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Lesejahr 2012 (B)

Homilie zu den biblischen Texten am Gedenktag der hl. Rosa von Lima - am 70. Geburtstag von Kattechetin i.R. Gertraud Hümmer

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Das Beste am Leben
1 Sehnsucht
  • Das Tagesgebet beginnt mit der Anrede "Gott, du Sehnsucht der Menschen..." Die Sehnsucht betet immer! (Augustinus)
Die hl. Rosa von Lima steht uns fürbittend zur Seite,
  • »Unseren Weg durch diese Welt so zu gehen, dass wir dich, o Gott, den unversiegbaren Quell der Freude finden.«
  • »Froh zu sein bedarf es wenig und wer froh ist, ist ein König«, singen wir in einem Kanon.
  • Irdische Freuden erfahren wir als etwas Kostbares. Doch wissen wir, sie sind nicht von Dauer. Wir können diese Freuden nicht festhalten. Sie sind vergänglich. Und darin Zeichen der Hoffnung auf endgültige bleibende Erfüllung, auf bleibendes Glück, das in der Sprache der Bibel »ewiges Leben« und »ewige Seligkeit« heißt.
  • Freilich in seiner Gesamtheit entspricht unser Leben eher dem, was der Psalm 90 singt: "Unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es achtzig. Das Beste daran ist nur Mühsal und Beschwer, rasch geht es vorbei, wir fliegen dahin." [1]
  • Mühsal und Beschwer sind die ständigen Begleiter unseres Lebens. Zur Frucht für Gott werden sie wenn sie in Gott getan werden. Wie wird das Leben von Gertraud oder auch von uns dem entsprechend wahrnehmbar?
2 Selbständig und doch Gott zugehörig
  • Mit Augustinus erfährt jeder glaubende Mensch, wir führen zwar ein selbständiges Dasein, aber letztlich gehören wir doch Gott.
  • "Niemand ist sich selbst genug, auch nicht der letzte Grund von sich selbst." [2] Wie kommt beides zusammen Selbständigkeit und Gottzugehörigkeit? Es gilt
2.1 Den vergrabenen Schatz finden
  • Es gibt Augenblicke, an denen wir unsere engen, aus unserem Geschaffensein kommenden Grenzen, erfahren. Wer so wie Du 36 Jahre Religionsunterricht erteilt hat, macht diese Erfahrung ständig.
  •  Und doch hast du diesen Weg des Lebens gewählt und bist bei ihm geblieben, weil du Jesus und sein Evangelium in deiner Jugendzeit als den Schatz im Acker der Welt als die alle anderen Kostbarkeiten des Lebens übertreffende kostbare Perle entdeckt und erworben hast.
  • Das machte dich mutig, nach München zu gehen, die Mittlere Reife nachzuholen und damit zum Studium der Religionspädagogik Zugang zu bekommen.
2.2  Alltagserfahrungen ins rechte Geleis bringen
  • Der Einstieg in den Beruf als Katechetin in Herzogenaurach war mühevoll und ging manchmal über deine Kräfte. Über dreißig Buben in einer Klasse! Was das heißt, weiß nur wer selbst eine solche Erfahrung gemacht hat. Dass auch Lothar Matthäus zu ihnen gehörte, ist auch kein Siegestreffer.
  • Um als allein lebende Frau nicht unterzugehen und nicht den Geschmack am Leben zu verlieren, war der in der Ausbildung euch ans Herz gelegte Rat überlebenswichtig: Jeden Tag dem Leib und der Seele Nahrung zuzuführen. Dir an Leib und Seele Gutes zu tun.
  • So hast Du Dir immer nach dem Unterricht am Nachmittag gekocht und nicht nur Unterricht vorbereitet - was auch wichtig ist - sondern jede Möglichkeit zu einem geistlichen Leben genutzt.
2.3  Anerkennung in der Bindung an den Herrn zu suchen
  • In der Plackerei des Alltags konntest du nur überleben durch die innere Bindung an den Herrn Jesus Christus. Eigenruhm und Selbstempfehlung gehen ins Leere. Ein gutes Gewissen, alles was in deiner Kraft steht, getan zu haben, wird und ist vom Herrn anerkannt.
  • Du hast dich an den Rat des Paulus gehalten: "Wer sich rühmen will, rühme sich des Herrn." Er hat dich in Dienst genommen und gesandt mit dem Auftrag Menschen durch sein Evangelium zu lehren und zu seinen Jüngern zu machen.
  • Dabei durftest du dich des Herrn rühmen, der mit seinem Geist bei dir und bei denen war, die du als Religionslehrerin unterrichtet hast. Dennoch fordert uns Jesus auf: "Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan." [3]
2.4 Das Entscheidende tut er, der uns beauftragt und sendet
  • Daher gehört zu dem Tun einer jeden Dienerin, eines jeden Dieners des Herrn, nicht nur die sorgfältige Vorbereitung des Unterrichts, sondern auch das inständige und unablässige Gebet, um den Geist Gottes für Lehrer und Schüler.
  • Letzte Woche traf ich auf der Geburtstagsfeier einer 90jährigen einen ehemaligen Schüler und Ministranten, der heute als Schulrat tätig ist. Er sagte mir „vor jeder Prüfung, die ich abzunehmen habe, und nach jeder Prüfung gehe ich in die Kirche und bete für den Prüfling und für mich.“ Auch das gibt es, und zwar heute!
3 Dem Ruf nach Neunkirchen gefolgt
Nachdem ab 1984 die Pfarrei keinen Kaplan mehr hatte, hat die Diözese die Stelle für eine Katechetin mit Gemeindeauftrag errichtet und ausgeschrieben. Du hast dich auf meine Bitte hin in Bamberg für diese Stelle beworben und wurdest von der Diözese dafür angestellt. Schwerpunkte deiner Tätigkeit waren
3.1 Religionsunterricht und Kinderseelsorge
  • So wurdest du neben dem RU auch Ansprechpartnerin der Pfarrei in vielen Bereichen, besonders für Kinderseelsorge, aber auch an der Tür und am Telefon des Pfarrhauses. Du wohntest in einer Einliegewohnung des Pfarrhauses zur Miete. Als Kantorin, Lektorin und Kommunionhelferin stehst du bis heute für den Herrn und seiner Kirche zur Verfügung.
3.2  Häusliches gemeinschaftliches Leben im sog. Ruhestand
  • Solange meine Mutter den Pfarrhaushalt führte, warst Du bei uns ein mithelfender Gast bei Tisch. Als meine Mutter schwer erkrankte und 1995 starb, bist du in Bresche gesprungen und hast von da an für den Kaplan und mich das Mittag- und Abendessen bereitet.
  • Als ich 2002 aus gesundheitlichen Gründen in Pension ging, musstest auch Du die Einliegerwohnung im Pfarrhaus räumen.
  • Gerade war das Haus der Erzbischöflichen Seminarstiftung am Mühlweg 2 fertig geworden. Und wir konnten beide je eine Wohnung im Dachgeschoss von der Seminarstiftung mieten.
  • Ich darf weiter bei Dir Gast beim Mittag- und Abendessen sein. Du hältst meine Wohnung sauber, so dass ich mich weiter ganz dem Dienst am Wort Gottes widmen kann. Ich helfe Dir, wenn du am Computer Hilfe brauchst. Ehrenamtlich pflegst du den Barockgarten, der ein Blickfang für viele Passanten ist.
  • Vor allem ist es das gemeinsame Breviergebet am Morgen und am Abend, die gemeinsame Lesung in der Bibel und in den Texten der Kirchenväter und Kirchenmütter, das unserem Tag eine geistliche Kontur gibt. Du unterstützt mich als Kantorin beim Gottesdienst vor allem in den Filialen. Dafür danke ich heute vor Gott und unseren Herrn Jesus Christus aus ganzem Herzen.
  • Diese gemeinsame geistliche Ausrichtung auf den unerschöpflichen Schatz der Kirche Jesu Christi gibt uns die Kraft auf der Höhe des Lebens, du jetzt mit 70, ich nahe 80 den Weg den Weg des Lebens weiter zu gehen dem Himmel entgegen.
4 Das tragende Lebensfundament im Alter

4.1 Die Liebe zur Kirche und ihren geistlichen Schätzen
  • Zu keiner Zeit standen wachen Christen so viele Schätze der Kirche offen wie heute. Es gibt viele wunderbare Bücher über den Glauben. Ich will nur an den Jucat den von Jugendlichen mitgestalteten Katechismus für Jugendliche erinnern, nicht nur für sie.
  • Ich denke an den Katholischen Radiosender Radio Horeb, den du eifrig hörst. An den weltweiten katholischen Fernsehsender EWTN oder an KTV. Ich denke an die täglichen Nachrichten aus dem Vatikan um 16.00 und um 18.00 in Radio Horeb; an die Homepage von Radio Vatikan, die immer aktuell aus Rom informiert.
  • Aber auch an das reiche Gottesdienstangebot in unserer Pfarrei und im Seelsorgebereich Augustinus. Gerade im Ruhestand stehen hier alle Türen des Glaubens für uns offen. Und es ist höchste Zeit, denn wir sind ja schließlich auf dem Höhe- und Endpunkt unseres irdischen Lebens angelangt.
4.2 Die Liebe zur Heiligen Schrift und zum Breviergebet
  • Mit Augustinus beten wir: "Lass deine Schriften meine Lust sein. ...Deine Stimme ist meine Freude." Er ruft seine Gläubigen auf, es ihm nachzutun: "Wir sollen in unserem Herzen ein Nest fur das Wort Gottes bauen." Weiter sagt uns Augustinus: "Wenn wir in Gehorsam auf seine Worte hören, wohnt Er in uns, Er, um den wir bitten."[4] S.28
  • Unsere Beziehung zu Gott ist nicht Abhängigkeit, sondern Anhänglichkeit. Unser Ursprung will auch unser Ziel sein: [5] (ebd. S.13) Bei aller Beschränkung des Daseins wissen wir uns von Gott geschaffen und erlöst, zur Fülle des Lebens bei ihm berufen.
  • Darum ist für uns beide das Lob Gottes im Brevier und in der Eucharistiefeier immer der Ausgangs- und der Gipfelpunkt unseres alltäglichen Lebens.
  • Augustinus hat dies auf unvergessliche Weise am Anfang seiner Bekenntnisse formuliert:
„Und Dich loben will ein Mensch, ein kleines Teilchen deiner Schöpfung; ein Mensch, der mühsam mit sich schleppt die Last seiner Sterblichkeit und in seiner Sündhaftigkeit davon zeugt, dass Du den Hochmütigen widerstehst. Und doch will loben Dich der Mensch, ein kleines Teilchen Deiner Schöpfung. Du selber lässt ihn Freude finden am Singen deines Lobes, denn du hast uns auf Dich hin geschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir.“[6]

[1] Ps 90,10
[2] Tarcisius J. van Bavel, Die Sehnsucht betet immer, Augustins Lehr über das Gebet S.12
[3] Lk 17,10
[4] Die Sehnsucht betet immer S. 28
[5] Die Sehnsucht betet immer S.13
[6] ebd. S.12

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