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Allerseelen 2008

Homilie am Sonntag Allerseelen in St. Michael Neunkirchen, meinem 75. Geburtstag

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Das Fest aller Seelen, die Gott lieben
Lebende und Verstorbene

In meinem Leben musste ich mich daran gewöhnen, dass mein Geburtstag immer auf den Allerseelentag fiel. Einem Tag, der ernst, nachdenklich stimmt. Denn für jeden von uns gilt, was am Eingang des Münchberger Friedhofs seit Jahrhunderten in den Torpfosten gemeißelt steht »Alle hernach«. Lebende und Tote gehören zusammen. Wir haben ein gemeinsames Ziel und das gleiche Schicksal.
  • Heute, 75 geworden, ist das für mich kein Problem mehr; Leben und Tod, Geborenwerden und Sterben, Lebende und Verstorbene, aufbrechen aus der Zeit in die Ewigkeit, gehören für mich zusammen. Als Priester wurde ich damit ständig konfrontiert. Mit Geburt und Taufe - mit Sterben und Beerdigung. Es war eine fortwährende Alltagserfahrung.
  • Lothar Zenetti, Studentenseelsorger in Frankfurt/M hat 1970 mitten in der Studentenrevolte der 68er dazu ein dreistrophiges Lied geschrieben, das wenig später in das Gotteslob aufgenommen wurde: Im der ersten Strophe heißt es:
Wir sind mitten im Leben
Zum Sterben bestimmt;
Was da steht, das wird fallen.
Der Herr gibt und nimmt.

Wir gehören mit unserer ganzen Existenz dem Gott des Lebens

In der Liebesvereinigung meiner Eltern hat er mich geschaffen. Auf den ersten Seiten spricht die Bibel davon, dass der Mensch ganz persönlich von Gott geformt und durch seinen Odem angehaucht zum lebendigen Wesen wird.[1] Jeder von uns verdankt seine Existenz dem persönlichen Willen und Odem Gottes, der Schöpfer und Herr unseres Lebens ist. Allen Geschöpfen haben wir diese einmalige Würde voraus.

Paulus stellt im Römerbrief aber auch fest

 Gott hat die Schöpfung der Vergänglichkeit unterworfen.[2]

Er hat uns das Leben als vergängliches, zeitlich begrenztes gegeben. Er kann, ja muss er es uns auch wieder nehmen. »Der Herr gibt und nimmt«. Er nimmt uns das irdische Leben nicht, damit wir in bewusstlose Materie zerfallend wieder zu Erde werden. Vielmehr sagt uns Jesus und sein Evangelium, die an ihn Glaubenden und ihm Nachfolgenden seien

Jetzt schon im Himmel beheimatet.

Die dem guten Hirten Gehörenden und auf seine Stimme Hörenden hören die Frohe Botschaft: "Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen." [3] Der Himmel also ist unsere wahre und endgültige Heimat. Dort lässt uns Gott an der Fülle seines Lebens, an seiner alles durchwaltenden Schönheit und Liebe teilhaben. Wir dürfen also

 Erwartungsvoll dem irdischen Ende entgegengehen

Der Geist Gottes hat uns ja zu Söhnen gemacht.[4] Das ist nicht geschlechtsspezifisch zu verstehen, sondern meint, dass Gott in jedem auf Jesus Christus getauften Menschen, seinen Sohn sieht und erkennt. Er ist es, der am Ende unseres irdischen Weges auf uns wartet und uns entgegenkommt. Darum schreibt Paulus den Philippern: "Von dort erwarten wir Jesus Christus, den Herrn, als Retter."[5] Wenn wir sterben, holt uns also nicht der Tod, sondern

Gott holt uns heim durch Jesus Christus seinen geliebten Sohn.

 In ihm ist der Mensch, und mit diesem der Stoff der Schöpfung, in der Auferweckung von den Toten und der Himmelfahrt schon heimgekehrt an das Herz Gottes. Er verwandelt uns durch seine schöpferische Macht in eine neue Seinsweise. In der Taufe hat Gott schon durch seinen Geist den Keim der Unsterblichkeit in uns hineingelegt. Tief eingepflanzt ist in uns

Die unstillbare Sehnsucht, geborgen und daheim zu sein.

Leute die sich ein Haus gebaut haben, nennen dies ihr Daheim, ihr Zuhause. Und Christen bauen sich Kirchen, Gotteshäuser, um darin miteinander bei Gott zuhause zu sein. Und es wird wahr, was wir singend von Gott erbitten: "O lass im Hause Dein uns all geborgen sein."[6]
Aber wir wissen auch, dass wir die irdischen Häuser einmal verlassen müssen. Der Totenschein ist die Entlassungsurkunde aus dem irdischen Haus. Sind wir aber gestorben, werden wir nicht ins Nirgendwo entlassen. Im Evangelium sagt uns Jesus. Gott ruft dich durch mich, der ich dir beim Vater eine Wohnung bereitet habe.[7] Freilich die Sünde

Die Absonderung von Gott trübt den Blick

für die all unsere Vorstellungen übertreffende Wirklichkeit, die Gott jenen bereitet, die ihn lieben.[8] Je näher ein Mensch Gott seinem Schöpfer ist, je tiefer seine Freundschaft mit Jesus, dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn, umso mehr verliert der Tod seinen Schrecken.
Durch Gottes schöpferische Macht wird unsere vergänglich sterbliche Existenz mit Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit bekleidet.[9] Dies verkündend ruft Paulus den Christen in Korinth jubelnd zu: "Verschlungen ist der Tod im Sieg." Angesichts dieser Wahrheit können wir, die Todgeweihten, mit Paulus aufatmend sprechen: "Gott aber sei Dank, der uns den Sieg geschenkt hat durch Jesus Christus, unseren Herrn." [10]
Darum können wir in der 2.Strophe unseres Liedes singen:

Wir gehören für immer
Dem Herrn, der uns liebt;
Was auch soll uns geschehen,
Er nimmt und er gibt.

Gott lässt uns nicht aufgelöst im Stofflichen versinken.

Er hat uns ja auf sein Bild hin geschaffen, daher gehen wir als Person (als Seele) nicht zugrunde, wir sind von ihm geliebt als einmalige Person, unaustauschbar und unverwechselbar. Er hat uns, wie der Epheserbrief sagt, »in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht“.[11]
Das ist uns nicht nur zugesagt. Gott bewirkt in uns

Vom Tod befreites Lebendigsein durch seinen Geist.

Durch ihn hat er bei der Taufe seine Liebe in unsere Herzen ausgegossen.[12] Gottes Geist in uns, lässt uns Gott daher liebevoll ansprechen: Lieber Gott, mein guter Vater, dein bin ich im Leben und im Tod. Du, der Du mich liebst, dir gehöre ich für immer. Mag geschehen, was will.

 

Aber nicht nur als Person, sondern mit Seele und Leib,

Ganzheitlich wird Gott uns verwandeln und erneuern.

Göttliches geschieht mit uns durch das rettende Eingreifen Jesu Christi: "Er wird unseren armseligen Leib verwandeln in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann." [13]

Es wird wahr, was wir in der dritten Strophe singen:

Wir sind mitten im Sterben
Zum Leben bestimmt;
Was da fällt, soll erstehen.
Er gibt, wenn er nimmt.

Wir sind also nicht nur geboren, um zu sterben.

Meine Eltern haben mich einen Tag nach meiner lebensgefährlichen Geburt taufen lassen. Sie haben mich im Glauben an Gott und seinen Christus erzogen. Meine Grundschullehrerin und die geistlichen Lehrer auf dem Weg meines Werdens haben mich auf die Fährte des auferstandenen und beim Vater erhöhten Jesus Christus gewiesen und darin bestätigt. Darum kann ich bekennen:
Ich bin wiedergeboren aus Wasser und Geist, um in der Fülle des Lebens und der Liebe Gottes für immer daheim zu sein.
Dieses Daheimsein ist nicht nur etwas Zukünftiges, sondern es leuchtet wie das den ewigen Tag Gottes ankündende Morgenrot in meine Seele. Zugleich macht es mich lebens- und leidensstark und todesmutig. Daher werde ich auch angesichts der Todes nicht den Mut verlieren, so schwer mir irdischer Abschied fällt und der Tod eines geliebten Menschen trifft; doch wir werden uns wieder sehen, freilich durch das Feuer der Liebe Gottes gereinigt von allem, was hier uns beschwert, verletzt oder enttäuscht hat.
 An jenem Tag der erfüllten Hoffnung werden auch wir sagen dürfen, was der Prophet Jesaja ankündigt: "Seht, das ist unser Gott, auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt, er wird uns retten. Das ist der Herr, auf ihn setzen wir unsere Hoffnung. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat."[14]
Weil das so ist, feiert die Kirche den Todestag ihrer Heiligen als Neugeburt, als Geburtstag für den Himmel.


[1] Vgl Gen 2,7
[2] Röm 8,20
[3] Joh 10,28
[4] Röm 8,14
[5] Phil 3,20
[6] Gl 639/1
[7] Joh 14,3
[8] 1 Kor 2,9
[9] 1 Kor 15,53
[10] 1 Kor 15,57
[11] Eph 2,4
[12] Röm 5,5
[13] Phil 3,21
[14] Jes 25,6a.7-9

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