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Lesejahr A 2019/12 - 2020/11

Predigtthema - Die Wächteraufgabe der Kirche und die Liebe

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Die Wächteraufgabe der Kirche und die Liebe
1 Unsere Prophetische Aufgabe
1.1 Die eigene Taufe neu zu ergreifen und zu verstehen
1.2 Wir haben also Anteil am Prophetenamt Jesu Christi
2 Der Priesterprophet Ezechiel spricht in der 1. Lesung von seiner prophetischen Aufgabe
2.1 Sein Auftrag ist es, mit dem Wort Gottes die Menschen zu warnen
2.2 Der Prophet macht sich schuldig, wenn er nicht warnt
gehören zusammen
3.1 „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses"
3.2 Nur die Liebe schenkt Teilhabe am göttlichen Leben, fördert das Leben, macht es lebenswert
3.3 „Nur die Liebe schuldet ihr einander immer"
4 Im Evangelium schenkt Jesus der Kirche die Vollmacht zurechtzuweisen
5 Was aber ist unsere Praxis?
Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder

Die Wächteraufgabe der Kirche und die Liebe[1]
1 Unsere Prophetische Aufgabe
Die meisten von Ihnen, so hoffe ich, waren schon bei einer Taufe dabei. Das Mitfeiern eines Taufgottesdienstes ist die Chance
1.1 Die eigene Taufe neu zu ergreifen und zu verstehen
Sie erinnern sich: wenn das Kind getauft ist, wird das getaufte Kind auf die Stirn gesalbt. Das vorausgehende Gebet deutet das Zeichen der Salbung ,,Du wirst nun mit dem heiligen Chrisam gesalbt; denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit."
1.2 Wir haben also Anteil am Prophetenamt Jesu Christi
Die Prophetische Aufgabe besteht darin, dass wir geführt durch den Heiligen Geist und erleuchtet durch das Wort Gottes, die Gegenwart durchschauen, dass wir erkennen, was gespielt wird, was echt und gut, aber auch was verführt und böse ist.
Ein Student der künstlichen Existenz, der sich als Atheist bezeichnet, sagte „Würden alle Menschen die 10 Gebote halten, gäbe es keinen Krieg mehr.“
2 Der Priesterprophet Ezechiel spricht in der 1. Lesung von seiner prophetischen Aufgabe
2.1 Sein Auftrag ist es, mit dem Wort Gottes die Menschen zu warnen
Der Abfall von Gott und ein sündiges Leben - also das Sich- absondern von Gott und seinem Willen - bringen Unheil über die Menschen. Es geht um Leben und Tod für den Warnenden wie dem Gewarnten.
2.2 Der Prophet macht sich schuldig, wenn er nicht warnt
Warnt der Prophet den Gottlosen und jener wird ein Gerechten, dann ist das für beide zum Heil. Bleibt er aber gottlos und stirbt vom Propheten nicht gewarnt, dann ist der Prophet, sind also wir für ihn vor Gott haftbar. 
Kein Christ darf schweigen, wenn Menschen seiner Umgebung sich von Gott und seiner Kirche abwenden. Eltern und Großeltern dürfen nicht schweigen, wenn ihre Kinder und Enkel sich von Gott abwenden. Gott wird uns haftbar machen, wenn wir nicht warnen. Hören sie nicht auf uns, dann sind wir nicht haftbar.
3 Warnen, zurechtweisen und Liebe gehören zusammen
3.1 „Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses"[2]
sagt Paulus im Römerbrief. Es wäre falsch, wenn das Warnen, so aussähe: Du sollst, du musst, du darfst nicht! Die Gebote Gottes wollen uns nicht knechten. Sie zeigen uns aber, wo die Liebe verletzt wird, die Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen. „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu."[3] Verletze die Liebe nicht, weil du auch nicht möchtest, dass jemand anderes dir gegenüber die Liebe verletzt.
3.2 Nur die Liebe schenkt Teilhabe am göttlichen Leben, fördert das Leben, macht es lebenswert
Darum sagt der hl. Johannes „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tod."[4]
Wenn ich etwas kaufe, bezahle ich dafür einen Preis. Habe ich diesen entrichtet, schulde ich dem Verkäufer nichts mehr „Bleibt niemand etwas schuldig"[5], sagt Paulus.
Dann aber fährt er fort
3.3 „Nur die Liebe schuldet ihr einander immer"[6]
Wenn es um die Liebe zum Mitmenschen geht, sind wir niemals quitt. Die Liebe zum anderen ist eine nie endende Aufgabe.
Diese müssen wir nicht allein aus eigener Anstrengung erfüllen. Denn in der Taufe hat sich uns Gott mit seiner ganzen Liebe zugeneigt und uns ganz angenommen. Er befähigt zu dieser Liebe, die Gott gebietet. Darum beten wir am Beginn des Rosenkranzes immer ,,der in uns die Liebe entzünde."
Die Kirche hat durch die Geschichte hindurch immer den Getauften ans Herz gelegt, täglich um die drei göttlichen Tugenden zu bitten: Glaube, Hoffnung und Liebe. Ob wir jeden Tag darum bitten? Wir würden erleben, dass der Glaube in uns lebendiger, die Hoffnung stärker und die Liebe durchhaltender würde.
4 Im Evangelium schenkt Jesus der Kirche die Vollmacht zurechtzuweisen
also den rechten Weg zu weisen. Dabei ist die Vorgehensweise zu beachten.
Zuerst unter vier Augen.
Wenn das nicht hilft zusammen mit zwei oder drei Zeugen.
 Fruchtet auch das nicht, dann erst soll es der Gemeinde gesagt werden.
In äußerst schwerwiegenden Fällen kann dies sogar die Exkommunikation, den Ausschluss aus der Kirche nach sich ziehen.
Jesus hat seiner Kirche die Vollmacht des Bindens und Lösens, das auf Erden und im Himmel gilt - ausdrücklich gegeben.[7]
5 Was aber ist unsere Praxis?
Wir reden zuerst mit anderen über die Sünden anderer. Genau das verstoßt gegen die Liebe. Dadurch wird zwar eine gemeinsame Front gegen den Sünder aufgebaut. Er wird vornherein ins Abseits gedrängt. Das ist seiner Umkehr nicht dienlich.
Oft fehlt uns der Mut, zur Wegweisung und zur Mahnung. Wenn wir es nicht tun, machen wir uns vor Gott schuldig.
Freilich werden wir uns gut überlegen wie wir es tun. Gott hasst die Sünde, aber er liebt den Sünder. Jesus sagt noch zu seinem Verräter Judas „Freund, dazu bist du gekommen."[8] Die Liebe bleiben wir auch dem Sünder schuldig, immer.
 
[1] Homilie zu 1. L Ez 33,7–9; 2. L Röm 13,8–10; Ev Mt 18,15–20 (
[2] Röm 8,
[3] Mt 7,12
[4] 1 Joh 3,14
[5] Röm 13,8
[6] Ebd.
[7] Mt 18,18
[8] Mt 26,50