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"Gott steht zum Menschen und vollendet das Gute, das er in ihm begonnen hat"

Predigt zum 17. Sonntag im Jahreskreis (am 28.07.2013)

  

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Liebe Schwestern und Brüder,

 in den Medien war ausführlich über längere Zeit über den Fall einer Steuerhinterziehung berichtet worden. Eine     bekannte Persönlichkeit hatte sich selbst angezeigt, da sie bei einer ausländischen Bank ein Konto hatte dessen Zinsen nicht versteuert wurden. Viel wurde über diesen Fall und das gefallene Urteil (und die damit Verbundene Frage nach der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz) geredet und diskutiert – in den Medien und in privaten Gesprächen.

Ich möchte hier diesen Fall nicht beurteilen – sondern zwei Punkte für die heutige Predigt herausgreifen. Das ist zum einen das Urteil: „Auf Bewährung“ und zum anderen einen Satz, der ziemlich am Anfang der Angelegenheit zu hören war: „Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe, aber ich bin deswegen kein schlechter Mensch.“

„Ich habe Fehler gemacht, aber ich bin deswegen kein schlechter Mensch“. Ich denke, dass dieser Satz auf die meisten Menschen - mich eingeschlossen - zutrifft.     Und dieser Satz scheint auch in einer abgewandelten auf erste Lesung zuzutreffen: „Auch wenn es in den Städten Sodom und Gomorra Unrecht gibt – deswegen ist nicht die ganze Stadt schlecht.“ Sicher, In Sodom wird als eine großteils zerrüttete und unmoralische Gesellschaft betrachtet – aber trotzdem verliert Abraham nicht den Glauben an das Gute in diesen Menschen. Von diesem Guten ist Abraham überzeugt. Deswegen handelt er mit Gott: „Willst Du die Gerechten mit   den Ruchlosen hinwegraffen?“

Jedes Gute, das es gibt, zählt vor Gott - und sei es noch so klein. Das spürt Abraham, als er die Zahl immer wieder herunter handeln muss – von anfangs 50 gerechten Personen auf dann 10. „Ich werde die Stadt um der Zehn willen nicht zerstören.“ Das Gute, sei es auch noch so gering, hat mehr Gewicht als alles Schlechte zusammen. Das durften auch die Menschen spüren, denen Jesus begegnet ist – ein Zöllner, ein Blinder, eine Sünderin, … Das müssen auch wir immer wieder spüren – das wir das Gute in uns tragen. (Vgl. Schöpfungs-bericht: Gott   schuf den Menschen und er sah, das es gut war.) Gott hält am Menschen fest und glaubt an das Gute in ihm. – Das ist für mich die Botschaft der ersten Lesung und diese kommt auch immer wieder in verschiedenen Texten zum Ausdruck: Zum Beispiel bei der Priesterweihe: „Gott selbst vollende das Gute Werk, das er in Dir begonnen hat." Oder noch beeindruckender bei der Trauung: „Gott ist treu. Er wird zu Euch stehen und das Gute, dass er begonnen hat, vollenden.

Die zweite Lesung scheint dies zu bestätigen, wenn sie davon spricht, dass Gott die Sünden durchgestrichen und uns lebendig gemacht hat: Gott hält am Menschen fest. Weil er das Gute in uns sieht, wagt er immer wieder einen neuen Anfang mit uns.  Das ist das, was in der Beichte geschieht. Es geht nicht alleine darum, alleine Sünden zu vergeben, sondern vielmehr darum, das Gute in uns zu entdecken und zu stärken. Es geht darum, unseren Willem zum Guten immer mehr zum Durchbruch kommen zu lassen. Das Gute in uns muss Gestalt annehmen. Wie das genau dann aussieht, ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Daher brauchen wir auch das Gespür für den Mitmenschen. Anhand einer Handlung alleine kann man keinen beurteilen – sondern es kommt auf den Geist an, der dahintersteckt. Er war und ist mir immer wichtig, dass auch unseren Kommunionkindern und Firmlingen zu vermitteln              

Papst Johannes XXIII. Hat einmal gesagt: „Man muss in jedem Menschen zuerst das Gute sehen“. Bemühen wir uns darum, dass Gute in unseren Mitmenschen zu sehen. Öffnen wir einander unser Herz und unser Ohr – dann kann das auch der erste Schritt für einen Neuanfang aus einer verfahrenen Situation sein. Auch Gott fängt mit den Menschen immer wieder neu an – davon ist die Bibel voll. Um diesen Neuanfang beten wir in jeder Messe, im Schuldbekenntnis und im "Vaterunser“: „Vergib uns unsere Schuld“ –  schau nicht nur darauf, sondern auch auf das Gute uns. Oder auch bei der Kommunion: "Schau nicht auf unsere Sünden" - nicht nur, sondern darauf, dass Du das Gute in uns gelegt und mit uns vor hast. Und gib uns Kraft, dass zu tun.

Liebe Schwestern und Brüder, das eingangs erwähnte Urteil „auf Bewährung“ wegen Steuerbetrug wird unterschiedlich wahrgenommen. Wie gesagt möchte ich dieses hier nicht bewerten. Was ich aber fordere, dass ist die Grundeinstellung, dass jedem Menschen die Möglichkeit gegeben wird, sich zu bewähren. Wir sind nicht ohne Fehler und nicht ohne Schuld – aber wir tragen das Gute in uns. Das soll und muss sich immer mehr durchsetzen. Daher sollen alle die Möglichkeit haben, sich zu bewähren. Auch wenn einer Fehler gemacht hat, er ist deswegen kein schlechter Mensch. Gott selbst stärke und vollende das Gute Werk, dass er in uns begonnen hat.

 

Amen.

 

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