Startseite | Gottesdienst | Aktuelles | Seelsorgebereich | Kontakt | Bilder | Infos | Spirituell
Boxbild
  Druckversion   Seite versenden

(PredigtML.jpg; 34 kB)
 

  

"Die Erzählung vom barmherzigen Samariter. Wo ist unsere Rolle in der Geschichte?"

Predigt zum 15. Sonntag im Jahreskreis / 14.07.2013

  

  

Liebe Schwestern und Brüder,

die Erzählung vom barmherzigen Samariter - Was wäre dazu noch zu sagen? Wir alle kennen sie und die Botschaft, die Aufforderung zur Nächstenliebe scheint klar und eindeutig zu sein.   Was wäre zu diesem Evangelium noch hinzuzufügen, was wäre noch zu sagen, was wir nicht schon wissen? Wir wissen, dass Menschen unter die Räuber fallen – damals wie auch heute. Das ist nichts Neues – wir wissen, wie es im Leben zugeht. In der Zeitung und im Fernseher erfahren wir immer wieder aufs Neue, wie Menschen Opfer von Gewalt, Unruhen und Krieg werden. Menschen fallen unter Räuber, da ist es heute nicht anders als damals.

Nichts Neues. Aber fragen wir einmal „Wo ist unser Platz in dieser Geschichte?“  

Zum einem sind wir sicher auch diejenigen, die sozusagen überfallen und ausgeraubt werden – wenn wir zum Beispiel belogen und hintergangen werden. Wir fühlen uns als Betrogene, wenn andere über unser Leben bestimmen und uns die Freiheit nehmen. Wir fühlen uns als Betrogene, wenn wir davon hören, dass Firmen  Menschen überwachen und belauscht. Ich bin einmal gespannt, welche Dimensionen in der Überwachungsaffäre noch zutage treten. Die Empörung über dieses Abhören ist groß und Menschen fühlen sich in ihrer Würde und Freiheit zu Recht verletzt. Es ist unmenschlich, wenn  Menschen belauscht und abgehört werden und keinen Raum mehr für persönliche Gespräche, die keinem anderen etwas angehen.  

Ja, zum einen fühlen wir uns hier als Opfer. Zum anderen gehören wir vielleicht aber auch selbst zu den Räubern. Das muss nicht immer extrem sein, wie Diebstahl oder Mord. Auch auf andere Weise werden Menschen zu Mördern, z.B.  zu Rufmördern – wenn man nur noch schlecht über Andere herzieht und kein gutes Wort für sie übrig hat. Oder Menschen können zu Mördern der Lebensfreude werden. Oft genügt ein hartes Wort – ein „nicht ernst nehmen“ – es genügen schon kleine Gehässigkeiten, Gemeinheiten, um anderen die Freude am Leben und am Beruf zu rauben. Stickwort „MOBBING“.

Wo ist unser Platz in dieser Geschichte?

Gehören wir vielleicht zu denen, die wie der Priester vorrübergehen? Es wäre falsch zu sagen, dass wir uns nicht kümmern würden. Es gibt oft eine große Solidarität bei Unglücken, wie wir es erst vor kurzem beim Hochwasser erlebt haben. Es gibt z.B. die Caritas und Misereor, Wärmestuben und die Tafel und vieles mehr. Wir haben in unserem Land gottseidank ein soziales Netz, dass Arme und Schwache auffängt – und wir alle leisen dazu unseren Beitrag durch die Steuern, die wir zahlen. Es ist alles organisiert, die Zuständigkeiten geklärt – aber das entbindet uns nicht von unserer persönlichen Verantwortung.

Liebe Schwestern und Brüder, ich habe vor kurzem eine Geschichte gelesen. Sie handelt zwar vom Teufel und Die beschriebene Situation lässt sich theologisch und menschlich doch sehr hinterfragen, aber Trotzdem hat sie mich nachdenklich macht. Ich möchte sie Ihnen kurz erzählen: Die Hölle war total überfüllt, und noch immer stand eine lange Schlange am Eingang. Schließlich musste sich der Teufel selbst herausgehen, um die Bewerber fortzuschicken. „Bei mir ist alles so überfüllt, dass nur noch ein einziger Platz frei ist“, sagte er. „Den muss der ärgste Sünder bekommen.“ – Und nun forschte er unter den Anstehenden und hörte sich deren Verfehlungen an. Was auch immer sie ihm erzählten, nichts schien ihm schrecklich genug, als dass er dafür den letzten Platz in der Hölle hergeben mochte. – Wieder und wieder blickte er die Schlange entlang. Schließlich sah er einen, den er noch nicht gefragt hatte. „Was ist eigentlich mit Ihnen, dem Herrn, der da für sich allein steht? Was haben Sie getan?“  „Nichts“ sagte der Mann, den er so angesprochen hatte. „Ich bin ein guter Mensch und nur aus Versehen hier. Ich dachte, die Leute ständen hier um Zigaretten an.“ „Aber sie müssen doch etwas getan haben“, sagte der Teufel. „Jeder Mensch stellt etwas an.“ - „Ich sah es wohl“, sagte der gute Mensch, „aber ich hielt mich davon fern. Ich sah, wie Menschen ihre Mitmenschen verfolgen, aber ich beteiligte mich niemals daran. Sie haben Kinder hungern lassen und in die Sklaverei verkauft. Sie haben auf den schwachen herumgetrampelt und die Armen zertreten. Überall um mich herum haben Menschen von Übeltaten jeder Art profitiert. Ich allein widerstand der Versuchung und tat nichts.“ „Absolut nichts?“ fragte der Teufel ungläubig. „Sind Sie sich völlig sicher, dass Sie das alles mitangesehen haben?“ – Vor meiner eigenen Tür“, sagte der „gute Mensch“. – Und nichts haben Sie getan?“ wiederholte der Teufel. – „Nein!“   „Komm herein, mein Sohn, der Platz gehört dir!“

Eine Geschichte, die mich berührt. Sie führt vor Augen, dass wir viele Chancen ungenutzt lassen und manchmal lieber schweigen und uns raushalten, als uns für etwas einzusetzen und versuchen, etwas Positives zu bewirken. Auch in unserem Schuldbekenntnis bekennen wir: „Ich bekenne, dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe.

„Ich bekenne, dass ich das Gute unterlassen habe“.   Manchmal ist es schwierig, das Gute zu tun – weil wir nicht immer wissen, was das Gute und Richtige im Augenblick sein soll.   Ich wünschte mir manchmal, dass Gott deutlicher sprechen würde – sich mehr zeigen würde, damit ich wüsste, was gut und richtig wäre. Aber leider höre ich ihn oft nicht und das macht das Leben dann schwierig. Es gibt oft aber auch Situationen, in denen mir mein  Menschenverstand sagt, wo ich gebraucht bin. Mir ist bewusst, dass ich gefragt bin, wenn es um ausgeschlossene Menschen geht (Ausländer, Kranke und Behinderte. Um ungeborenes Leben) – und ich spüre: Das sind meine Nächsten - Hier bist Du berufen, dich für ihre Würde und Akzeptanz, für das Recht auf Leben und soziale Teilhabe einzusetzen – vielleicht in einem persönlichem Gespräch – oder in einer Diskussionsrunde. Oder: Ein Ehepaar mit vier Kindern sucht eine Wohnung oder ein Arbeitsloser sucht eine Arbeit. Dafür gibt es natürlich auch die entsprechenden Ämter und Stellen. Aber bin nicht auch ich gefragt? Bin nicht ich Ihr Nächster, wenn ich   Ihrer Not zuhöre und ihnen Mut mache. (Am Ende meiner Schulzeit hat es auch bei mir nicht sofort mit einer Arbeit geklappt. Es hat gut getan, als ich im Zug einer Schulfreundin davon erzählte.  Sie hörte mir zu und sagte irgendwann: „Das wird schon“. Nicht flapsig hingeredet – sondern bestätigt: Ich glaube an Dich!)  Oder noch ein drittes Beispiel: Was nützt es einem Gehbehinderten, der alleine lebt, seine Rente, wenn er nicht alleine die Treppe hinauf kommt. Da sind wir die Nächsten, die das sehen.

Liebe Schwestern und Brüder, die Beispiele könnte man beliebig fortführen. Auch wenn wir das Evangelium schon zu Genüge kennen, so lädt es uns ein, unsere Augen zu öffnen.  Und es macht deutlich, dass es nicht immer großes sein muss – sondern dass es vielmehr auf meine kleine Tat ankommt – dass es darauf ankommt, menschlich zu sein und zu handeln. Es kommt nicht darauf an, dass wir große Versprechen und Pläne machen, sondern darauf, dass wir im Kleinen Menschlichkeit leben. Das Evangelium möchte uns die Augen dafür öffnen, wo unsere Menschlichkeit gebraucht wird – wo wir die Nächsten sind. Amen

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.Ok, verstanden.