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"Das Gute erwählen"

Predigt zum 16. Sonntag im Jahreskreis / 21.07.2013

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

ich habe vor kurzem einen Beitrag gelesen, in dem der Verfasser über das heutige Evangelium schreibt. Er schreibt,  dass es in diesem Evangelium um eine Art Trennung zwischen der Alltagswelt und dem Religiösen gäbe. Dabei bedauert er es, dass dem materiellen und aktiven (im bibl. Text verkörpert in der Marta) oft dem    Vorzug gegenüber dem Glauben und Hören auf Gott (Haltung der Maria) gegeben werde. Und die religiöse     Welt, das sich dem Glauben zuwenden sei besser als sich von den Dingen des Alltags in Beschlag nehmen         zu lassen. Den es heißt ja im Evangelium: „Maria hat das bessere erwählt“.      Sicherlich hat der Autor Recht, wenn er dazu auffordert, der religiösen Dimension in unserem Leben Platz zu geben. Jedoch lässt das heutige Evangelium keine Wertung der Haltung der Maria und der Marta zu. Aber um dem Evangelientext gerecht zu werden, müssen wir zum einen in die historischen Gegebenheiten schauen – und zum zweiten in den griechischen Originaltext, denn da tut sich eine andere Botschaft auf.

Schauen wir zuerst einmal in die historische Gegebenheit. Ein Haus zur Zeit Jesu bestand im Gegensatz zu heute nur aus einem Raum, in dem sich das gesamte Leben abspielte. In diesen Raum arbeite man, erholte man sich, schließ man. Oft waren auch die Tiere hier mit untergebracht. (Das erklärt z.B. auch den Text in Mt. 5:  Man       zündet ein Licht an, damit es allen im Haus leuchte. Das war kein Problem, da es ja nur einen Raum gab. Alle drei Personen waren also in einem Raum - nah beieinander.

Auch ein Blick in den griechischen Text erschließt und verändert die Situation: In der Einheitsübersetzung heißt es, dass Marta zu ihm kam, in einer anderen, dass sie hinzutrat. Der Text kann aber auch so übersetzt werden, dass Maria  „innehält“, ihr etwas bewusst wird.

So können wir uns die Situation also so vorstellen: Jesus ist zu Besuch bei Marta und Maria. Er spricht mit Ihnen – beide sitzen bei Ihm, jedoch jeder auf seine Weise: Maria sitz da und hört zu – Marta sitzt bei ihm, hört zu und tut etwas, was sich auf dem Gast bezieht. Vielleicht rückt sie die Teller zurecht, stellt etwas hin oder ähnliches. Es sind also beide ihm Raum und hören Jesus zu – jeder auf seine Weise. Marta verweilt auf Ihrer Weise in der Gegenwart Jesu – und möchte, dass es Maria auf die gleiche Weise tut. „Sag Ihr doch, die soll das Gleiche tun wie ich!“

In diesem Text finden wir die Erfahrung der jungen christlichen Gemeinde, an die der Evangelist Lukas schreibt: Und das ist die Erfahrung der Verschiedenheit. Die Gemeindemitglieder spüren, dass Christen ihren Glauben verschieden leben und auch unterschiedliche Berufungen haben. Und es gab dann auch immer die Versuchung, das eine Auf-  und das Andere abzuwerten. „Was ist wichtiger?“  - „Was ist besser?“ – „Was ist richtig und was falsch?“

Mit dieser Thematik befassen sich auch noch andere Texte, z.B.: Lk9  - Der fremde Exorzist – Jesu Botschaft „Hindert ihn nicht! – keiner der in meinem Namen Gutes tut kann schlecht von uns reden.“ / Apg.: Frage, ob Heiden zuerst Juden werden müssen, um Christ zu werden. Entscheidung, dass dies nicht notwendig ist.

„Was ist richtig, was ist besser?“ – Diese Frage durchzieht verschiedene Texte. „Ist nur dass zulässig, wie wir es sehen und meinen? Oder gibt es auch anderes?“ Wer legt fest, was richtig ist? Im biblischen Text heute möchte es Marta tun: „Sag ihr doch, dass Maria auch das tun soll, was ich tue? Sag Ihr, dass sie ihre Gastfreundschaft – Ihren Glauben genauso leben soll wie ich.

„Sag ihr, dass sie Ihre Gastfreundschaft – Ihren Glauben genauso leben soll wie ich.“ Denn nur das ist richtig und gültig. Das haben auch immer wieder Religionen und Konfessionen getan – und tun es oft auch heute noch: „Nur unser Glaube und Religionsausübung ist richtig – nur unser Gottesbild ist wahr – Alle müssen das tun, was wir tun. Ein solches Denken hat in Vergangenheit auch unsere Kirche geprägt – die Streitigkeiten in den Jahrhunderten     nach der Reformation. Ein solches Denken prägt auch heute noch radikale Gruppierungen einer Religion und Konfession. Ich denke hier zum einen an die Piusbruderschaft, die die Religionsfreiheit, die auch das II. Vaticanum formuliert hat, ablehnt. Ich denke an Religionen, die Anhänger anderer Religionen verfolgen, verurteilen und verhaften. Auch hiervon hören wir immer wieder in den Medien.

Das heutige Evangelium gibt eine beeindruckende Antwort, die in der Einheitsübersetzung nicht korrekt übersetzt wurde: "Maria hat das Bessere erwählt, dass soll ihr nicht genommen werden.“ Nach dieser Übersetzung scheint es, eine Qualifizierung zu geben. Das eine ist besser, das andere schlechter. Im griechischen Text steht jedoch „Maria hat das Gute erwählt“ – nicht das Bessere. "Maria hat das Gute erwählt.“ Was ist dieses Gute, was Maria erwählt hat? Es ist ihr Glaube - ihr Verweilen in der Gegenwart Jesus – das auf Ihn Hören. - Das Gleiche hat auch Marta erwählt: Das Bleiben in der Gegenwart Jesu und das auf Ihn Hören, aber auf eine andere Weise als Maria -  Auf Ihre Weise.  So wird in diesem Text deutlich, dass es nicht um eine Qualifizierung geht, nicht um ein Besser oder Schlechter, sondern darum, dass es auf das Festhalten an Jesus, auf den Glauben ankommt. Jede Berufung wertvoll ist nicht die eine mehr und die andere weniger. Auch sind die verschiedenen Formen des Glaubens gut – wenn die Menschen das Gute – die Gegenwart Gottes – ins sich tragen und diese annehmen und das in ihrem Leben umsetzen. So formuliert auch das 2. Vatikanum diesen Gedanken, wenn es dort heißt, dass die katholische Kirche nichts von alledem verurteilt, was in anderen Religionen wahr und heilig ist. Auch dort haben  Menschen auf Ihre Weise das Gute erwählt. Das soll ihnen nicht genommen werden. Und auch wir haben das Gute erwählt - den Glauben und das Bleiben bei Gott. Das darf auch uns nicht genommen werden.

Amen.

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