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Lesejahr A 2019/12 - 2020/11

Predigtthema

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BITTE UM EIN HÖRENDES HERZ1 

1 Worum würden Sie bitten? 

2 Die Bitte Salomos 

3 Der verschlüsselte Auftrag 

4 Unsere Bitte um ein hörendes Herz 

BITTE UM EIN HÖRENDES HERZ[1]

1 Worum würden Sie bitten?

Wenn Ihnen, wie dem Salomo, der Herr im Traum erschiene und sagte: "Nenne eine Bitte, die ich dir gewähren soll?" Worum würden Sie ihn bitten?

       Denken Sie darüber einen Augenblick nach.

2 Die Bitte Salomos

Salomo bat um "ein hörendes Herz, damit er das Volk Gottes regieren könne und Gutes vom Bösen zu unterscheiden verstehe".[2]

Seine Bitte dreht sich nicht um das eigene Ich, nicht um das persönliche Glück und Wohlergehen, nicht um Gesundheit und langes Leben. Er bittet um ein hörendes Herz, damit er der von Gott gegebenen Berufung und Aufgabe gerecht werden kann. 

Er will nicht ein König sein, der sich und seinen Willen durchsetzt, sondern Gottes Willen erkennt und tut. Nicht er will bestimmen, was gut oder böse zu sein hat, sondern er will sich das von Gott sagen lassen. Er will nicht für sich, sondern für sein Volk leben, das Gottes Volk ist.

          Freilich, dass er so bitten kann, ist schon ein Zeichen der Gnade. Er lebt in der Nähe Gottes und ist deshalb für das Wehen des Geistes Gottes offen.

3 Der verschlüsselte Auftrag

Es geht in unserem Leben als Getaufte und Gefirmte Christen zu allererst darum, unsere Berufung zu erkennen. Ein Gemeindeglied gab auf die Frage, "worum würden Sie bitten", eine Antwort, die mich nicht mehr losgelassen hat: "Ich würde um die Weisheit des Herzens bitten, den verschlüsselten Auftrag des Lebens zu erkennen, um mit anderen Menschen den Weg gehen zu können."

Der Auftrag des Lebens liegt meist nicht sofort offen zu Tage, bei mir nicht und bei anderen nicht. Wir werden uns deshalb vor Gott immer wieder fragen:

Wozu bin ich da? Was hast du mit mir vor? Was ist meine Aufgabe an dem Lebensplatz, an den du mich gestellt hast? Was ist meine Aufgabe in deiner Gemeinde, in deiner Kirche?

Jetzt verstehen wir, warum Jesus auf die Bitte seiner Jünger: "Herr, lehre uns beten" an erster Stelle nennt: "Vater, geheiligt werde dein Name.

Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im

Himmel, so auf Erden." [3]

Dann erst kommen die Bitten, die unsere täglichen Bedürfnisse und Probleme betreffen. Denn wenn wir mit Gott im Herzen übereinstimmen, dann kommen auch die weltlichen Dinge ins Lot.

4 Unsere Bitte um ein hörendes Herz

Das größte Unglück für einen Menschen ist, wenn sich sein Herz verhärtet. Darum bitten wir wie Salomo zu allererst um ein hörendes Herz,

-  dass wir feinfühlig bleiben für die Pläne und Wünsche Gottes, für das Wehen seines Geistes.

-  dass wir uns selbst erkennen und umkehren von unserem selbstherrlichen Denken und Verhalten.

-  dass wir unseren Lebensauftrag erfüllen können, mit anderen den Weg zu Gott und zur Vollendung bei ihm zu gehen.

-  dass wir auch in Krisen, in Krankheit und Niederlagen hellhörig werden für das, was Gott uns damit sagen will. Ja auch darin gilt es seine Sorge für uns zu entdecken. 

Im die Weisungen Gottes besingenden Psalm 119 werden Erfahrungen wie diese mitgeteilt. 

„Ehe ich gedemütigt wurde, ging mein Weg in die Irre; nun aber halte ich mich an deine Verheißung.“[4] 

Ja, selbst in Niederlagen erkennt der Glaubende, „Dass ich gedemütigt wurde, war für mich gut; denn so lernte ich deine Gesetze.“[5]

Gott antwortet dem Salomo auf seine Bitte um ein hörendes Herz, damit er die ihm gestellte Aufgabe nach dem Willen Gottes erfüllen kann, mit einer großen Verheißung:

"Siehe, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, das keiner vor dir war und nach dir kommen wird, der dir gleicht. Aber auch das, worum du nicht gebeten hast, will ich dir geben."6  

Die Liebe zu Gott besteht in vollkommener Offenheit und Hörbereitschaft.

Die Verheißung an Salomo gilt noch mehr im Neuen Bund, den Jesus gestiftet hat und den wir in dieser Stunde feiern. Darum kann Paulus im Brief an die Römer sagen: "Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt."7  

Jesus steht ganz in dieser Linie der

Verheißung an Salomo. Himmelreich, Reich Gottes, meint, dass der Himmel, dass Gott regiert. 

Das ist das Beste, was uns zuteilwerden kann.

Das ist die Perle, die wir suchen sollten. Das ist der Schatz, nach dem wir graben müssen. Wer dafür alles investiert und hergibt, wer also "zuerst das Reich Gottes sucht und seine Gerechtigkeit", der steht wie Salomo unter der Verheißung, "dass ihm alles andere dazugegeben wird." Mt 6,33; Lk 12,31

 

 

6   1 Kön 3,12 f

7   Röm 8,28

1   [1] Predigttext: 1 Kön 3,5.7-12

[2]  1 Kön 3,9

[3] Lk 11,1ff

[4] 119,7

[5] Ps 119,71