Elemente für die Gestaltung eines Gottesdienstes

 

 

Gottesdiensttexte zum Beginn der Caritas-Sammlung und zum Caritas-Sonntag am 25. September 2011

26. Sonntag im Jahreskreis A

 

Eröffnung

Liebe Schwestern und Brüder,

was immer geschehen ist, was immer wir getan haben: vor Gott hat jeder von uns eine zweite Chance. Wer nein zum Guten sagt, auch der fällt unter Gottes Barmherzigkeit, wenn er später ein klares und ernstgemeintes Ja sagt und danach handelt. Wer den Willen Gottes tut, der wird gerettet. Das ist die Botschaft der heutigen Texte aus dem Alten und Neuen Testament. Was der Wille Gottes ist, das sagt uns der heilige Paulus in der 2. Lesung: Seid eines Sinnes, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig… Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.

Diese Mahnung greift die Caritas-Frühjahrssammlung auf. Ihr Motto lautet in diesem Jahr: „Achtet aufeinander! Denn nur miteinander gelingt das Leben.“ Menschen mit Behinderung gebührt unser Respekt, ihnen gebührt unsere Hilfe.

Kyrie-Rufe

Wir wollen nun unseren Willen zum Guten, aber auch unsere Schwächen und unser Scheitern vor Gott bringen und um sein Erbarmen bitten.

Herr Jesus Christus,

behinderte Menschen brauchen Gesten, Worte und Taten, die zeigen, dass sie zu uns gehören. Verzeih uns unsere Unachtsamkeit, mit denen wir ihnen manchmal begegnen.

- Herr, erbarme Dich.

Herr Jesus Christus,

Du liebst jeden Menschen so, wie er ist. Jeder Mensch ist Dein Wunschkind. Zeige uns in jedem Menschen mit Behinderung Dein Antlitz.

- Christus, erbarme Dich.

Herr Jesus Christus,

Du hast uns heute als Deine Gemeinde zusammengeführt. Lass uns immer mehr zusammenwachsen in Deiner Liebe.

- Herr, erbarme Dich.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er lasse uns unsere Sünden nach, er stärke uns im Guten und führe uns zum ewigen Leben in seiner Herrlichkeit. Amen.

Lesungen

1. Lesung: Ezechiel 18, 25 -28

Ihr aber sagt: Das Verhalten des Herrn ist nicht richtig. Hört doch, ihr vom Haus Israel: Mein Verhalten soll nicht richtig sein? Nein, euer Verhalten ist nicht richtig. Wenn der Gerechte sein rechtschaffenes Leben aufgibt und Unrecht tut, muss er dafür sterben. Wegen des Unrechts, das er getan hat, wird er sterben. Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.

2. Lesung: Brief an die Philipper 2,1-11

Wenn es also Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig, dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut. Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen. Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: "Jesus Christus ist der Herr" - zur Ehre Gottes, des Vaters.

Evangelium: Matthäus 21,28-32

Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Sohn, geh und arbeite heute im Weinberg! Er antwortete: Ja, Herr!, ging aber nicht. Da wandte er sich an den zweiten Sohn und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch. Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der zweite. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, das sage ich euch: Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Gedanken zur Predigt

Liebe Brüder und Schwestern!

Als der heutige Papst Benedikt XVI. noch Erzbischof von München und Freising war, hat er immer wieder den Kontakt zu Menschen mit Behinderung gesucht. Er ist in Einrichtungen gegangen, er hat sie zum Gottesdienst nach München eingeladen. Und als er dann schon Kurienkardinal in Rom war, bereitete er 1984 dem „Sonnenzug“ der Münchner Caritas einen großen Empfang. Mit einem Sonderzug waren damals rund 200 behinderte Menschen und ihre Betreuer nach Rom gekommen. Im Petersdom feierte Kardinal Ratzinger mit ihnen einen Gottesdienst. Und er ermöglichte ihnen, ganz allein ihnen, eine Privataudienz bei Papst Johannes Paul II. Der Papst ging damals von einem zum andern, und er hatte für jeden ein tröstendes, ermutigendes Wort. Auch seitdem er selbst ins oberste Hirtenamt gewählt wurde, zeigt Papst Benedikt seine Nähe zu den Menschen mit Behinderung, in seinen Ansprachen, bei seinen Besuchen in Behinderteneinrichtungen.

Warum sind Menschen mit Behinderung der Kirche und ihrer Caritas so wichtig? Nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten?

Die Behindertenhilfe gehört zum, wie man heute so sagt, „Kerngeschäft“ der Caritas in Bayern. Die Zahlen sprechen für sich: Über 600 Einrichtungen und Dienste: Frühförderstellen, Kindergärten, Schulen, Werkstätten, Beratungs- und Kontaktstellen, Heime. In ihnen werden rund 90.000 Menschen mit Behinderung betreut. Auch in unserem Landkreis gibt es Einrichtungen der Caritas und anderer katholischer Träger, zum Beispiel (einsetzen).

Woher also kommt dieses große kirchliche Engagement?

Schauen wir ins Alte Testament, die erste Urkunde unseres Glaubens. Gott schuf den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis, heißt es schon auf den ersten Seiten. Da steht nicht, dass zum Menschsein ein bestimmter Intelligenzquotient oder gesunde Gliedmaßen gehören. Nein, jeder Mensch ist von Gott gewollt und geliebt. Schauen wir auf Jesus. Auf die Frage Johannes des Täufers, ob er der Messias sei, antwortet er: Schau dich um! Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden rein. Sie sehen, gehen und werden rein, weil mit ihm, dem Sohn Gottes, das Reich Gottes angebrochen ist. Gewiss, Jesus hat nicht alle Kranken und Behinderten geheilt. Er hat aber Zeichen gesetzt, die uns eine Ahnung davon geben, wie es im endgültigen Reich Gottes sein wird. Dort wird es keine Behinderung, keine Tränen, keine Krankheit, keinen Tod geben, wie es im Buch der Offenbarung heißt.

Bis dahin aber haben wir Christen den Auftrag, wie Jesus den Menschen mit Behinderung nahe zu sein. Leiden, Krankheit, Behinderung lassen sich nur tragen, wenn es Menschen gibt, die sie mittragen. Gott verlässt sich auf uns. Nur durch uns wird seine Liebe sichtbar und spürbar. Gottes annehmende Liebe braucht uns, im Hier und Heute. Nur durch die praktische Liebe lässt sich vermeiden, dass die bohrenden Fragen nach dem Warum von Krankheit und Leid das Leben von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen noch bitterer machen.

Wie unsere Solidarität aussieht, das mag verschieden sein. Beispiele:

-Kontakt aufnehmen mit Familien, die ein behindertes Kind bekommen haben oder die einen behinderten Menschen pflegen und betreuen, Tag für Tag. Man kann Vieles zu deren Entlastung tun, auch ohne dass man überfordert ist. Man muss nur fragen.

-Ehrenamtlich in einer Einrichtung mitarbeiten.

-Sich als Politiker einsetzen für das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung und für eine Ermöglichung von Selbstbestimmung und Hilfe.

-Als Unternehmer einen Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung zur Verfügung stellen.

-Und natürlich heute und in der kommenden Woche Geld spenden für die Behindertenhilfe der Caritas.

Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen, so haben wir in der Lesung aus dem Philipperbrief gehört. Jeder Mensch ist Gottes Wunschkind, hat Kardinal Ratzinger einmal in einem Gottesdienst mit behinderten Menschen gesagt. Gott hat die Sorge um sie in unsere Hände gegeben.

Jede und jeder von uns kann etwas tun, um im Kontakt von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen Gottes Liebe spürbar werden zu lassen.

Fürbitten

Lasst uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus.

Wir beten für alle Menschen mit Behinderung: Gib ihnen Kraft und lasse sie spüren, dass Du bei ihnen bist.

- Herr, erbarme Dich.

Wir beten für die Eltern, Geschwister und Angehörigen von Kindern mit Behinderung: Sei ihnen nahe mit Deiner Kraft der Geduld und Liebe.

- Herr, erbarme Dich.

Wir beten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas, die ihr berufliches Leben Menschen mit Behinderung gewidmet haben: Gib ihnen Kraft und Ausdauer.

- Herr, erbarme Dich.

Wir beten für die Menschen in Politik und Gesellschaft, die sich für die Würde und die Rechte behinderter Menschen einsetzen: Zeige ihnen, dass sie auf dem rechten Weg sind.

- Herr, erbarme Dich.

Wir beten für die Menschen in unserer Gemeinde, die uns vorausgegangen sind in Gottes ewige Herrlichkeit.

- Herr, erbarme Dich.

Herr, unser Gott, öffne unsere Augen, unser Herz und unsere Hände, damit wir immer mehr zu Zeichen Deiner Liebe werden. Durch Christus unseren Herrn. Amen.

Zum Friedensgruß

„Achtet aufeinander! Denn nur miteinander gelingt das Leben.“ heißt die Botschaft der Caritas-Sammlung. Wenn wir einander achten, dann tragen wir die Liebe Gottes weiter. Geben wir einander ein Zeichen unserer gegenseitigen Achtung.

Schlusswort mit Aussendung der Caritas-Sammler(innen)

Ich danke allen, die in der kommenden Woche als Sammlerinnen und Sammler für die Arbeit der Caritas unterwegs sind. Sie verrichten einen unentbehrlichen Dienst, damit die Kirche und ihre Caritas die Liebe Gottes unter den Menschen sichtbar machen können.

Ihnen allen danke ich für Ihre Spende für die Arbeit der Caritas in unserer Gemeinde, unserer Stadt/unserem Landkreis und in unserer Diözese.

Wir sprechen nun ein Segensgebet für die Caritas-Sammlerinnen und Caritas-Sammler in unserer Gemeinde:

Herr und Gott,

wir bitten dich,

begleite diese Sammlerinnen und Sammler,

wenn sie unterwegs zu den Menschen sind,

die sie in deinem Namen besuchen.

Lass sie froh, ausgeglichen und mutig

den Dienst des Caritas-Sammelns ausführen.

Steh ihnen bei,

wenn sie mit klopfendem Herzen

vor der Türe stehen.

Lass sie den Mut nicht verlieren,

wenn sie einmal nicht freundlich

empfangen oder kritisiert werden.

Schenke ihnen die Gabe des Zuhörens.

Öffne ihre Augen und Ohren für das,

was die Menschen, zu denen sie gehen, bewegt.

Gütiger Gott, im Vertrauen auf dich

beginnen sie ihren Dienst als Sammlerinnen und Sammler in

und für unsere Pfarrgemeinden.

Dazu segne Euch der gütige Gott:

im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

(Das Segensgebet ist nach einem Vorschlag von Martin Patzek formuliert.)

 

Verfasser:

Bernd Hein

Landes-Caritasverband Bayern

Für das Erzbistum Bamberg angepasst durch:

Dr. Klaus-Stefan Krieger

Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg

 


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Gottesdiensttexte zum Beginn der Caritas-Sammlung am 25. September 2011, hg. v. LCV 37 KB