Startseite | Zur Person | Informationen | Filme | Predigten | Podcast | Meditationen | Fundgrube | Dias | Kontakt
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

Predigten

Übersicht

Lesejahr 2013 (C)

Homilie zuJes 25, 6a.7-9  Antwpsalm:Ps 139;  2. Röm 8, 14-23 Evang:  Joh 14, 1-6  Messe Allerseelen II am 80. Geburtstag von Pfarrer i.R. Veit Dennert

===>> zu den liturgischen Texten
===>> Gottesdienstvorlage
===>> Predigt im Orginalformat lesen oder herunterladen
===>> Predigt als Podcast nachhören oder herunterladen

Das Fest aller Seelen, die Gott lieben
1 Lebende und Verstorbene

Allerseelen - 80. Geb. VD bei der Predigt
Allerseelen - 80. Geb. VD bei der Predigt
In meinem Leben musste ich mich daran gewöhnen, dass mein Geburtstag immer auf den Allerseelentag fiel. Einen Tag, der ernst und nachdenklich stimmt. Denn für jeden von uns gilt, was am Eingang des Münchberger Friedhofs seit Jahrhunderten in die Torpfosten gemeißelt steht »Alle hernach«. Lebende und Tote gehören zusammen. Wir haben das gleiche Schicksal und ein gemeinsames Ziel.

Heute, 80 geworden, ist das für mich kein Problem mehr; Leben und Tod, Geborenwerden und Sterben, Lebende und Verstorbene, aufbrechen aus der Zeit in die Ewigkeit, gehören für mich zusammen.

Als Priester wurde ich damit ständig konfrontiert. Mit Geburt und Taufe - mit Sterben, Tod  und Beerdigung. Es war eine fortwährende Alltagserfahrung. Als Kaplan in Forchheim St. Martin hatte ich einmal an meinem Geburtstag drei Beerdigungen zu halten.



2 Der Anfang unseres Lebensweges
2.1 Unser irdisches Leben beginnt nicht mit der Geburt.
Schon neun Monate vorher hat mich Gott als Frucht der Liebesvereinigung meiner Eltern im Leib meiner Mutter mit Leib und Seele geschaffen. Das musste ungefähr der 2. Februar 1933 also Lichtmess gewesen sein; dem Fest der Darstellung des Herrn, da Maria und Josef das Kind Jesus als Erstgeborenen Gott darbrachten.
2.2 So hat es der Schöpfer eingerichtet
  • In der Verschmelzung der für das menschliche Auge unsichtbaren Zellkerne des weiblichen Eies und der männlichen Samenzelle, in denen das ganze Erbe der Mutter und des Vaters einprogrammiert ist, geschieht unsere Menschwerdung, das Wunder des Lebens.
  • Die beiden Zellkerne stehen sich im weiblichen Ei miteinander korrespondierend mehrere Stunden gegenüber bis sie die Vereinigung vollziehen. Am Anfang unseres Lebens steht nicht nur die Liebesvereinigung unserer Eltern sondern als deren Folge die Vereinigung der beiden Zellkerne - ein Ereignis von größter Lebendigkeit.
3  Gott, der Allgegenwärtige, ist bei uns und mit uns von Anfang an
3.1 Davon spricht der Psalm 139
der als Antwort nach der 1. Lesung uns als Wort Gottes singend verkündet wurde.
  • Vor Gott, der Geist ist, kann keiner fliehen, keiner sich verstecken. Er ist vertraut mit allen unseren Wegen.
  • Wer an ihn glaubt und sich mit seiner ganzen Existenz ihm anvertraut, erfährt: "Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich."[1] Aus seiner schöpferischen Liebe bin ich hervorgegangen: "Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter.“[2]
  • Ich kann nur staunen über das Wunder des Lebens, wie es sich aus Kleinstem entfaltet. Heute durch Ultraschall im Mutterleib wahrnehmbar, und doch nicht durchschaubar.
  • Wir können nur staunen über Gottes Schöpfung aus der wir durch die Liebe unserer Eltern geworden sind. Geformt im Dunkel des Mutterleibs und darin von Gott aufgebaut aus dem Stoff des von ihm geschaffenen Kosmos.[3]
  • Noch mehr als unsere Mutter, deren Fleisch und Blut wir in diesen 9 Monaten geworden sind, war und ist Gott mit uns: "Deine Augen sahen, wie ich entstand... meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war."[4]
  • Jeder gezeugte Mensch macht sich vom ersten Augenblick an auf einen das ganze Leben andauernden Weg des Werdens.
3.2 Wir gehören mit unserer ganzen Existenz Gott - dem Freund des Lebens.
  • Auf den ersten Seiten spricht die Bibel davon, dass der Mensch ganz persönlich von Gott geformt und durch seinen Odem angehaucht zum lebendigen Wesen wird.[5] Ijob bekennt: „Gottes Geist hat mich erschaffen, der Atem des Allmächtigen mir das Leben gegeben.“[6]
  • Jeder von uns verdankt seine Existenz dem persönlichen Willen und Odem Gottes. Jeder von uns ist vom ersten Augenblick an von Gott geliebt. Ihm dem „Freund des Lebens“ gehören wir. [7]
Paulus stellt im Römerbrief aber auch fest:
3.3 Gott hat die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen[8]
  • Bei meiner zwei Tage lang dauernden dramatischen Geburt war das Leben von Mutter und Kind stark gefährdet. Die Ärzte sahen das Leben meiner Mutter in Gefahr und wollten es auf meine Kosten retten. „Sie oder das Kind.“ Meine Mutter sagte „nein“.
  • Sie wurde 85 und ich bin jetzt 80. Natürlich bestand die Gefahr, dass ich geschädigt und behindert zur Welt kam. Mein Kopf ist bis heute durch das Trauma der Geburt der empfindlichste Teil meines Körpers.
  • Gott gibt uns das Leben als vergängliches, zeitlich begrenztes. Er kann, ja muss er es uns auch wieder nehmen. Ijob bekennt auf dem Tiefpunkt seines irdischen von Verlusten heimgesuchten Lebens: „Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn.“[9]
Ijob meißelt mit zerfetzter Haut und vom Tod gezeichnet seine Überzeugung für alle Geschlechter in ein Steindokument:
4 "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, als letzter erhebt er sich über dem Staub."[10]
  • Der Glaube an die Gerechtigkeit Gottes, die Überzeugung, dass die Freundschaft Gottes mit einem Menschen den Tod überdauern müsse. Das Wissen um Gottes Macht und Größe: das alles führte zu der Überzeugung, dass der Tod nicht das Ende des Menschenlebens sein kann.
  • Prophetisch schaut Ijob den Erlöser, den Paulus als den „Ersten der Entschlafenen“ bezeichnet und als den Auferstandenen verkündet.[11] Voller Sehnsucht hält Hiob nach ihm Ausschau: "Ihn selber werde ich dann für mich schauen."[12]
  • Gott nimmt uns das irdische Leben nicht, damit wir in bewusstlose Materie zerfallend wieder zu Erde werden. Er nimmt es, damit wir ewig bei ihm in der Fülle seines Lebens und seiner Herrlichkeit selig sind.
  • Darum verheißt Jesus und sein Evangelium den an ihn Glaubenden, ihm Nachfolgenden und den mit ihm in der Eucharistie Einswerdenden „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.“[13]
4.1 Jetzt schon sind wir im Himmel beheimatet.
  • Die dem guten Hirten Gehörenden und auf seine Stimme Hörenden vernehmen die Frohe Botschaft: "Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen."[14]
  • Der Himmel also ist unsere wahre und endgültige Heimat. Dort lässt uns Gott an der Fülle seines Lebens, an seiner alles durchwaltenden Schönheit und Liebe teilhaben.
Wir dürfen also
4.2 Erwartungsvoll dem irdischen Ende entgegengehen
  • Der Geist Gottes hat uns ja zu Söhnen gemacht.[15] Das ist nicht geschlechtsspezifisch zu verstehen, sondern meint, dass Gott in jedem auf Jesus Christus getauften Menschen, seinen Sohn sieht und erkennt. Er ist es, der am Ende unseres irdischen Weges auf uns wartet und uns entgegenkommt. Darum schreibt Paulus den Philippern: "Von dort erwarten wir Jesus Christus, den Herrn, als Retter.“[16] Wenn wir sterben, holt uns also nicht der Tod, sondern Gott holt uns heim durch Jesus Christus seinen geliebten Sohn.
  • In ihm ist der Mensch - und mit ihm der Stoff der Schöpfung - in der Auferweckung von den Toten und der Himmelfahrt schon heimgekehrt an das Herz Gottes. Er verwandelt uns durch seine schöpferische Macht in eine neue Seinsweise. In der Taufe hat Gott schon durch seinen Geist den Keim der Unsterblichkeit in uns hineingelegt. Tief eingepflanzt ist in uns
4.3 Die unstillbare Sehnsucht, geborgen und daheim zu sein.
  • Die beste Mitgift, die Mutter und Vater ihrem Kind mitgeben können, ist jene Urgeborgenheit, die mit der Schwangerschaft beginnt und in den ersten drei Lebensjahren ausgeformt wird.
  • Leute die sich ein Haus gebaut haben, nennen dies ihr Heim, ihr Zuhause. Und Christen bauen sich Kirchen, Gotteshäuser, um darin miteinander bei Gott zuhause zu sein.
  • Aber wir wissen auch, dass wir die irdischen Häuser einmal verlassen müssen. Der Totenschein ist die Entlassungsurkunde aus dem irdischen Haus. Sind wir aber gestorben, werden wir nicht ins Nirgendwo entlassen. Im Evangelium sagt uns Jesus. Gott ruft dich durch mich, der ich dir beim Vater eine Wohnung bereitet habe.[17]
  • Freilich die Sünde - Absonderung von Gott und von Jesus und seiner Kirche verschließen den menschlichen Geist für die unsere Vorstellungen übertreffende Wirklichkeit, „die Gott jenen bereitet, die ihn lieben“[18].
Sie wird uns zuteil durch
4.4 Die Nähe zu Gott und die Freundschaft mit Jesus
  • Je näher ein Mensch Gott seinem Schöpfer ist, je tiefer seine Freundschaft mit Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, umso mehr verliert der Tod seinen Schrecken. »Gott spricht: O Seele suche dich in Mir, und Seele suche Mich in dir.« (Teresia von Avila)
  • Durch Gottes schöpferische Macht wird unsere vergänglich sterbliche Existenz mit Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit bekleidet.[19] Dies verkündend ruft Paulus den Christen in Korinth jubelnd zu: "Verschlungen ist der Tod im Sieg."
  • Angesichts dieser Wahrheit können wir, die Todgeweihten, mit Paulus aufatmend sprechen: "Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn."[20]
5 Es geht aufwärts
5.1 Gott lässt uns nicht aufgelöst im Stofflichen versinken.
  • Er hat uns ja auf sein Bild hin geschaffen, daher gehen wir als Person (als Seele) nicht zugrunde, wir sind von ihm geliebt als einmalige Person, unaustauschbar und unverwechselbar. Er hat uns, wie der Epheserbrief sagt, »in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht“.[21] Das ist uns nicht nur zugesagt. Gott bewirkt in uns
5.2 Vom Tod befreites Lebendigsein durch seinen Geist
  • Durch ihn hat er bei der Taufe seine Liebe in unsere Herzen ausgegossen.[22] Gottes Geist in uns, lässt uns liebevoll zu Gott sprechen: Lieber Gott, der du mich mehr liebst als Vater und Mutter mich je lieben konnten, dein bin ich im Leben und im Tod. Du, der Du mich liebst, dir gehöre ich für immer. Mag geschehen, was will.
  • Aber nicht nur als Person, sondern mit Seele und Leib, Ganzheitlich wird Gott uns verwandeln und erneuern.
  • Göttliches geschieht mit uns durch das rettende Eingreifen Jesu Christi: "Er wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann."[23]
Wir sind also nicht nur geboren, um zu sterben. Wir sind durch Wasser und Geist
5.3 Wiedergeboren zur Fülle des ewigen Lebens im Reich Gottes
  • Meine Eltern haben mich am Tag meiner lebensgefährlichen Geburt taufen lassen. Sie haben mir den Glauben an Gott und seinen Christus gelehrt und vorgelebt.
  • Meine Grundschullehrerin und die geistlichen Lehrer auf dem Weg meines Werdens haben mich auf die Fährte des auferstandenen und beim Vater erhöhten Jesus Christus gewiesen und darin bestätigt. Darum kann ich bekennen:
  • Ich bin wiedergeboren aus Wasser und Geist, um in der Fülle des Lebens und der Liebe Gottes für immer daheim zu sein.
  • Dieses Daheimsein ist nicht nur etwas Zukünftiges, sondern es leuchtet wie das den ewigen Tag Gottes ankündende Morgenrot in meine Seele.
  • Zugleich macht es mich lebens- und leidensstark und todesmutig. Daher werde ich auch angesichts der Todes nicht den Mut verlieren, so schwer mir irdischer Abschied fällt oder der Tod eines geliebten Menschen trifft; doch wir werden uns wieder sehen, freilich durch das Feuer der Liebe Gottes gereinigt von allem, was hier uns beschwert, verletzt oder enttäuscht hat.
6 Weil das so ist, feiert die Kirche den Todestag ihrer Heiligen als Neugeburt, als Geburtstag für den Himmel.
  • Heute hat sich an mir erfüllt, was der Psalm 90 vor dem ewigen Gott ausspricht - vor dem 1000 Jahre wie ein Tag sind, der unsere Zuflucht ist von Geschlecht zu Geschlecht: „Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin.“[24]
  • Auf dem irdischen Weg bin ich also am Ziel. Jetzt geht’s nur noch aufwärts! Beten Sie für mich, dass ich auf diesem Weg mutig und freudig vorangehe.
[1] Ps 139,5
Allerseelen - 80. Geb VD
Allerseelen - 80. Geb VD

[2] Ps 139,13
[3] vgl Ps 139,15
[4] Ps 139,16
[5] vgl.Gen 2,7
[6] Ijob 33,4
[7] Weish 11,26
[8] Röm 8,20
[9] Ijob 1,21
[10] Ijob 19,25
[11] 1 Kor 15,20
[12] Ijob 19,26
[13] Joh 6,54
[14] Joh 10,28
[15] Röm 8,14
[16] Phil 3,20
[17] Joh 14,3
[18] 1 Kor 2,9
[19] 1 Kor 15,53
[20] 1 Kor 15,57
[21] Eph 2,4
[22] Röm 5,5
[23] Phil 3,21
[24] Ps 90,10
Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.Ok, verstanden.