mit Freunden?  Sich für aufgeklärt haltende Zeitgenossen werden mir antworten: Religion, das sei doch Privatsache. Außerdem gäbe es ja so viele verschiedene Religionen. Was stimmt, weiß eh keiner.
Im heutigen Evangelium hören wir von einem gebildeten und angesehenen jüdischen Ratsherrn, der versucht,
2 Gott in Jesus nahe zu kommen
Vor allem gegen Ende des öffentlichen Wirkens Jesu war es für Menschen mit Namen und Ansehen gefährlich, über die Botschaft Jesu zu reden oder sich gar als Sympathisanten des Mannes aus Nazareth zu outen.
Am Beginn des 3. Kapitels im Johannes Evangelium heißt es: "Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden.  Der suchte Jesus bei Nacht auf...“ [1] Die Zeichen, die Jesus tat, waren für ihn ein untrüglicher Beweis, dass Gott mit Jesus ist.[2] Nikodemus spürt, dieser Jesus ist Gott ganz nah. Er wird mir im Gespräch helfen, Jahwe, dem Gott Israels, näher zu kommen. Mit ihm möchte ich über meine Glaubens- und Lebensfragen sprechen. Er kann mich sicher zu tieferen Einsichten führen.
Bei diesem Gespräch kommt er zu der Einsicht:
2.1 Gott ist in Jesus herab- und hinaufgestiegen
Am 25. März feiern wir das Fest der Verkündigung des Herrn.
 2.1.1 Es geht dabei um das Herbsteigen Gottes in unsere Welt, in unser menschliches Leben.
In Jesus ist Gott in unser Leben mit seinen Höhen und Tiefen, dem verborgenen Heranwachsen im Leib seiner Mutter, dem Geboren werden und Sterben hinabgestiegen.
In seiner Auferstehung nimmt er das menschliche Leben mit hinein in den Himmel, in die Herrlichkeit bei Gott.
Neun Monate vor dem Fest der Geburt Christi leuchtet schon das Mysterium der Menschwerdung Gottes auf.
Das Bild von der in der Wüste an einer Signalstange befestigten ehernen Schlage ist einmal als Aufblick zum Gekreuzigten zu verstehen.
Auf sich selber weisend sagt Jesus, dass er die irdischen wie die himmlischen Dinge den Menschen nahe bringen kann, denn "niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn."[3]
Er allein ist der Mittler zwischen Himmel und Erde, zwischen Zeit und Ewigkeit. Er ist der Sieger über den Tod und der in den Himmel aufgefahrene und beim Vater erhöhte Herr.
In den vorausgehenden Versen weist Jesus den Nikodemus darauf hin,
2.1.2 wie schwer von Begriff die Menschen schon bei irdischen Dingen sind.
Noch schwerer tun sie sich, wenn er zu ihnen über himmlische Wahrheiten spricht.
 Das hat sich bis heute nicht geändert. Denken wir nur an unser eigenes Menschwerden, das ja auch 9 Monate vor unserer Geburt begann. Manche behaupten, das sei am Anfang nur ein Zellhaufen.
Jedes im Leib seiner Mutter heranwachsende Kind ist vom Augenblick der Zeugung an eine von Gott geschaffene Person, die ein Recht auf Leben hat.
Das Bundesverfassungsgericht stellt fest, „es handelt sich bei dem Ungeborenen um individuelles, in seiner genetischen Identität und damit in seiner Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit bereits festgelegtes, nicht mehr teilbares Leben, das im Prozess des Wachsens und Sich‐Entfaltens sich nicht erst zum Menschen, sondern als Mensch entwickelt“.[4]
 Welch ein Glück – Vom ersten Augenblick unserer Existenz an sind wir Gottes geliebtes einmaliges unverwechselbares Geschöpf!
2.2 Der Austausch zwischen Himmel und Erde ist Erbarmen und Liebe
Dieser Austausch zwischen Gott und Mensch hat schon immer stattgefunden. Schon das erste Gottesvolk lebte von diesem Austausch. Gott hat Menschen wie Mose dazu berufen und gesandt.
Das Elend seines zu ihm rufenden Volkes sehend spricht Gott zu Mose: "Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen und aus jenem Land hinaufzuführen in ein schönes, weites Land."[5]
Als Israel nicht auf Gott hörend in sein eigenes Unglück gerannt war,[6] ist das letzte Wort, das Gott über die Sünder spricht, nicht Gericht, sondern Erbarmen. Er ist es, wie die 1.Lesung verkündet, der das Herz der Perserkönigs Kyrus bewegt, die Verbannten wieder in Ihre Heimat zurückzuführen und den Tempel Gottes neu aufzubauen.[7]
Die zweite Lesung aus dem Epheserbrief [8] weist uns darauf hin, dass sich der Mensch in Ungehorsam und Unglauben von Gott entfernt. Dadurch wird er aber kein freier Mensch, im Gegenteil, er verfällt dem eigenen Ich, und damit dem Tod.
Gott aber will das Leben. Und er allein kann den Menschen aus seinem Sich-Absondern befreien, denn Gott ist die Liebe. In den Geretteten wird seine Liebe sichtbar, spürbar. Zusammen mit Christus hat uns Gott in der Taufe wieder lebendig gemacht.[9] Er hat uns mit Christus auferweckt,[10] und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben.[11] Welch eine Aussicht! Sie zeigt als
2.3 Vorfreude auf Ostern
Auf die Liturgie der heiligen Osternacht mit der Feier der Taufe und Tauferneuerung voraus weisend, werden wir heute schon auf das nahende Osterfest eingestimmt. Wahrlich ein Grund sich zu freuen. Der 4. Fastensonntag trägt daher den Namen Laetare – Sich freuen!
Aus Gnade, also durch liebende Zuwendung, hat er uns durch den Glauben gerettet.[12] Als Folge dieser liebend sich nahenden geschenkten Rettung durch Gott sind die Getauften allerdings angehalten, gute Werke zu vollbringen.
Und die hat Gott schon für uns bereitet. Wir müssen sie nur im Alltag entdecken. Es geht dabei nicht um spektakuläre, sondern um alltägliche Dinge.
Zwei afrikanische Theologinnen haben es kurz und prägnant so formuliert: "Die anschaulichste Lehre über Jesus Christus [wird] immer diejenige sein, die still inmitten des Dramas des täglichen Lebens gelebt wird."[13]
Worüber können wir als Hörer des Evangeliums uns freuen?
3 Das Thema Glaube durchzieht das ganze Evangelium
3.1 Es ist der Glaube an den gekreuzigten und im Himmel erhöhten Menschensohn
der uns froh macht und rettet. Gott kommt durch Jesus in die Welt, nicht um sie zu richten, sondern zu retten.[14] So zeigt sich die unbedingte Liebe Gottes zum Menschen und zu seiner Schöpfung.
Der Glaube an Jesus Christus, der vom Himmel gekommen und zum Himmel aufgestiegen ist, sagt mir, mein Leben und Sterben ist von der Liebe Gottes umfangen und mündet in die Fülle seines lichtvollen Lebens.
3.2 Nach der Vorstellung des Johannesevangeliums vollzieht sich das Gericht schon in der Gegenwart
Wer das Licht, der in Jesus Christus gegenwärtigen Liebe Gottes nicht annimmt, wer nicht an die Menschgewordene Liebe Gottes glaubt, wer lieblos lebt, der verurteilt sich selber zur Finsternis des Todes. Das geht soweit, dass sich Menschen an ihrer Bosheit und an dem anderen zugefügten Unrecht und Leid noch weiden. Weil sie Finsternis mehr lieben als das Licht.
3.3 Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm
Wo Licht ist gedeiht das Leben. Dabei es geht im Johannes-Evangelium nicht einfach um das irdische (Über-)Leben, sondern eben um das den Tod überdauernde ewige Leben nach dem Vorbild des in den Himmel erhöhten Menschensohnes.
Dass Christus Jesus als der bei Gott Erhöhte jetzt schon mitten unter uns gegenwärtig ist, schält sich bei allem Nachdenken über unseren christlichen Glauben als der Kern aller Glaubensfreude und der Quell jeder gesunden Lebensenergie heraus.
Ich stimme aus ganzer Überzeugung dem Bekenntnis von Kardinal Suenens zu, der das 2. Vat. Konzil stark mitgeprägt hat:
"Für mich ist Christus jemand, der mit uns lebt; der in dieser Kirche seit 20 Jahrhunderten lebt; der ihr den Atem einhaucht;
der jene ganze Blüte der Heiligkeit hervorbringt, welche die lange Geschichte der Kirche zu einem Spiel von Licht und Schatten gemacht hat;
aber es ist zu viel Licht, als dass man an dem Licht zweifeln könnte."[15]
[1] Joh 3,1f.
[2] Joh 3,2
[3] Joh 3,13
[4] BVerfGE 88, 251 f.
[5] Ex 3,7
[6] 2 Chr 36, 14-16.19-21
[7] 2 Chr 36,22 f.
[8] Eph 2,4f.
[9] Eph 4,5
[10] Eph 4,6
[11] Eph 4,6b
[12] Eph 2,8
[13] Vorlage Misereor 2006 „Liturg.Bausteine“ S.20
[14] Joh 3,17
[15] Leo Jozef Cardinal Suenens
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