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2010 (C)

Homilie am 14. und 15. August am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel in St. Michael Neunkirchen

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Grabstein (um 1500) 'Seh'n mich nach Dir!'
Grabstein (um 1500) "Seh'n mich nach Dir!"
SEHN’ MICH NACH DIR


Memento mori

Zum Eichstätter Dom gehört ein Mortuarium ein kapellenartiger Raum im gotischen Stil mit vielen Grabplatten in Boden und Wänden eingelassen einst Begräbnis-Ort für die Domherren.
Ein Monument hat mich besonders angerührt und beeindruckt. Der Grabstein eines kurz nach 1500 verstorbenen Domherrn hat zwei Felder.
Im unteren liegt ein fast verwester Leichnam. Darüber die Inschrift: »Des ich bin, das wirst Du«.
Im oberen großen Feld sehen wir den Domherrn mit gefalteten Händen von nach oben schauenden Menschen begleitet. Einer hat die Hand auf seine Schulter gelegt.
Darüber auf den Wolken des Himmel Jesus Christus, mit der rechten Hand in der Dreifaltigkeitsgeste zum Himmel zeigend und in der linken Hand das Kreuz als Siegesfahne haltend.
Tief berührend der kurze,  aus dem Mund des Domherrn kommende Satz zum Auferstandenen hin gesprochen: »Sehn mich nach dir."
  • Dieser Grabstein ist ein Zeugnis für das Realitätsbewusstsein und die Hoffnung des Christen.
Realität ist: Alle Menschen müssen sterben. Christus musste sterben. Er wurde umgebracht. Maria musste sterben, wie uns die vielen, den Tod Mariens darstellenden Kunstwerke, auch das in unserer Pfarrkirche zeigen.
Diesen Realitätssinn bringen mache Christen auf drastische Weise zum Ausdruck. Als die Mutter eines Mitbruders im Sterben lag wurde sie von einer Verwandten besucht. Angesichts der Sterbenden fing sie an zu weinen. Da sagte die Mutter des Priesters zu ihr: "Grein net, kummst a dran."
  • Im Hymnus der Vesper beim Gedächtnis der Verstorbenen betet die Kirche:
"Tod und Vergehen waltet in allem, steht über Menschen, Pflanzen und Tieren, Sternbild und Zeit."

Das ist unumstößliche Wirklichkeit. Aber es ist nicht alles.

Maria - als die Frau der Apokalypse (um 1750) Offb. 12,1 ff.
Maria - als die Frau der Apokalypse (um 1750) Offb. 12,1 ff.
Sehnsucht und Hoffnung im Blick auf Christus und Maria

Wir können uns resignierend fügen oder angesichts des Todes feststellen: "Das wars."

Wir können aber auch auf Maria schauen, von der die Kirche heute Gott dankend bekennt, dass sie »mit Leib und Seele, also als ganzer Mensch von Gott in den Himmel aufgenommen wurde«.

Mut macht uns dieses in der Offenbarung des Johannes vor uns hingestellte großartige Bild von der »Frau mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.«
Die Frau meint beide, Maria und die Kirche. Beide werden verfolgt und bedrängt, beide aber haben Anteil an der Herrlichkeit des Auferstandenen, den der Vater zum Herrn des Alls gemacht hat. Ein großes Hoffnungsbild für alle, die zur Kirche gehören und Maria verehren.
In der visionären Bildsprache der Offenbarung des Johannes steht sie heute vor uns. Sonne, Mond und Sterne sind kosmische Lichtquellen. Dieses Licht für ist Bild für das Wesen Gottes. Er ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Das Licht seiner Liebe ruht auf der „Frau" und umhüllt sie ganz und gar. Mit der Sonne bekleidet meint: Gott schenkt ihr seine ganze Gunst und Aufmerksamkeit;
Der Mond als Zeitsymbol unter ihren Füßen bedeutet: Der ewige Gott lässt sie die Zeiten überdauern; er krönt sie mit dem Sternenkranz, dem Siegeskranz der Gerechten. Wer ist sie denn, diese Frau? Sie steht für das zwölfstämmige Gottesvolk Israel einerseits und für die Zwölfapostelkirche andererseits. Und Maria ist das Urbild des Gottesvolkes, das Urbild der Kirche.
 
  • Hoffnung angesichts des unausweichlichen Todes macht uns Paulus in der 2. Lesung aus dem 1. Korintherbrief: "Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen." Wir sind als Nachkommen Adams alle dem Tod verfallen, aber Gott hat uns durch Jesus Christus, der getötet und auferweckt wurde, das Zeichen der Hoffnung gegeben: "Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden."

  • Manche Zeitgenossen glauben nicht an das ewige Leben bei Gott. Was nach dem Tod kommt interessiert sie nicht. Sie wollen jetzt leben und möglichst viel aus diesem Leben herausholen.
  • Andere träumen von immer neuen Wiedergeburten, um in vielen Leben möglichst viel zu erleben. Die Einmaligkeit der irdischen Existenz schmeckt ihnen nicht. Ganz anders Maria und mit ihr der Christ.
  • Sehnsucht nach Gott und nach Christus, Hoffnung auf die Fülle des Lebens bei ihm, wird in uns wachsen, wenn wir wie Maria uns ganz auf Gott und seinen Heilsplan einlassen, wenn wir mit Gott, für ihn und für Jesus und sein Evangelium leben.
Maria hat sich ganz Gott und seinem Heilswillen geöffnet, war mit Leib und Seele für Jesus und seine Messiasaufgabe da.
  • Die Freundschaft und Liebe zu Jesus, der Einsatz für sein Evangelium und für das mit ihm angebrochene Reich Gottes, wecken in uns die Hoffnung auf die Fülle des Lebens hier und jetzt, und vor allem über die Grenze des Todes hinaus.
  • Wo Menschen in Freundschaft und Liebe verbunden sind, entwickeln sie eine große Sehnsucht bei dem Geliebten zu sein, an seinem Leben teilzuhaben, mit ihm zu wachsen und vollendet zu werden.
  • Weil Maria sich so ganz auf Gott einließ, Jesus in großer Liebe bis unter das Kreuz begleitete, war ihre Hoffnung auf das Leben bei ihm in der Herrlichkeit des Vaters unbesiegbar. Wuchs in ihr die Sehnsucht für immer mit ihrem Sohn beim Vater im Himmel vereint zu sein.
  • Darum glaubt die katholische und orthodoxe Kirche fest daran, dass ihr das von Gott geschenkt wurde. Als ganzer Mensch darf sie verwandelt an der Herrlichkeit ihres Sohnes teilhaben. "Gott hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“[1] Und seit 2000 Jahren stimmen die Christen jeden Tag bei der Vesper in diesen Lobpreis Mariens ein.

Wurzbüschel über der Tür meines Arbeitszimmers
Wurzbüschel über der Tür meines Arbeitszimmers

 

Was aber wird aus uns?

Die Blumen und Kräuter, die wir heute segnen, sprechen von Heil und Gesundheit, von Freude und Heilung, aber auch von der Vergänglichkeit alles Irdischen. Sie sind Bilder und Gleichnisse für unser Leben als Christen.

Wir leben hier auf Erden von der Güte Gottes, aber wir sind sterblich.

"Was ich bin, das wirst Du." ließ der Domherr auf seinen Grabstein schreiben.


  • In dem schon zitierten Hymnus beim Gedächtnis der Verstorbenen heißt es weiter:
"Du hast ins Leben alles gerufen.
Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode.
Hole sie heim.
Schenke im Ende auch die Vollendung.
 Nicht in die Leere falle
die Vielfalt des irdischen Seins."

Dieses Lied spricht von unserer Vergänglichkeit, aber auch von unserer Hoffnung und Sehnsucht nach der endgültigen Geborgenheit in Gott, im Ewigen.
  • Allein in der innigen Verbindung mit dem unsagbaren Geheimnis, das Gott ist, und dem wir uns betend und anbetend nahen, bleibt die Hoffnung auf die Vollendung in uns lebendig.
  •  In der Freundschaft mit Jesus, dem gekreuzigten und auferweckten Bruder und Herrn, in der Hingabe an sein Evangelium und sein Werk, an seine Kirche mitten unter den Menschen, wird die Sehnsucht, für immer mit ihm beim Vater zu sein, in uns wachsen. „Wenn Christus unser Leben ist, dann ist Sterben Gewinn.“[2]
Wie die Blumen und Kräuter dem Licht entgegenwachsen, so geht unsere Sehnsucht  zum auferstandenen Christus
Wie die Blumen und Kräuter dem Licht entgegenwachsen, so geht unsere Sehnsucht zum auferstandenen Christus
  • Wie der Domherr von Eichstätt um 1500 können wir der Wirklichkeit des Todes, des irdischen Vergehens, mutig ins Auge schauen. Wie Maria auf Gott und Christus ausgerichtet können wir ihm unser »Sehn mich nach Dir", im Leben und Sterben sagen.
  • Beim Empfang der heiligen Kommunion sollten wir dem auferstandenen Herrn unser Sehnen mitteilen - mit ihm vereint zu sein. Die Älteren unter uns erinnern sich noch an ein Lied aus dem früheren Gesangbuch »Lobt den Herrn«, das vor der Kommunion gesungen wurde:
„Jesu, Jesu komm zu mir!
O wie sehn’ ich mich nach Dir!
Meiner Seele bester Freund,
Wann werd’ ich mit Dir vereint!“ [3]
  • Unsere Kinder haben der 4. Klassen haben immer das im Gotteslob stehende Gebet[4] auswendig gelernt:
Herr Jesus Christus,
Du hast mich berufen, daß ich mit dir zum Vater gehe.
Mit dir will ich allzeit auf dem Wege bleiben.
Sei das Wort, auf das ich höre und dem ich folge.
Sei das Licht, das mich erleuchtet.
Sei die Kraft, die mich erfüllt.
Sei der Beistand, der mich nicht verlässt.
Mach mich vollkommen eins mit dir.
Und lass mich zur ewigen Vollendung gelangen.

Auf die Frage der Religionslehrerin welche Bitte ihnen denn am meisten gefalle antworteten überraschend viele Kinder: „Die letzte.“ „Mach mich vollkommen eins mit dir und lass mich zur ewigen Vollendung gelangen.“ Die Sehnsucht des Domherrn, ist auch die ursprüngliche Sehnsucht der Kinder. Ob sie auch die unsrige ist?
  • Die Botschaft des heutigen Festes gilt allen Glaubenden: Gott wird uns durch Christus wie Maria im irdischen Ende die Vollendung schenken.


    Mit Blumen und Kräutern schenkt Gott uns Freude und Gesundheit
    Durch Blumen und Kräutern schenkt Gott uns Freude und Gesundheit


[1] Lk 1,48
[2] Phil 1.21
[3]  Lobt den Herrn S. 193
[4] Gotteslob 6/4

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