http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/pfarreien/seelsorgebereiche2008/
neuigkeiten.html
Mittwoch 10.06.2026, 15:55 Uhr
(c) 2026 Seelsorgebereiche ab 2008

Pfarrgemeinden als Brückenbauer
Zwei Pastoralreferenten geben Denkanstöße für den gemeindlichen Alltag
Die Pfarrgemeinden sind herausgefordert, ihr Selbstverständnis zu klären. Unser Foto zeigt die Nürnberger Großstadtpfarrei Herz Jesu, die sich als „Gemeinde mit Herz“ in einem Festgottesdienst vorgestellt hat.

Die kirchliche „Landschaft“ verändert sich rasant. Die traditionelle Ortsgemeinde, der Pfarrsprengel haben, für jeden offensichtlich, nicht mehr die Bedeutung wie noch vor wenigen Jahren. Das hängt nicht in erster Linie mit Priestermangel und Sparzwängen zusammen, die in den Bistümern zu einschneidenden Umstrukturierungen geführt haben. Vielmehr hat diese Entwicklung - die Sinus-Studie hat dies anschaulich anhand einzelner Milieus gezeigt - zu tun mit dem Selbstverständnis moderner Menschen, kirchennaher und kirchenferner, ihren Bedürfnissen und Ansprüchen, ihrer Mobilität. Sie gehen dorthin, wo es ihnen zusagt und picken sich das heraus, was ihnen gut tut.

Auf der Schwelle

Neue Perspektiven für die alte Pfarrgemeinde haben nun Rainer Krockauer und Max-Josef Schuster entwickelt und in dem Handbuch „Menschen auf der Schwelle“ vorgelegt. Krockauer (Jahrgang 1958) war früher Pastoralreferent in Nürnberg und lehrt jetzt Katholische Theologie an der Katholischen Fachhochschule Aachen, Fachbereich Sozialwesen. Der drei Jahre ältere Schuster, Pastoralreferent im Erzbistum Bamberg, begleitet seit Jahren als Gemeindeberater Kirchengemeinden und ist als theologischer Referent am Institut für Theologie und pastorale Fortbildung in Freising tätig. Seine Beiträge für die Kolumne „Auf der Schwelle“ der katholischen Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ waren dem Buch vorausgegangen.

Die oft zitierte Wiederentdeckung des Religiösen ist für die Autoren „ein oft paradoxer und immer noch ungeklärter Prozess, der in einer Zeit stattfindet, in der Deutschland wie nie zuvor säkularisiert ist“. Sie diagnostizieren: „Zwischen den Lebenswelten heutiger Menschen und den Lebensformen von Pfarrgemeinden klaffen regelrechte Abgründe.“

Gleichwohl sind die Autoren davon überzeugt, dass Gemeinden eine wichtige Brückenfunktion zu Suchenden oder Menschen in Not wahrnehmen können, vorausgesetzt sie gehen von deren Alltag aus und kreisen nicht um ihr Gemeindeleben. Krockauer und Schuster versuchen selbst einen Brückenschlag, indem sie in ihrer Publikation Bausteine aus der Organisationsentwicklung und systemisches Denken mit theologischen und spirituellen Inhalten und Kategorien verbinden.

Menschen auf der Schwelle: Unter diesem Wort fassen die Autoren vieles zusammen. Begegnungen und Gespräche auf der Schwelle zur Gemeinde, im Pfarrbüro, im Kindergarten, beim Gemeindefest und in der Christmette. Oder „Schwellensituationen“ an den Lebenswenden, markiert durch kirchliche Übergangsriten wie Taufe, Firmung, Trauung, Beerdigung. Die Theologen sprechen außerdem von einem „alltäglich-existentiellen Schwellenraum“, in den Menschen durch Krisensituationen oder Grenzerfahrungen geraten können.

Aushalten und mitgehen

Das stellenweise Theorie lastige Buch gibt Denkanstöße, wie Kirchengemeinden in Zukunft ihrem Auftrag nachkommen können. „Wie wäre es, wenn Menschen auch in Pfarrgemeinden einen gesellschaftlichen Ort fänden, wo die dunklen Seiten des Lebens angeschaut und ausgehalten werden?“ fragen Schuster und Krockauer. Dafür müsste man sich aber von den Gemeindekonzepten verabschieden, die sich nur an den Aktiven, den Machern und Starken orientieren.

Dann das Thema Begrüßung und Besuchsdienst: „Menschen auf der Schwelle haben meist eine untrügliche Witterung für Atmosphärisches“, schreiben die Autoren. Dem Erstkontakt und Empfang sollte die Gemeinde daher hohe Beachtung schenken.

Kerngemeinde und Fernstehende

Und wie steht es um das Miteinander von „Kerngemeinde“ und den so genannten „Kasualienfrommen“, also jenen Menschen, die die Gemeinde „nur“ an den großen Übergängen des Lebens aufsuchen? Eine Frage, die wohl jede Pfarrei und deren haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter nicht nur bei der Kommunionvorbereitung beschäftigt.

Krockauer und Schuster geben auf all diese Fragen keine Patentrezepte - das ist ein Vorzug des Buches. Sie ermutigen zu einer menschenfreundlichen Praxis, die aus der Mitte der christlichen Botschaft heraus auf die Suche und die Anfrage der Menschen von heute antwortet und den Versprechen einer Erlebnis- und Selbsterlösungsgesellschaft einen lebens- und sinnstiftenden Glauben entgegensetzt.

Infos: Rainer Krockauer, Max-Josef Schuster: Menschen auf der Schwelle. Neue Perspektiven für die alte Pfarrgemeinde, 2007 (Schwabenverlag) ISBN 978-3-7966-1341-8, Preis: 22,90 Euro.

Datum: 26.11.2008
Autor: sen

http://www.eo-bamberg.de/eob/dcms/sites/bistum/pfarreien/seelsorgebereiche2008/
neuigkeiten.html
Mittwoch 10.06.2026, 15:55 Uhr
(c) 2026 Seelsorgebereiche ab 2008