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"Der Mensch muss sich nicht alles gefallen lassen" - Freiheit als Menschenrecht   

Predigt zum 13. Sonntag im Jahreskreis

  

Liebe Schwestern und Brüder, in der Zeitung „Die Zeit“ war vor kurzem ein beeindruckender Artikel mit der Überschrift „Revolution der Würde“ zu lesen. In diesem Bericht beleuchtet der Verfasser das verbindente Element verschiedener Aufstände der Geschichte - früher in Ägypten und Tunesien, in der Französischen Revolution, heute in der der Türkei, Brasilien und Russland. Und er sagt, das verbindene Element dieser und anderer Aufstände sei die Botschaft: „Der Mensch muss sich nicht alles gefallen lassen.“

„Der Mensch muss sich nicht alles gefallen lassen“ – diese Botschaft finden wir bei vielen Demonstrationen und Aufständen: Zum Beispiel beim Aufstand der Sklaven zusammen mit Spartakus im Jahr 73 vor Christus. Auch die Französische Revolution, wo Menschen gegen die Unterdrückung aufstanden. Dieses Ereignis hat unsere Welt sehr verändert. „Freiheit –  Gleichheit – Brüderlichkeit“ waren die bedeutenden Worte. „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“ heißt es in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Als Folge der Französischen Revolution erhoben sich auch in Mitteleuropa um 1848 die Völker gegen ihre Landesherren – im sogenannten „Völkerfrühling“. Oder auch 1989 – als das Volk gegen die Regierung in der DDR demonstriert hat und diese stürzte.  In diesen und noch vielen Ereignissen anderen steckt die Botschaft, dass sich der Mensch nicht alles gefallen lassen muss. Z.B. auch bei den Demonstrationen in Griechenland gegen die immense Sparpolitik. „Der Mensch muss sich nicht alles gefallen lassen.“

Liebe Schwestern und Brüder, der Mensch hat etwas zu sagen – er hat, wie es ebenfalls die Menschenrechte sagen, das Recht zur eigenen Meinung und zur freien Meinungsäußerung. Gewiss, über Meinungen lässt sich streiten - das merken wir im Moment wieder bei den Diskussionen um das Schreiben der Evangelischen Kirche zu Ehe und Familie - 5. Theologische Orientierung.

Auch wenn Meinungen auseinandergehen und Menschen - oft auch zurecht - streiten - es wäre unter der Würde des Menschen, wenn er einfach nur alles hinnehmen und funktionieren muss. Schon 1789 wurden im 11. Artikel der französischen Menschen und Bürgerrechte wurde die Meinungsfreiheit als „eines der kostbarsten Rechte des  Menschen“ bezeichnet, das niemals entzogen werden darf. Zur Würde des Menschen gehört die Freiheit, er selbst sein zu dürfen und nicht alles über sich ergehen lassen zu müssen. „Der Mensch muss sich nicht alles gefallen lassen."

„Der Mensch muss sich nicht alles gefallen lassen“ – das sind sich auch die Einwohner des samaritischen Dorfes bewusst, die Jesus nicht aufnahmen. Der heutige biblische Text verurteilt auch in dieser Perikope die Anwendung von Gewalt in religiösen Angelegenheiten und verteidigt die Freiheit des Menschen. Auf die Frage, ob die Jünger von Himmel Feuer herabkommen lassen sollen um die Menschen zu vernichten lehnt Jesus das ab und weist sie zurecht: Der Glaube – das Annehmen Christus, das Annehmen Gottes kann einem Menschen niemals mit Gewalt aufgezwungen werden. Glauben kann nur aufgrund der eigenen Freiheit angenommen werden. Auf die Frage „Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet“ – auf dieses Spielen mit der Idee von Gewaltanwendung weißt Jesus die Jünger zurecht: Gewalt ist niemals ein Weg – ist niemals eine Lösung. Vor allem Religion und Gewalt passen nicht zusammen. Der Mensch ist frei! Das müssen die Menschen und auch die Religionen immer wieder lernen.

Das Thema „Freiheit“ – bildet eine Klammer und die biblischen Lesungen des heutigen Sonntags: In der Ersten Lesung aus dem Alten Testament erhält Elischa seine Berufung zum Propheten – aber auch die Freiheit, von seinen bisherigen Bindungen sich zu verabschieden. Der Mensch braucht soziale Bindungen – es gehört seinem Wesen – in Gemeinschaft zu leben. Daher erstaunt mich etwas die Radikalität im Evangelium, die das Rückschauen auf diese Beziehungen anscheinend komplett ablehnt. Das Verbot, seinen eigenen Vater zu begraben ist hier doch schon sehr schwierig – zudem wiederspricht es auch noch dem Dekalog – den zehn Geboten – Vater und Mutter zu ehren. Die Bestattung ist die letzte Ehre, die der Sohn seinem Vater erweisen könnte. Wahrscheinlich spielgelt sich in diesem Auftrag die Erfahrung de Evangelisten, dass sein Glaube, seine Gottesbeziehung so groß und bereichernd ist, dass es alles andere übersteigt.    In der zweiten Lesung heißt es sehr beeindruckend: „IHR SEID ZUR FREIHEIT BERUFEN!“    Und im Evangelium wird deutlich, dass diese Freiheit nicht nur Christen, sondern allen Menschen verheißen ist – ob gläubig oder ungläubig.

Liebe Schwestern und Brüder, die Freiheit ist ein Recht der Menschen – egal in welchem Land und in welcher Kultur sie leben. Sie darf niemanden genommen werden – von keiner Landesregierung, von keiner Gruppe und auch von keiner Religion - und auch Gott nimmt sie uns nicht. Die Freiheit ist der Raum, in dem der Mensch leben darf. Die Freiheit ist der Raum, im dem Menschen miteinander leben. Die Freiheit ist der Raum, in dem der Mensch glauben kann – in dem er Gott begegnen kann. Die Freiheit ermöglicht uns Menschen überhaupt erst Menschlichkeit – weil wir hier erst und für- oder gegeneinander entscheiden können. Und die Freiheit ermöglicht uns erst den Glauben – weil wir erst in Freiheit unser Ja – oder unser Nein zu Gott sprechen können.

Amen.

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