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Predigten

2005

Homilie Weish 7,22 - 8,1

Heute scheint die menschliche Vernunft entfesselt.

Das Wort hat eine doppelte Bedeutung: Sie scheint entfesselt, nämlich befreit - von einengenden Vorschriften, von Bevormundungen, von Dogmatismen. Es hat Jahrhunderte gedauert, bis die Kirche gelernt hat, der forschenden Vernunft Freiheit zuzugestehen. Symbol dafür ist Galileo Galilei: erst 1992 hat Papst Johannes Paul II. eingestanden, dass die Kirche im Unrecht war, als sie ihn gezwungen hatte, seine Einsichten zu verleugnen. Wenn wir freilich sagen müssen, auch das Weltbild Galileis war ein vorläufiges.

Die entfesselte Vernunft kann aber auch - und das ist die zweite Bedeutung - Angst machen. Die Französische Revolution hat zwar das vielfach ungerechte Feudalsystem gestürzt und sich Liberté, Egalité, Fraternité - Freiheit, Gleicheit, Brüderlichkeit auf die Fahnen geschrieben. Aber sie hat auch die Göttin Vernunft in Gestalt einer »oben ohne Frau« auf den Altar gesetzt. Undr sie hat auch die Gioltine, die Maschine zum Köpfen von Menschen geschaffen, hat Kirchen geschändet, Mönche und Nonnen gemordet und Klöster und Kirchen zerstört.

In der modernen Biologie werden im Namen der Forschung Fragen gestellt, für die es auch in der Tradition der Kirche noch keine einfachen Antworten gibt. Oft werden aber auch ethische Grenzen einfach eingeebnet. Man darf nicht alles tun, was man tun kann - aber wo liegen die Grenzen?

Die Lesungen, die wir heute gehört haben, machen uns Mut Weisheit zu suchen:

Mag uns auch vieles verwirren und in die Irre führen, die Weisheit Gottes wird das letzte Wort haben. Und wer genau hinhört, vernimmt sie auch heute. Das lateinische Wort für Weisheit Sapientia hat seinen Ursprung in sapere=schmecken. Es geht darum mit allen Sinnen die Wirklichkeit zu erfassen. Weise werden wir, wenn uns die Dinge so schmecken, wie sie sind. Es geht also bei allem Suchen nach Weisheit darum, dem Ursprung, dem Zusammenhängen und Ziel, also dem Sinn der Dinge auf den Grund zu gehen. Das ist oft mühevoll, aber der alleinige Weg zu wirklicher Erkenntnis.

Papst Leo hatte seinen Geist und seinen Charakter an der Bibel geschult.

Während meines Studiums, als in unserer Kirche biblische Predigten selten waren, bekam ich eine kleine Schrift mit einer Predigt des Papstes Leos des Großen am Ostermorgen in die Hand. Ganz nah am Text des Evangeliums geht er auf die Begegnung Jesu mit Maria von Magdala und auf die Frage Jesu an diese ein "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier; Er ist auferstanden."

Diese Osterpredigt Leos hat mich tief bewegt. Sie hat mir gezeigt, welch große Kraft im Evangelium verborgen ist und welch wunderbare Aufgabe es ist, diesen Schatz zu heben und den Menschen zu schenken. Weil Leo so viel Weisheit durch das Evangelium Jesu empfangen hatte, konnte er auch den vielen und schweren Aufgaben im Durcheinander seiner Epoche erfüllen.

Leos Wirken für Kirche und Welt

Von Leo haben Kirche und Papsttum, Glaube und Theologie, Kultur und Weltpolitik bedeutende Anregungen empfangen. Als Archidiakon seines Vorgängers Cölestin l., hatte die Funktionen des heutigen Kardinalstaatssekretärs inne. Als er zum Bischof von Rom gewählt wurde, war er nicht in der Stadt anwesend. Er befand sich auf einer Legationsreise in Gallien. Am 29.September 440 wurde er geweiht.

Seine Hauptsorge war der Glaube. Schon als Archidiakon hatte er den Abt Kassian veranlasst, seine Schrift "De incarnatione Domini" zu schreiben. Die Inkarnationslehre, die Wahrheit von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, wurde für Papst Leo der große Auftrag. Aber gerade weil ihm die Menschwerdung Gottes so amHerzen lag, kümmerte es sich um die geistlichen und weltlichen Bedrohungen seiner ihm anvertrauten Menschen. Mit Energie wandte sich Leo gegen die Priscillianer in Spanien, gegen den Pelagianismus und Manichäismus inItalien, die die Erlösung durch Christus in Frage stellten und Erlösung durch eigene Anstrenungen forderten. Solche Sekten gibt es auch heute zuhauf. Dann ordnete Leo die kirchlichen Verhältnisse in Nordafrika, Gallien und Illyrien.

Von weltpolitischer Bedeutung war sein Auftreten gegen Attila in Mantua 452. Keine wunderbaren Erscheinungen, sondern der Eindruck der Persönlichkeit Leos veranlaßte Attila, sich mit seinen Hunnen über die Alpen zurückzuziehen. Ebenso verhandelte er 455 mit Geiserich, erreichte aber nur, dass die Vandalen Rom von Brand und Mord verschonten.

Höhepunkt seiner Weltpolitik war wohl schon vorher 450 der Staatsbesuch des oströmischen Kaiser Valentinians III. mit Kaiserin Eudokia und Kaisermutter Galla Placidia in Rom, wobei der Kaiser dem heiligen Petrus huldigte und die Primatialgewalt reichsgesetzlich verankerte.

Leo hat uns etwa hundert Predigten hinterlassen, eine Sammlung von Briefen und Beiträge zur Liturgie. In allen leuchtet seine kristallklare Formulierung, seine liebenswürdige Redekunst. Predigend wird er zum Dichter, der im Gleichmaß der Verse des Cursus spricht. Wo man ihn studiert, erweist er sich als "der Große". Er starb am 10. November 461. Sein Grab ist in Sankt Peter, links von der Apsis.

Aus der Weisheit Gottes leben

Ganz aus der göttlichen Weisheit lebend trifft auf ihn zu, was wir in der Lesung gehört haben: "Sie ist der Widerschein des ewigen Lichts, der ungetrübte Spiegel von Gottes Kraft, das Bild seiner Vollkommenheit."

Wer sich um Weisheit müht, läßt sich ja tatsächlich auf die Kraft ein, welche die ganze Welt und ihre Geschichte durchdringt und gestaltet.

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