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Lesejahr A 2019/12 - 2020/11

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Das ewige Wort des Vaters kommt in der Stille
1 Mitten im Schweigen
2 Diese Stille ist das Zeichen von Gottes Hoheit
2.1 Wie hätte Gott sonst kommen können?
2.2 Er kommt als Kind, der Zärtlichkeit und Liebe bedürfend
2.3 Alles änderte sich, als der Engel den Hirten die Botschaft brachte
2.4 Die wichtigste Stunde für die Menschheit
3 Die Früchte der Stille
3.1 An wen geht die Botschaft zuerst?
3.2 Die Stille und der Friede
3.3 Die Stille das Kennzeichen Christi
3.4 Das Große geschieht in der Stille


 Das ewige Wort des Vaters kommt in der Stille
1 Mitten im Schweigen
Der eigentliche Inhalt des Weihnachtstages wird am „Zweiten Sonntag nach Weihnachten“ in einzelnen Zügen noch einmal von innen her betrachtet. Es beginnt gleich mit den Worten des Eingangsverses aus dem Buch der Weisheit, einer Spätschrift des AT.
„Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel, vom königlichen Thron herab ... mitten in das dem Verderben geweihte Land.“[1]
Aus allen Richtungen der Windrose prasseln auf uns täglich und stündlich Wörter und Worte nieder - wie ein nicht enden wollender Graupelschauer. In diesem Wust von Worten und im Dickicht der Meinungen das richtige uns Heil und Leben schenkende Wort wahrzunehmen, ist eine schwer zu lernende Kunst.
Das Wort des Lebens und der Wahrheit kommt in die Welt und zu uns Menschen, „als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht bis zur Mitte gelangt war.“
Ich hoffe, jeder von uns hatte schon einmal ein solches Erlebnis in der Natur, etwa wenn die Nacht anhebt und es immer stiller wird. Immer wenn ich vor einer Krippe stehe - und sei sie noch so einfach - spüre ich diese Stille. Auch die Armut, das Anspruchslose des Stalles und der Krippe atmet dieses Schweigen der Stille.
So war es, als das Ewige Wort des Schöpfers in die Welt kam. Wie sollen wir das verstehen?
2 Diese Stille ist das Zeichen von Gottes Hoheit
Schon im Leben der Menschen ist es so: je mehr ein Mensch wirkliche Würde und Hoheit hat, desto weniger braucht er sie durch äußere Zeichen und Formen hervorzuheben, zu stützen. Es gibt eine Würde, die auch ein Bettlergewand nicht verdecken kann.
2.1 Wie hätte Gott sonst kommen können?
Etwa mit dem Aufgebot alles dessen, was wir uns an Macht und Prachtentfaltung denken können - aber sagen wir selbst: was wäre Gott würdiger? Sollte er gleichsam in Wettbewerb treten mit menschlicher Prachtentfaltung?
Viel königlicher, hoheitsvoller ist die Stille Christi, mit der er außerhalb aller menschlichen Maßstäbe tritt, in königlicher Souveränität zur Seite schiebt, was sonst die Menschen sich unter Größe und Macht denken.
Wichtiger aber ist noch etwas anderes:
  2.2 Er kommt als Kind, der Zärtlichkeit und Liebe bedürfend
Und er wird bis zum letzten Atemzug als Liebender seinen Lebensweg gehen. So als ob er niemanden erschrecken wollte.
Josef Weiger hat es zutreffend beschrieben:
„Wie ein Reicher zum armen Freund kommt, er lässt alles daheim, was auf den Reichtum zeigen könnte. So wie ein Freund ins Haus des Freundes kommt, ohne Lärmen, ohne Aufsehen ... wie einer, der schon immer da war, so ist Christus in der Welt erschienen.“
Nichts Besonderes geschah, als Maria und Joseph wie alle anderen sich aufmachten.
2.3 Alles änderte sich, als der Engel den Hirten die Botschaft brachte
„Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll. Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.“
Die Welt hätte nicht geahnt, dass der Herr gekommen war, seine Schöpfung heimzusuchen. Still und unbemerkt war er da, als ob es so sein müsste, als sei er schon immer da gewesen. So sagt es ja der Name Gottes „Jahwe:“ „Ich bin der ICH-BIN-DA.“ Es ist
2.4 Die wichtigste Stunde für die Menschheit
Sie ist wichtiger für das Wohl und Wehe der Menschheit als alles, was gleichzeitig - ja alles, was vorher und nachher geschah.
Dem entspricht es auch, wenn unsere ganze Zeitrechnung sich danach richtet, ob man nun den Namen Christi dabei nennen oder ihn abschaffen will.
Wenn wir das recht bedenken, werden wir kritisch werden: nicht das Lauteste ist auch das Wichtigste. Was laut und sichtbar geschieht, ist meist die letzte Auswirkung von etwas, was in der Stille geschehen ist.
Zuerst fallen die Entscheidungen in den Herzen der Menschen, in der Verborgenheit werden die großen Entschlüsse gefasst, und lange dauert-es, bis sie sichtbar werden.
Wie viele Beispiele könnten wir da nennen in der Natur und in der Geschichte: das Samenkorn, den Hausbau usw. Und wenn das schon für die Weltgeschichte gilt, um wie viel mehr in der Reichgottesgeschichte.
3 Die Früchte der Stille
Wir fragen
3.1 An wen geht die Botschaft zuerst?
Die Botschaft geht an die Hirten, und dann sehen wir die Weisen aus dem Morgenland, und schließlich noch Simeon und Anna im Tempel:
• alles  stille Menschen, nach außen unscheinbar, eine Stille in sich tragend und ausströmend.
Wäre das anders möglich gewesen - etwa die Engelsbotschaft im Königspalast zu Jerusalem oder auf dem Marktplatz oder in der Gelehrtenschule? Nur die Stille gibt uns das rechte Maß, die rechte Offenheit, nur in der Stille will Gott zu uns sprechen. Nur in der Stille haben wir die rechte Unterscheidung, nur in der Stille die rechte Tiefe.
3.2 Die Stille und der Friede
Seien wir aufmerksam auf den Zusammenhang zwischen der Stille Christi und der Botschaft des Friedens.
• Wo keine Stille ist, da ist auch kein Frieden.
Natürlich muss es die Stille Christi sein - es gibt auch ein Schweigen aus Trägheit, aus Bosheit, es gibt auch die Stille vor dem Sturm!
Tut es uns vielleicht deshalb so gut, vor der Krippe zu knien? Weil wir hier Stille und Frieden einatmen? Atmen wir tief ein in diesen Tagen diese Stille und diesen Frieden!
3.3 Die Stille das Kennzeichen Christi
Aber nicht nur an diesem Tag: Sie ist ein Kennzeichen Christi in allem, was er tut. Und wie sein Leben in der Stille der Weihnacht begonnen hat, so wird es beschlossen in der Stille des Karfreitags.
Es setzt sich fort in der Stille der Eucharistie - denn was gibt es Stilleres als das tägliche Brot? Und gerade dies nimmt Christus wieder zum Zeichen! So muss in unseren Gottesdienst die äußere Stille hineingenommen, eingeatmet werden.
3.4 Das Große geschieht in der Stille
Ein kleines Gedicht über den ICH-BIN-DA, über Gott sagt es in stillen warmen Bildern:
Ich bin da
wie die Sonne, die Dich wärmt,
wie die Blume, die Dein Herz erfreut
wie ein Licht auf Deinem Weg
wie eine Wolke, die Dich umhüllt
wie ein Auge, das Dich voll Liebe anstrahlt
wie eine Hand, die schützend nach der Deinen greift
wie ein Herz, das für Dich schlägt
 Wir leben in einer Zeit, die zu wenig Stille kennt. Manche sind schon seelisch so krank, dass sie die Stille nicht mehr aushalten. Wir wollen immer wieder etwas von der Stille Christi in uns aufnehmen und seinen Frieden hindurchtragen.
 

[1] (Weisheit 18, 14-15)