Einführung zur Frühjahrssammlung 2009

Arme Familien – arme Kinder

Den thematischen Schwerpunkt der Frühjahrssammlung setzt die Caritas im Erzbistum Bamberg im Rahmen des Caritas-Jahresthemas 2009 „Soziale Manieren für eine bessere Gesellschaft“ auf die Problematik: Arme Eltern – arme Kinder.

Die Zahlen des Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2008 sind alarmierend: 12,7 Prozent der Bevölkerung sind armutsgefährdet.

Hinter diesen Zahlen verbergen sich viele Einzelschicksale. Unter den besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen sind auch kinderreiche Familien. Ohne staatliche Unterstützung geht bei ihnen wenig bis gar nichts. Oft müssen sie gleichzeitig mit mehreren Problemen fertig werden: Arbeitslosigkeit, Verlust der Wohnung, gesundheitliche Einschränkungen.

Von Armut betroffen sind auch 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Ohne eine frühzeitige Unterstützung gehören sie stets zu den Verlierern der Gesellschaft. Armut grenzt ihre Spielräume massiv ein und ist Ursache für Unterversorgungen – mit Folgen für ihre Entwicklung, ihre Bildung und ihre Gesundheit. Ohnmacht und Ausgrenzung erleben diese Kinder jeden Tag. Eine Erfahrung, die prägt.

Überschuldung der Eltern ist eine der Ursachen für Armut bei Kindern. Immer häufiger rutschen überschuldete Familien in die Armut ab. Sie sparen, wo es nur geht, und verlieren dabei oft den Anschluss ans gesellschaftliche Leben.

Ein Beispiel aus unserem Erzbistum Bamberg: 549 Menschen aus Stadt und Landkreis Coburg haben im vergangenen Jahr die Schuldnerberatungsstelle des Caritasverbandes Coburg in Anspruch genommen. Von ihnen waren 302 (55 %) Hartz-IV-Empfänger und 32 (6 %) bezogen Arbeitslosengeld I. Bei diesen 334 Ratsuchenden waren über 700 Kinder unter 16 Jahren als Familienmitglieder mit betroffen.

Deutlich ist auch die Zunahme der Verschuldung: 2006 beantragten 1.313 Familien aus Stadt und Landkreis Coburg eine Stundung für die Tilgung ihrer Energiekosten. 2008 waren es bereits 1.623 Familien. In Stadt und Landkreis Coburg leben derzeit 2.391 Kinder auf Sozialhilfeniveau. Jedes sechste Kind in der Stadt Coburg ist von Armut betroffen.

Daher setzt sich die Caritas für eine Besserstellung benachteiligter Familien ein. So fordert sie ein eigenständiges Sozialgeld für Kinder, das sich aus ihren tatsächlichen Bedürfnissen errechnet und die Kosten für z.B. Schulmaterial, Schulausflüge, Sportverein oder Musikschule realistisch ansetzt. Bislang ist das Sozialgeld für Kinder nämlich einfach ein – stark – reduziertes Arbeitslosengeld II.

Die Caritas bietet aber auch in vielfältiger Weise praktische Unterstützung an. Rat und Hilfe gibt es u.a. bei folgenden Diensten und Einrichtungen:

  • Die Allgemeine Soziale Beratung der Caritas ist eine erste Anlaufstelle bei Problemen aller Art. Sie hilft durch Beratung bei sozialen und wirtschaftlichen Problemen und bei Ämter- und Behördenangelegenheiten. Sie gibt Hilfestellung bei der Beantragung von Leistungen wie Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld. Bei Bedarf vermittelt sie an spezialisierte Beratungsstellen wie Sucht-, Erziehungs-, Schwangeren-, Schuldner- oder Insolvenzberatung.
  • Schuldnerberatungsstellen geben überschuldeten Familien Hilfestellung bei der Sicherung ihrer Existenz und der Regulierung ihrer Schulden. Darüber hinaus bieten sie Kurse an, die Jugendliche im Umgang mit Geld schulen und zum Überdenken ihres Konsumverhaltens anregen – damit Verschuldung gar nicht erst eintritt.
  • Sozialläden und Lebensmittelausgaben („Tafeln“) versorgen bedürftige Familien kostenlos oder zu stark ermäßigten Preisen mit Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Verstärkt bieten sie auch Schulmaterial an. Kleiderkammern und Möbellager geben Second-Hand-Ware aus.
  • Caritas-Kindererholungen bieten Kindern, die gesundheitliche Probleme haben und aus sozial benachteiligten Familien kommen, Gesundheitsvorsorge und pädagogische Betreuung.
  • Um die Probleme von Familien rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig Hilfen zur Bewältigung der Schwierigkeiten leisten zu können, hat die Erzdiözese Bamberg unter der Projektleitung des Diözesan-Caritasverbandes von 2006 bis 2008 das Projekt „Kindertagesstätten auf dem Weg zum Familienstützpunkt“ durchgeführt. Zehn Modelleinrichtungen entwickelten neue oder erweiterte Angebote, die speziell auf Anliegen und Nöte von Familien eingehen, z.B. Sprechstunden der Caritas-Beratungsstellen im Kindergarten oder Eltern-Kurse.

Gerade bei den materiellen Hilfen und bei den Kindererholungen ist die Caritas stark auf Geld- und Sachspenden angewiesen. Die Allgemeine Soziale Beratung muss die Caritas zu 100 % aus Eigenmitteln finanzieren.

Ihre Spende macht uns handlungsfähig! Helfen Sie uns helfen!

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