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Predigten

2005

Ambrosius – Bischof in schwieriger Zeit

Kontext seines Lebens

Den Lebensweg eines berühmten Menschen, eines großen Heiligen, uns im Nachhinein vor Augen haltend, erkennen wir darin das geheimnisvolle Wirken Gottes.
Ambrosius wurde 339 als der Sohn eines hohen römischen Verwaltungsbeamten in Trier geboren. Also, was lag da näher, als in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Er wurde Staatsbeamter. Seine Begabung und sein Organisationstalent wurde schnell erkannt.
Schon in jungen Jahren wurde er Provinzstatthalter von Ligurien und Ämilien mit der Hauptstadt Mailand, die zugleich Regierungssitz des Kaisers war.
Die christliche Kirche war zwar staatlich anerkannt, aber auch das Heidentum war vor allem in den besseren Kreisen noch stark verbreitet. Die Kirche aber war in sich gespalten in Katholiken und Arianer. Diese leugneten, dass Jesus Gott und Mensch zugleich ist. Für sie war er ein über alles Geschaffene erhabenes Geschöpf Gottes. Das Konzil von Nizäa hatte dieses Denken als Irrlehre verurteilt, weil es die Wahrheit von der Erlösung durch Jesus Christus gefährdete. Weil der Mensch Jesus zugleich Gott ist, „gezeugt nicht geschaffen,“ konnte er uns erlösen.

Die Bischofswahl in einer gespaltenen Kirche

Auch der damalige Bischof von Mailand Auxentius hing dem arianischen Christusverständnis an. Als dieser starb befürchtete Ambrosius eine stürmische Bischofswahl. Deshalb begab er sich als Präfekt (Regierungspräsident) in die Bischofskirche, um die Gemeinde zu ermahnen.
Ambrosius war noch nicht getauft. War aber von seiner tieffrommen Mutter christlich erzogen worden. Auch die Jungfrauenweihe seiner Schwester in Rom und die Totenrede auf seinen Bruder Satyrus sprechen von der christlichen Gesinnung der Seinen.[1] So können wir vermuten, dass ihn bei seinem Gang in die Bischofskirche nicht nur politische Interessen leiteten, sondern auch christliche Verantwortung antrieb.
Wie sein Täufling Augustinus wurde auch Ambrosius durch eine Kinderstimme berufen. Als Ambrosius an die Gemeinde seine Ermahnung richtete, rief ein Kind: ,,Ambrosius - Bischof!" Innerhalb acht Tagen wurde Ambrosius getauft und schließlich am 7. Dezember 374 zum Bischof geweiht. Dieser Weihetermin ist Gedenktag des Heiligen geworden. Es war der Geburtstag eines großen Bischofswirkens.[2] Er war gerade 35 Jahre alt.

Beginn eines neuen Lebens

Dennoch eröffnet die Bischofsweihe für Ambrosius innerhalb von wenigen Tagen ein neues Leben. Mit großer Konzentration arbeitete er sich in sein neues Amt ein.
Der Beamte wird zum Aszeten, der Jurist wird Theologe, der Verwaltungsfachmann wird Hymnendichter. Der Lateiner wird zum großen Vermittler griechischen theologischen Gedankengutes, besonders des Origenes, an die lateinische Kirche. In den dreiundwanzig Jahren seines Getauftseins und seines Bischofsamtes wird er zum ersten Kirchenvater der lateinischen Kirche.
Seine Hymnen singen wir heute noch im Stundengebet und im Gotteslob. Die zwei ersten Verse der Lesung aus dem Propheten Jesaja sind der Schluss eines Gedichts über die Größe Gottes. Diese Größe Gottes zu besingen wurde Ambrosius nicht müde. Ich erinnere an das Eingangslied, aber auch an das Te Deum, das "Großer Gott wir loben dich". Auf dem die Taufe des Augustinus darstellenden Fresko in der Augustinuskapelle stehen daher über dem Kopf des taufenden Bischofs Ambrosius die Anfangsworte dieses Hymnus: Te deum laudamus.[3]
Er führte die von ihm gedichteten Hymnen nach östlichem Vorbild in die lateinische Liturgie ein. Diese Gesänge überwältigten den suchenden noch nicht getauften Augustinus. Im 10. Kapitel seiner Bekenntnisse schreibt er seiner Tränen gedenkend, "die ich vergoss bei den Gesängen deiner Kirche bei meiner Bekehrung und dass ich auch jetzt noch bewegt werde nicht durch den Gesang, sondern durch den Inhalt des Gesanges, dass er mit fließender und passendster Melodie gesungen wird."[4]
Durch das Studium vor allem der griechischen Kirchenväter erwarb er sich ein theologisches Wissen, das sich harmonisch mit seiner antik-römischen Bildung verband. Er diente durch Predigten und Schrifterklärungen dem Glaubenssinn seiner Zuhörer (unter denen sich Augustinus befand). Seine Homilien zum Lukasevangelium sind uns erhalten.
Ambrosius war ein Vertreter und Förderer des asketischen Lebens; er zeigte Maria als das Vorbild der Gott geweihten Jungfrauen und war selbst ein großer Marienverehrer.
Mit Politik aus Erfahrung vertraut, verteidigte er die Kirche von Mailand gegen die Ansprüche der verschlagenen arianischen Kaiserin Justina, wehrte staatliche Übergriffe auf kirchliche Bereiche ab („Der Kaiser steht innerhalb der Kirche, nicht über ihr“).[5]
Er weist aber auch den gläubigen Kaiser Theodosius zurecht, als er Terror und Massaker verübt. Er zwingt den Kaiser zur öffentlichen Kirchenbuße. Aber seine Waffe ist das Schwert des Geistes und des Wortes und des Gebetes.

Sein verantwortlicher Umgang mit dem Wort

gilt für alle Zeiten, vor allem für jene, die in der Kirche oder im öffentlichen Leben Verantwortung tragen: „Ist einer im Reden behutsam, so wird er milde, sanft und bescheiden. Wenn er nämlich den Mund hält und seine Zunge beherrscht und nicht redet, bevor er seine Worte geprüft und abgewogen hat und überlegt hat, ob dies zu sagen sei, ob es diesem Menschen gegenüber zu sagen sei, so übt er in der Tat Bescheidenheit, Sanftmut und Geduld.“
Die Predigten des heiligen Ambrosius ergeben ein theologisches Werk. Es ist geprägt von tiefer Innigkeit, persönlicher Frömmigkeit und Freude in der Liturgie. Oft ist er noch „menschlicher" als Augustinus.
An ihm sind die Worte der Lesung wahr geworden: "Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt."[6]
Ambrosius war ein Christ und Bischof, der in der beginnenden Völkerwanderung von vielen kirchlichen und politischen Problemen bedrängt lebte. Aus dem Geist der Psalmen speiste sich sein Gebet. Das wird sichtbar in seiner Todesstunde:
Er starb, achtundfünfzig Jahre alt, als er sein Gebet zu Ps. 44,24 diktiert hatte. Darin ruft der Beter zu Gott: „Wach auf! Warum schläfst du, Herr? Erwache, verstoß nicht für immer!"
Seine dreiundzwanzig Jahre im kirchlichen Dienst brachten der Christenheit reiche Saat und Ernte. Der aus dem Griechischen kommende Name Ambrosius bedeutet »der Unsterbliche«.

[1] Theodor Schnitzler, Die Heiligen im Jahr des Herrn, S. 23
[2] Schnitzler S.23
[3] Fresko 1428 »Taufe des hl. Augustinus durch Ambrosius« im Chor der Augustinuskapelle in Neunkirchen a.Br.
[4] Augustinus, Confessiones Kap. 10
[5] Schott Messbuch für die Wochentag I S.1418
[6] Schott Messbuch I. S.1418

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