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Predigten

Übesicht

2008 Heiliger Nagel und heilige Lanze

Homilie beim der Dank- und Gedenkmesse des Abiturjahrgangs 1953 (55) des Franz-Ludwig Gaymnasiums.

===>> Biblische und Liturgische Texte vom Gedenktag des hl. Nagels und der hl. Lanze unseres Herrn
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===>> Gottesdienstvorlage

Messfeier in der Nagelkapelle des Bamberger Doms
Messfeier in der Nagelkapelle des Bamberger Doms
Jesus Christus und der Heilige Nagel.[1]

Viele um uns herum haben ihr Christsein an den Nagel gehenkt.

Sie haben es abgelegt, vergessen. Es spielt keine Rolle mehr in ihrem Alltag. Aber besser an den Nagel gehenkt als entsorgt, in den Müllverbrennungsanlagen der Überflussgesellschaft beseitigt, ausgelöscht. Es kommt die Stunde der Gnade, wo er, wo sie angerührt von dem Geheimnis Gottes, von seiner liebenden und befreienden Nähe, die Kostbarkeit des hoffenden Glaubens neu entdeckend wieder vom Nagel genommen und als Gewand des Heils und der Unsterblichkeit angelegt wird.

In jedem Menschen lebt die Sehnsucht nach Freiheit.

Viele im Osten unseres Landes und der unter den kommunistischen Diktaturen stöhnenden Menschen haben diese Freiheit herbei gesehnt und freudig begrüßt. Befreit von diesem repressiven System mussten sie dann feststellen, wie festgenagelt sie noch in den alten Strukturen sind. Und manche sind noch vom alten Denken wie vernagelt.

Nägel sind heute fast nur aus Stahl und Eisen.

  • Metall ist ein Urstoff der Schöpfung. Wir alle haben Metall im Blut. Eisenmangel im Blut bedroht die Gesundheit, zu viel davon z.B. an Cadmium ebenso. Metall in Form von Geschossen, Bomben und Granaten richtete und richtet immer noch schreckliche Verwüstungen an, brachte und bringt bis heute vielen Menschen den Tod.
  • Ohne Metall aber wäre es unmöglich die bald 8 Milliarden Menschen zu ernähren. Immer kommt es darauf an, was der Mensch daraus macht, ob Waffen zum Töten, oder Pflugscharen und Werkzeuge. Beim Propheten Jesaja weist Jahwe die Völker zurecht. Es ist die Weisung zum rechten Gebrauch seiner Schöpfungsgaben, die dem Frieden dienen sollen und nicht dem Krieg: "Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg."[2]
  • Mit Nägeln kann man Dinge fest miteinander verbinden, mit Nägeln hat man so wie Jesus viele Menschen ans Kreuz genagelt und auf diese Weise zu Tode gebracht.

Zeichen der Solidarität Gottes mit den Angenagelten

Der Nagel vom Kreuz Christi, sei er nun echt oder nicht, will der Menschheit zeigen, dass Gott durch Jesus mit allen Angenagelten, den durch Metall zu Tode Gebrachten solidarisch ist, mit ihnen leidet und stirbt.

In der Lesung aus der Offenbarung

wünscht der Seher Johannes den sieben bedrängten Gemeinden in Kleinasien von diesem in Jesus mit den Menschen solidarischen Gott Gnade und Frieden. Gnade meint, dass Gott sich ihnen in Jesus liebend zuwendet; Die Bitte um seinen Schalom, seinen Frieden, erfleht, dass er durch Jesus die Fülle seiner Heilsgaben ihnen schenken möge.
Gott schenkt uns durch Jesus diese seine liebende Zuwendung,

Seinen Schalom, die Fülle seiner natürlichen wie übernatürlichen Gaben, schenkt Gott durch Jesus: Dieser ist Gottes treuer Zeuge für uns Menschen. Ihn hat Gott durch die Auferweckung von den Toten zum Erstgeborenen der Toten gemacht. Durch seine Erhöhung beim Vater wurde er zum Herrscher über die Könige der Erde, die Mächtigen unserer Erde, bestellt.
Seine bis zum Äußersten gehende Solidarität

mit den geschundenen, verhöhnten, sadistisch gequälten, gefolterten und getöteten Menschen, seine bis aufs Blut gehende Hingabe und Liebe, die sogar die Henker noch in seine den Vater um Verzeihung bittende Liebe mit hinein nimmt, zeigt wie sehr er jeden von uns liebt. Diese Liebe bis aufs Blut gehende Liebe allein erlöst.
Die christliche Kunst - am Grab des Kaiserpaares Heinrich u. Kunigunde

von Tilmann Riemenschneider anschaulich dargestellt – zeigt, was diese Liebe vermag. Sie tritt uns in der Gestalt des Seelenwägers, des Erzengels Michael, entgegen. Das über seinem Haupt erhobene Schwert scheidet die Werke der Finsternis von denen des Lichts. Die andere Hand wägt das Leben des Menschen. Auf der einen Waagschale sitzt ein Teufel, Symbol für das Böse, für die Verneinung, für die Verweigerte Anbetung Gottes; auf der anderen liegt ein Kelch, Zeichen für die sich bis zur Lebenshingabe verschenkenden Liebe Jesu Christi. Diese wiegt schwerer als alles Böse.
Darum werden wir unsere Beziehung zu Jesus pflegen.
Wir werden sein Wort hörend in uns aufnehmen damit unser Glauben lebendig bleibt und Christus »durch den Glauben in unserem Herzen wohnt".[3] '
Wir werden wachsam die Vergebung unserer Sünden suchen und die sakramentale Lossprechung wieder ernst nehmen; denn der Auferstandene hat seinen Aposteln mit seinem Geist beschenkend aufgetragen: "Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie (bei Gott) vergeben."[4]
Wir werden die Gedächtnisfeier seines Opfers und Mahles als die Mitte unserer Glaubenspraxis pflegen; denn darin schenkt er sich uns mit seiner erlösenden Liebe im Brot, das sein Leib ist, und im Kelch der sein Blut ist, das Blut des Neuen Bundes.[5] Dieser neue Bund Gottes mit uns hat in der Hingabe Jesu seine erlösende und befreiende Mitte; denn Liebe, die ganz Hingabe ist, befreit, erlöst.

Im Antwortgesang nach der Lesung

haben wir Verse aus dem Psalm 22 gehört, die besingen, was der Knecht Gottes von Menschen zu erdulden hat. Die Urkirche hat diesen Psalm auf den Messias Gottes auf Jesus von Nazareth als erfüllt gedeutet.
  • Der Psalm spricht von der sadistischen Freude der Gegner, den Knecht Gottes wegen seines Vertrauens auf Gott zu verhöhnen, ihn in wölfisch hündischer Aggression anzufallen, die Werkzeuge seines heilenden und sich beeilenden Helfens, seine Hände und Füße, zu durchbohren, festzunageln, damit sie nicht mehr helfen können. Schamlos geben sie ihm der gaffende Menge preis.
  • Er aber betet zu Gott, wie nach ihm viele gemarterte Glaubenszeugen: "Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!"

Im Evangelium hörten wir zweimal das Wort »vollbracht«.

  • Der Höhepunkt des Heilsgeschehens in Jesus Christus ist erreicht. Johannes markiert ihn durch das Wissen und das Wort Jesu: Alles ist vollbracht und vollendet. Dieses innere Wissen und Vorherwissen Jesu gehört wesentlich zum Christusbild des Johannesevangeliums, gerade beim Passionsgeschehen: Am Beginn des 2. Hauptteils des Johannesevangeliums 13,1 weiß Jesus, dass die Stunde gekommen ist, zum Vater hinüber zu gehen. Die Tränkung mit dem Essigbetäubungstrank kann dieses Wissen nicht mindern.
  • Der Physische Durst Jesu - beim Hängen am Kreuz eine schreckliche Qual - hat für den Evangelisten einen noch tieferen Sinn. Verbindet man dieses Wort mit seinem letzten Wort, »es ist vollbracht«, so erschießt sich der tiefere Sinn durch zwei Stellen im Joh.Ev. Am Jakobsbrunnen sagt er zu den Jüngern, die ihm etwas zu essen bringen: "Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu vollenden." [6] Bei der Gefangennahme antwortet er fragend dem gewaltbereiten Petrus: "Soll ich den Kelch, den der Vater gegeben hat, nicht trinken?"[7] Hunger und Durst werden zum Bild für das Verlangen Jesu, den Willen des Vaters bis zum letzten zu erfüllen.

Ist solcher Wille Gottes nicht grausam?

  • Nicht Gott ist grausam, sondern die Menschen, die sich der Liebe und dem Erbarmen verweigern, die ihre Machtgelüste an den Qualen, der ihnen Ausgelieferten befriedigen als teuflische Alternative zur Liebe;
  • Menschen, die ihr Geschaffensein mit seiner Einmaligkeit und Vergänglichkeit nicht annehmen wollen. Die ihre personale Identität missachtend, aus der irdischen Wirklichkeit meinen fliehen zu können. Ein nach westlichen Maßstäben umgedeuteter Glaube an eine irdische Wiedergeburt ist so ein Versuch.

Bei Johannes stirbt Jesus als Vollender seines irdischen Werkes,

  • der den Auftrag des Vaters gehorsam zu Ende führt. Bis zuletzt bleibt Jesus der aktiv Handelnde, beim Auftrag an Johannes die Mutter Jesu wie seine eigene Mutter zu sich zu nehmen, im Verlangen nach dem Todestrank mit »mich dürstet« und in der Übergabe seines Geistes. Hinter dieser Deutung des Sterbens Jesus wird der Gedanke von Joh 10,18 stehen, wo Jesus spricht: "Niemand nimmt das Leben von mir, sondern ich gebe es von mir aus hin."
  • So legt uns das Evangelium nahe, auch das Sterben Jesu noch als Bewusste Tat, in Annahme des Todesgeschicks als Selbsthingabe an den Vater zu verstehen. So stellt Johannes das Sterben Jesu als Höhepunkt seines Christusverständnisses dar. Es ist der verborgene Triumph des Sohnes, der zum Vater geht, nachdem er sein irdisches Werk vollbracht hat.
  • Da der so lebende und sterbende Christus in der Liebe und Macht Gottes geborgen ist, erfüllt sich an ihm die prophetische Verheißung: Es wird ihm kein Bein zerbrochen.[8] Die verwundete und geschundene Gestalt seines Leibes bleibt ganz und unversehrt. Die Lanze die sein Herz durchsticht, wird zum Hinweis, auf den zu schauen, den sie durchbohrt haben. In Christus zeigt uns Gott sein Herz, seine unbedingte Liebe.

Was lerne ich als Christ aus dem Bedachten?

  • Dass ich ja zu meiner Endlichkeit, auch ja zum Sterben sage. Dies ist für mich die letzte Möglichkeit, Gott gehorsam zu werden, mein mir gegebenes Leben, mein Werk in der Gemeinschaft mit Jesus zu vollenden. Festgenagelt ans irdische Vergehen und Sterben ist Jesus mit seiner Hingabe und Liebe bis zum Tod als der Auferstandene der Notnagel, an dem ich mich festmache, der heilige Nagel, der mich durch dieses Geschehen des gehorsamen Sterbens und des Todes hindurch zum Vater führt. In Christus und mit ihm und durch ihn vollendet sich mein Leben, das Leben der an ihn Glaubenden.

Deshalb feiern wir jetzt Eucharistie,

preisen wir unseren Gott inmitten der Gemeinde der an Christus Glaubenden. So sind wir mehr als nur ein langsam abtretender 55 Jahre alter Abiturjahrgang, sondern eine Gemeinschaft der glaubend Hoffenden und der hoffend Liebenden, bis wir bei der letzten anstehenden Reifeprüfung einer nach dem andern sein »Es ist vollbracht«, sprechen wird.


[1] Lesung: Offb 1,4-8; Antwortges. Verse aus Psalm 22; Evang 19,28-37 Messe in der Nagelkapelle des Doms anlässlich unserer 55jährigen Abiturs
[2] Jes 4,2
[3] Eph 3,17
[4] Joh 20,23
[5] vgl Lk 22,20; 1 Kor 11,25
[6] Joh 4,34
[7] Joh 18,11
[8] Ex 12,46; Ps 34,21

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