Bäckermeister Fahed Khaito mit seinen Gesellen und Lehrlingen in seiner Bäckerei "Crown Bakery" in Bethlehem.
Wallenfels (mz): Bei der letzten Pilgerreise der KAB Wallenfels in das Heilige Land lernten die Wallenfelser den Inhaber der Bäckerei "Crown Bakery" in Bethlehem kennen. Von Franziskanerpater Robert Jauch, der bisher schon zwei Pilgergruppen der KAB Wallenfels durch das Heilige Land geführt hatte, kam die Bitte, für Bäckermeister Fahed Khaito doch eine Bäckerei zu finden, in der er etwas dazulernen könne, z. B. wie deutsches Brot gebacken wird. In Wallenfels musste hier nicht lange gesucht werden. Die Bäckerei Schauer mit Chefin Irene Schauer und ihrem Sohn, Bäckermeister Bernd Schauer, erklärten sich spontan bereit, Fahed als Gast aufzunehmen und ihn in die deutsche Backkunst einzuführen. Auch eine Unterkunft war schnell gefunden: Der Gasthof "Hubertusstüberl" im Wallenfelser Stadtteil Forstloh mit den Inhabern Helga und Roman Schauer bot sofort an, den palästinensischen Gast für die Dauer seines Aufenthaltes ein Zimmer und Verpflegung zur Verfügung zu stellen.
Die erste große Hürde aber war die Beschaffung eines Visums für Fahed. Da als Grund für seinen Aufenthalt zunächst angegeben war, er wolle ein Praktikum absolvieren, fingen unerwartet langsam die Mühlen der Bürokratie zu mahlen an. Auch die Bundesagentur für Arbeit musste in so einem Fall eingeschaltet werden, was aber den deutschen Freunden erst nach Wochen des Wartens bekanntgegeben wurde. Fast hätten Uwe Franz und Franz Behrschmidt schon aufgegeben, doch noch ein Visum für Fahed zu erhalten. Schließlich wurde durch Franz Behrschmidt sogar Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor von und zu Guttenberg eingeschaltet, der bereitwillig half. Auch MdB Hans Michelbach, der ebenfalls um Hilfe gebeten wurde, versagte seine Mithilfe nicht, so dass der Visaantrag in ein Besuchs- und Geschäftsvisum umgewandelt wurde, weil man davon ausgeht, dass Fahed als Gast in Wallenfels ist und kein Entgelt. Somit konnte Fahed Khaito vom 11.07. bis 01.08.09 nach Wallenfels kommen.
Anreise
Mit dem Visum allein aber war es nicht getan. Für Palästinenser, wie Fahed Khaito, besteht in Israel keine Möglichkeit, ein Flugzeug zu besteigen. Deshalb musste er zunächst bei Jericho die Grenze nach Jordanien passieren, wobei sein Gepäck ohne Kennzeichnung der Koffer einfach auf einem LKW „verstaut“ und separat nach Jordanien geschafft wurde. Auf jordanischer Seite wird das Gepäck noch vor Eintreffen der Reisenden, die wie Fahed mit Bus oder Taxi die Grenze überqueren, vom LKW entladen und auf der Straße „zwischengelagert“. Persönliche, wertvolle oder empfindliche Gegenstände sollten deshalb nicht im Gepäck verstaut werden. Durch den deutschen Zoll erfuhr Uwe Franz am 11.07., gegen 14:00 Uhr, dass Fahed Khaito in München eingetroffen ist. Da er drei Olivenholzschnitzereien, Teile einer Kreuzigungsgruppe für eine Wallenfelser Kapelle, im Gepäck mitführte, war er bei der Zollkontrolle angehalten worden. Nachdem Uwe Franz allerdings glaubhaft versichern konnte, dass es sich hierbei um eine Spende handelt, stand der weiteren Reise nichts mehr im Wege.
Mittlerweile konnte Fahed Khaito die Stadt Wallenfels mit seinen Menschen ein wenig erleben und vor allem die ganz besondere Gastfreundschaft seiner Gasteltern, Helga und Roman Schauer, dem Personal der Bäckerei Schauer mit Irene und Bernd Schauer und seiner deutschen Freunden Uwe Franz und Franz Behrschmidt genießen. Für ihn ist vor allem der Backbetrieb von größtem Interesse. Bernd Schauer behandelt seinen Gast mit besonderer Hingabe. Trotz unterschiedlicher Sprachen verstehen sich beide blendend, und Fahed zeigt mit viel Geschick, dass ihm das Kneten, Rühren und Formen sichtlich Spaß bereitet. Ein Nachteil nur, dass er die notwendigen Zutaten für deutsches Brot nicht nach Hause geliefert bekommt, da die Zulieferer in Deutschland keine Verträge mit Israel haben. Für Fahed aber sind die drei Wochen in Wallenfels ein ganz besonderes Erlebnis, wenn er sich auch, bedingt durch die kühle Witterung, fast wie nach Alaska versetzt fühlt. Als außerordentlich eindrucksvoll genießt er die Ruhe in unserer Gegend, und das kaum Menschen auf der Straße zu sehen sind. Als Vergleich nennt er den Verkehr und die Fahrweise der Taxifahrer in Bethlehem. Ein kulinarischer Kulturschock allerdings dürfte am ersten Tag das Mittagessen gewesen sein: Wildschweinbraten mit Klößen und Blaukraut, dazu gutes fränkisches Bier. Dieses Essen war für ihn völlig neu, hat ihm aber offensichtlich gut geschmeckt. Wir wünschen ihm noch einen guten Aufenthalt mit vielen neuen Eindrücken, und dass es ihm gelingen möge, für seine Bäckerei in Bethlehem auch die notwendigen Zutaten zu bekommen.
Zur Person von Fahed Khaito
Fahed Khaito ist Palästinenser und Christ. Wegen seiner palästinischen Herkunft wird er zunächst von den Israelis diskriminiert. Dies wirkt sich sich besonders durch eingeschränkte Reisefreiheit bzw. fehlenden Arbeitserlaubnis in Jerusalem aus. Da die Ehefrau von Fahed Khaito in Jerusalem geboren ist, haben sie und ihre beiden Kinder einen israelischen Pass und können damit problemlos die „Grenzen“ passieren. Als Christ muss er allerdings in seiner Heimat und unter seinen Landsleuten, die 98 % dem Islam angehören, weitere Diskriminierungen hinnehmen. Die Folge ist, dass immer mehr Christen das Heilige Land verlassen. Ziel der Franziskaner, vor allem von Pater Robert Jauch ist es deshalb, dem entgegenzuwirken. Durch solche „Qualifizierungsmaßnahmen“, wie eben dieses „Praktikum“, soll das Leben der Christen im Ursprungsland der Christenheit erleichtert und der Fortbestand der Nachfolge der Urgemeinde gesichert werden. Durch den dreiwöchigen Aufenthalt tragen die Wallenfelser KABler zur Völkerverständigung bei.
Datum: 24.07.2009
Autor: Manfred Ziereis
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