Statement des Diözesan-Caritasdirektors

Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein

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„Obwohl Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat, haben bedürftige Menschen geringere Chancen, gesund zu bleiben oder wieder gesund zu werden, als die Mehrheit der Bevölkerung.“ Darauf wies Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein gestern in Forchheim bei der Pressekonferenz zur Caritas-Frühjahrssammlung hin. Sie steht im Erzbistum Bamberg unter der Überschrift „Armut macht krank“ und dauert vom 5. bis 11. März.

„Von den knapp 13.000 Klienten, die jährlich die 15 Allgemeinen Sozialen Beratungsstellen der Caritas im Erzbistum Bamberg aufsuchen, geben 70 % finanzielle und 29 % gesundheitliche Probleme als Grund ihres Kommens an“, rechnete Öhlein vor. Den Zusammenhang von Armut und Krankheit stellte er an den Kindererholungen dar, die der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg durchführt: Von den 117 Kindern, die im vergangenen Jahr an den Maßnahmen teilnahmen, litten 26 % am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS), 9 % an Verhaltens- und 3 % an Entwicklungsstörungen. 10 % hatten psychosomatische Beschwerden und 24 % chronische Infekte oder eine besondere Anfälligkeit für Infekte. Dabei sei jeweils nur eine Erkrankung pro Kind erfasst worden, betonte Öhlein und fuhr fort: „Fast die Hälfte der Kinder, die 2011 auf einer Erholungsmaßnahme waren, hat Eltern, die auf ALG II oder andere staatliche Transferleistungen angewiesen sind.“ 48 % stammten aus Haushalten mit drei und mehr Kindern; 66 % lebten mit nur einem Elternteil zusammen.

Als Ursache für die Verknüpfung von Armut und geringeren Gesundheitschancen benannte Öhlein, dass Menschen mit geringem Einkommen vor Ausgaben wie der Praxisgebühr oder den Zuzahlungen zu Medikamenten und Heilmitteln zurückschreckten und daher Erkrankungen verschleppten. Dabei wies er auch darauf hin, wie schnell jemand in die Armut abrutschen könne: „Wenn ein Betrieb insolvent wird und seine Mitarbeiter entlässt, fällt ein Arbeiter, der bislang vielleicht 1.900 Euro netto verdient hat, nach einem Jahr Arbeitslosigkeit auf den Hartz IV-Satz von 374 Euro.“

Für die Frühjahrssammlung warb Öhlein mit dem Engagement der Caritas für Menschen, die gesundheitlich beeinträchtigt und materiell schlecht gestellt sind. So werde ihre Allgemeine Soziale Beratung, die schwerpunktmäßig bedürftige und auf Transferleistungen angewiesene Bürger als Klienten habe, komplett aus Eigenmitteln von Caritas und Kirche finanziert. Von den Gesamtkosten der Kindererholung über 85.000 Euro im vergangenen Jahr habe der Diözesan-Caritasverband fast 30 % selbst getragen; weitere 16,5 % hätten Kreis-Caritasverbände und Pfarreien übernommen. Daher seien Caritas und Pfarreien auf die Spenden aus der Caritas-Sammlung angewiesen.


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Statement von Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein zur Caritas-Frühjahrssammlung 2012 16 KB