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03. Sonntag der Osterzeit

"Man vergisst schnell Menschen, mit denen man gelacht hat; aber niemals die, mit denen man geweint hat"

Liebe Schwestern und Brüder,

als ich das heutige Evangelium angeschaut habe, bin ich zuerst etwas erstaunt gewesen. Ich dachte: So viele Geschichten in ein Evangelium zusammengepackt. Das ist doch viel zu viel. Da ist zum einem die Erzählung von einem Wunderbaren Fischfang mit einem Erkennen und Bekennen zum Sohn Gottes; dann das Gemeinsame Essen; Die Auseinander-setzung des Petrus mit der Verleugnung und die anschließende Berufung in das Hirtenamt mit der Prophezeiung seines eigenen Leidens. Das Ganze ist schon viel auf einmal – was ist davon für uns wichtig?

Ich denke, dass diese Vielfalt der Geschichten zu einem menschlichen Leben passt, denn unser Leben ist vielfältig, ist vielschichtig und bunt. Wenn das Evangelium heute so viele verschiedene Texte verwendet, dann ist es zum einem ein Bild für unser Leben, das auch aus ganz vielen und verschiedenen Einzelbildern, Geschichten und Erfahrungen zusammengesetzt ist. (Manchmal ist es schwierig, da einen roten Faden zu finden – „Wie passt das alles zusammen?“) Zum anderen zeigt sich In der Vielfalt dieses Textes – trotz aller Verschiedenheit - ein roter Faden, der die ganzen Geschehnisse miteinander verbindet. Der rote Faden ist ein Prozess von der Unwissenheit der Jünger hin zum Erkennen des Auferstandenen. Zu Beginn hieß es, dass Jesus am Ufer stand, die Jünger ihn aber nicht erkannt haben (21,4). Später: „Keiner wagte zu fragen, wer er ist – Denn sie wussten es“. Danach das gemeinsame Mahl. Es kommt die Erkenntnis Petrus, dass er Jesus dreimal verleugnet hat – als Jesus ihn dreimal fragt, ob er ihn liebt. Und am Ende folgt das Bekenntnis des Petrus und dessen Beauftragung.

Wenn wir unser eigenes Leben anschauen, wenn wir so einige Ereignisse zusammensehen, werden wir vielleicht auch so manche Wegprozesse sehen, wo ein Ereignis mit dem anderen zusammengehört. Den roten Faden sehen wir dann meist erst in der Rückschau. Vielleicht sind es Ereignisse, die wir mit Freunden und Verwanden erlebt haben. Wir lernen einander kenne, schließen Freundschaft (essen miteinander) – wir verlassen uns aufeinander. In einer solchen Freundschaft gibt es dann auch mal Enttäuschung, Verstimmungen und Verleugnung  „Ich kenne diesen Menschen nicht“. Es gibt das Aufeinander zugehen nach einem Streit, Versöhnung und einen Weg in eine gemeinsame Zukunft.

Liebe Schwestern und Brüder, das heutige Evangelium stammt aus dem 21. Kapitel des Johanns-evangeliums.In vielen Bibelkommentaren wird dieses Kapitel als„Nachtrag“ oder „Anhang“ bezeichnet und behandelt. Es wird also als etwas gesehen, was zusätzlich an das Johannesevangelium angefügt wurde. – Und man kann das auch gut belegen. Im letzten Kapitel wird das Buch abgeschlossen: „Noch viele andere Zeichen hat Jesus bewirkt – diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt“. – So nach dem Motto „Das war´s“ Einige Theologen sagen, dass das 21. Kapitel des Johannesevang-eliums der jüngste Text im NT ist, dass als Abschluss aller vier Evangelien geschrieben wurde. Dieses Evangelium heute ist, so könnte man sagen, noch einmal eine Art „Wiederholung“ der Auferstehungsbotschaft – sie soll noch einmal eingeschärft werden – und deutlich machen, dass es trotz allen Höhen und Tiefen weitergeht. Ich denke, dass es diese Höhen und Tiefen sogar braucht – denn genau das schweißt zusammen: Wenn man miteinander Probleme durchmacht. Auf Facebook habe ich einmal einen Spruch gelesen, in dem genau das zum Ausdruck kommt: „Man vergisst schnell Menschen, mit denen man gelacht hat. Aber man vergisst niemals die Menschen, mit denen man geweint hat.“ Tränen schweißen zusammen.

Liebe Schwestern und Brüder, der heutige Evangelientext ist voll von einzelnen Geschichten. Vielleicht waren es den Jüngern zu viele Erlebnisse – so wie auch uns vielleicht so manche Erlebnisse zu viel zu sein scheinen – und wir sie nicht einordnen können. Petrus konnte vielleicht seine Verleugnung nicht einordnen – die Erinnerung daran macht ihn traurig. Wenn das heutige Evangelium so viele Geschichten beinhaltet, möchte es auch uns anspornen, nicht aufzugeben, sondern zu bleiben:Trotz allen Höhen und Tiefen im Leben und Glauben, Trotz allen Zweifeln, die durch die Lebenserfahrungen entstehen: Gebt nicht auf! Habt den Mut, euch immer weiter um Gewissheit zu bemühen, danach zu suchen. Dazu tut auch ein Blick in die Vergangenheit gut: Wenn das heutige Evangelium den See von Tiberias erwähnt, dann nimmt es ganz bewusst Bezug auf den Anfang: Hier hat der Weg mit den Jüngern angefangen – da haben sie seinen ersten Ruf zur Nachfolge bekommen – sie haben alles Verlassen und sind ihm nachgefolgt. Der Rückblick auf den Anfang kann zum einem Mut machen: „Weißt Du noch, wie begeistert wir am Anfang waren“ – es kann etwas von dieser Aufbruchsstimmung aufbrechen. Der Blick auf den See von Tiberias ist ein Verweis auf die gemeinsam erlebten wunderbaren Dinge – die wunderbare Speisung der 5000 Menschen mit 5 Broten und 2 Fischen. Ein Rückblick öffnet die Augen für das Gute und Wunderbare in unserem Leben, was wir vielleicht im Trubel des Alltags aus den Augen verloren haben. Der Blick auf den See erinnert die Jünger an die Selbstoffen-barung Jesu beim Sturm. Hier scheinen die Hoffnung und das Vertrauen auf, dass wir auf den anderen setzen.

Liebe Schwestern und Brüder, zu Beginn habe ich gesagt, dass das heutige Evangelium sehr viele Geschichten enthält – aber genau der Blick auf das große Ganze öffnet auch den Blick in die Zukunft. Ich wünsche uns, dass es auch uns immer wieder gelingt, den Blick für das Ganze zu Öffnen – Für das Ganze in unserem Glauben - und für das Ganze in unseren Freundschaften und Beziehungen. Wenn wir das tun, werden sich Tiefen zeigen – aber auch Höhen; da wird sich Versagen zeigen – aber auch Freude; da werden sich schöne Erlebnisse zeigen – aber auch Tränen. Und man vergisst niemals den Menschen, mit dem man geweint hat.

Liebe Schwestern und Brüder, ich wünsche uns, dass wir den Blick auf das Ganze nicht aus den Augen verlieren – denn hier eröffnet sich unsere Zukunft. Unsere Zukunft miteinander und unsere Zukunft mit dem Auferstandenen Christus!

Amen.

 

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