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Predigten

Tod-Trauer

Messfeier und Beerdigung für Jakob Hans Kraus 81 J.

Zu Beginn der Hl. Messe

Wir haben uns im Namen Jesu versammelt, um auf sein Wort hörend, unseres verstorbenen Bruders Jakob Hans Kraus glaubend zu gedenken. Wir feiern für ihn das Opfer und Mahl Jesu, damit er Anteil erhält an der Frucht des Todes und der Auferstehung des Herrn. Vor den in unserer Mitte gegenwärtigen Herrn schauen wir zurück auf das Leben des Verstorbenen:

Jakob Hans Kraus wurde am 5. Januar 1925 als Ältester von drei Kindern geboren. Mit 18 Jahren wurde 1943 zur Wehrmacht eingezogen. Er meldete sich für den Funkerdienst. Vielleicht war das sein Glück. Darin ausgebildet sezte man ihn an der italienischen und französischen Riviera ein. Nach seiner eigenen Aussage fand er gerade während des Krieges zu eine besonderen Beziehung zur Muttergottes. Er geriet in amerikanische Gefangenschaft, aus der er im Herbst 1945 entlassen wurde.

Am 13.September 1949 heiratete er Kunigunda Derfuß in Großenbuch. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Josef, Rosa und Agnes. Mit Fleiß und Liebe war er in der Landwirtschaft tätig.

Er wurde ein lebendiges Glied unserer Pfarrei und ließ sich für unsere Fililkirche St. Johannes der Täufer in Großenbuch schon als junger Mann in die Pflicht nehmen. 30 Jahre lang war in der Kirchenverwaltung der Filialkirchenstiftung Großenbuch tätig. Die meiste Zeit davon war er der Kirchenpfleger.

Bescheiden aber voller Hingabe widmete er sich dieser Aufgabe. Er verwaltete das ihm anvertraute Gut mit Umsicht und Verlässlichkeit, als wäre es sein eigenes. Im Stillen hat er seine Pflicht getan. Er wollte selber nicht im Mittelpunkt stehen. Immer wieder wurde er in diesem Amt bestätigt, bis er schließlich in die Jahre gekommen den Platz für Jüngere frei machte.

1986 konnte er die liturgiegerechte Umgestaltung und Weihe unserer Kirche St. Johannes der Täufer mitgestalten und miterleben. Als Pfarrer durfte ich ihn, wie schon meine Vorgänger Geistl. Rat Henkel und Geistl. Rat Schmittlein, immer als umsichtigen Helfer, als bescheidenen, freundlichen und wohlwollenden Mitarbeiter für die Kirche unseres Herrn erleben. Dafür danke ich heute mit Ihnen zusammen Gott und natürlich auch ihm von ganzem Herzen. Ich werde ihn immer in guter Erinnerung behalten.

Schwer traf ihn 1987 der Tod seiner Frau. Aber das Leben mit der Kirche, die Mitfeier des sonntäglichen Gottesdienstes gaben ihm Kraft und bewahrten ihn davor, in der Trauer zu versinken und sich vom Leben abzuschließen. Nach dem Tod seiner Frau ist er viel gewallfahrtet. An den Wallfahrtsorten holte er sich in der Gemeinschaft der Glaubenden immer wieder neue Kraft für sein Leben. In der Nähe der Mutter des Herrn wusste er sich dem Himmel nahe. Das während des 2. Weltkrieges gewonnene innige Verhältnis zu ihr hielt sein ganzes Leben an.

Maria ist es ja zu der wir an unser Sterben denkend rufen: "Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes." Das Marienbild unserer Kirche - eine Kopie des berühmten von Matthias Grünewald gemalten Maria Schnee Altars - passt daher gut auf die Titelseite seines Sterbe- und Erinnerungsbildchen. Von Maria geleitet, möge er zu ihrem Sohn Jesus Christus kommen, der zu jedem Glaubenden sagt: "Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt wird leben auch wenn er stirbt."

Bis vor vor drei Jahren nahm Jakob Hans Kraus am Leben des Ortes, der Kirche mit großer Offenheit und Freude teil.
In der Familie seines Sohnes, seiner Schwiegertochter und der Enkel hatte er bis zu seinem Tod sein geborgenes Zuhause. Als er seit drei Jahren immer mehr pflegebedürftig wurde, durfte er im Hause und in der Familie Fürsorge und Hilfe erfahren. Ich danke Ihnen, liebe Ottilie und liebe Josef sehr dafür, dass sie den Vater und Schwiegervater pflegten und dass er daheim sterben durfte.

So wollen wir ihn und uns allen der Liebe und dem Erbarmen Gottes anvertrauen, das in Jesus Christus uns geschenkt ist.
Wir legen das Leben und Sterben des Verstorbenen, aber auch unser eigenes Leben mit seinem Gelingen und Versagen in die gütige Hand unseres gekreuzigten und auferstandenen Herrn.

Kyrie:
Herr Jesus Christus, Mensch geworden, gekreuzigt, gestorben und begraben. Kyrie eleison.
Herr Jesus Christus, vom Vater auferweckt von den Toten. Christe eleison.
Herr Jesus Christus, in die Herrlichkeit des Himmels aufgefahren und doch mitten unter uns. Kyrie eleison.

Bei Gott zuhause[1]

Hoffnungsbilder bei Jesaja

Wie gut, dass wir angesichts des Todes eines lieben Menschen nicht nur auf unsere eigenen menschlichen Worte und Überlegungen angewiesen sind. Sie könnten letztlich nur unseren Schmerz über den unwiederbringlichen irdischen Abschied verstärken.
Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift führt die Gedanken von uns Todgeweihten auf den Pfad des Lebens, den Gott uns weist und in seiner unbegreiflichen Güte eröffnet.

In der Lesung lässt uns Gott durch den Propheten Jesaja einen Blick in jene Zukunft werfen, die den an Gott Glaubenden und auf ihn Vertrauenden zuteil wird.
In den ganzen Menschen ansprechenden Bildern lässt uns Gott jene Seligkeit erahnen, der unser verstorbener Bruder Jakob Hans Kraus schon weit näher ist als wir.
Unter dem Bild des Festmahls mit besten und feinsten Speisen, besten und erlesenen Weinen, will Gott, dass uns das Wasser im Mund zusammenläuft, wenn wir an das denken, was er in seinem Reich für uns bereithält.
Jetzt leben wir noch wie unter einer dichten Wolkendecke, welche die belebende Wärme und die Leben erweckende Kraft der Sonne abhält. Aber Gott wird diese Decke, die ihn in seinem wahren Wesen noch verhüllt, zerreißen. Und alle Völker werden seine lichtvolle, erhellende und Leben spendende Gegenwart erfahren.

Unser Gott ist ein zärtlicher Gott. Wie eine liebende Mutter ihrem verängstigten Kind die Tränen aus den Augen wischt, so wird ER alles von uns nehmen, was uns ängstigt, niederdrückt und unglücklich macht. Und wir dürfen eingehen in die Freude unseres Herrn. „Dann wird unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel sein.“[2]
Gott ist ein liebend zärtlicher Gott, der die Tränen abwischt von jedem Gesicht. Und die an ihn Glaubenden und ihn Liebenden werden ganz glücklich und selig sein. Es geht über jede menschliche Vorstellung, was Gott denen bereitet, die ihn lieben.[3]

So wie Gott sein Volk aus der Unterdrückung durch Moabs Stämme befreit, wird er uns von allem befreien, was unser Leben niederdrückt und elend macht. Wie aber wird diese befreiende Nähe Gottes an uns Wirklichkeit? Die Psalmen lehren es uns: Wir müssen

Bei Gott zuhause sein, bei ihm wohnen

Deshalb werden wir uns bemühen, so zu glauben, zu hoffen und zu lieben, dass Gott der Herr und das Ziel unseres Lebens ist und bleibt. Hans Jakob Kraus war ganz vom Glauben an Gott durchdrungen. Dieser war ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Wie der Psalmensänger verlangte er danach, "Im Haus des Herrn zu wohnen alle Tage meines Lebens, die Freundlichkeit des Herrn zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel."[4]
Ja wer beim Herrn zuhause ist, sich von seinem Wort berühren, von seiner in der Eucharistie sich hingebenden und schenkenden Liebe ergreifen lässt, gewinnt jenes Vertrauen, von dem der Sänger des Psalms 52 singt: "Ich aber bin im Haus Gottes wie ein grünender Ölbaum; auf Gottes Huld vertraue ich immer und ewig."

Die Hoffnung auf den Himmel, die Fülle des Lebens bei Gott, wurde in Jakob Hans Kraus in der Mitfeier der heiligen Messe immer wieder gestärkt. Für ihn war die Feier des Sonntags, wie das 2. Vatikanische Konzil in der Liturgiekonstitution sagt: "Der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt."[5]
Und ich bin der festen Überzeugung, dass die Mitfeier der Eucharistie den Verstorbenen zu einem christlichen Leben bewegte, wie es das Konzil beschreibt:
"Die Liturgie treibt die Gläubigen an, dass sie, mit den österlichen Geheimnissen gesättigt, in Liebe eines Herzens sind; sie betet, dass sie im Leben festhalten, was sie im Glauben empfangen haben; wenn der Bund Gottes mit den Menschen in der Feier der Eucharistie neu bekräftigt wird, werden die Gläubigen von der drängenden Liebe Christi angezogen und entzündet."[6] Die Heilige Schrift bezeugt uns:

Gelebter Glaube hat eine ewige Zukunft

Den Glauben an Gott, der die Liebe ist, hat Jakob Hans Kraus im Alltag gelebt, indem er uns freundlich begegnete, seine Kraft und Fähigkeit seiner Familie und seiner Kirche zur Verfügung stellte.
Da nun Jakob Hans Kraus zum Herrn heimgegangen ist, würde er uns in dieser Stunde mit dem Propheten Jesaja zurufen: "Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat."[7]
Gottes rettende Tat hat sich in der Auferweckung Jesu von den Toten erwiesen. Darum feiern wir jetzt angesichts des Todes unseres verstorbenen Bruders das Opfer und Mahl des Herrn. Darin empfing der Verstorbene zu seinen Lebzeiten und empfangen auch wir Anteil an seinem erlösenden Tod uns seiner selig machenden Auferstehung.
Deshalb dürfen wir voller Zuversicht sein, was des Verstorbenen ewige Zukunft betrifft. Wir bitten Gott darum, dass er jetzt die Seligpreisung des Evangeliums an ihm wahr macht: "Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen."[8]

[1] Homilie zu Jes 25,6-8
[2] Ps 126,2
[3] vgl. 1Kor 2,9
[4] Ps 27,4
[5] Liturgiekonst. SC 10
[6] SC 10
[7] Jes 25,9
[8] Mt 12,37

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