Gottesdienstmaterialien zur Herbstsammlung 2012

Armut macht krank - Jeder verdient Gesundheit

Bausteine für die Gottesdienstgestaltung

Wort-Gottes-Feier (25. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B)

Mit den Vorschlägen zur Gestaltung dieser Wort-Gottes-Feier sollen Mitarbeiter/innen der verschiedenen sozialen Projekte in den Gemeinden angeregt werden, sich mit dem Thema der Caritas-Kampagne auseinanderzusetzen, den Gottesdienst gemeinsam vorzubereiten und eigene Gedanken und Erfahrungen einfließen zu lassen. Sie sollen sich vor allem mit den Sätzen der Lesung aus dem Jakobusbrief beschäftigen und sie in Verbindung bringen mit dem, was sie in ihrer Arbeit erleben. Auch die Beispiele der Einführung können an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Dabei ist auf sorgfältige Anonymisierung zu achten.

Die Liedvorschläge sind dem Gotteslob (GL), dem Liederbuch „Erdentöne - Himmelsklang“ (EH) und dem Liederbuch „Kreuzungen“ (K) entnommen.

Gesang zur Eröffnung GL 298 Herr, unser Herr, wie bist du zugegen

EH 104 Singt dem Herrn

K 112, 1-3 Eingeladen zum Fest des Glaubens

Kreuzzeichen

und liturgischer Gruß Im Namen des Vaters und des Sohnes und des

Heiligen Geistes.

A: Amen

Jesus Christus ist in unserer Mitte und schenkt uns seinen

Frieden.

A: Amen

Einführung

V: „Armut macht krank“ lautet das Thema der Caritaskampagne. Es soll im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes stehen. Wir nehmen in diese Feier, in unser Singen und Beten hinein, was das Leben vieler Menschen in unserer Gesellschaft prägt und belastet. In Lesung und Evangelium hören wir auf das Wort Gottes und wollen uns messen lassen an dem, wofür Jesus in Wort und Tat einstand. Ein Gottesdienst zu diesem Thema ist gar nicht so einfach. Für die meisten von uns ist es ein Reden über die anderen - oder sind Sie arm? Nahe liegen Parolen und plakative Sätze, wohlfeile moralische Appelle und einfach gestrickte Ratschläge. Es ist schwierig, jenseits von Stammtisch und politischer Positionierung differenziert über Armut in Deutschland zu reden.

Wie sollen wir uns dem Thema nähern? Ist es fair, arme Menschen in ihrer Situation zu beschreiben, sozusagen als O-Ton am Anfang? Wir haben uns dafür entschieden, schildern keine erfundenen Lebensgeschichten, sondern beschreiben wirklich so Gehörtes und Erlebtes.

V: Armut ist real, sie zeichnet Lebensgeschichten.

S 1: Marlen hat mal wieder keine Socken an. Sie sagt, dass sie keine gefunden hat. Die Winterschuhe vom letzten Jahr sind zu klein. Die Mama hat versprochen neue zu kaufen. Sie hat noch keine Zeit dazu gehabt. Aber die Flipflops sind sowieso schöner und die kann man eh nur ohne Socken anziehen.

V: Armut ist sichtbar.

S 2: Frank will endlich ausziehen. Mit 25 kann man doch nicht mehr bei den Eltern wohnen. Aber wie soll das gehen? So einer wie er findet doch keine Wohnung. Arbeitslos und mit dem schwachen Herzen, oft so atemlos und ohne Hoffnung, dass es mal noch was wird mit einem eigenen Leben. Klar, er müsste sich mehr kümmern, mal wieder zum Makler gehen, aber dazu hat er irgendwie keine Kraft. Bringt doch eh nichts.

V: Armut macht mutlos.

S 3: Dirk ist wirklich dick. 1 Meter 50 groß und 90 Kilo. Seit Jahren schon wird er von Lehrern und Ärzten gemahnt. Du musst gesündere Sachen essen. Du musst dich mehr bewegen. Du musst.

Du musst. Fettsack sagen sie zu ihm. Irgendwie ist er das schon gewohnt, er hört es ja schon seit Jahren. Dran ändern kann er auch nichts. Manchmal versucht er ja, weniger zu essen. Geht nicht.

V: Armut macht krank.

S 4: Es ist so wahnsinnig anstrengend, mit Hartz IV die Familie über die Runden zu bringen. Irgendwie kriegt Eve das immer geregelt. Man soll ja nicht gleich merken, dass sie es nicht so dicke haben. Die Kinder sollen möglichst wenig darunter leiden. Da verzichtet sie lieber selbst. Sie ist müde, so wahnsinnig müde. Manchmal denkt sie, dass sie nicht mehr weiter kann. Dann möchte sie einfach nicht mehr leben. Aber dann rappelt sie sich wieder auf, wegen der Kinder.

V: Armut hinterlässt Spuren.

S 5: Zum Tafelladen möchte Anna nicht gehen. Man muss mit dem auskommen, was man hat. So war das schon immer. Und es gibt sicher Menschen, denen es noch schlechter geht. Dass es jetzt im Alter so knapp ist, damit hat sie nicht gerechnet. Aber sie braucht ja nicht viel und sie weiß, wie man sparsam haushaltet. Sie ist viel zuhause und schaut fern, das kostet nichts. Die Beine wollen eh nicht mehr so recht.

V: Armut macht einsam.

S 6: Max steht vor dem Bäcker. Er ist wohnsitzlos und schlägt sich so durch. Bei vier Pfarrern war er schon und die haben ihm alle Essensgutscheine gegeben. Hier versucht er sie zu Geld zu machen, aber keiner lässt sich darauf ein. Sie starren alle auf seine fehlenden Zähne und drehen sich weg. Er stinkt. Er braucht Geld. Jetzt. Sofort.

V: Armut grenzt aus.

Christusrufe Jesus Christus ist unser Herr, er ist unsere Mitte, unsere Orientierung. Wir wollen ihn im Kyrie in unserer Mitte begrüßen.

Herr Jesus Christus, du achtest auf die Menschen, die am Rand stehen.

Herr, erbarme dich.

Du schenkst den Menschen Ansehen und ermöglichst so Heilung.

Christus, erbarme dich.

Du hast gesagt: Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Herr, erbarme dich.

Eröffnungsgebet (25. So. LJ B) Gott, du hast deinen Sohn in die Welt gesandt als Diener aller.

In ihm schenkst du uns deine Gegenwart. Gib, dass wir sein Wort verstehen

und seinem Beispiel folgen.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn, der in der Einheit

des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

Hinführung zur Lesung Wie wird das Evangelium Jesu Christi wirklich und seine Botschaft prägend

für das Zusammenleben der Menschen? Wie wird Frieden möglich, Unordnung und böse Tat überwunden?

Im Jakobusbrief lesen wir von der „Saat der Gerechtigkeit“, die aufgehen

soll - Gerechtigkeit, die von Gott geschenkt wird und die doch die Entscheidung, das Bemühen und Tun der Menschen braucht.

Lesung Jak 3, 16-4,3

Antwortgesang GL 624 Auf dein Wort, Herr, lass uns vertrauen

EH 22 oder K 142 Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht

Evangelium: Mk 9, 30-37

Ansprache

Liebe Schwestern und Brüder! Armut ist ein Thema in Deutschland. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, der Niedrig-Lohnsektor wächst, die Mittelschicht schrumpft. Jeder sechste Deutsche ist von Armut bedroht. Das betrifft vor allem Arbeitslose und Alleinerziehende. Auch in unseren Gemeinden sind wir in zunehmendem Maß konfrontiert mit Not in ganz verschiedener Ausprägung und müssen uns damit auseinandersetzen.

Zu den Texten gehörten plakative Sätze über die Armut, eine Liste, die sicher erweitert werden kann

•Armut ist real, sie zeichnet Lebensgeschichten.

•Armut ist sichtbar.

•Armut macht mutlos.

•Armut macht krank.

•Armut hinterlässt Spuren.

•Armut macht einsam.

•Armut grenzt aus.

Es kennzeichnet solche Plakat-Sätze wie den der Caritas-Kampagne „Armut macht krank“, dass sie Diskussionen auslösen und auf mehrfaches „Ja aber“ stoßen. „So einfach kann man das nicht sagen, das muss man schon differenzierter betrachten“. „Armut ist doch kein Schicksal. Die Leute müssen sich einfach mehr anstrengen.“ „Was heißt denn hier Armut? In Afrika haben die Leute viel weniger.“ „Unsere Sozialsysteme funktionieren doch gut. Wir jammern auf hohem Niveau.“ Und je nach politischer Ausrichtung folgen dann Rezepte, Strategien zur Armutsbekämpfung oder stets verfügbare Kommentare auf Stammtisch-Niveau.

Ein gutes und konstruktives Gespräch über die Armut und die Spuren, die sie hinterlässt, ist tatsächlich schwierig. Es ist auch eine Herausforderung für uns in den Kirchengemeinden, geeignete Strategien der Unterstützung und Hilfe zu finden. Und ganz sicher werden wir diesem Thema nicht in diesem Gottesdienst gerecht. Deshalb wollen wir uns auf das konzentrieren, was die Mitte dieses Gottesdienstes ist, das Wort Gottes, und genau hinhören, ob dieses Wort spricht in diese vielschichtige Auseinandersetzung um das Thema Armut und Weisung enthält für unser caritatives Engagement.

Auch im Jakobusbrief hören wir Plakat-Sätze, die beschreiben, wie die „Weisheit von oben“ ist. Mit dieser Weisheit wird ein gerechtes und friedliches Miteinander möglich sein. Hören wir noch einmal diese Sätze:

•Die Weisheit von oben ist heilig!

•Die Weisheit ist friedlich!

•Die Weisheit ist freundlich!

•Die Weisheit ist gehorsam!

•Die Weisheit ist voll Erbarmen!

•Die Weisheit ist reich an guten Früchten!

•Die Weisheit ist unparteiisch!

•Die Weisheit heuchelt nicht!

Die Mitglieder im Ausschuss für Caritas und Soziales (oder andere Mitarbeiter/innen in sozialen Projekten der Gemeinde) wurden im Vorfeld gebeten, aus diesen „Weisheitssätzen“ der Lesung den Satz herauszu- suchen, der ihnen für ihr Engagement wichtig ist. Sie stellen nun ihren Satz vor und begründen, warum sie ihn ausgewählt haben. Sie treten nacheinander ans Mikrofon, sagen kurz, in welchem Bereich sie sich enga-gieren und erklären, welchen Satz sie ausgewählt haben und was er für sie bedeutet. Auch Doppelungen sind möglich. Sie halten den Satz entweder als Schild in der Hand und die Schilder werden dann im Altarraum sichtbar aufgestellt oder sie halten ein Plakat, das dann an einer Stellwand befestigt wird.

Die Weisheit ist gehorsam

In diesem Gehorsam steckt das Wort „hören“. Für mich heißt das: Hören auf das, was Jesus gesagt hat, schauen auf sein Vorbild. Er ist kompromisslos und völlig unausgewogen da für die, die am Rand sind. Er lässt die 99 Schafe zurück und geht dem einen, dem verlorenen nach. Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Gehorsam heißt dann, dem Vorbild Jesu folgen und unbedingt solidarisch sein mit denen am Rand, jenseits aller Wenn und Aber.

Die Wahrheit heuchelt nicht

In meiner Arbeit im Besuchsdienst möchte ich nicht heucheln. Ich will ehrlich sein und auch einmal sagen, wenn es mir zu viel wird oder wenn ich mich ärgere. Die Menschen merken doch, wenn man ihnen nur aufgesetzt freundlich begegnet.

Die Weisheit von oben ist heilig

Dieser Satz enthält, was mir ganz wichtig ist. Wir können uns noch so viel vornehmen und planen und machen und uns engagieren. Letztlich haben wir es nicht in der Hand. Uns muss Weisheit und Gelingen von Gott geschenkt werden. Das bedeutet für mich dieses Wort heilig. Diese Weisheit ist ein Stück von Gott. Dass sie mir geschenkt wird, darum bitte ich Gott.

Im heutigen Evangelium hören wird noch einen Plakat-Satz. Jesus formuliert hier eine Regel – für seine Jünger und für uns: Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein. (Ein weiteres Plakat mit diesem Satz hereintragen und zu den anderen dazustellen; evtl. andere Farbe). Die Regel unserer Gesellschaft, in der vor allem die Ersten zählen, die Erfolgreichen, die Gesunden, die Reichen, wird auf den Kopf gestellt. Eine unbequeme Regel. Jeder ist wohl lieber Herr oder Herrin statt Diener oder Dienerin. Ich glaube nicht, dass Jesus verlangt, dass wir uns ducken, uns klein machen, die eigene Bedürfnisse immer unterordnen und kritiklose Befehlsempfänger sind. Er fordert uns auf, uns im Dienst ganz entschieden den „Kleinen“ (und klein Gemachten) zuzuwenden und unser Handeln ganz klar an den Bedürfnisse und der Not der Menschen in unserem Lebensumfeld auszurichten - so gut es uns möglich ist. Alles andere wird uns dann dazugegeben (Mt 6,33).

Predigtlied GL 618 Brich mit den Hungrigen dein Brot

EH 140 oder K 105 Einer hat uns angesteckt

Friedenszeichen Wo Frieden herrscht, wird von Gott für die Menschen, die Frieden stiften, die Saat der Gerechtigkeit ausgestreut.

Wir bitten Gott um diesen Frieden und sagen einander diesen Frieden zu.

dazu evtl. Lied:

EH 167 oder K 191 Herr, gibt uns deinen Frieden (Kanon)

Kollekte

Sie werden in der nächsten Woche Besuch bekommen von Caritassammlern oder in Ihrem Briefkasten die Überweisungsträger für die Caritassammlung finden. Von Ihren Spenden bleiben 30 Prozent in unserer Pfarrgemeinde. Damit geben Sie uns die Möglichkeit zu helfen, wo uns Not vor Ort begegnet. Die anderen Teile sind für den Ortsverband der Caritas (Landkreis angeben) und den Diözesancaritasverband. Mit diesen Geldern werden unsere Hilfsprojekte (falls vorhanden, Beispiele der aktuellen Kampagne einfügen) unterstützt. Die heutige Kollekte kommt der diözesanen Caritasarbeit zugute.

Sonntäglicher Lobpreis (wird die WGF an Werktagen gefeiert wird, entfallen Lobpreis und Hymnus)

Gott hat zu uns gesprochen in den heiligen Schriften. Wir haben sein Wort

gehört. Im Sonntäglichen Lobpreis geben wir ihm Antwort.

Wir vereinen uns mit allen auf der Erde, die heute den Tag des Herrn feiern

und beten:

Lobpreis E: Lobpreis und Dank für Gottes Wirken

(Wort-Gottes-Feier. Werkbuch für Sonn- und Festtage. Trier 2004. S. 180 f.)

Akklamation GL 496

Hymnus GL 261 Den Herren will ich loben

EH 16 Ich lobe meinen Gott

K 52, 1.3.4 Dass du mich einstimmen lässt

Fürbitten L: Gott, wir wissen nicht, wie wir recht und in guter Absicht bitten

sollen. Dein Heiliger Geist nimmt sich unserer Schwachheit an und

bringt unsere Bitten und unsere unausgesprochenen Fragen vor dich.

 

So bitten wir:

Für alle, die gezeichnet sind von Armut und die keine Hoffnung mehr auf ein anderes, ein besseres Leben haben.

Lass ihnen Menschen begegnen, die nicht aufgeben und die ihnen

beistehen.

Du Gott des Lebens:

A: Schenke uns deine Weisheit.

Für alle, die Armut krank gemacht hat.

Steh du ihnen bei und stärke sie und lass sie deine helfende Nähe durch die Zuwendung der Mitmenschen erfahren.

Du Gott des Lebens:

A: Schenke uns deine Weisheit.

 

Für diejenigen, die Verantwortung in Politik und Wirtschaft tragen.

Lass sie die Stimme des Gewissens nicht überhören, damit in all ihren

Entscheidungen die Würde eines jeden Menschen oberste Priorität hat.

Du Gott des Lebens:

A: Schenke uns deine Weisheit.

Für die Kirchengemeinden.

Stärke ihre Bereitschaft, sich laut und deutlich einzusetzen für die Armen in dieser Gesellschaft und nach geeigneten Wegen zu suchen, wie sie solidarisch und unterstützend handeln können.

Du Gott des Lebens:

A: Schenke uns deine Weisheit.

Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in caritativen Projekten.

Erhalte ihnen die Freude an ihrem Dienst und lass sie den Mut nichtverlieren, wenn es mühsam oder schwierig wird.

Du Gott des Lebens:

A: Schenke uns deine Weisheit.

L: Gott, wir vertrauen darauf, dass du die Saat der Gerechtigkeit ausstreust.

Du wirst das Stückwerk unseres Tuns vollenden.

Dafür danken wir dir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Vater unser im Himmel…

Danklied GL 627 Lasst uns loben, freudig loben

EH 154, 1-3 Wenn das Brot, das wir teilen

K 387 Wenn einer zu reden beginnt

Segensbitte Gott, segne unsere Augen

damit wir in allen Menschen unsere Brüder und Schwestern erkennen.

Segne unsere Ohren,

damit wir auf dein Wort hören und unser Leben danach ausrichten.

Segne unsere Hände,

damit wir tun, was dem Wachsen deines Reiches dient.

So segne uns der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige

Geist.

Entlassung L: Singet Lob und Preis

A: Dank sei Gott dem Herrn

Helena Rimmele, Stutensee


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