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Lesejahr B 2018/12 - 2019/11

Predigtthema: Platzordnung bei Gott

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Inhaltsangabe
Die ersten Plätze - die Platzordnung Gottes
Die ersten Plätze sind begehrt
Beim der Kampf um die ersten Plätze begegnen uns zwei Typen von Menschen:
1. Hochstapler - Tiefstapler
2. Platzordnung bei Gott
2.1 Um die ersten Plätze geht es in Wirtschaft und Gesellschaft
2.2 Den Kampf um die ersten Plätze gibt es auch im  Zusammenleben der Völker
2.3 Der Kampf um die ersten Plätze spielt auch im privaten Bereich eine wichtige Rolle
2.4 Und wie steht es mit der Kirche, mit der Gemeinschaft der Erlösten?
4. Die Forderung des Evangeliums

Die ersten Plätze
Die ersten Plätze sind begehrt. Darum geht es in allen Disziplinen des Sports, darum geht es heute bei der Wahl in Sachsen und Brandenburg. Die Gewinner werden hoch gepriesen, die Verlierer schnell vergessen. Sind sie als Menschen deshalb weniger wert? Keineswegs! Im Gegenteil Jesus holt, die ganz unten sind nach vorne. Gibt ihnen ihre Würde zurück.
Beim der Kampf um die ersten Plätze begegnen uns zwei Typen von Menschen:
1 . Hochstapler - Tiefstapler
Hochstapler sind bekanntlich Menschen, die alles dransetzen, um besser und tüchtiger zu erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind.
Wenn jemand das Gegenteil macht, also sich absichtlich schlechter hinstellt, als er ist, das nennt man tiefstaplen. Zu solchen Leuten sagen wir: Nur keine falsche Bescheidenheit!  Von echter Bescheidenheit oder gar Demut ist der Tiefstapler weit entfernt.  Er stapelt tief aus Berechnung, z.B. um als besonders demütig und bescheiden dazustehen, demütiger und bescheidener als die anderen.
  Es ist leicht zu durchschauen, der Tiefstapler tut dasselbe wie der Hochstapler: Er stapelt nach unten hin hoch, tarnt den Hochmut als Demut. Ein jüdisches Sprichwort trifft den Nagel auf den Kopf: „Mach dich nicht so klein," mahnt es, "so groß bist du ja gar nicht!“
2. Platzordnung bei Gott
Im heutigen Evangelium geht es ganz bestimmt nicht darum, die Kirchenbesucher als demütig oder hochmütig einzustufen, je nach dem welche Plätze sie sich in der Kirche aussuchen. Häufig gehört bei uns mehr Demut dazu in die ersten Bänke zu gehen, weil man da den Blicken aller ausgesetzt ist, während man in den letzten Bänken alles überblicken kann.
Jesus nimmt vielmehr das Gerangel um die ersten Plätze bei einem jüdischen Gastmahl zum Anlass, seinen Jüngern zu zeigen, worauf es im Volk Gottes ankommt, was vor Gott zählt.
Die Bedeutung eines Menschen vor Gott hängt nicht davon ab, welche gesellschaftliche Stellung einer hat. Oder dass er in einer Spitzenmannschaft der Bundesliga spielt und viel Geld verdient. Auch nicht, ob er bei Olympia eine Medaille gewinnt, oder bei der Wahl ein Spitzenergebnis erzielt.
Es kann der Spieler eines unbekannten C‑Klassenvereins, den kaum jemand kennt und der für sein Spiel keinen Pfennig bekommt, vor Gott wertvoller und bedeutender sein, weil er sich noch Zeit nimmt für Gott, den Sonntag heiligt und den Gottesdienst mitfeiert, mit seiner Zeit und seinem kleinen Geld sich für Gott und die Menschen einsetzt.
2.1  Um die ersten Plätze geht es in Wirtschaft und Gesellschaft.
Dem einen fallen sie aufgrund seiner Geburt zu, der andere muss sie sich im harten Konkurrenzkampf erwerben. Manche kommen nur nach oben auf dem Rücken der Schwächeren oder auf Kosten anderer.
Freilich, wer mehr Gaben und Kraft von Gott bekommen hat, muss auch mehr leisten. Aber das darf ihn nicht dazu verleiten, auf die Schwächeren verächtlich herabzusehen.
Denn Gott kennt kein Ansehen der Person, er schaut nicht auf das Vermögen eines Menschen, sondern ins Herz. Bei ihm sieht die Rangordnung anders aus: "Die Mächtigen stürzt er vom Thron und die Niedrigen hebt er empor." So singt Maria im Magnifikat.
2.2 Den Kampf um die ersten Plätze gibt es auch im  Zusammenleben der Völker
Dieser Kampf zieht eine breite Spur von Blut nach sich: Gewalt, Ausbeutung, Ausrottung ganzer Völker und Rassen, Folter und Mord bis auf den Heutigen Tag. Die gewaltigen Rüstungsanstrengungen der Völker sind ein schreckliches Symptom dafür. Sie verschlingen menschliche Intelligenz, Arbeitskraft, Geld und Material. Rüstung tötet heute schon, weil sie uns die Mittel raubt, die wir bräuchten, um den Armen und Hungernden zu helfen. Darum muss eine kontrollierte Abrüstung das Bestreben aller Christen sein. „Gerechtigkeit schafft Frieden" sagt uns die Kirche.
Vor Gott hängt der Wert eines Volkes nicht von seiner Wirtschafts­kraft oder seinen gewonnenen Kriegen ab, sondern davon, ob von diesem Volk Gerechtigkeit und Gottesfurcht ausgeht. Auch da könnte mancher von den Ersten Letzte werden.
2.3 Der Kampf um die ersten Plätze spielt auch im privaten Bereich eine wichtige Rolle.
Wie viele Familien sind an diesen internen Machtkämpfen schon zerbrochen: Wer ist der Herr im Haus? Wer hat das Sagen? Wer hat die Hosen an? Machen die Kinder, was sie wollen?
Im Epheserbrief wird die christliche Familienordnung so beschrieben: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“[1] In gemeinsamer Ehrfurcht vor Christus sollen alle Familienangehörigen einander begegnen. Nicht das wird vor Gott zählen, dass du daheim alle im Griff hattest, dass alle nach deiner Pfeife tanzen mussten, sondern ob du allen gedient hast.
2.4 Und wie steht es mit der Kirche, mit der Gemeinschaft der Erlösten?
  Auch sie hat sich immer wieder, weil sie halt aus sündigen Menschen besteht, zu diesem Kampf um die ersten Plätze verführen lassen:
  Kampf um die Macht, Koalition mit den Mächtigen, um selber mächtig zu werden.
  Kirche muss offen sein für alle Menschenkinder, auch für die in Politik und Wirtschaft Verantwortung Tragenden. Aber sie muß vor allem offen und da sein für jene, die uns unseren Einsatz nicht vergelten können: die Armen, Hungernden, Verstümmelten, Lahmen und Blinden, die heranwachsenden Kinder im Leib ihrer Mutter, die Babies, die von einer Behinderung bedroht sind und heuten zu 90 % abgetrieben werden. Dieser Einsatz muß in der eigenen Gemeinde anfangen und bis an die Grenzen der Erde reichen.
Mitten unter uns gibt es Menschen an Leib und Seele leiden, die arm und übel dran sind. Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit, unsere Zuwendung unsere diskrete Hilfe. Mitten unter uns gibt es Behinderte, Menschen, die leiblich, seelisch oder geistig eingeschrenkt sind. Sie warten darauf, daß wir in ihnen das Antlitz Christi entdecken und ihre Würde ernst nehmen.
Mitten unter uns sind Menschen, die lahm geworden sind, jeden Schwung verloren haben, nicht mehr den Weg zu sich selber, zum Mitmenschen und zu Gott finden. Sie brauchen mitreißende Brüder und Schwestern, die sie bei der Hand nehmen.
Mitten unter uns sind Blinde, die nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen, wo es lang geht in ihrem Leben, die keinen Ausweg aus ihren persönlichen Schwierigkeiten mehr sehen. Sie brauchen erleuchtete Freunde, die mit Takt und Verschwiegenheit sich ihrer und ihrer Probleme annehmen. Natürlich ist es angenehm mit der Clique, den Vereinskameraden, mit Gleichgesinnten, mit Freunden zusammen zu sein, die einen mögen, die einen wieder einladen.
Vor dem Herrn aber zählt vor allem, ob du einem geholfen, auf die Beine geholfen, wieder Lebensmut gegeben, den Weg gezeigt hast, der es dir nicht vergelten konnte. Dabei haben die in der Kirche, die leiten und führen oder Titel haben, den anderen nichts voraus, im Gegenteil Jesus Sirach mahnt: "Je größer du bist, umso mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott.“
Der heilige Augustinus, dessen Gedenktag wir am Mittwoch feierten, sagt klar und deutlich: "Mit euch bin ich Christ, für euch Bischof." Vor Gott wird also zählen, ob ich ein echter Christ war und ob ich als Priester dem Herrn und seiner Gemeinde mit ganzer Kraft gedient habe.
4.    Die Forderung des Evangeliums
Jeder von uns wird heute von Jesus im Evangelium aufgefordert sich am Tisch Gottes an den letzten Platz zu setzen. Das ist keine Anweisung für besonders Schlaue: Setz dich auf den letzten Platz, damit du dann vor aller Augen nach oben gebeten wirst. Tiefstapelnde Hochstapler sind nicht gefragt.
  Hier geht es um den Tisch Gottes, an dem man weder Plätze mieten noch kaufen kann. Diese Plätze werden alle verschenkt. Das befreit von dem Druck der Selbstbehauptung vor Gott und den Menschen.
Natürlich sollen wir unsere ganze Kraft und Phantasie aufwenden,   um Gott der uns mit zuvorkommender Liebe geliebt hat zu gefallen, aber ohne Anspruch.
Jesus hat sich durch sein eigenes Leben und Verhalten auf den letzten Platz gesetzt. Daher konnte er sich auch zu denen setzen, zu denen sich sonst keiner setzte. Er lädt uns ein, das gefährliche und tödliche Gerangel um die ersten Plätze im öffentlichen und privaten Bereich zu lassen.
Wenn wir uns dazu aufraffen, brauchen wir keine Angst vor dem Gericht Gottes zu haben. Gott wird uns ganz gewiss einen Platz an seinem Tisch zuweisen, wo wir ganz glücklich und zufrieden sind.

[1] Eph 5,21
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