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Brief an Erzbischof Dr. Ludwig Schick

 

                                                                                                                                    Kulmbach, 02.07.2019
Sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Schick,

die Initiative „Maria 2.0“ hat auch Menschen in unserem Seelsorgebereich Kulmbach Stadt und Land bewogen, Stellung zu diesen wichtigen Fragen zu beziehen. Einige Frauen und Männer dieser Gemeinden haben sich nun zusammengefunden, um sich dieser Bewegung anzuschließen. Diese Gruppe nennt sich ebenfalls „Maria 2.0“, sie unterscheidet sich allerdings in ihrer Schwerpunktsetzung ein wenig von der Initiative in Münster.
Uns geht es vor allem um die Benachteiligung der Frauen in der Katholischen Kirche.
Wir treten dafür ein, dass die Zulassung der Frauen zu allen Ämtern der Kirche möglich wird. „In dieser Frage sind wir noch nicht so weit, wie wir sein wollen“, haben Sie beim „Tag der Räte“ kürzlich gesagt. Da stimmen wir Ihnen zu – wir meinen deshalb, dass es dringend notwendig ist, aktiv und mit Nachdruck Lösungswege zu erarbeiten.
„Getauft und gesendet“ – so lautet das Bistumsmotto in diesem Jahr. Sie schreiben dazu in Ihrem Gästebrief: „Die Taufe macht uns zu Schwestern und Brüdern Jesu Christi und zu Gliedern der einen katholischen Kirche, in der alle die gleiche Würde haben und in der alle zugleich verpflichtet sind, am missionarischen und karitativen Auftrag mitzuwirken.“ Wir begrüßen diese Formulierung sehr, denn Sie schreiben „alle“. Damit stellen Sie die Frauen gleichberechtigt neben die Männer. Sie verdeutlichen, dass Frauen die gleiche Würde haben, die gleiche Verpflichtung, die gleiche Sendung. Viele Frauen spüren genau diesen von Gott an sie ergangenen Ruf der Sendung und sie fühlen sich verpflichtet, ihm zu folgen - doch die Kirche hindert sie daran.

„Wenn nun Gott ihnen (den Heiden), nachdem sie zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind, die gleiche Gabe verliehen hat wie uns: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?“, sagt Petrus im Hinblick auf die Öffnung der Kirche für die Heiden. (Apg 11,17)
„Wenn nun Gott ihnen (den Frauen), nachdem sie zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind, die gleiche Gabe verliehen hat wie uns: Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte?“, müssten das nicht die Nachfolger des Petrus und aller Apostel heute sagen im Hinblick auf die Öffnung der kirchlichen Ämter für die Frauen?

Die evangelische Kirche in Deutschland hat ihren ersten Schritt zur Frauenordination vor ca. 60 Jahren getan! Wie lange will die Katholische Kirche, gerade in der Zeit einer großen Krise, noch den notwendigen Entwicklungen hinterherhinken und sich dem Auftrag des „Aggiornamento“ verweigern?

Die weiteren Forderungen der Maria 2.0 – Initiatorinnen betreffen die Abschaffung des Pflicht-Zölibats sowie konsequente Prävention, Aufdeckung und Bestrafung sexuellen Missbrauchs. Diese Forderungen sind richtig und außerordentlich wichtig und werden selbstverständlich von uns mit Nachdruck unterstützt. Allerdings wollen wir diese komplexen Themen nicht oberflächlich miteinander vermischen, deshalb legen wir unseren Schwerpunkt auf das Problem der Diskriminierung von Frauen durch die Katholische Kirche.

Wir senden Ihnen das von uns verfasste Schreiben, das unsere Position zum Ausdruck bringt. Dieses haben wir in den Kirchen ausgelegt und im „Aktuell“ sowie auf der Homepage unserer Gemeinden veröffentlicht. Weitere Maßnahmen sind in Planung, mit denen wir unter anderem an die Öffentlichkeit gehen wollen, auch über die Gemeinden hinaus.

Mit diesem Brief wollen wir Sie über unsere Initiative informieren. Wir weisen auch darauf hin, dass wir von unseren Seelsorgern, allen voran Herrn Dekan Roppelt, große Unterstützung durch ihr umsichtiges Verhalten erfahren. Das ist eine besondere Herausforderung, da in unseren Gemeinden auch einige Gläubige sind, die besonders streng-konservative Positionen vertreten und nun in sehr aufgebrachter Weise auf die entstandene Diskussion reagieren. Die besonnene Art unserer Seelsorger wollen wir deshalb ausdrücklich hervorheben! Sie finden klare Worte, geben gutdurchdachte Impulse, sind mit allen im Gespräch und arbeiten daran, Brücken zum Dialog zu bauen.

Wir bitten Sie dringend, unser Anliegen zu bedenken und mit einzubringen in die Erörterung dieser Fragen, vor allem auch beim „Synodalen Weg“ der Kirche.

Mit freundlichen Grüßen

Michaela Axtner
Sprecherin im Namen der Gruppe (momentan 19 Personen)

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