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Haus Moriah Karl Leisner Berufung II.html

KL Berufungsweg II

Einblicke in einen Berufungsweg II

Auszüge aus Tagebuch und Briefen Karl Leisners 1937 – 1945.

  • In seinen Auswärtssemestern in Freiburg 1936/37 hat Karl Elisabeth Ruby kennen gelernt. Die Bekanntschaft mit ihr hat in Karl ein hartes Ringen um seine Berufung ausgelöst. Wieder zurück in Münster schreibt Karl am 18. November 1937 in einem Brief an sie:
    Grüß Gott, Elisabeth!
    Zunächst recht herzlichen Dank für Deinen noch feineren Antwortbrief und Glückwunsch zum Karlstag. Das war mir das feinste Geschenk zum Namenstag, daß wir uns verstanden haben. Für diese Zeit des Hin- und Hergeworfenseins bin ich meinem Herrgott recht dankbar. Das war so eine Schule, die man an der besten “Uni” nicht hat. Jeder ist halt anders. - Und wir Buben bzw. Jungmänner müssen wohl einmal bzw. eine recht lange Zeit einfach mal so kräftig “Sturm und Drang” mitmachen, daß einem alles nur so durcheinanderwirbelt - und der Herr muß dann “dem Wind und den Wellen gebieten.”
    Für Dein besonderes Anliegen, den Wunsch Deiner Seele, will ich recht kräftig mitbeten helfen. Und Du wirst wohl auch zu Deinem Ziel kommen. Es ist da so eine Zeit der Unklarheit, des Sehnens und bangen Wartens - so ein heiliger Advent der Seele möchte ich sagen - oft sehr heilsam und voll heiligster Freude und tiefstem Erleben. Ich helfe Dir bei Deiner Entscheidung wie Du mir bei der meinen, durch Christus. Er führt uns recht, das unbedingte Vertrauen hab’ ich. - Es ist groß und schwer, sich heute so zu entscheiden, aber da muß ich Dir beistimmen: Wie können wir Gott danken, daß wir als katholische Christen in dieser Zeit leben dürfen!
  • Am 24. Januar 1938 meditiert und betet Karl in seinem Tagebuch:
    O ja, das war ein herzenweckender Vortrag von P. Bernardin über das Taufbewußtsein. Wir leben in Christus, wir leben Christus! Tun wir das wirklich. Das ist meines Lebens letztes Sein. Christus zu leben in dieser Zeit. Christus, wenn Du nicht bist, dann möchte ich nicht sein. Du bist, Du lebst. Nimm mich hin, verfüge ganz über mich. Laß Dein Handeln und Wandeln durch mich und uns alle heute Tat werden. Christus, Caritas, Christus!
    Du bist mein Leben, meine Liebe, meine innerste Glut!
  • Am 1. Mai 1938 schreibt Karl in sein Tagebuch:
    Dunkelrote Blumen schmücken meinen Arbeitstisch. Dunkles Leid um Schuld und Sünde zittert und grollt dumpf und lähmend durch meine Seele. - Meinen ganzen Jammer trug ich heute nachmittag vor den eucharistischen Christus, meinen heiß Geliebten. Ich betete das “De profundis” aus wehem Herzen. […]
    Ich bin unklug und ungeduldig. Warten können! Ruhe im Herzen Gottes! - Vor allem: Weg von kleinen Ich, hin zum großen gewaltigen Gott! Dann gelingt’s, wie es soll und wie Er will. O, bis man weise wird braucht’s seine Zeit, mancher wird’s nie. - Jetzt warten! Und - still schmunzeln über das unkluge, tolle, ja ganz wilde und unverständliche Herz. Nicht in unheimlicher Selbstzerspaltung sich zerfasern, sondern immer wieder in die Tiefen der eigenen Herzen ehrfürchtig sich einfühlen und sie erhellen in der Tiefe der Gnade Gottes. Tu du das Deine - Gott lenkt alles zum Besten. - Maß halten, Selbstbeherrschung!
  • Am 25. Mai 1938 berichtet Karl von seinem Treuwort dem Regens gegenüber und von seinem Brief an Elisabeth Ruby:
    Gestern Abend besuchte mich um 5 vor 7 der H. H. Regens Francken. - Gütig und sachlich, kurz und bündig, entscheidungheischend trat er wie der Herr selbst vor mich hin. Ich habe mein Treuwort gesprochen.
    Fiat mihi secundum verbum tuum! Ecce - servus Domini! Heute morgen wurde mir Klarheit. Ich schrieb an Elisabeth diesen Brief:
                                                                                                            Mstr.25/5.38.
    Ave Elisabeth!
    Es war entsetzlich schwer. Glaube und Vernunft, Kopf und Herz hätte ich dabei verloren, wenn mir nicht die himmlische Mutter geholfen hätte. Eine furchtbare Mattigkeit und ein noch schlimmerer Zweifel am Sinn meines Lebens überfielen mein so selbstsicheres, stolzes Herz. - Ich glaube Dein Gebet gespürt zu haben. Nie hab’ ich so für Dich gebetet wie in den vergangenen Wochen. Dein Schweigen hat mir wohlgetan. Ich danke Dir für Deine Güte und schwesterliche Liebe, die Du mir seit den Tagen unserer Begegnung schenktest. Dir danke ich viel, und Christus ist mir in Dir begegnet, wie Er mir noch nie entgegentrat. Introibo ad altare Die ad Deum qui laetificat inventutem nostram!
    Kannst Du mir verzeihen? Halte Dich für frei von mir! Karl.
  • Wie sehr Karl um seine Berufung gerungen hat, zeigt ein längerer Tagebucheintrag am 5. Februar 1939.
    Karl Leisner mit Kollar
    In der Nacht vor Mariä Lichtmess war es mir sehr schwer ums Herz. Mit einer Wucht wie nie brach der Kampf um den ehrlichen Verzicht auf. Ich habe geweint, gefleht und gerungen. - Herrgott, ich lasse Dich nicht, bis du mich segnest. Das Opfer ist unbegreiflich hart und schwer, aber ich will es bringen, weil Gott mich gerufen hat zum Priestertum Jesu Christi.
    Am anderen Morgen war ich im Dom zur Weihe der Lichter. Die brennende, sich verzehrende Wachskerze will ich in der Glut der göttlichen Sendung sein. Per Mariam in manus Jesu Christi. In manibus Mariae cum Jesu ad Patris obedientiam!
    Beide Seelenströme flossen ineinander und brachen wieder auf [...]. - In der Schwebe liegt all unser menschlich Beginnen. Unsere Entschlüsse sind von den Gefahren der Schwäche und Selbsttäuschung und den inneren Anfechtungen wie der des Satans, der so oft in letzter Zeit sub specie boni an meiner Seelentür pochte, ständig umdroht. - Dem Tod sind wir nahe, dem Nichts verwandt.
    So bitte ich Dich, mein Herr und mein Gott, um letzten, tiefen Glauben an Deinen Sohn, den Du uns gesandt als Erlöser. Schenke in mein Herz reine Opferliebe!
    Antwort bekam ich in der heiligen Stunde. Stille am 2. II. (Do) abends. Alle Hemmungen, alles Seelenleid, allen Schmerz des Verzichtes legte ich in Christi Erlöserhände. - Seine Liebe rührte mich lebendig an, da ich kniend las das 7. und 8., das 13.-15. Kap. Seiner Frohbotschaft nach Johannes.
    Christus, Du mein Leben, Du mein Licht, Du meine Liebe! In den reinsten Stunden meines Herzens hast Du Deine Sendung in mich hineingepflanzt. Durch wilde Kraft und starkes Drängen der Natur hast Du den Beruf hindurchgetragen. Ich vertraue Deiner Stimme mehr als der drängenden Stimme meines Blutes. Gebiete Du ihr Ruhe, wie Du einst den tosenden Wogen des galiläischen Meeres geboten! - Alle Kraft meines Leibes und meiner Seele, meines Geistes und Gemütes stelle ich heute in deine Liebe. Präge, adle sie in Deiner Liebe und Gnade. Ich will nicht mehr mich selbst - nichts mehr - nimm Du mich ganz. Ich danke Dir für Deinen Ruf, lass mich ihn restlos erfüllen. Ich danke Dir für den Kampf, gib mir den Frieden.
    Du hast über mich verfügt! Und mein blutendes Herz schließe ich ein in das deinige, das für uns - für mich - am Kreuze verblutete. - Tilge meine Schuld, führe mich nicht mehr in Versuchung, stärke mich mit Deiner Liebe - und ich habe alles genug - in der Glut Deines Herzens. - Amen.
    Einst schrieb ich in jugendlichem Idealismus: Christus, meine Leidenschaft. - Heute schreibe ich - schrecklich ernüchtert, aber geklärt - Jesus Christus, meine Liebe, mein Eins und Alles. Dir gehöre ich ganz und ungeteilt! So sei es!
  • Glücklich schaut Karl in dem Brief vom 30. Dezember 1944 aus dem KZ Dachau an seine Eltern und Geschwister auf die großen Ereignisse zurück: Priesterweihe am 17. Dezember und Primiz am 26. Dezember:
    Meine Lieben alle! Am Heiligabend kam Willis [Leisner] Brief vom 15.12. mit den in aller Not erfreulichen Heimatnachrichten. Ich danke Euch allen für Eure lieben Weihnachts- und Weiheglückwünsche. Sie sind erfüllt. Kinder, was bin ich glücklich, und Ihr mit mir. Ich kann es noch immer nicht fassen, daß Gott unser jahrelanges Beten und Warten so einzigartig und gnädig erhört hat. […] Es waren die herrlichsten Stunden und Wochen meiner ganzen Haft, voll unbegreiflich hohen Glücks. Gleich nach der Handauflegung gab ich still Euch, viellieben Eltern, als ersten den Priestersegen. Am Abend des 17. [12.1944] jedem von Euch feierlich einzeln den Primizsegen […]. Am Stefanstag brachte ich allein das erste hl. Opfer dar. Nach der Wandlung war ich tief gerührt. Ihr wart als erste beim Gedenken der Lebenden dabei. […] Am Altar war ich sehr ruhig und andächtig konzentriert. Keine Spur aufgeregt und voll unbeschreiblicher Freude. […] Allen Dank und gutes 1945! Voll dankbarer Freude über das erreichte große Ziel: Glückauf 1945! Euer Karl
  • Am 22. Januar 1945, etwa vier Wochen nach Priesterweihe und Primiz schreibt Karl folgenden Brief an den Führer seiner Gruppe Victor in vinculis, Hermann Richarz. Den Brief schrieb er aus dem Krankenrevier. Das erwähnte Gruppenbild ist das von der Gruppe Victor in vinculis in sieben Exemplaren angefertigte Primizbild. Es zeigt mit Ketten gefesselte Hände, die sich nach oben strecken. Oben ist eine Krone zu sehen und in der Mitte steht MTA, wobei das T durch ein Schwert dargestellt ist.
    Lieber Hermann!
    Primizandenken für Heinz Dresbach
    Primizandenken für Heinz Dresbach
    Zunächst Dir und Euch in der Gruppe meinen herzlichen Dank für Eure frohe Mitfeier und Teilnahme an den Gnadentagen. So nach und nach verklingen die hl. Erlebnisse in der Seel. Darum komme ich jetzt erst zur schriftlichen Antwort auf Deinen Primizbrief mit Euer aller feinen Glückwunsch. An P. K. [Joseph Kentenich] und P. Fischer besonderen Dank für die feinen MTA-Horen, die mir große Freude machten. Vor lauter Begeisterung hab´ ich, glaub ich den R.B. für Dezember nicht gegeben. Er war in Ordnung: Wie selten gute Zeit der Gnade. Diesen Monat bemühte ich mich um Vertiefung des empfangenen Gottesgeschenkes: Priesterlicher Geist täglich zu wecken, zu üben und zu erneuern. Es ist nicht leicht, nach solch überwältigenden Ereignissen in die alten Geleise zurück zu finden. Durch Euer Gebet und Opfer war´s so fruchtbar. – Das Gruppenbild gefällt mir. Es erinnert mich an alle Gefangenenstunden und die große Liebe und Treu der Mta in dieser langen Zeit. So etwas Vorgeschmack vom “Victor-Sein” durfte ich in den vergangenen Wochen so ganz tief erfahren. Nach der Konsekration in der Primizmesse war´s mir, als stände ich vor unserem König als sein Ritter und Sieger. Und der lieben Mta hatte ich vorher mich ganz anempfohlen. Es war mir, als ob sie als Schutzherrin jeden Schritt und jede Handbewegung lenkte und segnete. Ich meine so glücklich noch nie gewesen zu sein. Und Eurer Liebe danke ich dafür.
    Und in der großen Sehnsucht nach dem Victor-Werden wollen wir uns weiter gegenseitig stärken und segnen. Die Mta wird uns auch diese letzte vielleicht schwierigste Etappe gnädig schützen und führen. Mit der Gesundheit geht´s seit der Primiz ständig zäh bergauf.
    In froher Verbundenheit grüßt Dich Dein und Euer Karl.

 Berufungsweg I

 
 

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