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   Predigt zum Fest "Taufe des Herrn" von Michael Leicht     

Liebe Schwestern und Brüder,

heute haben wir von einer Proklamation im Evangelium gehört: Die Proklamation Jesu als Sohn Gottes: „Das ist mein geliebter Sohn“.    Proklamieren – das bedeutet bedeutet AUSRUFEN – Ausschreien. Wir können es auch VERÖFFENTLICHEN nennen.

Öffentlich geschieht heute vieles – wir brauchen nur in die Medien der vergangenen Woche zu schauen.

Da wurde vom Theaterstück „Demenz, Depression und Revolution“ berichtet, in dem eindeutige Anspielungen auf das Lebens des Torwarts Robert Enke von Hannover 96 zu finden sind. Er litt unter starke Depressionen und hat sich 2009 das Leben genommen. Auch vom verstorbenen Kind, dass drei Jahre vorher gestorben ist, war die Rede.   Die Witwe erwirkte eine einstweilige Verfügung, da, wie es die Zeitschrift „Die Zeit“ in ihrer Onlineausgabe publizierte, sie nicht wollte, dass „die Geschichte Ihrer Familie auf der Bühne“ vermarktet wird. Aus der Not eines Menschen, die ihn bis in den Selbstmord trieb, sollte Geld gemacht werden. Das muss vor allem auch für die Witwe hart sein – wenn persönlichste Dinge, die auch schmerzen, wenn der persönliche Verlust des Lebenspartners öffentlich zur Schau gestellt werden.            

Den Verlust Lebenspartners auf andere Weise muss der ehemalige Bundespräsident verkraften. Auch das ging durch die Medien. 

Ein Leben, das kaum noch Privatraum hatte, war unter anderem auch das von Prinzessin Diana. Sie können sich bestimmt an die Berichterstattungen erinnern – ihr blieb kaum noch ein Privatleben – immer von Medien verfolgt.  Ähnlich mag es heute auch William und Kate ergehen.

… Die Beispiele ließen sich noch weiter fortführen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Interesse an Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, gibt es viel. Interesse zum Beispiel an einem Staatsoberhaupt, einem Schauspieler – oder auch um den Privatsekretär des Papstes. Wenn man solche Personen auf der Straße sieht, ist die Neugierte immer groß.

Interesse hatten die Menschen auch an Johannes dem Täufer – sie beobachteten ihn – hatten Erwartungen an Ihn: „Sie überlegten in Ihrem Herzen, ob er nicht selbst der Messias sei.“ Diese Interesse an einem finden die einen toll – wenn Sie endlich im Rampenlicht stehen – beobachtet und bestaunt werden (Denken sie an die ganzen Castingshows). Andere verzichten gerne darauf. Sie tun ihren Dienst so gut es geht, finden es aber schwierig, wenn Sie nur in Ihrer Rolle gesehen werden und gar nicht mehr abschnallen und privat sein können. Es sind solche Personen, die wissen, dass sie nicht der Nabel der Welt sind.

„Ich bin nicht der Nabel der Welt“ – das hätten auch die Worte von Johannes dem Täufer sein können. Er sagte: „Ich taufe Euch nur mit Wasser“. Das klingt für mich wie ein bekannter Satz: „Ich koche auch nur mit Wasser“ – oder „Der kocht auch nur mit Wasser“. Johannes der Täufer ist sich bewusst: Auch wenn er eine wichtige Aufgabe hat: Aufruf zur Umkehr – Predigen – Taufen -:- an Ihm allein hängt das Heil der Welt nicht, sondern an dem, in dessen Dienst er steht. Damit nimmt er den Druck, alles selbst tun zu müssen von sich weg – und er lenkt den Blick der Leute hin zum Messias.

Es gibt eine Anekdote von einem Menschen, der ebenfalls Johannes hieß – Papst Johannes XXIII. Da heißt es:  Ein junger Bischof wendet sich kurz nach seiner Weihe an Papst Johannes XXIII und sucht seinen Rat, weil er vor der hohen Würde dieses Amtes schlussendlich zurückschreckt und aus lauter Verantwortungsbewusstsein keinen Schlaf mehr findet. Er denkt, dass er dies auf Dauer nicht bewältigen könne. Daraufhin lächelt der Papst und sagt: "Mein Sohn, als ich zum Papst gewählt wurde, bin ich erschrocken vor der Würde dieses Amtes, und ich konnte eine Zeitlang überhaupt nicht mehr schlafen. Einmal bin ich doch kurz eingenickt, da erschien mir ein Engel im Traum, und ich erzählte ihm meine Not. Daraufhin sagte der Engel: 'Giovanni, nimm dich nicht so wichtig'. Seitdem kann ich wunderbar schlafen.

„Nimm dich nicht so wichtig“ und „Ich koche auch nur mit Wasser“ – Ich denke, dass diese Gedanken allen Menschen zugestanden werden müssen. Nimmt dich nicht so wichtig – denke nicht, dass Du nur noch in deinem Amt, in deiner Arbeit und Funktion existieren könntest, sondern lass es zu, dass Du auch Mensch sein kannst und darfst. Wir dürfen andere nicht nur als Arzt, als Techniker, Präsident, Papst oder Bischof sehen und Ihnen keine Freiheit mehr gönnen. Geben wir einander Raum zum Mensch-sein-dürfen – den brauchen wir selbst auch. Auch Jesus selbst hat sich immer wieder zurückgezogen – weg von der Öffentlichkeit – manchmal auf einen einsamen Berg.

Liebe Schwestern und Brüder, so möchte ich meine heutige Predigt mit Gedanken von einem Menschen schließen – wieder ein Johannes: Papst Johannes Paul II. Er forderte 1989 im Gespräch mit Michael Gorbatschow, dass wir eine neue Weltordnung brauchen – eine, die gerechter und menschlicher ist. Diese Worte sprach er im Hinblick auf die Teilung Europas.  Eine Weltordnung – die Menschlicher ist – die brauchen wir aber auch im Hinblick auf Menschen in öffentlichen Ämtern und Positionen. Wir brauchen eine Menschlichkeit, die Ihnen auch Ihren Freiraum und Ihre Privatsphäre gönnt – eine Menschlichkeit, die Ihnen und uns auch erlaubt, nur mit Wasser zu kochen und uns nicht als den Nabel der Welt zu sehen.

Amen

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