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Haus Moriah Nachrichten Archiv 2007

Weite erFAHREN
Pfarrer Stefan Schaaf: Nachbetrachtung zur Motorradwallfahrt nach Schönstatt am 12. / 13. Mai 2007

„Du lässt mich Weite erFAHREN“ – so lautete das Motto für die diesjährige Motorradwallfahrt nach Schönstatt am 12. und 13. Mai 2007. Und: wir haben wirklich Weite erfahren.

Eine gewisse Spannung lag über dem Tal, als wir, die Helferinnen und Helfer, am Samstagmorgen für die Ankunft der Bikerinnen und Biker richteten. Das Pavillonzelt musste mit Nägeln am Boden verankert werden, weil der Wind heftig daran rüttelte. Man wusste nicht, ob es gut ist, draußen noch mehr zu richten, immer wieder zogen Schauer durch und diese hielten den Staub auf dem Boden. Einige Anrufe kamen: „Wir fahren gar nicht los, weil es so regnet.“ Aber trotzdem ließen wir uns nicht irritieren, schließlich geht es um eine wichtige und große Sache.

Schon vor dem Mittagessen gespanntes Warten. Und siehe da: es kamen die Bikerinnen und Biker mit ihren Maschinen an. Einer der Ersten war mit seinem großen Roller gekommen, auf dem Nummernschild stand „EF“. Das verriet, dass er aus Erfurt angereist war. Durch Regen und Wolkenbruch hatte er sich gekämpft, 310 Kilometer Asphaltstrecke lagen hinter ihm. Aber gut eingepackt übersteht das jeder.

Nach dem Mittagessen kamen sie dann, Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer aus der Umgebung und bis zu einer Entfernung von 330 Km, aus dem schwäbischen Gertringen in der Nähe von der Liebfrauenhöhe. Und das war eine Interessante Sache: Der Mann aus Gertringen hatte am Motorrad eine Fahne aus Samt, auf der einen Seite war „Ave Maria“ und auf der anderen Seite ein Motorrad mit Fahrer aufgestickt. Gleich kamen wir ins Gespräch. Er erzählte von der Motorradwallfahrt, die er seit 16 Jahren schon mitorganisiert und zwar nach Deggingen in das dortige Kapuzinerkloster und den Wallfahrtsort „Ave Maria“. Damit war die Brücke gebaut zwischen diesem Wallfahrtsort und Schönstatt. Vor 16 Jahren hatten sie dort angefangen, ein Pater war ganz begeistert vom Motorradfahren und hat es angegangen, eine Motorradwallfahrt zu begründen. Mittlerweile machen sie kaum mehr Werbung, weil sie schon so viele sind, dass es kaum noch zu bewältigen ist. Immer am letzten Samstag im April ist diese Wallfahrt nach Deggingen. Vielleicht entsteht da ein Netzwerk von Motorradwallfahrten.

So richtig Stimmung kam beim Kaffee auf, als ein paar Eifelbiker ankamen: Die Haare vom Wind gekämmt, das Gesicht sonnengebräunt und überhaupt immer gut drauf. Das war lustig. Als ich mich mit ihnen unterhalten hatte, stellte sich heraus, dass sie zu einer Gruppe gehören, die sich im Internet kennengelernt hat und immer mal wieder eine Tour miteinander unternimmt. So kamen sie jetzt nach Schönstatt, um mal zu sehen, was hier so los ist. Sie fanden es ganz gut, jetzt in Schönstatt zu sein und die Tour mit uns mitzufahren.

So etwa 30 Motorräder waren dann am Nachmittag zusammen, als wir uns zur Korsoausfahrt auf dem Platz beim Pilgerheim versammelten, um zu beten und den Segen Gottes für unsere Ausfahrt zu erbitten. Die Wolken hatten sich mittlerweile verzogen und ab und zu kamen die Sonnenstrahlen bis zu uns durch. Nach dem Gebet setzten wir unsere Helme auf. Jetzt noch die Maschine an und los geht’s. Genau in diesem Augenblick begann es wieder zu regnen. Aber es war nur das Weihwasser zum Segen, denn nach ein paar sanften Tropfen hörte es wieder auf und wir fuhren über Höhr-Grenzhausen und Selters nach Hachenburg und über die Westerwälder Seenplatte wieder zurück nach Schönstatt, ohne einen Tropfen Regen.

In Schönstatt wurden wir mit den Fahnen, die von Roman und Marit geschwenkt wurden, begrüßt. Direkt am Urheiligtum kamen die Maschinen wieder zum Stehen nachdem wir ca. 75 km durch die eindrucksvolle Landschaft gefahren waren. Wir hatten allen Grund, dankbar zu sein, mit Liedern und Gebeten grüßten wir die Gottesmutter und jeder Biker konnte eine Kerze anzünden und am Urheiligtum abstellen und damit ein Anliegen oder eine Person ganz besonders der Fürsprache unserer Mutter anvertrauen. Besinnliche Atmosphäre war ums Heiligtum spürbar.

Und dazu hatten wir etwas ganz besonderes. Extra für diese Wallfahrt hatte Herr Schmid, der Leiter der Musikgruppe „Jeton“, die auch am Sonntag den Gottesdienst mit gestaltete, ein Lied komponiert und getextet: „Weite erfahren“. Dieses Lied ließen wir laufen, als wir die Kerzen zur Gottesmutter brachten. Ein Lied, das die Herzen der Bikerinnen und Biker höher schlagen lässt. (Text und Noten dieses neuen Liedes finden Sie unter "Weitere Bilder".)

Nach dem Gebet am Urheiligtum knatterten die Maschinen wieder los, jetzt war das Abendessen dran. Bei Steaks und Wurst vom Grill und vielen Salatspezialitäten vom Haus ging es allen richtig gut, natürlich durfte auch das gute Bier nicht fehlen. Es wurde so langsam richtig gemütlich unter dem Dach beim Pilgerheimplatz.

Bevor das Abendprogramm startete, war noch die Möglichkeit mit Willi (Pfr. Kost aus Heidesheim) auf Berg Schönstatt zum Grab von Pater Kentenich zu fahren. Einige nutzten diese Gelegenheit. Andere verweilten einfach im Tal, sie hatten schon öfters das Grab besucht. Das war in diesem Jahr besonders gut: Es waren einige dabei, die mittlerweile das dritte Mal an der Motorradwallfahrt nach Schönstatt teilnahmen. Wir haben also eine feste Wallfahrtsgruppe dabei. Dazu zählt Klaus, der mit seiner ganzen Familie da war, Marit und Roman sind seine zwei Kinder. Mit ihm unterhielt ich mich diesmal länger und dabei erzählte er mir, dass er vor mehr als zwei Jahrzehnten bei der SMJ dabei war. Er konnte sich noch gut daran erinnern, dass damals der Grundstein fürs Jugendzentrum gelegt wurde und wie sie nach Rom fuhren, um den Grundsteinteil von Rom zu holen. Das war für ihn eine beeindruckende Sache. Ich erzählte ihm, dass ich auch bei der Grundsteinlegung dabei war – gemeinsame Geschichte verbindet. Und nach 20 Jahren wurde die erste Motorradwallfahrt in Schönstatt angeboten (2005); dazu kam er wieder mal nach Schönstatt und hat jetzt einen neuen Kontakt zum Ort Schönstatt und zum Heiligtum. Am Sonntag unterhielt ich mich dann noch mit seiner Frau. Sie erzählte mir, dass sie extra für diese Wallfahrt eine Einladung zu einer Familienfeier abgesagt haben, weil ihnen diese Wallfahrt so wichtig ist. Die beiden Kinder waren die jüngsten Teilnehmer und vielen sind sie schon bekannt. Vor allem Christian Winkler und Roman sind gute Freunde geworden, denn auf Christians Laptop darf Roman Spiele machen und er darf Christian helfen, die Musikanlage zu betreuen. Auch das ist mittlerweile Tradition: Christian Winkler und seine beiden Freunde aus der SMJ, Jochen und Tobias, waren mit dabei. Christian sorgt für die Musikanlage und für den abschließenden Höhepunkt des Lagerfeuerabends – aber dazu gleich.

Das Abendprogramm begann mit einer Teakwondo-Vorführung. Frau Abel war aber dieses Mal nicht mit ihrer Partnerin da, weil diese verhindert war. Aber die Gottesmutter – so hat sie selber erzählt – hat dafür gesorgt, dass trotzdem eine Vorführung sein kann. Sie hat sich an die Teakwondo-Schule in Bonn gewendet und es waren von dort zwei bereit, zu kommen und die Vorführung mitzumachen. Frau Abel ist ebenfalls eine Frau, die schon seit Anfang an bei der Motorradwallfahrt nach Schönstatt mitmacht. Während der Vorführung erzählte sie, wie es zum Kontakt mit der Schule in Bonn kam und dass sofort die Bereitschaft da war, bei einer Vorführung mitzumachen, und verglich es mit der Erfahrung von der Ausfahrt, bei der sie auf Walters Harley mitfahren konnte. Wenn Walter Gas gegeben hat, konnte sie die Gottesmutter im Rücken spüren (Walter hat ein Pilgerheiligtum hinten auf dem Milwaukee-Eisen). So, sagte sie, können wir es im Leben immer wieder spüren, dass die Gottesmutter uns den Rücken stärkt, manchmal geschieht das auch unbemerkt.

Neu im Programm hatten wir dieses Jahr die Modellflugshow. Dominik vom Modellflugverein hatte ein Flugzeug mitgebraucht und startete es jetzt von der Hand aus. Kunstvoll und mit atemberaubenden Spiralen, Loopings und Überkopfflügen versetzte er die Zuschauer in Staunen. Steilflug nach oben, Steilflug nach unten, kurz mal eine Kehre und wieder knapp am Baum vorbei Richtung Haus – so ging es ein paar Minuten lang. Der begeisterte Beifall zeugte von der Kunstfertigkeit, die Dominik zeigte.

Nachdem wir nun dank der Vorführung auch genug Kleinholz hatten, konnte das Feuer angezündet werden. Lagerfeuerlieder fehlten dabei nicht. Die Stimmung war einfach toll, es war richtig zum Wohlfühlen.

Mittlerweile war es schon richtig Nacht geworden und es wurde Zeit für weitere Programmhighlights: Dominik kann das nicht nur bei Tag mit dem Modellflugzeug, auch in der Nacht beherrscht er diese Kunst. Mit Leuchtstäbchen wurde eine Start- und Landebahn auf dem Boden markiert und dann ging es los, diesmal mit einem rot-blau-weiß beleuchteten Modellflugzeug. Es sah beeindruckend aus: Das Flugzeug schoss hoch in die schwarze Nacht und kehrte nach einem Looping wieder zurück, kurz mal im Dunkelflug um den Baum und wieder eine kunstvolle Drehung. Der Nachthimmel, das Flugzeug und staunende Augen, die gebannt dem Künstler zuschauten. Das war eine super Leistung, das Flugzeug kam heil wieder auf der Landebahn zum stehen. Beifall. Nachher erfuhr ich, dass er dieses Flugzeug zum ersten Mal in der Nacht geflogen hat.

Musik kündigte nun an: Welcome to the Show. Gemeint war die Feuerspuckshow – ebenfalls seit drei Jahren der abschließende Höhepunkt in der Nacht. Christian und seine zwei Freunde ließen die Nacht in neuem Glanz erstrahlen. Feuerkreise und meterhohe Stichflammen, manchmal sogar zwei auf einmal, waren zu sehen. Und dann zündeten sie den Boden an. Zuerst entstanden kleine Feuerstriche, aber als die Feuerstriche miteinander verbunden waren, kamen die Konturen eines Heiligtums zum Vorschein, ein in den Asphalt gebranntes Heiligtum – es leuchtete blau und gelb. Dazu wieder Feuerflammen in den Nachthimmel gezeichnet, das war einfach genial gemacht. Als sie dann noch drei Raketen steigen ließen war wieder ein perfekter Höhepunkt der Motorradwallfahrt gelungen zu Ende gegangen.

Kurz versammelten wir uns dann alle um das Lagerfeuer, um für die Nacht den Segen zu erbitten und an die Menschen zu denken, mit denen wir verbunden sind. Danach wurde natürlich noch weiter gefeiert, die Stimmung war einfach gut.

Am anderen Morgen nach einem guten Bikerfrühstück war wieder reges Leben im Hof beim Pilgerheim – gestärkt ging es in einen neuen Bikertag. Die Zeit vor dem Gottesdienst war gefüllt mit Benzingesprächen. Biker, die am Samstag nicht kommen konnten fanden sich jetzt ein, um zum Gottesdienst und zur Segnung da zu sein. Wieder zierten zwei Maschinen mit Motorrad-Pilgerheiligtum die Pilgerkirche. Viele kamen zur Pilgerkirche, um mitzufeiern. Draußen waren dann etwa 70 Motorräder aufgestellt. Mit unserem Wallfahrtslied „Weite erfahren“ begannen wir den Gottesdienst, Marit und Roman trugen die Fahnen beim Einzug voraus und waren mit ganzem Herzen dabei. In der Predigt deutete ich die Vision von der neuen Stadt, die ja auch unser Schönstattsymbol auf der Fahne ist. Mir fiel dabei auf, dass es dort heißt, dass die Straßen aus purem Gold waren. Der Goldene Hintergrund und das blaue Heiligtum in der Mitte sind für uns Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ein Zeichen dafür, dass wir auf den goldenen Straßen rund ums Heiligtum unterwegs sind, die Weite spüren und erFAHREN, weil Gott und die Gottesmutter in unserer Mitte sind.

Selbstverständlich wurden dann nach dem Gottesdienst die Motorräder, ihrer Fahrerinnen und Fahrer und die Beifahrerinnen und Beifahrer gesegnet. Gerade als wir die Pilgerkirche verlassen hatten, gab Gott seinen Segen in flüssiger Form noch dazu. Pater Barmettler half beim Segnen mit und er fragte einen der Biker, ob nun das Weihwasser von oben das wäre, was wirke, oder das Weihwasser, das er austeile. Darauf der Biker: „Ganz sicher das Weihwasser, das Sie austeilen.“ So doppelt gesegnet konnten die Motorräder zum Mittagessen wieder Richtung Pilgerheim knattern.

Beim Mittagessen setzte ich mich gegen Ende dann an einen Tisch, an dem ein älteres Ehepaar saß, das sich mit einem Bikerpaar unterhielt. Es war ein sehr gutes Gespräch bei dem das ältere Ehepaar ganz gerührt erzählte, dass sie so glücklich sind, heute hier im Gottesdienst gewesen zu sein. Immer zum Muttertag kommen sie nach Schönstatt, um eine Wallfahrt zu machen. Vor 25 Jahren – so erzählten sie – ist ihr Sohn mit dem Motorrad tödlich verunglückt. Und heute am 13. Mai hätte er Geburtstag. Sie wussten nicht, dass Motorradwallfahrtsgottesdienst ist, aber waren jetzt sehr dankbar, dass besonders für die verunglückten Motorradfahrer gebetet wurde. Das hat sie sehr berührt – eine besondere Gnade.

Beim Abschied nach dem Mittagessen war es nun selbstverständlich zu sagen: „Also dann bis zum nächsten Jahr – wir freuen uns drauf.“

Bis zum Montagnachmittag konnte ich zusammen mit Walter und seinem Freund noch in Schönstatt bleiben – es galt ja dann noch einiges aufzuräumen. Als wir schließlich um die Mittagszeit unsere Motorräder für die Abfahrt bereit gemacht hatten und gerade die Helme und Handschuhe vor der Pilgerzentrale überstreiften, kam ein großer Geländewagen an. Eine Marienschwester und ein Ehepaar stiegen aus, wie sich schnell herausstellte waren sie aus Amerika. Die Schwester wollte den Besuchern die Motorräder mit Pilgerheiligtum zeigen und den Pater Kentenich auf der Harley von Walter. Als dann die Frau das montierte Pilgerheiligtum und Pater Kentenich auf dem Tank sah, war sie entzückt und rief mit freudiger Stimme: „Oh my goodness!“ Die Begeisterung war ihr anzusehen und auch uns. Wir fuhren dann in die Weite und nach Hause, voller Dankbarkeit und mit großer Freude über goldene Straßen, blau leuchtende Heiligtümer und der Gottesmutter im Rücken.

Stefan Schaaf

Richtig wichtig: Motorradwallfahrt 2008 nach Schönstatt ist am 31. Mai / 1. Juni

Datum: 19.05.2007
Oskar Bühler
Weiterführende Links:
Lesen Sie dazu den Bericht von PressOffice Schönstatt
Zu den Berichten aus unserem Haus in der letzten Zeit
 
 

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