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Lesejahr A 2019/12 - 2020/11

Predigtthema: Mit gläubigem Vertrauen geimpft sich zu Jesus bekennen

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Mit gläubigem Vertrauen „geimpft“

1 Schutzimpfungen gehören bei uns heute zur Gewohnheit

Sie schützen vor Kinderlähmung und Masern, vor den Folgen von Zeckenbissen oder vor schweren Virusgrippen. Solche Impfungen sind empfehlenswert. Aber nicht jeder mag sie. Als Kinder wurden wir gegen Pocken geimpft. Unseren Eltern war es wichtig. Sie wussten warum. Heute versuchen Wissenschaftler einen Impfstoff gegen das Corona Virus herzustellen.

Sich impfen zu lassen dient dazu, durch das Bilden von Antikörpern das Immunsystem des Körpers zu stärken.

Wie aber steht es mit dem Immunsystem unseres Geistes und unserer Seele. Letzteres will Jesus stärken. Er spricht im Evangelium schützend segnende Worte zu seinen Aposteln, die er gerade aussendet.

Jesus redet ihnen Bedenken und Ängste nicht aus. Er zeigt, wie sie diese überwinden können. Er spricht Worte, die sie von innen her stark werden lassen, sie immun machen gegen die Angst. 3mal sagt er “Fürchtet euch nicht!“

2 Jesus impft seine Jünger gegen die übermächtige Angst.

Er impft sie gegen die Gefahr, seine befreiende Botschaft von der Liebe Gottes aus dem Herzen zu verlieren. Er impft sie gegen die Bedrohungsängste, die in ihnen durch übelwollende Menschen ausgelöst werden.

Er impft sie gegen die Angst, bei diesem Zeugnis für ihn und sein Evangelium Leib und Leben zu verlieren, den Zeugentod, das Martyrium zu erleiden.

Der Wirkstoff seines Impfserums heißt: Vertrauen - „Fürchtet euch nicht!"  Es ist das Leitwort des heutigen Evangeliums. Die Mahnung zur Furchtlosigkeit erfolgt in 4 Stufen:

2.1 Die erste betrifft die unerschrockene Verkündigung

Sie wird durch einen vierfachen Gegensatz verdeutlicht: verhüllt /enthüllt, verborgen/bekannt, Finsternis/Licht, ins Ohr gesagt/auf den Dächern verkündet

Jesus will die Jünger ermutigen: Sagt den Menschen, was euch durch mein Evangelium aufgegangen und wertvoll geworden ist. Macht es offenbar. Die Menschen müssen spüren, dass mein Wort euch zu Herzen geht, eurem Leben Sinn und Ziel verleiht.

Eure Rede geschehe ohne Zorn und Eifer. Euer Zeugnis für das Evangelium Gottes wird seine Wirkung haben bei Menschen, die sich nach Heil und Befreiung sehnen.

Der in Eurem Herzen gewachsene, aber noch verborgene Glaube an den Gott und Vater Jesu Christi, der Liebe und Solidarität ist, muss bekannt gemacht werden. Nicht nur bei den Heiden in der Welt, sondern vor allem bei den vielen Heiden in der Kirche.

Überall kann dies auch heute geschehen: bei der Mittagspause in der Kantine, vor dem Supermarkt, am Stammtisch oder bei einem Plausch auf dem Gehsteig, beim vertrauten Gespräch in der Familie, bei einem Fest, einem Jubiläum, einer Hochzeit, einer Beerdigung.

2.2 Das Wort Jesu muss durch das Ohr ins Herz der Jünger gedrungen sein

Die Freundschaft mit Jesu vertreibt die Finsternis des Unglaubens und des Zweifels. Sie erhellt das Herz und den Geist. Dann kann ich als Jünger es wagen, in aller Öffentlichkeit, »von den Dächern« die Frohbotschaft Jesu zu verkünden.

»Dieses direkte Angesprochen werden«, gilt auch uns.  Als Jesu Jünger werden wir aufgefordert, in das Licht des Tages zu treten und zu verkünden, die Dächer zu besteigen und die Botschaft auszurufen. Die Dächer galten damals als die höchsten, die menschliche Stimme am weitesten tragenden Punkte der Stadt».[1]

Heute sind das die Medien. Radio Vatikan und Radio Horeb, EWTN und K.tv oder kirchliche Sendungen im Fernsehen oder im Radio. Heute ist auch das Internet eine wichtige Plattform für die Verkündigung des Evangeliums Jesu.

Die 3. Stufe der Mahnung zur Furchtlosigkeit geschieht

2.3 Angesichts des möglichen Martyriums

Wir erfahren, wen wir unbedingt fürchten müssen. Darauf liegt der eigentliche Schwerpunkt des heutigen Evangeliums.

2.3.1 In der 1. Lesung begegnet uns der Prophet Jeremia.

Wegen seiner Verkündigung im Auftrag Gottes ist er in großer Bedrängnis, ja Todesgefahr.

 In seiner Bedrängnis aber vertraut er ganz und gar auf Gott: „Doch der Herr steht mir bei wie ein gewaltiger Held. Darum straucheln meine Verfolger und kommen nicht auf.“[2]

Am Schluss preist Jeremia Jahwe, seinen Gott, „der das Leben des Armen,“ der sich ganz auf Gott verlässt, „aus der Hand er Übeltäter rettet.“[3]

2.3.2 Im Evangelium sagt Jesus seinen Jüngern: "Fürchtet euch nicht vor den Menschen.“

Sie dürfen wissen, dass das Evangelium göttliche Sprengkraft enthält, wie Paulus es nennt. „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.“[4]

Die Menschen, denen die Jünger das Evangelium verkünden sollen, haben die Weite und den Glanz der himmlischen Botschaft der Liebe, die bis ans Kreuz und in den Tod mit uns geht, noch nicht ergriffen. Gerade deshalb brauchen sie das furchtlose Beispiel der Jünger und Jüngerinnen, um zu begreifen und verstehen zu können.

2.3.3 Fürchten sollen die Jünger allein Gott

Er hat die Macht über den ganzen Menschen, über seinen Leib und seine Seele, über sein Heil und sein Unheil. Deshalb muss sich der Christ nicht vor denen fürchten, „die zwar den Leib töten, die Seele aber nicht töten können.“[5] Denn das Leben des Jüngers, der Jüngerin ist als Ganzes in der sorgenden und liebenden Macht Gottes geborgen. Darauf haben die Märtyrer aller Jahrhunderte vertraut.

Im heutigen Evangelium richtet sich Jesus direkt an die Jüngerschaft, also auch an uns, so wir Jünger und Jüngerinnen Jesu sein wollen.

Wer die Menschenfurcht überwindet, und nur Gott fürchtet, d.h. ihn als allein tragenden Grund seines Lebens erkennt und annimmt, der – so sagt Jesus - bleibt mit mir und meinem Vater im Himmel lebendig verbunden.

2.3.4 Die Gottesfurcht schenkt die Kraft,

vor den Menschen für den Himmel, für die Fülle des Lebens im Reich Gottes, das ewige Leben, einzutreten. Sie eröffnet die Chance, dass Menschen den Himmel ersehnen und vom Bösen befreit werden.

 Deshalb ist es gut, unser Leben nach einem Wort des 1944 von den Nazis ermordeten Jesuitenpaters Alfred Delp auszurichten. Kurz vor seinem Tod hat er es niedergeschrieben. "Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es in Jesus mit uns lebt."

Was sind

3 Die endzeitlichen Folgen unseres Verhaltens?

3.1 Das Endgericht über die Lebenden und die Toten

Mein ewiges Heil entscheidet sich daran, ob ich mich zu Jesus bekenne oder ihn verleugne.

Zunächst geht es um das Bekennen oder Verleugnen vor einem irdischen Richter und vor der Öffentlichkeit dieser Welt.

Ob ich mich vor den Menschen als Jünger Jesu bekenne oder nicht, darauf kommt es an. Es geht um meine ewige Zukunft, um Himmel oder Hölle

Im Gericht Gottes wird bedeutsam sein, wie ich mich im irdischen Leben verhalten habe. Am Ende wird vor aller Welt offenbar, wo und wofür ich im Leben gestanden bin. Es kommt für jeden das Gericht, das Jesus vor seinem Vater durchführt.

Wer in diesem Leben Gott nicht fürchtet und Jesus als Heilsbringer Gottes bewusst leugnet, der muss dieses Gericht fürchten, weil der ganze Mensch mit Leib und Seele in der Hölle verderben kann.

Wer also bewusst nein sagt zu Jesus und zum Heil, das er von Gott bringt; zu dem kann sich Jesus beim Jüngsten Gericht auch nicht vor seinem Vater im Himmel bekennen.[6]

3.2 Für immer bei Gott geborgen

Wenn ich mich aber zu Jesus, als den von Gott gesandten Heilbringer bekenne, wenn ich versuche nach seinem Evangelium der Liebe und Hingabe zu leben; dann brauche ich mir um meine Zukunft keine Sorgen zu machen.

Das Wort vom Spatzen, der nicht ohne den Willen Gottes vom Dach fällt, meint, dass wir auch im Getötet-Werden oder Sterben von der liebenden Sorge Gottes umfangen sind.

Wenn Gott schon einem Spatzen und jedem Haar seine liebende Zuwendung schenkt, dann erst recht jedem an Jesus Christus glaubenden und mit ihm befreundeten Menschen. Mit gläubigem Vertrauen auf die Treue Gottes von Jesus in meiner Seele und meinem Geist in Taufe, Firmung, Sündenvergebung geimpft und von ihm in der Eucharistie gespeist, kann ich ohne Angst leben und sterben. Denn ich glaube seiner Zusage: „Wer mich vor den Menschen bekennt, den werde ich auch vor meinem Vater im Himmel bekennen.“[7]

 

[1] Joachim Gnilka, Das Matthäusevangelium Bd. I S.386 bei Herder 1986

[2] Jer 20,11

[3] Jer 20,13

[4] 1 Kor 1,18

[5] Mt 10,80

[6] Mt 10,33

[7] Mt 10,32