Energiemanagement: ein Gewinn für die Pfarrei und die Umwelt
Energie- und Klimaoffensive
Eine Zertifizierungs-Urkunde für Jugendhaus und Landvolkshochschule Feuerstein überreichte Frank Lechner von der IHK Oberfranken an Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Rechts Staatssekretärin Melanie Huml.
Mit einem Grundstock von fünf Millionen Euro und einem umfangreichen Maßnahmenkatalog hat die Erzdiözese am 1. März 2009 eine Energie- und Klimaoffensive gestartet. Erzbischof Dr. Ludwig Schick eröffnete sie offizielle mit einem Gottesdienst und einer Auftaktveranstaltung im Jugendhaus Burg Feuerstein.
Eine Besonderheit der Energie- und Klimaoffensive der Erzdiözese Bamberg ist die Kombination von technischen Baumaßnahmen und gleichzeitiger Bewusstseinsbildung bei den Pfarrgemeindemitgliedern: Zum einen stellt das Erzbistum für Bau- und Renovierungsmaßnahmen, die auf die Schonung des Klimas zielen, insgesamt fünf Millionen Euro bereit. Die Pfarrgemeinden können Anträge beim Bauamt der Erzdiözese stellen. Nach Einzelfallprüfung wird entschieden, ob und in welcher Höhe Unterstützung für umweltschonende Energiesparmaßnahmen und die Nutzung regenerativer Energien bereitgestellt wird.
Zum anderen will man Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen dazu anregen, durch Energiemanagement die Vermeidung von Umweltbelastungen oder die Verringerung von Stromaufwand und CO2-Ausstoß zu erreichen. Zur Umsetzung dieser Kampagne hat der Diözesansteuerausschuss für das Jahr 2009 die Bereitstellung von Kirchensteuermitteln in Höhe von zwei Euro pro Katholik bewilligt. Bei rund 750.000 Katholiken in der Erzdiözese entspricht das einem Betrag von etwa 1,5 Millionen Euro. In den folgenden Jahren wird das Gremium je nach Haushaltslage neu über diesen jährlichen Zuschuss entscheiden.
Senkung von Stromverbrauch und CO2-Ausstoß seien oft ganz oder nahezu investitionsfrei mit kleinen Eingriffen in den Energiehaushalt zu bewerkstelligen, meint Klaus Schwaab, Umweltbeauftragter des Erzbistums Bamberg und Bildungsreferent an der Katholischen Landvolkshochschule Burg Feuerstein (KLVHS). Er betont, dass Energiemanagement in den Kirchengemeinden auf ehrenamtlichem Engagement basiert. In jeder Gemeinde, so Schwaab solle ein ehrenamtlicher Umweltbeauftragter benannt werden, „der im Pfarrgemeinderat solange nervt und keine Ruhe gibt, bis ein Energiekonzept aufgestellt wird“. Über das Ehrenamt könne auch Bewusstseinsbildung in den Kirchengemeinden geleistet werden, so dass im Idealfall jeder einzelne Kirchenbesucher erreicht wird und in seinem persönlichen Umfeld mit dem Energiesparen beginnt.
„Diese Klimaoffensive zur Bewahrung der Schöpfung ist mir wirklich ein Herzensanliegen, und wenn diese Initiative auch Ihr Herzensanliegen wird, dann bin ich voll und ganz zufrieden“, wandte sich Erzbischof Schick an die Festgemeinde auf Burg Feuerstein und damit an zahlreiche Multiplikatoren, die das Anliegen in die Gemeinden hinaustragen sollen.
Was den Klimaschutz anbelange, sagte Schick, sei es fünf vor zwölf. Dies bedeute einerseits eine bedrohliche Situation, denn das Klima habe sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Die Erderwärmung habe auf Grund des durch CO2-Ausstoß verursachten Ozonlochs zugenommen, und jetzt müsse sofort etwas dagegen unternommen werden. Fünf vor zwölf heiße andererseits aber auch, dass es noch nicht zu spät sei: „Wir können es schaffen, die Umwelt für die Nachfolgegenerationen zu erhalten, wenn alle gesellschaftlichen Kräfte dazu beitragen.“
Aus zwei Gründen, erläuterte der Erzbischof, sei die Energie- und Klimaoffensive sein Herzensanliegen. Einmal sei das Erzbistum mit wunderschöner Natur wie der Fränkischen Schweiz und dem Frankenwald gesegnet, und die Landschaft dieser fränkischen Heimat gelte es unbedingt zu bewahren. Zum anderen sei er selbst in der Bischofskonferenz für die Weltkirche verantwortlich. Das motiviere, ja zwinge ihn dazu, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. So habe er bei seinem Besuch der Sahelzone die Auswirkungen des Klimawandels hautnah erlebt. Es herrsche Dürre, und die Regenzeit sei ohnehin sehr kurz. In den letzten Jahren sei die Situation durch die Klimaveränderungen noch schwieriger geworden; die Sahara-Wüste breite sich immer mehr aus. Durch die Erderwärmung wachse sich dieses Problem zu einer Umweltkatastrophe aus. Auch Mittelamerika und viele Gebiete in Asien bis nach China hin seien von dieser Thematik betroffen.
Regional zu handeln und global zu denken, bedeute auch, global zu handeln: „Jeder Beitrag, den wir hier zur Bewahrung der Schöpfung leisten, hat Auswirkung auf die ganze Welt“, betonte Schick.
Klaus Schwaab ging bei der Festveranstaltung ausführlich auf Möglichkeiten des Energiemanagements ein. Er erläuterte sie am Beispiel von Jugendhaus und Landvolkshochschule Burg Feuerstein. Beide Einrichtungen setzten nicht nur in den vergangenen Jahren Maßstäbe in der Energieeinsparung sowie der Nutzung erneuerbarer Energien. Jetzt wurden ihre Energie- und Umweltmaßnahmen auch mit Erfolg zertifiziert. Die Einrichtungen erhielten bei der Veranstaltung die sogenannte Emas-Urkunde.
Schon mit dem Vermeiden von Nachlässigkeiten wie ganztags geöffneten Fenstern, nachts eingeschalteten Heizungen, lose hängenden Thermostaten, Lastspitzen im Stromverbrauch oder unisolierten Rohrleitungen im Heizungskeller, lasse sich eine Menge erreichen, richtete Schwaab einen Appell an die Pfarreien. Ein aufmerksamer Gang durch die Räume des Gemeindezentrums oder des Kindergartens könne solche Mängel zutage bringen und Abhilfe schaffen. Nicht zuletzt handele es sich hierbei um Fragen des Lebensstils. Würde man für die 350 Gemeinden des Erzbistums Bamberg nur 10 Prozent Energieeinsparungen ansetzen, rechnete Schwaab vor, so würde dies nicht nur ein Einsparungspotential von insgesamt knapp 9 Millionen Euro, sondern auch 4.200 Tonnen weniger an CO2 bedeuten. In jeder einzelnen Gemeinde bestehe ein Einsparpotential von rund 25.000 Euro an Energiekosten. 18.000 Euro könnten beim Heizen und 7.000 Euro beim Stromverbrauch wegfallen.
„Jeder Liter Heizöl verursacht etwa drei Kilogramm CO2“, erläuterte Schwaab. Eine konventionelle Heizung würde auf Burg Feuerstein jährlich 16.000 Liter Öl verbrauchen. Durch den Einbau einer Hackschnitzelheizung wurden 540 Tonnen CO2 und außerdem 60.000 Euro an Kosten eingespart. Die 1994 eingebaute Photovoltaikanlage vermindert das CO2-Aufkommen nochmals um 54 Tonnen und die Stromkosten um 45.000 Euro. Trotz Steigerung der Belegung um 10 Prozent sei der Stromverbrauch im Jugendhaus Burg Feuerstein zwischen 2005 und 2008 um weitere 10 Prozent gesenkt worden: durch Energiemanagement, „ohne dass wir hier investiert hätten“. Eine Wärmeschutzverglasung der Fenster, die bis zum Jahr 2013 erfolgen wird, soll den Energieverbrauch um weitere 10 Prozent verringern.
In einer Talkrunde mit Erzbischof Ludwig Schick und dem Umweltbeauftragten Klaus Schwaab sagte Staatssekretärin Melanie Huml zu: Nach den neuen Richtlinien des staatliche CO2-Minderungsprogramm für kirchliche Bauten, die im April heraus kommen, werden nicht mehr nur Kindergärten und kirchliche Schule zur, sondern auch Sakralbauten, beim CO2-Abbau staatlich gefördert. Nach der Talkrunde eröffnete Melanie Huml die Ausstellung „Klima & Co“ vom Landesamt für Umwelt.
Datum: 23.03.2009
Autor: Dorothea Weiler
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