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10. Sonntag im Jahreskreis

L1: 1 Kön 17,17-24 L2: Gal 1,11-19 Ev: Lk 7,11-17

Predigt

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ich glaube an die Auferstehung der Toten“ – diese Überzeugung spielt im Christentum eine zentrale Rolle, verschiedene biblische Texte sprechen davon – und auch in unserem Glaubensbekenntnis sprechen wir diese Hoffnung und Überzeugung aus. Wir glauben fest, dass mit dem Tod nicht einfach alles aus und vorbei ist, sondern das es danach etwas gibt, auch wenn wir es nicht genau beschreiben können. Im 1. Johannesbrief heißt es: „Jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ - „Was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden“ – Bei aller Zuversicht haben wir keine genaue Beschreibung des Lebens nach dem Tod.

Wie wird es sein? Die Theologen sind sich einig, dass diese Auferstehung von den Toden keine Rückkehr in das Leben meint, wie wir es jetzt kennen – es ist keine Wiederbelebung des Leibs. Da scheint die heutige erste Lesung und das Evangelium etwas ganz anderes zu sagen: Im Evangelium wird bildlich beschrieben, wie Jesus zur Bahre hingeht, den Toten anfasste, in anspricht: „Ich befehle Dir: Steh auf!“ und der Verstorbene dann in das Leben zurückkehrt. Hier wird dem Sohn sozusagen eine zusätzliche Lebensspanne auf dieser Erde geschenkt.  Auch die Erzählung einer Totenerweckung im Alten Testament beschreibt die Auferweckung sehr bildlich: Elija nimmt den verstorbenen Sohn von der Frau, trug ihn in das Obergeschoss, legte ihn hin, flehte: „Herr, mein Gott, lass doch das Leben in diesen Knaben zurückkehren“ – was dann auch geschah.

Liebe Schwestern und Brüder, der eine oder andere wird sagen: „Das glaubst Du doch selbst nicht!“. Ja, wir dürfen zurückhaltend sein, wenn es um die Frage geht, ob diese reale historische Ereignis sind. Aber deswegen sind diese biblischen Texte keine Märchen oder Erfindungen - sondern sie sind Träger einer Botschaft, die wir entschlüsseln müssen.

Einen Verstehensschlüssel finden wir zum Beispiel ein einem Musical mit dem Titel „Franz von Assisi“ aus dem Jahr 1978. In einer zentralen Szene geht es da nicht um Auferstehung, sondern um Erweckung – Franz wird wach. In dem Lied „Requiem für einen reichen Jüngling“ hat Wilhelm Willms einen wunderbaren Einfall. Es werden drei Personen zu einer verschmolzen: Es sind Franz von Asssi und der tote Junge aus dem heutigen Evangelium. Dazu kommt als Dritter noch der reiche Jüngling, der zu Jesus kommt mit der Frage „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erlangen?“. In diesem Lied wird ganz eindrucksvoll erzählt, wie der reiche Jüngling so wie der junge Franz von Assisi schon in diesem Leben tot sind: Tod, weil sie Gefangen sind in ihrem luxuriösen Leben. So reich Franz auch ist – es scheint wie tot, da er nur da ist, um die Erwartungen der Eltern, Verwandten und des Umfeldes zu erfüllen. Er lebt nicht mehr – es wird in dem ganzen hin- und her geschoben soll nur funktionieren - er ist mehr tot als lebendig. Es scheint fast wie ein Trauerumzug zu sein – groß und prächtig – er aber ist der Tode. Die Situation ändert sich durch die Begegnung mit dem Auferstandenen: Franziskus und der reiche Jüngling werden wiederbelebt – herausgeholt aus dem, was sie gefangen hält. Bei Franziskus ist es ein kompletter Bruch mit dem bisherigen leben er wird zum Aussteiger – und genau dadurch lebendig: Ohne Zwänge seiner Gesellschaft. Genau dadurch wird er zu einem Erneuerer, der viele Menschen auch heute noch begeistert. Und Franziskus wurde dadurch auch zu einem Erneuere der Kirche

Liebe Schwestern und Brüder, „Wir glauben an die Auferstehung der Toten und das Ewige Leben.„ Dieser Satz des Glaubensbekenntnisses bezieht sich zum einem auf das Leben nach dem irdischen Tod – zum anderen aber auch zum Leben hier und heute! Bei einer Führung sagte einmal ein Ordensmann: „Wenn ich die Auferstehung nicht hier in meinem Leben spüre – dann brauch ich sie nicht.“ „Wenn ich den Frieden die Freiheit, die Christus uns verheißen hat, nicht hier in meinem Leben und in dieser Welt spüre, dann brauche ich sie nicht.“ Da macht er ganz deutlich, dass der Glaube seine Relevanz, seine Bedeutung und Wirkung sich in meinem Leben zeigen muss. Glaube darf keine Vertröstung sein.  Und darum geht es auch in diesem Evangelium heute: Dass da, wo in Deinem Leben das Leben erstarrt ist und wo Menschen nichts mehr erwarten, etwas von dieser Wirkung zu spüren ist. Das wie hier und heute den Aufruf Jesu spüren „Steh auf“. Wenn mir mein Glaube nicht hier und heute Mut macht und Kraft gibt, aus dem, was mir Angst macht und mich zu ersticken bedroht heraus reist, dann brauche ich ihn nicht.  So lädt und das Evangelium ein, darüber nachzudenken, für wen heute dieser Tode Jüngling auf der Totenbahre steht. Vielleicht steht er für unsere Kirche. Denn trotz allem Glauben herrscht da so manche Grabesstimmung. Für die einen scheint die Kirche leblos zu sein - wenig anziehend. Für andere scheint sie in einer Art Leichenstarre, da viele notwendige Reformen nicht oder zu wenig angepackt werden. Für wieder andere sind viele Ideen des zweiten Vatikanischen Konzils im Sand verlaufen und Hoffnungen enttäuscht. Hier braucht es immer wieder den Ruf Jesu „Steh auf“ – und geh weiter. Hab nur Mut und fürchte Dich nicht vor Veränderungen.  Vielleicht steht der Jüngling auf der Bahre für uns, wenn Routine, Ängste, Abhängigkeiten und Süchte und in ihrem Bann gefangen halten und wir alleine nicht weiterkommen.  Von den Leichenzügen unserer Zeit lesen wir täglich in der Zeitung:  Wenn Herrscher ihr Volk demütigen, wenn immer weniger Menschen immer mehr von den Gütern dieser Erde besitzen, wenn für Profit und wirtschaftliche Macht im wahrsten des Wortes über Leichen gegangen wird – Da werden wir selbst Teilnehmer dieser Leichenzüge, wenn wir in Hoffnungslosigkeit erstarren und zu all dem schweigen?

Liebe Schwestern und Brüder, wir haben das heutige Evangelium gehört. Wir dürfen es aber nicht als ein Märchen oder eine Geschichte sehen – das ist es nicht. Wir dürfen es auch nicht als etwas Vergangenes lesen – und auch nicht als ein alleiniger Blick in die Zukunft – das wäre nur Vertröstung. Wir müssen es lesen als einen Ruf an uns – der hier und heute erschallt und auch etwas bewirkt – sonst brauchen wir ihn nicht.  Die Stimme Jesu – sein Ruf „Steh auf“ soll auch uns immer wieder erreichen – damit wir aufstehen und gehen – selbst entscheiden und uns nicht herumführen lassen. Und damit auch wir sprechen – und zu Wort melden – unsere Stimme erheben. Mit Jesu Hilfe dürfen wir als lebendige Menschen leben, Worte und Taten finden, die dem Leben dienen – für uns selbst und für andere.

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