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Lesejahr A 2019/12 - 2020/11

Predigtthema: Die Dinge anders sehen lernen - wie Josef

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Die Dinge anders sehen lernen - wie Josef
1 Eine ganz andere Darstellung des hl. Josef
2 Zwei Stimmen in Josef
3 Die Botschaft des Engels
3.1 Gott setzt die Macht des Augenscheins außer Kraft
3.2  Kannst du es nicht auch anders sehen?
4 Josef nachahmen
4.1 Josef horcht; und dann gehorcht er
4.2 Gott redet nur, wenn alles andere schweigt
4.3 Wie Maria und Josef hören und sehen
4.4 Heil ist Einverständnis mit dem, was Gott will

Die Dinge anders sehen lernen - wie Josef
1 Eine ganz andere Darstellung des hl. Josef
         Welche Darstellungen des heiligen Josefs kennen Sie? Einmal wie er - meist etwas im Hintergrund - in der Nähe der Krippe steht; dann wie er bei der Flucht nach Ägypten den Esel führt, auf dem Maria mit dem Jesuskind sitzt; manchmal ist er mit dem Jesuskind auf den Arm dargestellt oder als Zimmermann in Nazareth zusammen mit Maria und dem heranwachsenden Jesus.
         In Rom ist im 5. Jht. eine ganz andere Josefdarstellung entstanden. Auf dem Mosaik steht Josef dem Betrachter zugewandt. Sein Blick ist nachdenklich, bitter und trotzig, die rechte Hand ist erhoben, die Faust geballt. Links,  etwas hinter ihm durch das Bild schreitend ein Engel, der ihn belehrt.
         Der Künstler, der das Bild schuf, hat nicht den rücksichtsvollen Josef dargestellt, der seine Braut nicht bloßstellen will, sondern den Enttäuschten und Verbitterten, der seinen Schmerz noch nicht verarbeitet hat. Dieser Josef kämpft noch mit sich selbst.
2 Zwei Stimmen in Josef         
         Es gibt in ihm eine Stimme, die immer wieder sagt: Maria ist lauter  und treu, sie ist über jeden Argwohn erhaben. Es ist unmöglich, dass sie mit einem anderen Mann eine intime Beziehung gehabt hat.
         Und es gibt in ihm eine andere Stimme, die auf offenkundige Tatsachen verweist:  Maria ist schwanger, und nicht von dir. Sie hat dich hintergangen."
         Die erste Stimme kommt aus dem Herzen Josefs, von dorther, wo der Glaube an das Gute wohnt. Die zweite Stimme kommt aus den Sinnen, aus dem offenkundigen Augenschein.
         Diese zweite Stimme kann beweisen, was sie sagt. Sie hat das Gewicht der Realität auf ihrer Seite. Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand wird ihr Recht geben. Denn was ist sicherer als der Augenschein? Was ist verlässlicher als das, was wir sehen und nachprüfen können?
         Anzunehmen, dass "nicht sein kann , was nicht sein darf", gilt in unserer Welt mit Recht als naiv. Josef ist kein Phantast. Er ist ein Arbeiter und Handwerker, der mit den Dingen umzugehen gelernt hat, der die Realität einzuschätzen und auszuwerten weiß. Er wird sich der Realität fügen. Er wird seine Träume von einer treuen Braut Maria begraben.
 
3 Die Botschaft des Engels
         In dieser Situation  des Nachdenkens und inneren Ringens, das sich im Traum fortsetzt, begegnet Josef ein Engel des Herrn. Wir wissen, dass dieser Ausdruck in der Bibel letztlich für Gott steht. Es ist also Gott selbst,  der in der Gestalt des Engels zu Josef spricht. Da Josef als frommer Israelit aus dem Geist der Psalmen lebt, hat er gelernt solch inneres Ringen vor Gott auszutragen. So ist sein Ringen  und Fragen offen für Gott.
       Und dieser Gott wagt das Unmögliche:
3.1 Gott setzt die Macht des Augenscheins außer Kraft
         Er schlägt sich auf die Seite der ersten Stimme, welche die Sache der Hoffnung und der Liebe vertritt, die gegen den Augenschein an den Sieg des Guten zu glauben wagt. Im Traum wiederholt der Engel, was die Stimme des Herzens kaum mehr auszusprechen wagt: Maria ist lauter und treu, sie ist über jeden Argwohn erhaben. Glaube nicht nur deinen Augen, sondern glaube noch mehr deinem Herzen...
         Um deinem Herzen recht zu geben, musst du ein Wunder annehmen. Und das fällt dir schwer. Aber es ist wahr: Gott hat ein Wunder gewirkt. Was in Maria wächst stammt weder von dir noch von einem anderen Mann. Die Fruchtbarkeit deiner Braut ist Gottes Wirken und Gottes Geschenk, Geschenk seines Geistes.
         Was deine Sinne dir melden, ist nicht die ganze Wirklichkeit. Wohl glaubst du verstehen und beurteilen zu können, was du hörst und siehst. Mit Gott im Hintergrund ist die Frage erlaubt:
3.2  Kannst du es nicht auch anders sehen?
         Diese Frage ist uns gestellt. Wie oft urteilen wir nach dem Augenschein. Aber wie das Wort sagt, der Augenschein ist eben nur Schein. Er zeigt nicht das Wesen der Welt und der Dinge. Er deckt uns nicht die Gründe auf, aus denen heraus eine Handlung geschah oder unterlassen wurde. Der Augenschein versagt, wenn wir es mit Gott zu tun haben.
         Weil uns der Engel fehlt, der uns hinter die Dinge und Ereignisse sehen lässt, sind wir über unsere Umgebung oft verbittert und mit unserem Urteil schnell fertig.
Erst wenn wir vor Gott mit uns ringen wird der Engel an uns herantreten  und zu uns sagen. Fürchte dich nicht! Kannst du es nicht auch anders sehen?
         Dieser Engel kann die Verkündigung der Kirche sein oder ein Mensch, der aus einem gelebten Glauben heraus uns rät.
         Kannst du es nicht auch anders sehen, wenn du deinen Lebensweg, die dir gestellte Aufgabe, betrachtest?  Kann es nicht so sein, dass Gott gerade dich da braucht und in Dienst nehmen will? Oder auch, dass er dein Leben eine neue Richtung geben will, die noch mehr seinem göttlichen Willen entspricht?
         Kannst du es nicht  deine Nachbarn, deine Arbeitskollegen, deine Mitschüler auch anders sehen? Musst du ihnen immer nur schlechte Absichten und unlautere Motive unterstellen? Glaubst du nur dann ein Realist zu sein, wenn du in  deine Mitmenschen Feinde und Konkurrenten siehst?
         Der Engel Gottes will uns sagen: Lerne die Macht des Guten in der Welt zu entdecken. Lerne an die Wunder der Liebe zu glauben. Denn dieses Wunder geschieht täglich in vielen Menschenherzen, die Gott mit seiner Gnade erfüllt und schöpferisch fruchtbar macht. Schaue die Welt mit den Augen Gottes an, dann wirst du sie klarer und richtiger sehen als mit den Augen des Leibes.
4 Josef nachahmen   
Vom heiligen Josef heißt es am Ende des heutigen Evangeliums: "Er tat, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte."  
4.1 Josef horcht; und dann gehorcht er
Vielleicht horchen wir zu wenig. Nicht auf unsere inneren Stimmen - das wären ja wieder nur unsere eigenen Stimmen. Nein, auf die Stimmen, in denen Gott erklingt, in denen Engel Gottes beleuchten, was gut für uns ist. Dazu  brauchen wir viel Ruhe und viel mehr Stille. Zum Horchen brauchen wir nur viel weniger von dem Lärm und dem Gerede an dem wir selbst beteiligt sind.
4.2 Gott redet nur, wenn alles andere schweigt
Wir brauchen einen Advent, in dem wir Gott wirklich kommen lassen und ihn nicht mit unseren Mitteln herbeizwingen wollen. Immer wieder brauchen wir nur die leisen Bitten, Gott möge uns Ohren und Herzen öffnen für das, was er uns sagen will zu unserem Heil.
Dann werden wir sehen und hören lernen, was die Engel uns erhellen wollen.
4.3 Wie Maria und Josef hören und sehen
Im Hinhören und Hinschauen werden wir verstehen lernen und wissen, welche Umkehr wir brauchen. Wer Gott wirklich hören will, wird ihn auch vernehmen. Und am Ende wird dann ein Gehorsam sein, der nicht allein Erfüllung von Pflichten ist. Gehorsam ist ein Einverständnis.
4.4 Heil ist Einverständnis mit dem, was Gott will.
Im Horchen liegt eine große Kraft. Wenn ich will, was Gott will, bin ich geheilt. Noch mehr: Kann ich zum Heilswerkzeug Gottes werden, wie Josef es wurde.